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Wiesbaden. Mittwoch, 16. April
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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, tänlich in einem Doaen — .
"7^ die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Znserate werden bereitwillig aufg?n!mmen 7nd sind ^ der '" ^io-baden , ff. 45 fr., auswärts
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Die Nestauratio»».
X Die österreichische Antwort ist in Berlin einge- troffen, doch Schweigen herrscht über ihren Inhalt, der demnach jedenfalls kein erbaulicher ist. Manteuffel sprach vor einigen Tagen schon von ernsten, schweren Prüfungen, die Preußen noch zu bestehen habe — sehr natürlich! Oesterreich sollte nachgeben? Wo läge denn der Grund dazu? Was ist seit Kurzem geschehen, das zu solcher Hoffnung berechtigte? Nach der definitiven Unterwerfung Preußens unter Oesterreich kommt an dieses die Reihe: Rußland dringt unter gewissen Verhältnissen, welche in Frankreich jetzt vorbereitet werden durch die reaktionären Gewalten, auf einen Zug nach Paris. Schon ist die Sache laut der „OPAZ." zu Berlin in Hoyern K eisen Tagesgespräch, schon hat ein dortiger Diplomat bei einem Festmal die kecke Aeußerung gethan, „es sei Schade, daß Preußens herrliches Heer nicht zur vollen Niederwerfung der Revolution in Europa verwendet werde!" DieP:enßen sollen voran als Kanonenfutter: diese Ketzer, diese Denker auf die Franzosen gehetzt, die Truppen aus den übrigen deutschen Staaten hinterher — und wenn Deutschland so in Frankreich beschäftigt ist, rücken die guten Freunde aus Rußland nach und besetzen das Land zwischen Oder und Rhein, damit Alles wohl gehe und der Absolutismus lange lebe auf Erden. Es ist dies der alte Plan, der nur aufgeschoben, doch nicht aufgehoben war. Und die neuesten Experimente des Präsidenten Louis Bonaparte find ganz dazu geeignet, diesem Mesfiasreiche die Pfade zu ebenen. Man zwingt die französische Nation muthwillig zu einer neuen Schilderhebung! Zum Glück ist die öffentliche Meinung in Europa so weit gereift, daß sie sich keinen blauen Dunst mehr Vormagen läßt. Oder giebt es diesseit der Weichsel noch einen Zeitungsleser, der in den diabolischen Ranken der russischen Diplomatie nicht klar sähe? Selbst den entschiedensten Helfershelfern der Restauration dürfen wir nachgerade so viel Einsicht zutrauen, daß sie wissen, wie sie die ganze europäische Civilisation auf's Spiel setzen, wie sie Wohlstand und Bildung, Wissenschaft und Kunst, Gesittung und Gesinnung, kurz wie sie die' ganze Arbeit des menschlichen Geistes seit 1800 Jahren in die Schanze schlagen müssen, wenn diese Restauration befestigt werden soll; doch sie liefern Alles, Alles, Alles aus, kein Opfer ist ihnen schwer genug, wo es der Befestigung der „fürstlichen Autorität" gilt. Und beweist nicht grade dies mehr als jedes andere Zeichen der Zeit, daß die Revolution noch fort und fort Europas Eingeweide durchwühlt? Die Bewegung für die Volkssouveränität war nicht radikal genüg, sie wähnte sich noch mit der Fürstensouveränität vereinbaren zu können ; doch die Reaktion rief, sobald sie sich wieder stark genug fühlte: „Wir wollen Eure Vereinbarung nicht, wir wollen Gehorsam und keinen Rechtsboden. Wir
kennen die Quellen eurer politischen Ketzereien: es ist die deutsche Wissenschaft, die protestantische Weltanschauung, der Dünkel der Vernunft, der Frevel der Prüfung, des Zweifels, es ist die Majestätsbeleidigung des Denkens! Diese Quellen gilt es zu verstopfen allüberall, in Paris und Berlin, in den Schulen und auf Kanzeln und Kathedern, “in den Familienkreisen und in den Gemeinden, in den Kammern und Gerichtssälen!" Erst wenn auf den rauchenden Trümmern der europäischen Menschheit die asiatische Barbarei ich- Banner aufgepflanzt-, erst wenn sie alle beseitigt hat,'diese Denker und Dichter/ geistlichen und weltlichen Redner, dicsc Juristen und Schulmänner, diese Schriftsteller, und Alle, in denen noch ein Hunderttheilcheu von Selbst- denken lebt, in denen noch ein Prometheusfünkchen unter der dicken Aschenlage glimmt, erst wenn alle „Heiden des Westens", um russisch zu reden, vertilgt sind, dann erst ist die Restauration fertig. Doch dann wird es auch kein Preußen und kein Oesterreich mehr geben — das Reich des weißen Czar wird reichen, so weit das europäische Festland reicht und die Aeußerungen von den Kursen und den Oberknesen unter deS Ezaren Oberhoheit, von denen 1848 die russischen Soldaten fabelten, ist Wahrheit und Wirklichkeit geworden.
