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Freiheit und ilechi!"

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^ 89» Wiesbaden. Dienstag, 13. April IK»ZL

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Dogen. Der Abonnexnentâpreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden > ff 45 kr., auswaris durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der-großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge. Die JnserationSgebühren betragen für die Vierspaltige Petitzcilc 3 kr.

Das neue Ministerium in Frankreich.

X Das französische neue Ministerium ist also end­lich da. In demselben befinden sich außer den drei Hauptmitgliedern des durch das Mißtrauensvotum vom 18. Januar gestürzten Ministeriums: ein von der Constituirenden durch ein Tadels-Votum gestürzter Mi­nister, Leon Fancher; zwei Minister, die dem Jiiterims- Cabinet angehörten und nicht Repräsentanten sind, Magne und Randou; zwei ehemalige orleanistische Konservative, Crouseilhes (zugleich Mitglied der Jesui­tenpartei, deren FührerMontalembert ist) und Chasseloup- Laubat; ein Freund des Vice-Präsidenten der Republik und des Elysee selbst, der mit Odilon Darrot Minister war, Buffet. Kein einziger der neuen Minister gehört der Majorität an, die am 18. Jan. die Mißtrauens- Erklärung gegen das Cabinet Baroche erließ. An der Börse war die Aufnahme nichts weniger als günstig, obwohl die 5pCt. um 20 C. stiegen; denn man fürch­tet jetzt ernste Ereignisse mehr denn je. Die Presse hat bereits ihren Wahrspruch gefällt und dieser lautet einer Verdammung gleich. DieDcbats" beobachten ein vielsagendes Schweigen, derConstitutione!" weiß das Kabinet nicht besser zu empfehlen als:Mehre sehr einflußreiche Mitglieder von verschiedenen Fraktionen der Majorität haben zur Bildung kräftig mitgewirkt." Doch was will das sagen? DieAssemblee nationale" nennt das Kabinetdas Ministerium des Trotzes", die,.Opinion publigue" tauft es,das Ministerium der Herausforderung", dasSi'ecle":das Ministerium der Katastrophe." Andere nennen esLouis Bonapartes letztes Ministerium. In der Natio­nalversammlung, wo sich die neuen Minister auf ihren Bänken befanden, las Leon Fauchec folgende, im Mi- m'sterrathe beschlossene Erklärung ab:

Das Ministerium, das sich heute zwm LaZ^w, Male vor Ihnen befindet . . . (Mehrere Stimmen: Nein! Nein! Sainte Beuver Ich verlange das Wort!) ich wiederhole es, das sich heute zum ersten Male vor Ihnen befindet, hält es für seine Pflicht, Sie von dem Gedanken in Kenntniß zu setzen, der seine Bildung geleitet hat. Mitglieder dieser gioßen Ma­jorität, die seit dem 29. Mai 1849 im Verein mit der Erecutiv-Gewalt eine regelmäßige Negierung wie- derhergestellt und die Ordnung befestigt hat, werden wir fortfahren, an diesem großen Werke zu arbeiten. Damit uns dies gelinge, wenden wir uns an Sie, an die durch gemeinschaftliche Prinzipien vereinigte Majo­rität. In Berücksichtigung der steigenden Unruhe des Landes und gestüßt auf die Absichten und biederen Erklärungen des Oberhauptes der -Erecutiv-Gewalt haben wir unser Zögern überwunden und die Geschäfte übernommen. Dem Gesetz gegen Jedermann Achtung zu verschaffen, die Autorität zu befestigen und die anar­chischen Faktionen zu bekämpfen, dies wird unser Ziel sein. (Das alte Lied!) Wir werden uns demselben

gänzlich hingeben, gestützt auf Ihre Mitwirkung und auf die Sympathie des Landes!"

Nach diesem Vortrag, der lautlos angehört wird, bestieg Saint Be uve Die Tribüne:Am verflossenen 18. Januar haben Sie erklärt, daß Die Minister, Die auf diesen Bänken saßen, nicht Ihr Vertrauen hätten, ein Votum, das Den Sturz dieses Ministeriums zur Folge haben mußte. Nach einer dem Rechte der Natio- nal-Versammlung dargebrachten Huldigung, die man für aufrichtig halten konnte, nach einem ministeriellen Inter­regnum von einigen Monaten, ausgefüllt von Männern, Die den Fehler ihres Ursprungs durch Die Bescheidenheit ihrer Haltung vergessen machten, erscheinen Die Männer, Die Sie gerichtet haben, wieder und bringen dieselbe Po­litik, Die Sie verdammt haben, mit sich zurück. Die Geschichte des parlamentarischen Systems in Frankreich und in Europa bietet kein Beispiel einer so verwegenen Herausforderung gegen eine Versammlung dar. Die Meinugen und Tendenzen dieser Männer sind dieselben, wie vorher. Die Frage stellt sich also vor Ihnen, ganz wie am 18. Januar. Die National-Versammlung ist in dem Bewußtsein ihrer Gewalt geduldig gewewesen. Allein Die G duld kann enUick zur Schwäche werden, wenn sie die Würde verl yl. Sie Dürfen nicht gestatten, daß Die Wahrheit der Dinge sich unter lügenhaften Formen ver­stecke : die Frage ist ganz dieselbe, wie am 18. Januar. Ich habe dauer die Ehre, Ihnen ohne weitere Ent­wickelungen folgende Resolution vorzuschlagen:Die National-Versammlung beharrt bei ihrer Resolution vom 18. Januar, wodurch sie erklärte, daß das Ministerium nickt ihr Vertrauen habe, und geht zur Tagesordnung über.""

