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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementöpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I g 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit vcrhältnißiiiäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Sr- folge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 fr.

Das alte Lied.

X Oesterreich denkt nicht daran, sich die dentsche Suprematie entwenden zu lassen. Wer will es ihm verdenken, wenn cS KotzebuesMenschenhaß und Neue" minder goutirt, als das Haus Hohenzollerii, das dem Herrn dient, seit die deutsche Revolution ihm in Ham­lets Gestalt zurief:Geh in ein Kloster!"

Schwarzenberg's Organe in Wien, Prag und München, Leipzig und Dresden spannen heute wie auf Kommando alle Segel auf, um dem deutschen Mi­chel begreiflich zu machen, welche kostbare Partie er mache, wenn er die Frau Gesammtösterreich heirathe. Die dicke alte Madame ist aber trotz aller Schminke sehr wenig anziehend, so sehr sie sich Mühe darum giebt, ihre Runzeln zu verdecken und den Mangel an Jugend mit Schein zu bedecken. Der Schein trügt und die Scheine nicht minder: das weiß ter gute alte deutsche Michel auch nachgerade.

Auffallend ist bei diesen Anpreisungen uns nur der Umstand, daß die schwarzgelben Blatter ewig das alte Lied ableiern. Wien ist doch sonst eine musikalische Stadt, sollte sie denn gar so arm an Bariationen sein? Oesterreich hat denaufrichtigen Willen", zu beweis, n, daß esein starkes, nach außen und innen wehrhaftes und in seinem internationalen materiellen Interessen fortschreitendes Deutschland herzustellen" beabsichtigt.

Oesterreich und einfortschreitendes" Deutsch­land paßt wie die Faust auf's Auge! Oesterreich besorgt für die materiellen Interessen mit seinen ausgezeichneten Finanzen!Oesterreich wird dabei die hochwichtige Aufgabe nicht aus den Augen verlieren, i eine Versöhnung zwischen Fürst und Volk zu ermitteln, wenn auch hierbei die VolksveUre- tung beim Bunde nicht in der Art zu Stande kommen kann, wie die ersten Projekte sie in Vorschlag brachten. Es ist aber anzunehmen, daß in nicht gar zu langer Zeit, trotz der Unzulässigkeit eines Volks­hauses beim Bunde, doch mit einigen unumgäng. lich nothwendigen Modifikationen, Volkörepräseiltanten beim Bunde in periodische Wirksamkeit treten werden." Wer's nicht glauben will, der lasse sich's schwarz auf weiß in der vom Münchener Hofe inspirirtenAugsb. Abdztg." zeigen.

Doch es kommt noch besser. Schwarzenbergkann zwar nichts aus der Geschichte lernen", nichts desto weniger hält derLloyd" vom 5. April eine Geschichts­vorlesung, die für Oesterreich gut berechnet sein mag, doch sehr ungeschickter Weise von derOberpost- amts-Zeitung" auch an deutsche Leser verbreitet wird. Oesterreich und Deutschlaud" heißt der Leitartikel des Lloyd", worin versichert wird, daß Oesterreich nach­drücklich auf seinem Gesammteintritt beharrt und dann demonstrirt wird, daß die geschichtlich begrün­de de Stellung des Hauses Habsburg die­ses allein zu berechtigten Herrschern über

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Englische Charakteristiken.

Nach Macaulay'S Essay s.

John Hampden.

(Fortsetzung.) ,

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S^ Elisabeth starb und die Krone kam auf daS Hanpt eines Menschen, der sich selbst den größten Meister in Herrscherlist zu nennen beliebte, doch der einer jener Könige war, die Gott eigends zur Beschleunigung von Revolutionen zu senden scheint. Von allen ge­schworenen Feinden der Volksfreiheit, die England ge­sehen, war er ohne Zweifel der ungefährlichste und der herausfordernste zugleich. Es war, ais ob er die Rolle eines Spado im spanischen Stiergefechte spiele, der das Thier durch fortwährendes Schwenken einer rothen Flagge zur Wuth reizt und ihm von Zeit zu Zeit einen Stich versetzt, der tief genug ist, um zu schmerzen, doch nicht tief genug, um zu schaden. Während die Politik verschmitzter Tyrannen von jeher darauf ausgiug, ihre Gewaltthaten hinter einer volks­freundlichen Form zu verstecken, trug Jakob 1. stets ohne die geringste Nothwendigkeit seine despotischen Theorien in Betreff seiner Unterthanen znr Schau. Sein kindisches Geschwätz brachte dieselben mehr auf, als es die unerhörtesten Gewaltstreiche oder die ver­wegensten Wühlereien vermocht hätten. In der Praris