Aber ist denn dies möglich?!- Fraget vielmehr: ist dies nicht nothwendig, wenn der Wstie der Cou- trerevolutiou ohne Widerstand als Gesetz herrschen soll! Konsequent bis zum Aeußersten muß die Restauration ausgeführt werden oder sie ist verloren. Wer sich darüber noch Illusionen macht, der kann das politische ABC noch nicht. Was wir aber mit dem Allen unsern bkutjchen Brüdern ans Herz legen wollen, ist die Lehre, daß jeder, wer der Restauration eine Konzession macht, jeder, der von der Gewissens- und Denkfreiheit, von den heiligen Mensche--r.-chteu, von den Errungen schäften der Gesittung und Bildung ein Haarbreit zum Opfer bringt, daß jeder, der mit dieser Restauration kapitulirt — die Mitschuld mit auf sich ladet und die furchbare Verantwortung mit auf sich nimmt, welche aus solchem ungeheuren Unheil und Verderben erstehen wird. Mit Verblendung oder Irrthum kann sich niemand mehr entschuldigen; jedes Kino weiß, daß es sich in dieser Katastrophe um die Zukunft nicht eines Standes oder eines Volkes, nein daß cs sich um Sein oder Nichtsein der Kationen eines ganzn Welttheils handelt, um Bestätigung oder Vernichtung aller Siege der Wissenschaften und Künste, daß es sich darum handelt, ob die Welt erlöst werden soll von der Finsterniß der Barbarei und Knechtschaft, oder ob sic zurückgeschleudert werden soll in die rohen Zustände des asiatischen Despotismus, wo jede Entwickelung aufhört und das Völkerleden nur ein steter Kreislauf von Entstehen und Vergehen, nur das Begeliren verthierter beerben ist.
Ein englisches Urtheil über den Bundestag.
-l- England ist von preußischen Staatsmanne, n einst das Land der Erbweisheit genant worden. Jedenfalls haben die Engländer, so manchen Vorurtheilen sie sonst noch huldigen, ein gut Stück gesunden Menschenverstand und viel Aufrichtigkeit. Der „Globe" bietet davon einmal wieder einen schlagenden Beweis. Wie die englischen Politiker über die neuesten Triumpfe der Nestaurationspolitik urtheilen, mag folgende Stelle aus dem „Globe" lehren:
„Die Dr-.sdener Konferenzen haben dahin geführt, daß für Central-Europa keine Alternative ist zwischen einer kommunistischen Revolution und der Rückkehr zur schachmattesten und schwerfälligsten Maschinerie, Die je von ihren eigenen Erbauern verurteilt und überhaupt nur gerechtfertigt war durch den Vorwand ihrer bloßen rein provisorischen Nothwendigkeit.
„Englische Staatsmänner müssen klärlich verstehen, was eine Rückkehr zum alten Bundestage in der politischen Phraseologie Deutschland bedeutet. Sie bedeutet die freiwillige Unterwerfung aller deutschen Stämme unter eine exekutive und berathende Behörde, welche Lord Castlereagh und Fürst v. Metternich und der Kaiser Alexander vor 36 Jahren für einen Skandal der konsiituttonellen und legislativen Fähigkeit der europäischen Diplomatie erklärten, wie man die letztere im Jahre 181ö betrachtete. Er wurde von diesen berühmten Ramen blos adopurr als daS letzte Mittel, die Macht Baierns und Würtembergs der Ligue gegen Napoleon zu sichern; — und mehr als ein Dri tte lj a h rhu n dert nachher wird Deutschland eingelaven, sich in die Ketten zurückzubegeben, welche Die konservativste» Staatsinäii 11 er sogar jener Epoche init Widerwillen und Scham ihrer jungen Civilisation, Literatur u n d Gesellschaft auf« legte ii."
Deutschland.
△ Diez, 11. April. In Nro. 80 der „Freien Zeitung" hat ein neuer Ritter aus dem Kreise Hadamar die Lanze für Hrn. Kreisbezirksratp Lorenz eingelegt; es wird uns nicht wundern, wenn in den nächsten Blättern noch ein Ritter aus dem Kreisamt Nassau mit geschlossenem Visier auf den Correspon« deuten dieses ansprengeu wird, das Trifolium wird alsdann geschlossen sein. Doch wir haben nicht nöthig, die verschiedenen Ritter zu fürchten, da wir bloß in Dienste der Wahrheit schreiben. Den fraglichen Artikel aus dem Kreise Hadamar wollen wir nicht widerlegen, da solcher eine Rekapitulation des aus dem Kreise Limburg ist. Wir haben uns vergebens um eine faecuche Widerlegung umgesehen. Es scheint uns, daß Der Ritter aus Dem Kreise Hadamar Die Verhältnisse und die Sache
Eine Erinnerung an Kossuth •).