Leon Fauch er entgegnete sofort:Die Regierung könne sich einen solchen Vorschlag nicht erklären. Wenn man das Kabinet über seine Politik interpellt hätte, so würde es geantwortet haben; statt dessen habe man sich bemüht, eine irritirende Erinnerung neu zu beleben, wa^dvs Cabinet wedarv Grwc^nocb Vorwand ab- gevell wolle.Man hat das Gespenst einer ^Art von 718. Brumaire heraufbeschworen ; allein zu unserer Zeit, an dem Orte, wo tote sich befinden, ist dergleichen nicht möglich. Die Nationalversammlung hat ein Recht auf AllecAchtung und sie empfängt dieselbe auch. Der ehrenwerthe Herr v. Sainte Beuve hat doch schwerlich einen Ostracismus gegen Persönlichkeiten ausüben wol­len, und wir können Da^r mit Recht sagen: Das gegenwärtige Cabinet ist ein neueS,^eiitstanden aus dem Drängen der Ereignisse und der öffentlichen Meinung. Das Cabinet, das Die Prinzipien Der Majorität zu den seimgen macht, wegen dieser Painzipien zu ver­dammen, wäre ein Widersinn: Sie werden es nicht thun."

Da mehrere Majoritatsmitglieder statt der Sainte Beuve'schen Resolution die einfache Tagesordnung be­antragten, so ließ der Vorsitzende, General Beveau, der Geschäftsordnung gemäß, über diese abstimmen. Die Linke verlangte öffentliches Botiren auf der Tri­büne; das ward jedoch nicht genehmigt und das ge­

wöhnliche Scrutinium fand unter ziemlicher Bcw-- gung und lebhafter Unterhaltung in einzelnen Grup­pen statt. Das Resultat war folgendes: Za,>l Dir Abstlmmenden 602, absolute Majorität 302. F ü r Die einfache Tagesordnung 327, dagegen 275 Der Berichterstatter derKöln. Ztg." giebt folgende bemerkenswerthe Andeutungen:Die National-Ver- sammlnng bietet, wie bei allen außergewöhnlichen Ge­legenheiten, einen beinahe festlichen Anblick bar; die Tribunen sind gefüllt von Zuschauern, unter denen eine Menge Damen in eleganter Toilette; auch die meisten Diplomaten sind anwesend, und in der Tribune des Präsidenten der National-Versammlung bemerke ich Guizot, Duchatel, Dumon und sonstige politische No. tabilitäten. Der Angriff des Hrn. Ste. Beuve auf das neue Kabinet war heftig, doch konnte man bemer­ken, daß er nur geringen Eindruck hervorrief; ou Antwort Leon Faucher's wurde mit eisiger Kälte an- gehört. Neutralität, das ist wohl das rechte Worr für die Stellung, welche vorläufig die Majorität dem Ministerium gegenüber entnehmen wird. Die Abstim­mung gibt eine Majorität von 52 Stimmen für das Ministerium; ein Theil der Majorität, worunter selbst Thiers, hat sich der Abstimmung enthalten, ein ande­rer, die Coterie Mole, hat, wie vorausgesagt, zu Gunsten des neuen Kabinets gestimmt. Die Eristenz desselben ist also vorläufig gesichert. Es ist gewiß von großer Bedeutung, zu sehen, wie die einzelnen Wortführer der Majorität in diesem Falle geaimmr haben; derMoniteur" wird erst morgen die Namen erwähnen; jedoch kann ich Ihnen schon die Abstimmung der bedeutensten Persönlichkeiten inittheilen: Der Ao stiminung enthalten haben sich unter Andern: Thwis, Changarnier, Berryer, Batismesnil, Bechert, Ranooi, de Kerdrel, de Tigny, Malleville, Duvergier, Rcmn- sat, Dufaure, de Beaumont, LanjuinaiS, Roger du Nord, de Mornay, de Lasiryrie, Ereton, Thriot, BeoeaU iE p w. gitT was^^Mtrttffrrnrm stummen : Odilon Barrot, Piscatory, Bauchart, Mole, Broglie, Monrebello, Boissier, Moulin u. s. w. Gegen das Mt'msterinm stimmten: Admiral Hernour, Baze, Dn- bignon, Leflo, Cavaignac, Lamoriciere, Victor Hugo, Emil de Girardin.

