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Der Kaffer n krieg.

# Das Kaffernland droht das englische Algerien zu werden oder ist es vielmehr schon. Die englischen Blätter, die uns reiches Material über die dortige Sachlage bieten, machen sich darüber durchaus keine Illusionen.Das Schlimmste," bemerktLonboy Weekly News",ist, daß auch der jetzige Kaffernkrieg noch nicht der letzte sein wird. Ein Blick auf die Landkarte, ein Rückblick in die Geschichte der Capcolonie und die Ethnographie ihrer Nachbarschaft zeigen deutlich, daß Kaffernkriege sich immer wiederholen müssen, bis eins von zweien geschieht: bis die Colonisten alles den Raffern abgenommene Land Heransgeben, oder die Raffern ausgerottet sind, in ähnlicher Weise wie die rothen Indianer in Neu - England ausgerottet worden sind. Da nun das erstere sicherlich nicht geschehen wird, so muß, wie sehr wir das auch beklagen mögen, die andere Alternative eintreten. Leider wird das aber ebenso viel Blut als Geld kosten. Die erste Niederlassung der Europäer am Cap erfolgte beinahe im Winkel der zwei afrikanischen Küstenlinien. Wie sie anfingen ihr Gebiet nordwärts auszudehnen, stießen sie nur auf die schwachen Hottentotten und die zerstreuten Buschmänner. Land ward in dieser Richtung mit Leichtigkeit erworben und mit Sicherheit behauptet. Aber bei weiterem Vor­dringen auf lder Ostseite trafen die Europäer auf ein eingebornes Geschlecht von sehr verschiedenem Charakter. Das Land war 600 bis 700 engl. Meilen weit, von der ersten holländischen Ansiedlung bis an die Dalgoa- Bay, bewohnt von vier Nationen oder Stämmen eines gemeinsamen Ursprungs, welche die arabischen und andere mohammedanische Handelsleute alsKafir" d. h. Un­gläubige bezeichnet hatten, daher die Holländer und Engländer ihnen den Namen Raffern beilegten und das Land Kaffraria nannten. Der Kaffernstamm ist, physisch betrachtet, einer der schönsten auf dem afrikanischen Kontinent; und an Verstand und kriegerischem Geist übertreffen sie weit alle andern Nacen, die wir Wilde zu nennen belieben, und mit denen wir in den ver­schiedenen Welttheilen in Berührung gekommen sind; nur etwa die Neuseeländer und die nordamerikanischen Indianer ausgenommen. Das Land ist rauh, voll tiefer Schluchten und schwieriger Pässe; sehr ungünstig für die Bewegung regulärer Truppen, dagege. sur den kleinen Krieg uncivilist'rter Völkerschaften wunderbar- geeignet. Wo europäische Ansiedler und eingeborne Stämme dieses Charakters in Berührung kommen, sind die Folgen immer die nämlichen. Der Europäer be­gehrt nach dem Lande des Eingebornen, und erlangt es, durch Vertrag, durch Eroberung, oder durch beides-. Allmählich werden die Eingebornen gewahr, wie ihr Gebiet und ihre Zahl sich vermindern, und sie erkennen die Gefahr des ihnen drohenden Untergangs. Dann kommen die geheimen Verschwörungen, um das Land ihrer Väter wieder zu gewinnen, die listigen Anschläge um den

Englifche Charakteristiken.

Nach Macaulay'S Essays.

John Hampden.

Wer seiner Zeit genug gethan, Der hat gelebt für alle Zeiten,"

^ Das lebhafte Interesse und die ungetheilte in­nige Verehrung, welche die ganze englische Nation noch immer ihren großen Commoners aus der Revolutions­zeit weiht, beweisen, daß Tories, wie Whigs und Ra­dikale, Adelige und Bürgerliche noch ganz in ihrem Geiste handeln würden, wofern es was in England allerdings ein Ding der Undenkbarkeit ist der Krone jemals wie» er einfallen sollte, mehr Souveränitäts- rechte, als es die im Parlamente repräsentirte Volks­souveränität gestattet, in Anspruch nehmen oder sich gegen Reformen, die vom Volke einmal als dringend anerkannt und beschlossen wurden, hartnäckig widersetzen zu wollen. Vor allen andern hehren Namen, die von Geschlecht zu Geschlecht mit Ehrfurcht genannt sind, ist es der des großen Führers des langen Parlaments, I oh n H a mp b e n s, der dem britischen Volke nach zwei Jahrhunderten noch immer mit dem ganzen Vollklang majestätisch«' Popularität ins Ohr tönt.

