$ Paris, 9. April. Auf telegraphischem Wege lief heute aus Madrid die Nachricht von der am 7. April erfolgten Auflösung der Cortes ein. Die Neuwahlen sollen im Verlaufe von drei Monaten erfolgen. Zugleich erfahren wir, daß eine, zwar nur unbedeutende Kabinetsvcrändcrniig in Madrid erfolgte, indem Vertrau de Lys zu seinem Portefeuille des Auswärtigen mtermistisch auch das des Innern übernalun und Areta zum Ministerium der Arbeiten überging. Die Veranlassung zur Auflösung der Cortes ist offenbar die Annahme des Alonzoschen Antrages wegen Zahlung der Staatsschuld, der von Mon, Pidal, Satorius und andern ,frühern Minister unterstützt wurde und wogegen sich das jetzige Kabinet nur durch Auflösung der Cortes zu helfen wußte.
Großbritannien.
i* London, 9. April. Das Unterhaus nahm gestern eine Motion Trelawneys wegen Ernennung einer speziellen Commission zur Prüfung des Belanges der Kirchentaren an. Ferner wurde Lord Ashley zur Ver- legung einer «Bill zum Bau billiger Häuser für-die Arbeiter-klassen, bevollmächtigt. Der Antrag Sir H. Barrons, daß sich, das Haus als Komite formtreu wöge, um sich mit Abhülse der Noth in Irland zu beschäftigen, ward mit, 138 gegen 129 Stimmen verworfen. Schließlich kündigte Lord John Russel an, daß er am nächsten Montage eine Vertagung vom 15. April bis nach den Ostertagen Vorschlägen werde.
In seiner vorgestrigen Wochenschau bemerkt der „Spcc- tator" über Deutschland Folgendes: „Das Einzige, worin die deutschen Regierungen Eintracht und rasches Handels entfalten, ist die Verfolgung der Zeitungen. In Wien und Berlin scheint man diese Verfolgungen mit löblicher Unparteilichkeit zu gleichen Theilen unter die ministeriellen und die anti-ministeriellen Organe zu vertheilen. Der Zustand Kassels ist beklagenswerth. Die Brutalität, mit welcher der Kurfürst sich ausspricht a^r^P'^ iß so groß, daß sie fast wie Affectation
Verschiedenes.
(Eine deutsche Ansiedelung am Kap der gut,en Hoffnung.) Der am Vorgebirg der guten Hoffnung neu ausgebrochene Kaffernkrieg hat für uns Deutsche das Interesse, daß sein Schauplatz in der Nähe einer deutschen Kolonie ist, über deren neuesten Zustand das Werk von I. S. Christopher (Nâtal, Cape of Good Hoope, Lond. 1850) einige Nachrichten mitzutheilen uns in den Stand setzt." Seit dem Jahre 1844 begann eine größtentheils ans Deutschen bestehende Handelsgesellschaft den Versuch des Anbaus von Baumwolle am Kap zu machen. Sie kauften einen Grundbesitz zwischen Port Natal und Petermo- ritzburg an, den sie, bei glänzenden Aussichten auf den Erfolg der Baumwollenkultur, im Jahr 1848 bis zu 15,500 Acres Land vermehrten. (1000 Acres — 1284 württemb. Morgen.) Dieses zusammenhängende Gebiet fruchtbaren, gesunden welligen Bodens mit Ansiedlern zu besetzen, reiste einer der Theilnehmer, Bergtheile, nach Deutschland und brachte dort 35 Familien in der
Gesainmtzahl von etwa 200 Köpfen zusammen, welche am 19. November 1847 auf dem Schiffe Bertha Bre- merpafen verließen. Etwa ein Jahr, nachdem die Auswanderer von Europa abgcsegelt, beschreibt Christophe ihren Zustand folgendermaßen: „Auf dem Wege von der Hauptstadt Petermoritzburg nach Port Natal, etwa vierzehn Meilen von der letztgenannten Stadt, links abgebogen, siehst du kleine Heerde» Vieh, worunter sich gewöhnlich ein Gespann Ochsen und ein paar Milchkühe finden. — Wenn man die erste Schwellung hinaufgeht, werden die Gehöfte von 1—2 der deutschen Auswanderer sichtbar. Auf deinem Wege nach dem Hauptgebäude, welches das Packhaus heißt, zeigen sich die kleinen Landstellen in allen Richtungen. Von einigen Anhöhen kann man ein