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Freiherr Ncryt!"

Wiesbaden. Sonntag, 13 April

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Altes und Neues.

)( DerRekonstitnirung"des Bundes, die mit Anfangs Mai erfolgen soll, wird dem Vernehmen nach noch eine Konferenz zwischen Schwarzenberg und Manteuffel in Teplitz vorhergehen.Wie sich die Verhältnisse auch künf­tig gestalten mögen", erklärt die ministerielle ,^Oesterr. Cor^" vom 7.,Oesterreich wird weder seiner Stellung in Deutschland sammt den ihr anhaftenden Rech­ten, noch seinem hohen Berufe, die Zustände des Bundes auf dem Wege organischer (?) Entwickelung halt­bar zu gestalten, jemals entsagen. So fassen wir die Situation auf, die uns bei weitem nicht so trostlos erscheint, als daß wir nicht vielmehr Die, Zuversicht gegelt sollten, gerade das Zurückgehen auf die alten Rechtsgrundlagen und das Aufgeben der willkürlichen Politik werde alle deutschen Regierungen nöthigen, einer ausbeugcnden und blos negativen Handlungs­weise zu entsagen , und bestimmte, zu einem befriedi­genden Ziele gerichtete Schritte zu unternehmen." Die Sache ist allerdings sehr einfach: treten die protestan­tischen Staaten aus ihrer Verneinung dessen, was die katholische Nestaurationspolitik verlangt, heraus, be- theiligen sie sich in Frankfurt an positiven Handlungen im Geiste dieser Politik, so müssen sie, nachdem sie dem Absolutismus ein Haar geben, sich ihm ganz erge­ben. Das liegt im zwingenden Gange der Verhält­nisse und Pas eben ist daS Geheimniß von Schwarzen­bergs Triumpfen. Er ist ganz Absolutist, mit der Devise:Biegen oder brechen!" während die prote­stantischen Politiker immer noch eine angeerbte Scheu haben, sich auf alle Konsequenzen der seit drei Jahr­hunderten nur zu wohl bekannten habsburgischen Po­litik einzulassen. Der König von Preußen befindet sich mit M a n t e u f f e I in einer ganz ähnlichen Lage, wie Karl der Zweite von England mit Clarendon. Damals gab England zu Gunsten Frankreichs mehr und mehr die protestantischen Interes­sen im Lande und auf dem Kontinente Preis, ohne daß es doch den rechten Muth und die offene Stirn dazu hatte. Die Folgen davon fürs Volk waren ganz die­selben, wie sie sich bereits in Preußen zeigen: bald waren alle Klassen der Ration, mit Ausnahme ei­niger verholzter Stockjunker und der Jesuiten- und Weibercamarikla, einig; die Scheu vor neuen Revolu- tionsstürmen in der die Restauration ihre getreueste Bundesgenoffin gesehen hatte, sschwand; der Pessimis­mus bemächtigte sich der Maßen, die sich nun über die Fehler der Regierung freuten, weil sie sich jo schneller abnutzen werde, und als dann gar ein Jakob II. ans Ruder kam, der nun offenkundig that, was Karl U. nur darum geschehen ließ, weil er nicht Herr seiner schiefen Stellung zu werben vermochte, da war es grade die aufgeklärtere Aristokratie, die Whig­partei, welche die Restauration mit ihrer jesuitisch- französischen Politik stürzte, um die Hochkirche und

die Monarchie zu retten. Denn noch einen Schritt weiter und die Ration hätte sich der Republik und dem kirchlichen Radikalismus ohne Bedenken in die Arme geworfen. Wilhelm III., der große Oranier, setzte die konstitutionelle d. h. demokratisch-protestantische Politik in England auf den Thron, weil er Staatsmann und Protestant genug war, um zu wissen, daß eine Re­gierung, die mit den Sitten und Gefühlen der Volkömajorität sich in Fehde einlaßt, nur das bewirkt, daß sie diese Richtungen zu Extremen treibt und daß, wenn das Volk einmal extrem geworden, die Regie­rung, die beste wie die schlechteste, die stärkste wie die schwächste, jedesmal zuletzt unrecht behält und unterliegt.

Sehr wohl wissen wir, daß Geschichtszustaube sich nie genau wiederholen, daß also jecer solcher Vergleiche etwas hinkt; aber sobald politische Zustände einmal so weit gediehen sind, daß die Politik v e r P r i n c ip i e n in den Vordergrund trat, haben gleiche Principien wenigstens ähnliche, wenn auch nicht grade genau die­selben Wirkungen. Nie aber gab es wohl eine frap­pantere Parallele, als die zwischen dem England des 17. und dem Preußen des 19. Jahrhunderts. Wer sich davon überzeugen will, der lese MacaulaysGeschabte von England seit Karls 11. Thronbesteigung": Der Leser setze statt England P: eu ßen, statt Frankreich Ocsirr- rei eb und es wird ihm bei einiger Vertiefung und Kom­binat ionokraft auf vielen Seiten scheinen, als würde ihm die Geschichte nicht jener Tage, sondern der Gang der neuesten deutschen Verfassuags- und NeligiouSkämpfe von einem praktischen Staatsmanne entwickelt.