Im Jahre 1831 gab Lord Nugent in 2 Bänden , Some Memorials of John Hampden, bis Party and his Times heraus, wozu Lord Eliot das Porträt

Argwohn des weißen Mannes einzuschläscrn, die ge­heuchelte Unterwerfung und die Schein-Annahme des Glaubens und der Gesetze der Fremden. Hiernach der plötzliche Aufstand, der gleichzeitige Angriff auf entlegene Posten und Gränzdörfer, die grausame Nieder- metzclung bloßgestellter Colonisten und die weitverbrei­tete Verwüstung der Früchte ihres Gewerbfleißes. End­lich folgt die noch grausamere Wiedervergeltung; das Uebergcwicht der europäischen Waffen wird wieder her- gestellt in einer langen Reihe abspringenver, aber blu­tiger Kämpfe. So oft die Eingebornen den Weißen im offenen Feld die Stirne bieten, werden sie geschla­gen; aber der Krieg besteht meistens nur ans Hinter­halten und UeberfäÜen. So lange auch Muth, Ver­zweiflung und Gewandtheit auf Seite der Emgebor- nen den Krieg hinaus ziehen mag, der endliche Ausgang ist immer der nämliche. Die Eingebornen sind zuletzt genöthigt um Frieden zu bitten, der ihnen nur gegen weitere Gebietsabtretungen bewilligt wird. So dehnt sich die europäische Gränze mit jedem Krieg aus, und mit jeder GebietsauSdehuung vervielfältigen sich die Ursachen zu neuen MißheUigkelten. Man lese in Bancroft's Geschichte von Amerika den Krieg des berühmten Indianerhäuptlings Philipp von (Connecticut gegen die neu-engländischen Ansiedler im Jahre 1675, und man liest im wesentlichen den jetzigen Kaffernkrieg. Nur mit dem einen, nicht unwesentlichen Unterschied: die Neu-Engläuder regierten sich damals factisch selbst, die Capcolonisten finden sich aber auf allen Seiten durch die engl. Bureaukratie in ihren Bewegungen eingeengt." Vom 'Charakter der Koffern macht in denTimes" ein Mann der viele Jahre am Cap gewohnt, eine sehr ungünstige Schilderung; er nennt ihn treulos und Hyä­nenhaft/Ich wohnte," schreibt er,an der Ostgränze der Colonie., in Grahamstow , von 1842 bis 1850, und ich kann mit gutem Gewißen behaupten, daß man den Colonisten der östlichen Provinz keine Gerechtigkeit hat widerfahren lassen. Alles Unglück, das jemals die­sen fleißigen Lauvwirthen durch Kriegszüge der Raffern Mgest-rßen, verdanken sie der Mißverwaitung des Co- lonialâes im Mutterland. Die einzigen zwei Män­ner, welche die Colonie am Ende gegen die Einfälle dieser geborenen Räuber und Mörder geschützt haben würden, waren der zu früh verstorbene Sir Benjamin d'Urban und Sir Henry Pottinger (der jetzige Gou- verneur von Madras). Letzterer, wiewohl nur kurze Zeit in der Colonie und an der Gränze, verstand sehr gut den Charakter dieser tigerartigen Meuschenthiere ich kann sie nicht anders nennen. Er na-m ihnen keine Treu schwüre ab, noch machte er, gleich dem jetzigen Statthalter , Gebrauch von Kriegs- und Friedensstaven, denn ein Kaffer weiß nichts von Treu' und Glauben; aber er ließ sie seine unsichtbare Macht und seinen starken Arm fühlen, und darum fürchteten sie ihn. Er proclamirte nicht daß erseinen Fuß auf Macomo's Nacken setze" (Macomo ist Sanbillt's Oheim), noch stieß er überhaupt leere Drohuugen aus; aber er hielt

nebst einigen Originalbriefen aus den Familienpapieren lieferte , welche' werthvolle Denkzeichen der innigen Freundschaft zwischen John Hampden und Sir John Eliot sind. Diese Denkwürdigkeiten von John Hamp­den wurden als Reliquien der englischen Geschichte mit lebhafter Theilnahme begrüßt und sind demjenigen, der sich spezieller mit englischer Geschichte und Literatur ver­traut machen will, angelegentlich zu empfehlen. Zwar ist die Ausbeute, die Lord Nugents Buch bringt, fast zu kärglich für einen solchen Mann; doch scheinen über­haupt nur noch wenige Reliquien von dem berühmten puritanischen Leader vorhanden zu sein, da er einer von den wenigen großen Männern ist, die nie auf Ruhm und Nachruhm, sondern nur auf treue Pflicht­erfüllung bedacht waren, die, wie Shakespeare feine Dramen, ihre Thaten sorglos und unbekümmert der Mit- uild Nachwelt anheimstellreu und unvergängliche Ehre fanden, wo sie nur das Wohl und die Freude der Nation gesucht halten. Wie Shakespeare der größte Dichter/ so ist Hampden der giößte englische Volks- . tribun geworden. Er drängte sich nicht zu seiner ge fahrvollen Stelle, doch als ihm die kühne Aufgabe ge­worden, löste er sie als hoher Geist und männlicher Charakter, ähnlich wie in ungünstigeren Verhältnisse», doch mit derselben gewordenen und nicht gemachten Gemüthsruhe und entschlossenen Hingebung, in unsern Tagen Robert Blum. Mehr als vierzig Jahre war er unter Nachbarn und Freunden in seiner