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. April. Daß, den Protesten Englands und Frankreichs gegenüber, von Rußland in Wien gerathen wurde, von dem Eintritt Oesterreichs in den deutschen Bund abzustehen, ist laut derLith. Corresp." in Berlin nicht unbekannt geblieben. Zu­gleich yat Rußland sich in Wien für die allseitige Be­schickung des Bundestages ausgesprochen und seinem Einflüsse ist es jetzt zuzuschreiben, wenn Oesterreich gleichzeitig mit der Beschickung des Bundestages die Auflösung der Dresdener Conferenzen fordert. Rnß-

Ein Tropfen Thau. *)

Du Tropfen Thau seh' ich dich an, Kommt mir die TH-äne süß und still, Weil du so treu bau Blümlein liebst, Wie ich wohl einmal lieben will.

Und trennt dich auch an jedem Tag

Bon deinem Lieb der Sonnenschein,

Du kehrst am Abend stets zurück!

So muß wohl treue Liebe sein.

Und stirbt dein Lieb vom Sonnenbrand,

Dann stirbst auch du im letzten Kuß!

Ich seh' dich an, und sinne still,

Wie solch' ein Tod beglücken muß."

Nachdem wir Dem Leser dieses neueste Produkt eines hoffnungsvollen christlich-germanischenSäug e r kn a b e n" Vorgefühlt, können wir nicht umhin, zum Nutzen und Frommen empfindsamer Seelen einige schüchterne Be­merkungen daran zu knüpfen. Der zartfühlende Dichter zerfließt in Thränen beim Anblick eines Thaulropfeus. Wie rührendl Wir wollen hier nicht untersuchen, ob ein Mensch von gesundem Herzen und Verstaube heutzutage nicht andere Dinge zu beweinen findet als einen Thau tropfen. Ein Jeder kann am Ende weinen worüber er

*) Das Sonntagsblatt zurWfr. Ztg." bringt tiefen Beitrag zur Beurtheilung eines Poetasters, der von gewissen Leuten als bet neue Heiland der deutschen Poesie gepriesen wird. Wer Dichter hußen will, muß wenigstens die ersten Regeln der Poesie nicht mit Füßen treten.

will und Dichter haben zu allen Zeiten das Recht gehabt ihre Thränen in Verse zu bringen, um weichsühlende Herzen ebenfalls weinerlich zu stimmen. Die Kritik hat dagegen nichts einzuwenden, so lange Die Thränen in naturgemäßer W ise vergossen oder besungen werden. Unser geniale Sängerknabe macht eine Ausnahme von Der Regel: ihm kommtdie Thräne süß und still!" Bei gewöhn­lichen Menschen pflegen Die Thränen ialz > g zu sein; selbst von der poetischen Maid unterm Weidenbanm singt Shakespeare :

The sah tears feil frein her and softened the stones.

Unser Sänger macht also eine Ausnahme von Der Regel, obgleich seine Thräne darin wieder andern Menschenthräneii gleicht, daß sie still kommt, ohne Rauschen, ohne Geplätscher. Soviel über das Wesen dieser Thräne, welche dem Auge des Dichters entquillt, weil Der Tropfen Thau so treu sein Blümchen liebt, wie er (Der Dichter) auchwohl einmal lieben will!"

Das Herz ist hier offenbar mit dem Kopse des Dichters durchgezangen, oder Diesüße" Thräne hat ihn momentan um Den Verstand gebracht, sonst konnte er unmöglich Den Tropfen Tyan znm Slnnbilbe treuer Liebe erkoren haben. Die Treulosigkeit des Tropfens geht nnverkennbur aus den folgenden Versen hervor:

Unb trennt dich auch an Hdem Tug

Von beinem Sieb bet Sonueuichcki, Du kehrst am Abend stets zuiüci !

Ss muß wohl treue Liebe fein."

Diese Verse enthalten gerade doppelt so viele Un­gereimtheiten als Reime! Erstens: wenn der Sonnen- schein einen Thautropfen von der Blumeqctmiiu" hat, so kehrt dieser Tropfen nie zur Blume zu nick, sondern wird von einem andern abgelöst. Wenn also der Dichter Die Blume mit seiner Geliebten vergleicht unD sich selbst mit einem Thautropfen , so ist oas zur Veranschaulichung treuer Liebe eben so unglück­lich gedacht, wie ausgedrückt. Er müßte in Der Tyat weniger als ein Tropfen, er müßte ein Tropf win, wenn er sich (im eolerern Sinne des Wortes) ernstlich verlieben könnte in eine Dame, auf welche das Gleich- niß paßte, denn sicher würde solche dann einer Catull- scheuPuella" ähnlicher sehen, als Dem Ideale, wel­ches dem Dichter vorschwebte. ,

Mit Uebergebnug der anoern Uiigereimthelten in den obigen Versen, wohin z. B. das Bild vom Son- neaschein gehört, wenden wir uns zu der Schlußstroppe:

Unb stirbt bon Sieb vom Ssimrubrcnd,

) Sami stirbst auch du im lebten Kuß!

Also nachdem Der Sonnenschein den Tropfen jeden Tag von seinem Lieb getrennt und ihn jeden Abend wieder zurückgeführt, stirbt das Lieb zuletzt am Son­nen brand, und der Tropfen folgt küssend nach! Das klingt lächerlich und ist auch in Der That jo. Der Dichter aber fährt fort:

Ich seh dich an, unb sinne uiU, Wie solch ein Tod beglücken muß!"