Wer die kummerbeladenen Männer mit den sonnverbrannten Gesichtern gebeugten Hauptes Kossuth umstehen sah, als dieser in der Schumlaer Kaserne seine Abschiedsworte zu ihnen sprach, wer die Zähren über die Wangen der schnurrbärtigen Honveds fließen sah, als ihnen Kossuth Lajos Lebewohl sagte: dem wird die Erinnerung die alte Garde ins Gedächtniß gerufen haben, welche Napoleon ihre Treue bis zum letzten Augenblick bewahrte. Die oft in Bildern gesehene rührende Scene „Napoleons Abschied von seinen Getreuen in Fontainebleau," stellte sich am 15. Febr. 1850 meinen Augen lebendig dar.
Still lauschten sie auf jedes seiner Worte, um deren wohlthuenden Klang noch lange im Geiste forttönen zu hören. Nicht minder blickte Kossuth thränenden Auges jedem Einzelnen ins Gesicht, um die Züge seinem Gedächtnisse einzuprägen. Tief ergriffen, wie er war, sprach er mit zitternder Stimme: „Brüder! dkl- erste schwere Schritt meines Lebens war für mich der, als ich den vaterländischen Boden und meine edle Nä- tion verlassen mußte; den zweiten zu thun, werde ich heute gezwungen, indem ich von den Neberresten der tapfern ungarischen Armee, von Euch mich trennen muß,
*) Aus Hauptmann Korns intnkssantem Werke: „Neues« t5hre»u der Magyaren ic.
und mich gewaltsam fort aus Europa, lebendig nach einem Orte gebracht sehe, wo mein Grab vor mir geöffnet ist. Ihr seid noch kräftig und stark, Ihr kommt noch an die Reihe, fürs Vaterland Die Waffen fuhren und für dessen Freiheit kämpfen zu können, was mir nicht vergönnt sein dürfte, da ich meine Kräfte mit jedem Tage schwidneu fühle. Ich folge der unbeugsamen Fügung des Schicksals uns sehe mich zu demselben traurigen Loose des Exils verurtheilt, welches meinen Vorgänger Rakoczy traf. Brüder! Ihr seid noch jung genug, um daS Vaterland in seiner Wiederbefreiung sehen zu können. Wenn Ihr so glücklich seid, dies zu erleben, so beschwöre ich Euch, laßt meine Gebeine nicht in fremder Erbe, im Barbarenlande luhen! Ihr versprecht mir es wohl und werdet es au h, davon bin ich überzeugt, getreu erfüllen."
Hier trat Graf Ladislaus Bay mit entblößtem Haupte auf Kossuth zu und rief mit männlich kräftiger Stimme:
„Großer Mann! der Du rein und makellos vor den Augen der Welt dastehst, Dei^ Die ungarische Nation noch heute, so wie an dem Tage, wo sie Dich zu ihrem Regenten erwählte, hoch verehrt, Du wirst und sollst, Du mußt leben! Nicht Deine Gebeine. Dich lebend bringen wir ins Vaterland zurück! Dies schwören wir bei Gott dem Allmächtigen!!"
Und alle entblößten ihre Häupter, indem sie die
Hände zum Schwur eurporhoben und riefen feierlich: „Esküszüuk!" (Wir schworen!)
Kossuth küßte und umarmte die tym Zunächst- stehenden. Alles drängte sich hinzu, um seine Hand zu erfassen uiio mit Tpränen zu benedeit Die alten Husaren suchten nur noch einmal den Saum seines Kleides zu küssen. Die ganze Gruppe war perzerschnl- ternd mltanzusehen. Selbst die Türken, — was viel sagen will — wurden bei dem Anblick zu Thränen gerührt.
Man verfügte sich hierauf zum Grafen Cnsimix Batthanych um ihm ebenfalls ein herzliches Lebewohl zu sagen. Der Graf ließ der Emigration zum Angedenken viele schöne Beweise seiner edlen Seele zurück.
Kossuth bestieg sein Pferd, welches ihn davontrug. Das glanzende Gest rn am Firmanlentc Ungarns, von dem Die Nation ihr großes Licht empfing, verlor sich immer mehr, bis es ganz dem Gesichtskreise ent. schwand. Die W. Uen des Schwarzen Meeres gaben noch einen Reflex seines Schimmers und — eine lange Nacht folgt auf den kurzen Tag. —
Ei» engliscl>eS Haus.
Wer durch Die Straßen Londons einen Streifzug ma.yt, wird vergleithungsweis» nur selten prachtvolle Bauteil entdecken; Paläste und Kunstwerke sind eS