den Tiger Sandilli sammt seinen Rathgebern gefangen Jetzt ist eben dieser Sandilli, das Oberhaupt der Gaika- Stämme, wieder der Urheber all des Blutvergießens und Elends, das über die unglücklichen Gränzbewohner hereingebrochen. Sir Harry Smith war nämlich, nach Sir H. Pottingers Abgang von der Colonie, kaum 2 Tage an der Gränze, so setzte er Sandilli und Comp. in Freiheit, ernannte ihn in einer zahlreichen Versamm­lung von Kaffernhäuptlingen selbst zu ihremJnkoso Jnkuly" (Häuptling der Häuptlinge), und flickte einen Friedeusvertrag mit ihnen zusammen, wofür England wieder eine sehr theure Zeche zu bezahlen haben wird. Mit nicht mehr als 1400 Soldaten, rühmte sich Sir Harrn wolle er künftig die Raffern in Unterwürfigkeit erhalten; wie diese Zusage in Erfüllung gegangen ist, davon liegt jetzt der Beweis vor. Ja, der im Jahre 1847 mit den Raffern geschlossene Friede war nur ein trau­riges Flickwerk, welches den grausamen Raffern Ruhe gewährte, um einen nachdrücklicheren Krieg vorzubereiten.

Wie oft und inständig die unglücklichen Granzer die Regierung und Sir Hany Smith angegangen, etwas Wirksames gegen die Raubzüge und den Viehdiebstahl der Raffern zu thun, aber vergebens, das ist in Eng­land wohlbekannt. Sir Harry hat ohne Zweifel alles gethan, waS in seinen Kräften stand, aber er hatte sich gegen den Colonialminister Lord Grey zu einem sogc- nannten wohlfeilen System verpflichtet, und nun haben wir die Folgen. Smiths ist ein tapferer Soldat und ein gewissenhafter Mann, aber er hat fich und A bere getäuscht als er die schlauen Raffern zu kennen vorgab. Er mag ihnen Eidschwüre und F üche und den Friedens stab an den Kopf weiß n, wie er es einmal in einer Versammlung dem Häuptling Pato gethan; ja, er mag sogar, um sie zu erschrecken, vor ihren Augen einen Wagen mittelst einer galvanischen Batterie an- zünten lassen, wie er es ebenfalls gethan: bas wird ihre Meinung von den Weißen nicht verändern. Nein, sie müssen anders behandelt werben; man hänge Sau- billt, Macomo, Stockt», Massassa, Botman und an­dere Rädelsführer, oder deportire sie nach dem Räuber- eiland oder sonstwohin, wie man es früher mit Liur gemacht, und treibe ihre Anhänger in das Innere zu­rück, wo sie nicht schaden können; da paben sie Grund und Boden genug, wenn sie nur arbeiten wollen, an­statt zu stehlen und zu plündern. Der unglücklichen Colouie aber kann nicht zugemuthct werken, den Kaf­fernkrieg von 18dl zu bezahle», denn das ist klar: die Mißverwaltung des Colonialamtes hat diesen R i g veranlaßt, sowie die frühern von 1831 und 1847/' DasChron^cle" schreibt über den bisturmen Gang der Ereignisse:Bis jetzt lauten die Berichte vom Kriegsschauplatz nicht eben günstig. Zwar die kleine Besatzung in Fort Hare, unter General major Somerset, hatte 3000 bis 4000 Raffern tapfer zurück- geschlagen ; aber, mit dieser Ausnahme, scheint dcr Feind eher neuen Boden gewonnen zu haben. Fort Armstrong war aufgrgeben, in Folge des Abfalls der dor-

Grafschaft seines durchgebildeten Geistes, edlen Cha­rakters und feinen Benehmens wegen bekannt und als glücklicher Hausvater und in Lokalangelegenheiten als guter Rathgeber und Ordner beliebt. Die Politiker schätzten in ihm den ehrlichen, rechtlichen und gewand­ten Boklsvertreter , der im Parlamente seine Talente ruhig geltend machte, sich weder unzeitig oder unziem­lich vorschob, noch sich und seiner Sache jemals etwas vergab, fest zu seiner Partei stand und die Interessen seiner Vollmachtgeber mit der Gewissenhaftigkeit eines Abgeordniten vertrat, ter stets eingcd.nk war, daß er nicht seiner Person, sondern seiber Wähler wegen im Unterhause sitze. Da brach eine furchtbare Krisis aus: eine verwegene Regierung wagte einen frevelraften Ein­griff in ein heiliges und unverletzliches Volks echt, in ein Recht, das die Augel aller andern Rechte des eng­lischen Volkes war, in das SteuerbewiUlgnngsrewt. Die Nation war um einen Vorfechter verlegen. Da stellte sich der Esquire aus dem Bicckinghamshire ruhig und anspruchslos an die Spitze der Bedrohten und nahm den Fehdehandschuh auf, den die G^walthertichaft in frechem Hochmntpe der Nation hingeworfen hatte. Die Zeiten wurden trüber, die Noth stieg; der Dienst für Vaterland und Freiheit ward immer lebensgi-sahr-- licher, die Bahn immer steiler und dornenvoller; doch woVerstand uud H-rz, Mut» und Besonnenheit nöthig waren, da war John Hampden der Mann, der auch jetzt nicht auf sich warten ließ. Als Nothan Mann