Deutschland gemacht habe und die Herrschaft anderer Kaiser seit Rudolf von Habsburg immer nur Interregna gewesen seien. Oesterreich habe auch allein das in sich zerrissene Deutschland mittelst einer Haus- macht vor gänzlichem Verfall geschützt. Die Abdankung im Jahre 1805 und die Herstellung des Bundes habe in der tiefer als auf papierene Doku­mente gegründeten Stellung Oesterreichs nichts geän­dert. Jetzt habe auch die österreichische Armee im Norden von Deutschland die alten Erinnerungen und Sympa­thien (Hl für dieKaiserlichen" wieder wach gerufen. Am Schluß dieses Artikels heißt es:Wir haben absicht­lich so lange bei den Ereignissen verweilt, welche der Stiftung des deutschen Bundes vorhergingen undLen- selben Herde,führten; wir haben absichtlich uns zu ;ei< gen bemüht, wie der Bund aus der Lösung des vor­maligen Reichsverbandes sich organisch (!?) entwi­ckelte, und eben nur die Form war, in der lange vor­bereitete und thatsächliche Verhältnisse ihren Ausdruck fanden, weil unsere und des deutschen Volkes Anschau­ungsweise über die Bedeutung des Bundes und seiner einzelnen Glieder wesentlich durch die Geschichte seiner Entstehung bedingt wird. Neben dem geschriebenen läuft das traditionelle Recht in den Gefühlen der Na­tion. Es tritt hervor in Zeiten großer Krisen, welche das geschriebene Recht erschüttern und in Frage stellen. Es erprobt sich alsdann, ob die geschriebenen und ge­siegelten Staatsakte im Einklänge sind mit der histo­rischen Grundlagen der Staaten. Die historische Grund­lage bildet das geistige Element, das Leben der Staats- einrichtungen, die ohne dasselbe nur hohle Formen und todte Buchstaben sind. Wir legen einen Werth darauf, diese historische Grundlage des Bundes in diesem Au­genblicke zu vergegenwärtigen, wo wir abermals an einer Krise stehen, wo abermals an eine Aenderung im geschriebenen Rechte gegangen wird, und wo cs sich aberlnals damals darum handelt, die historische Anschauungsweise, den Geist, das innere Leben des Bundes im Auge zu behalten, wenn die Artikel der revidirten Bundesakte nicht todte Buchstaben bleiben sollen."

Also das Haus Habsburg hat ein historisch begrün­detes Herrscherrecht auf Deutschland? Das deutsche Reich war nie ein Wahlreich, der Begründer des habsburgischen Hauses nie ein kleiner Schwcizergraf!? Also Oesterreich war es nicht, das auf Deutschlands Zerrissenheit spekulirte und nur dieser sein Empor- kommen verdankt? O geht hin und lernt Geschichte, ihr guten Leute, und wenn ihr keine lernen könnt, so muthet mindestens keinem, der einiges darin gelernt hat, zu, eure Sophismen zu hören. Sagt:Wir ha­ben die Gewalt, darum!"... doch verschont uns mit eurer Geschichtskasuistik. Ja,neben dem geschriebenen lauft das traditionelle Recht in den Gefühlen der Na­tion!" Doch diese Gefühle sagen klar und deutlich, daß Deutschland eher war, als das Haus Habsburg, daß es freier war vor dem Aufkommen des

dagegen war schwerlich ein König minder sorglich in Erhaltung seiner Prärogative. Er verstand es weder, mit Leutseligkeit dem andriugeuben Geiste der Freiheit entgegenzukommen, noch auch, demselben Einhalt zu gebieten, sondern nahm vor derselben mit lächerlicher Hast Reißauö nud wurde auf dem Rückzüge wieder ein beleidigender Prahlhans. Bei anderthalb hundert Jahren war das englische Volk von Fürsten regiert worden, die, waS sonst auch ihre Vorzüge und Fehler- gewesen, sämmtlich große Charakterstärke besessen hatten und, gleichviel ob geliebt oder gehaßt, sich stets gefürch­tet zu machen verstanden. Jetzt endlich sollte England zum ersten Male seit dem Tage, wo Heinrichs IV. Scepter seinem schwachen Enkel in die Hände fiel, einen König erhalten, den es belachte und verachtete.

Die Thorheiten und Fehler des Menschen steigerten den Widerwillen, der die Frucht von der jämmerlichen Politik des Herrschers war. Die schamlosen Galan­terien des Hofes und die viehischen Gelvohuheitssäufe- reie», denen der weibliche Theil desselben fröhnte, hätten allein schon hingereicht, um ein Volk mit Abscheu zu erfüllen, dessen Sitten und Gebräuche gerade damals eine reinere, strengere Physiognomie annahmen. Doch daS war noch das Wenigste. Verbrechen der schauder­haftesten Art wurden lautkundig; andere wurden ge- argwöhnt. D>e abscheuliche Gowrie'sche Geschichte blieb unvergessen. Die schmähliche Schwachheit des Königs für seine Mignons, die Meineide und Vergiftungen,

Hauses Habsburg und daß jeder Aufschwung zur Erstarkung und Ermündigung des deutschen Vaterlandes eben von ihm vereitelt wurde, weil es sehr wohl be­greift, daß neben einem freien, in der ganzen Entfaltung seiner Kraft- und Geistesfülle begriffenen Deutschland daS alte Oesterreich mit seiner alten Tradition keinen Raum haben würde.