Die katholisch-absolutistische Politik hat eben die Eigen- thümlichkcit, daß sie sich zu- alieft Zeiten gleichbleibt, baß sie eben dieser Einfachheit und Einförmigkeit wegen dem wirren Durcheinanderschâumen anarchischer Lolkozustäude gegenüber stets zuerst Siegerin bleibt, doch daß sie dann selbst sofort in die Anarchie umschlagt, dadurch die Volksmassen zur Vertiefung in der Dinge W.scn treibt, dieselben immer radikaler macht, je absoluter sie weiter­zuschreiten sich durch die Macht Der Verhältnisse gezwungen sieht, und zuletzt grave in dein Momente scheitert , wo sie den Hafen erreicht zu haben wähnt.

Durch der Stuarts falsche Politik ist die englische Natron mit Gewalt auf den rechten Weg zu Macht und Größe getrieben werden; durch Ludwigs XIV. überspannten Royalismus ward einer Nation, die von Haus aus nichts weniger als republikanisch konstruirt ist, die Republik eingeimpft.

Dies erwägend, kommen wir auf unsere frühere Aeußerung zmuck, daß Schwarzenbergs Politik grabe diejenige ist, welche Die Habsburgischen Pläne unter den günstigsten Verhältnissen vorzeitig abnutzen und deshalb vereitlet! wird. Oesterreich hat sich zu früh übermächtig gezeigt: es hat Preußen zu hastig in den Staub getreten, es hat sich überstürzt und^ solche Nebereilungen sind die ärgsten Fehler, die einem Staats­manne begegnen können. Der Triumpf wurde ihm zu leicht: die^Rachwehm werden desto schwerer werden. Doch

dies ist kein Grund, daß Oesterreich für die allernächste Zeit nicht noch eine Reihe leichter Triumphe feiern sollte. Schwarzenberg ist eine eminente Persönlichkeit; und, wenn wir noch in den Tagen rein dynastischer Politik lebten, wäre vor Oesterreichs Hegemonie in Mitteleuropa von Sicilien bis zum Sunde kein Entrinnen. Doch die Wir­kung, die seine Taktik auf die Völker hat, die im 19ten Jahrhundert kein bloßer Staatshumus mehr sind, for­dern die schon einmal das Banner der Volks sou- verenität siegreich über ihren Häuptern wehen sahen diese Wirkung, welche er nicht in Ali­sch l a g bringt, ist der arge Fehler in seinem Re- chenerempel. Könnte er etwas aus der Geschichte lernen, könnte er die dynastische Politik opfern, so wäre er der größte Mann des Jahrhunderts. Aber freilich, das hätte ihn zum deutschen Washington ge­macht, und wir glauben, dieser große Staatsmann ist gerade sein Ideal nicht.

Deutschland.

A Wiesbaden, 12. April. Nächsten Dienstag den 15. b. Mts., Morgens 8 Uhr, kommt vor dem Cassa­tionshof zur öffentlichen Verhandlung die Nichtigkeits­beschwerde des Ludwig Schrobt von Grönberg wegen Versuchs eines ausgezeichneten Diebstahls. Als Ver­theidiger fungirt Prok. Wilhelms jun.

* Wiesbaden, 12. April. DieLeipz. Zeitung" lebt in einem Artikelvon Der Adria" der Zuversicht, daß von der königlichen Gewalt in Piemont selbst möglicherweise über kurz oder lang eine österreichische Intervention zum Schutze der Monarchie gerufen werde." Sollte die Mazz in tische Partei, die dem Sohne Karl Alberts nie traute, also doch recht haben? Jedenfalls ist diese Indiskretion des im österreichischen Interesse redigirten Blattes sehr auffallend.

* Darmstadt, 11. April. In der zweiten Stammte war heute die Beschwerde der deutschkatholischen Ge­meinde in Mainz auf der Tagesordnung. Mit 31 Stimmen nahm die Kammer den Kommissionsantrag an, daß die Beschwerde zu geeigneter Maßnahme an das Ministerium abgegeben werden solle Nur 15 Stimmen sprachen dagegen, nachdem zuvor GrolmannS Antrag auf Uebergehen zur Tagesordnung mit 38 ge- gen 8 Stimmen verworfen worden war, unter legreren die Herren von Grolmann, von Lehmann, von Ra­benau und Breidenbach. (Wir komme» auf die De­batte, woran Müller-Melchior, Schmitz, Wittmann u id Lehne Theil nahmen, zurück und bemerken nur, daß dieOberpostamtsztg." schon heute ihren Grimm über dieunerbauliche" Sitzung ausläßt. Die Ansichten über Erbaulichkeit sind bekanntlich sehr verschieden.)