halbes Dutzend auf einmal sehen, anmulhig gelegen. Die Häuser bestehen aus 3 Zimmern und haben meist Glasscuster ; dw Kochstelle ist vorläufig außen augcbaut; jenseits des wohl angelegten Gemüsegartens steht der Stall; ein großer Theil der umliegenden Felder ist schon urbar gemacht, thellweisc cingezäünt und mit Mais besäet, welcher nicht allein für die Vorräthe nöthig ist, sondern auch den Boden für den Baumwollenbau vorbereitet. Außerdem werden noch Gerste, Hafer, Bohnen und Kartoffeln angebaut: die Leute sehen zufrieden und gesund aus. Nachdem wir %—% Stunde lang durch die einzelnen Siedelungen gefahren waren, langten wir an der Hauptstation an, aus dem Wohnhaus für den Verwalter, den Arzt und den Geistlichen, dem Packhaus, welches die Vorräthe für die Ansiedler liefert, und der Kirche bestehend. Eine Schule nebst Wohnung für den Lehrer wird dabei erbaut. Zufolge eines zur Zeit unseres Besuchs umlaufenden Gerüchts von einem bevorstehenden Einbruch der Zulu- Kassern in die Kolonie hatten sich die Ansiedler beim Packhaus versammelt und dasselbe mit Pfahlwerk und einem Graben befestigt, um beim Eintritt der Gefahr einen. Sammel- nnd Vertheibigungspunkt zu haben. Bergthcil, von der Regierung zum Hauptmann ernannt, Halle rasch seine Leute orgamsut, aber die Gefahr ging vorüber. Gegenwärtig hat man Koffern in Taglohn genommen für 3 fl. monatlich, doch thut dies Verhältniß nur "so lange gut, als die Lebensmittel in der Gegend hoch im Preise stehen ; sobald dieselben billig werden, folgt gern Lässigkeit und Trägheit und endlich Entlaufen der Taglöhner. Den Tag nach unserer Ankunft war es Sonntag, zugleich die Jahresfeier Dev Einschiffung der Auswanderer. Die große Glocke sandte hoch aus der Luft ihre Mahnungen daher, welche aus den benachbarten Thälern wiederhallten. Nach der neuen Kirche, welche in den letzten sechs Monaten gebaut und eingerichtet war, bewegten sich die Deutschen in anständiger Kleidung. Die Kirche, welche heute eingeweiht werden sollte, war mit Blumen geschmückt, Die Predigt hielt der Geistliche Hr. Posselt.
* Man wundert sich wohl über-die „Schweinerei" in den amerikanischen Städten, poch wie sah es früher in Deutschland aus? In dem so eben erschienenen 1. Bande von Vehse's „Geschichte der deutschen Höfe" findet sich eine Schilderung Berlins unter Dem großen Kurfürsten. Vor 200 Jahren war Berlin an' der Spree ein Städtchen von 6000 Einwohnern. In den
Straßen liefen die „Schinkenthierchen" umher frei und ungehindert. Die Stadt war nicht gepflastert und die zu Markt kommenden Bauern wurden polizeilich an- gehalten, bei der Heimfahrt die leeren Wagen mit dem Koth zu füllen, den man ohne Weiteres aus den Häusern auf die Straße warf. Was von den Bauern so nicht mitgenommen wurde von Koth, ließ die Polizei ohne Weiteres wieder in die Häuser zurückwerfen.
Nach den neulich veröffentlichten amtlichen statistischen Tabellen hat die Stadt Berlin seit 1764, wo sie 5513 Häuser mit 107,000 Einwohnern zählte, sich bis 1849 um 3168 Häuser mit 297,600 Einwohner vermehrt, denn 1849 zählte Berlin 8681 Häuser mit 404,600 Einwohnern. Der ganze preußische Staat hat seit 1816, also in einem Zeitraum von 33 Jahren, seine Einwohnerzahl um 6 Millionen vermehrt. Die amtlichen Zählungen von 1849 ergeben 16,331,187 Einwohner, während derselbe Länderkompler 1816 nur 10,349,031 Einwohner hatte. Beinahe der dritte Theil der Preußen lebt in Eheverhältniffen. Die Tabellen ergeben 1849: 2,691,055 stehende Ehen. Gebäude hatte das ganze Land 1849: 4,298,035, 1816 nur: 2,992,395, also in 33 Jahren eine Vermehrung um 1,305,640 Gebäude.