Wir erkennen Schwarzenbergs Überlegenheit seinen diplomatischen Rivalen gegenüber vollkommen an; doch man rede uns nicht ein, daß in allen deutschen Köpfen nicht mehr Hirn, tu allen deutschen Busen nicht mehr Her; wäre, als in denen der preußischen Pietisten und Junker.

Deutschland.

* Wiesbaden, 11. April. Kinkels Rede bei^ der Feier des 13. März in London war" nach allge­meinem Urtheil die Blüthe des Festes. Wir theilen unsern Lesern den Schluß derselben mit, der uns und gewiß allen deutschen Männern und Frauen, gleichviel welcher Partei, wenn sie nur zum Volke zählen, aus der Seele gesprochen ist.Und nun", rief der Redner, ein letztes Wort an Euch, die Ihr mit uns verbannt seid.. Nicht beklag' ich unser Loos, denen es vergönnt ist, bei einem stammverwandten Volke unser Haupt in Sicherheit hinzulegen. Ich vertraue auf England und den Willen dieses Volkes; <ch glaube, daß weder ein Whig- noch ein Toryministerium wider diesen Willen den letzten Kämpfern: der teutschen Freiheit das letzte Fußbreit Landes weigern wird; denn wie sollte eine große und freie Nation uns das zum Verbrechen ma­chen, was sie selber gethan hat? Aber schwerer als wir, dulden Andere; wie hart ist nicht das Loos derer, die so eben eine Republik von sich ausstößt! Und auch für uns ist das Eril ein stetes Leiden; einen Dorn von der Marterkrone unserer großen Vorkämpfer fühlt auch Jeder von uns in seinem Haupt. Haben wir so an ihrem Dulden Theil, laßt uns auch Theil haben an ihrem Muthe. Wir dürfen die Hand nicht abziehen von einer Sache, die mit so edlem Blute gedüngt ist, um welche Männer lächelnd und siegesgewiß in den Kerker schritten! Und noch eine ernste Mahnung, Bür­ger uiiD Genossen! Wir stehen wie an offenen Grä­bern, und der Tod versöhnt. Laßt keine Par­teiung uns schwächen vor dem Kampfe, denn uns Allen gemeinsam ist daS nächste Ziel, der Sturz des Absolutismus, der Sieg der jungen Zeit. Unter unsern Märtyrern waren M ä n n e r alle r Richtungen: Verfassuiigskämpfer, Sozia­list, Kommunist fielen neben e i n a n b e r i in K ampf e. Schande über uns, w e n n der großen Idee gegenüber, die uns mit bin Gefallenen verbindet, elende Persönlich leiten uns entzweien, wenn wir durch einen Zwist den Sieg verspäten, der unsere Gefangenen er­löst aus dem täglichen langsamen Sterben! So denn

die seine Hauptgünstlinge mitten in den Mauern des königlichen Palastes wagten, wie dir Begnadigung, die er, in direktem Widersprüche mit seiner Pflicht und j seinem Worte, den mysteriösen Drohungen eines Mör­ders verpfändet hatte, machten ihn zum Gegenstände des tiefsten Ekels bei der Mehrzahl deö Volkes. Was Personen von besonnenem Urtheile und moralischem Ernste, die in einiger Entfernung vom Hofe lebten, von ihm dachten, zeigen Mrs. Hudchinsons Memoiren zur Genüge. England war nicht das Land und das 17. Jahrhundert nicht die Zeit für Sporns und Lo- custa.

Doch dies war noch nicht Alles. Die^ lächerlichsten Schwächen schienen sich in dem elendcn Sosomon von WhitehaU ein Stelldichein gegeben zu haben: Pedanterie, Possenreißerei, Geschwätzigkeit, gemeine Neugier und die verächtlichste persönliche Feigheit. Natur und Er­ziehung hatten Alles aufgeboten, um ein Musterbild, wie ein König nicht sein soll, hervorzubriugen. Seine tölpische Figur, seine Augeuverdreherei, sein kruppel- hafter Gang, sein Nervenzucken, sein geifernder Mund und seine breite schottische Aussprache waren Mängel, die bei dem besten und größten Manne zwar Vorkom­men können; aber ihre Gesamiiitwirkung bei Jakob I. war der Art, daß sie ihn und seine Stellung zu Gege^i- ständen der Verachtung machten und der Krone Die Glorie nahmen, welche über dieselbe durch das ritter­liche Auftreten der früheren Monarchen verbreitet wor-