Fulda, 10. April. In Bezug auf die Anklage des hiesigen Gymnasiallehrers Volkmar, der bekannt­lich junge Leute zum Auspfeifen Der Baiern sogar durch Geldaustheilen auf gefoltert haben soll und welch>r

Englische Charakteristiken.

Nach Macaulay's Essays.

John Hampden.

(Fortsetzung.)

X Karls erstes Parlament trat im Juni 1625 zu- fammen. Hampden saß in demselben als Burgflecken- Vertreter für Wendover. Der König wollte Geld, die Gemeinen wollten Abstellung der Beschwerden. Da der Krieg ohne Fonds nicht fortgesetzt werden konnte, so war die Taktik der Opposition, Ergänzungskredite in kleinen Summen zu bewilligen,_um dadurch einer schnellen Auflösung vorzubeugen. Sie gaben dem Kö­nige nur zwei Subsidien, gingen zu der Beschwerde über, daß Schiffe gegen die Hugenotten verwendet wor­den, und nahmen die Petition der Puritaner vor, welche in England hart verfolgt wurden.

Der König schritt zur Auflösung und nahm Geld gegen Schuldscheine unter seinem Privatsiegel auf. Der Zuschuß fiel, im Vergleich zu den Bedürfnissen, karg ans, worauf im Lenz 1626 zu einem neuen Parlamente geschritten werden mußte, in welchem Hampden wie­derum für Wcndovcr saß.

Die Gemeinen beschlossen jetzt, eine sehr freigiebige Beisteuer zu bewilligen, aber den endgültigen Beschluß der Akte bis zur Abstellung der Beschwerden zu ver­tagen. Der Kampf, der hierauf losbrach, überstieg an

Heftigkeit weitaus alle früheren. Das Unterhaus be­schloß Buckingham's Versetzung in Anklagezustand:; der König warf die Betreiber der Anklage m'S Gefängniß. Die Gemeinen sprachen der Krone daS Recht auf Er­hebung des Tonnen- und Gewichtgeldes (5 pCt.) ab; der König löste das Unterhaus auf. Dieses legte so­fort eine Remonstration vor. Der König ließ nun eine Deklaration, worin er seine Maßregeln rechtfer­tigte, cirkulireu und setzte einige der namhaftesten Oppositionsmitglieder in enge Haft. Gelb sollte durch eine Zwangsanleihe aufgebracht werden, die dem Volke nach Maßgabe der Rate, womit es bei der letzten Su'osidie in Anspruch genommen worden, aufgebürdet wurde. Bei dieser Gelegenheit trat Hampden zum erstenmale für dieses Grundprinzip der englischen Ver­fassung auf: er weigerte sich entschiede», einen Heller darzuleihen. Aufgefordert, feine Gründe kund zu ge­ben, entgegnete er,daß er sich das Vergnügen »rä­chen konnte, so gilt, wie Andere, zu leihen, doch fürchte, sich jenes Artikels der Magna Charta schuldig zu machen, der alljährlich zweimal gegen diejenigen, welche dieselbe brechen, verlesen werden sollte." Für diese männliche Antwort schickte ihn der Geheimrat!) (Privy council) zu enger Haft in's Arresthaus (Gate House) von Westminster. Nach einiger Zeit wurde er wieder ver­nommen und da er bei seiner Weigerung verharrte, so wurde er zur Haft nach einem festen Platze im Hampshire transportirt.

Die Regierung blieb ihren: Wege der llnterdrü- ckung im Innern und des ungeschickten Zutappens nach Außen treu. Gegen Frankreich ward thörichter Wesie ein Krieg unternommen und noch thörichter geführt. Buckingham führte eine Expedition gegen cie Insel Rhe, die einen schmachvollen Ausgang hatte. In der­selben Zeit wurden Soldaten bei dem Volke eiuquar- tiert, Verbrechen, welche vor die gewöhnlichen Gerichte gehörten, nach den Kriegsgesetzen bestraft, an die 80 Edelleute wegen verweigerter Beisteuer zur Zwangs- anleihe eingekerkert, und der gemeine Mann, der die geringste Widersetzlichkeit verrieth, zum Flottendienst gepreßt oder in's Heer gesteckt. Aber trotz alle dem kam Geld spärlich ein und den: Könige blieb wieder- um kein besserer Rath, als ein ander, s Parlament einzuberufen. Zur Beschwichtigung der Erbitterung wurden nun die wegen verweigerter Zwangsdarlehn Verhafteten auf freien Fuß gesetzt. Auch Hampden wurde der Hsst entlassen und sofort für Weudover wieder gewählt

Zeitig trat im Jahre 1628 das Parlament zusam­men. Im Verlauf der ersten Session entwanden die Gemeinen, nach manchen Ausflüchten und Weigerungen, als Gegenbewilligung für 5 Subsidien dem Könige seine feierliche und volle Zustimmung zu dem berühm­ten Rechtsinstrument, Der zweiten Charte der englischen F eiheiten, die unter dem Namen der Petition of Kight bekannt ist. Durch Bestätigung dieser Akte ver-