Mit Dem kopirenden elektrischen Telegraphen wurden zwischen London und Brighton wiederholte gelungene Versuche angestellt.
Amtliche Nachrichten.
Der Ministerial -Assessor Odern Heimer zu Wiesbaden ist als Mitglied für das Hcrzogthnm Nassau derjenigen gemeinschaftlichen Kommission beiaegeben, welche von den Regierungen des Zollvereins für die Industrieausstellung zu Loudon bestellt wild.
Handels- und Börse,inachrichten.
Frankfurt, 10. April. Bei Der heutigen 8. Ziehung 6. Klass der 119- hiesigen Stavtlotterie gewann Ne. 8631 15r000 fl. , Nr. 10,158 7633, 18118 17329, 5686 , 11,740 , 10,374 jede 1000 fl., Nr. 18,141, 1017 jede 300 ss__________________
Geld-Sorten
nach dein Frankfurter Cours vom 11. April 1851.
Neue LouiSd'or .
Pistolen . . . ditto Preuß. . Holl. 10 ff. Stücke Rand - Ducateu . 20 Frankenstucke Engl. ©oveyei.pt« Gold al Marco Preuß. Thaler .
5 'Franken-Thalcr . Hochhaltig Silber
st
fr.
10
55
9
361/e
9
57
9
5
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28
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B e k a 11 11 t in a ch u n g e ii.
Mnreige.
Den Herren Aerzten erlaube ich mir meine
electro-magnetische Apparate hiermit zu empfehlen. WaS noch besonders dabei zu bemerken ist und zur Anempfehlung dient, findet sich bei der Zeichnung und Gebrauchs-Anweisung gesagt.
Dem Herrn L. Seibert, Kaufmann in der Langgaffe in Wiesbaden, habe ich ein Eremplar zugesandt, worauf derselbe feste Bestellungen annimmt. Der Preis dapon ist, dorten genommen, Thlr. 8 Per compt. oder 14 fl. rhein.
Hamburg, im November 1 *50.
(414) J. 0. Klopfer.
Der Königlich Bayrische prioiiegirte Hoffmannsche Zahnbatsam, welcher die heftigsten Zahnschmerzen in einer Minute heilt, ist zu haben bei Herrn J. L. Seibert in der Langgaffe in Wiesbaden, Agent für Nassau.
Preis des Glases 36 ft. (411)
(419) Allen auswärtigen Verwandten und Bekannten sagen wir hiermit bei unserer heutigen Abreise nach Nord-Amerika ein herzliches Lebewohl.
Ebersbach bei Dillenburg, 9.. April 1851.
Wilhelm Speck.
Sophie Speck, geb. Helmrich.
____________Otto Speck, Apotheker.
Zu Vermietheu.
(408) Die Bel-Etage in dem Haäse des Herrn Grafen von Boos, welche bis dahin von Herrn Grafen von Bismark bewohnt wurde, ist auf 1. April anderweit zu ver- miethen durch das Geschäfts-Bureau von
C. Leyendecker.
(368) Ein braver Junge kann als Lehrling in ein Sattlergcschäft eiütrcten. Näheres bei der Erpedsiion d. Bl._______________' ■
(404) In dem Wohnhause bei G. Lehr in Biebrich in der Mainzerstraße ist der mittlere Stock mit oder ohne Möbel zu vermie- then. In demselben Hause im dritten Stock ist eine Wohnung zu vermuthen.
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in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung: , „
Hirtenbrief des hochwürdigsten Hrn. Wilhelm Emanuel, Bischofs von Mainz, an die Geistlichkeit und die Gläubigen seines Kirchsprengels, bei dem Anfänge der Fastenzeit 1851. Fünfter Abdruck. Preis 6 Kreuzer.
Offener Brief an Herrn Wilhelm Emmanuel Freiherr» von Ketteler, Bischof zu Mainz, von Christian Scholz, Kaufmann zu Mainz. Preis 4 Kreuzer. Der Ertrag ist zum Besten des Kirchenfonds der deutschkatholischen Gemeinde zu Mainz bestimmt.
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Bockenheim, Februar 1851. Joseph JStraUSS.
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Verantwortlicher Herausgeber und Verltger C. Pi l t le r. — Druck der 4. R > iter 'scheu mudjoriufm-t.