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M S^l. Wiesbaden. Mittwoch S April 1^51.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des MontagS, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl 45 fr., auSwârt durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er folge. Die Jnscrationsgcbühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

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Die reaktionäre» Freundschaften.

X Die Contrerevolution hatte gesiegt, die Revo­lution wäre total aus dem Felde geschlagen?! So haben die Staatsauguren seit Jahr uno Tag in die Welt geschrieen: ob sie es glaubten ober nur sägten, um das Dumme Volk zu Dem Glauben zu führen ? Jedenfalls haben sie ihren Zweck schlecht erreicht. Die im Frühling 1848in's Wasser gelegten" vorsünd- fluthlichen Gewalten sind immer noch nicht im Trock­nen und weder Bregenz noch Warschau, Olmütz und Dresden haben die Rettung vollbracht. Wird der Bun­destag jetzt die Nothbrücke werden, auf der die Re­gierungen endlich aus dem Schwanken zu einem festen Standpunkt gelangen?Eis hat keine Balken!" und uns will es scheinen, als sei die Reaktivirung des Bundestags nichts âls Hohleis, welches der Nordost­wind aus St. Petersburg schuf, um den Abgrund zu verstecken, der da unten klafft. Aber wird das Eis so dick werden, daß es den Wellen Stand halten kann? Dazu gehört sibirisches Klima. Wenn die Reaktion dies nicht zu machen, wenn sie der Sonne nicht zu gebieten vermag:Stehe still!" und dem Lenze:Sei verbannt von nun an bis in Ewig, feit!" so hoffen wir, daß alle Mühe und An­strengung vergeblich bleiben. Die Völker wenig­stens glauben eher an den Ausspruch Galilâis: Sie' bewegt sich doch" die Sonne der Aufklärung und Freiheit. Es gehörte auch fürwahr noch weniger als der gewöhnlichebeschränkte" Unterthanenver­stand dazu, wenn wir nicht merken sollten, daß die Freundschaften der reactionären Machte nur die Freund­schaften Ertrinkender sind. Seht doch nur, wie sie sich umarmten diese Diplomaten, wie sie zwar Brust an Brust lagen und thaten, als seien sie ein Her; und eine Seele; doch was war der Zweck? Das eine Kabinet suchte sich am andern festzuklammern, um sich mit dem­selben und selbst auf dessen verdoppelte Gefahr hin zu retten. Erst schloß Oesterreich sich an Preußen: so lange jenes noch der schwächere Theil war, ließ es sich heben; doch als cs der stärkere geworden,_ suchte es Preußen unterzutauchen. Erst rief Preußen Die schiffbrüchigenKleinen" zu sich, aber mit derRet- tung" zeigte sich auch der Appetit. Da rief Oester­reich:Halt, so haben wir nicht nicht gewettet!" Und die Preußen zogen ab aus Baden und Kurhessen und Hamburg, wie die Katze vom Taubenschlage. Doch waren die Täublein darum gerettet? Als die Preußen fort waren, kamen die Oesterreicher und machten es gerade so, wie sie eS kurz zuvor den Preußen so ver­übelthatten. Und nun gab es ein neues Drängen und Treiben, ein Winden und Drehen, bis die Oesteereicher sich gleichfalls wieder zum Abzüge rüsteten und Preus­sen nach Frankfurt steuerte, wohin nicht zu kommen es so viel Tinte und Druckerschwärze, so viel Ehre und Geld verbraucht hatte. In Frankfurt wird der

Tanz von Neuem beginnen, und wenn endlich Alles ausgeglichen, wenn Alles zum alten vorsündfluthlichen Zustande zurückeiplomatisirt wäre, was ist gewonnen? Immer noch nichts weiter, als der Anfang vom Ende! Oder wird es, wenn nun Preußen die Pa­rität erreicht oder nicht erreicht hat, möglich sein, zu entwaffnen? Wer wird einander trauen? Der Sie­ger dem Besiegten? Das wäre Wahnsinn! Oder wird man sich vereinbaren, gegenseitig zu entwaffnen? Aber beruht denn nicht grade die ganze Contrerevolution auf der Spitze des Schwertes? Wer sie darauf stellte, und keine wohlfeileren Mittel fand, dec hat sie auf die Dauer unhaltbar gemacht. Doch ja, die Jesuiten sollen helfen! Sie? O stecket euer Schwert in die Scheide, laßt Die Massen aufathmen und ihr werdet sehen, daß die Kultur des 19. Jahrhunderts keine Wachsfigur ist, der man nach Belieben eine Nase drehen kann, sondern ein Riesenweib, das des Ge­würmes lacht, welches zu ihren Füßen kriecht. Aber wenn an eine Entwaffnung nicht zu denken, woher Geld nehmen? Soldaten kosten Millionen und bringen keinen Heller ein. Hat Oesterreich etwa so glänzende Finanzverhältnisse, oder Preußen oder wer etwa? Ueber- nimmt Rothschild Anleihen für die Contrerevolution? Ober der Kurfürst etwa, streckt er das Geld dazu vor, wenn es zu einem Kriege mit Frankreich und England wegen Oesterreichs Gesammteintritt käme? Oder ist die reiche Bourgeoisie entschlossen, Haut und Haar dazu herzu­geben, daß der Kaiser von Oesterreich deutscher Czar und ganz Dentschland als Beute Den Jesuiten vorge­worfen werde? Hat Ferdinand II. von Spanien durch seine Autodafes seines Reiches Handel gehoben? Rein vernichtet! England ward unter Cromwell groß; doch Cromwell war ein Rebe Z Die Bourgeoisie hat auch etwas gelernt: sie schäm sich bereits dieses Na- mens, sie will wieder B ürcze. sein. Und so lst's Recht. Und die Bureaukratie? selbst sie fangt an einzufehea, daß es eine glücklichere Aufgabe ist, mit dem Volke sich zu versöhnen, ihm zu dienen, dem ja auch sie entstammt, statt der Stand zu sein, der den Diploma­ten und Jesuiten die Kastanien aus der Asche holen und sich bei jeder Bewegung mit Haut und Kragen allein vor den Riss stellen soll. Ja, was der Revolution schwer, und vielleicht nie ganz gelungen wäre, es ist Dieser tollen Reaktion gelungen: alle gesunden Elemente des Volkes sind einander wieder näher gerückt, und so ver­schieden auch jüngst noch die Theorien darin sind jetzt alle Vernünftigen einig, daß diese Reaktion eine Tollheit, eine Raserei sei,' welche unmöglich Bestand haben könne und dürfe, wenn nicht Alles, Hab und Gut, Gesittung und Bildung in die Schanze geschlagen werden solle. Daszerrissene Deutschland" ist einiger als je! Das ist der einzige Segen, den wir der Reaktion verdanken.

i Deutschland.

ß Wiesbaden, 8. April. Eine Probe von Des# fentlichkeit der Verhandlungen im Sinne einer längst vergangen geglaubten, aber heut zu Tage erst recht wieder auflebenden Zeit lieferte die heutige Verhand- Inng vor dem Kassationshof. Es war in Sachen der wegen Kindesmoro zu8 Jahren Zuchthaus verurtheil- ten Kath. Drös Tagefahrt auf 9 Uhr anberaumt. Das Sitzungszimmer, dessen engen Begrenzungen man es an­sah. daß seine Einrichtung aus einer Zeit stammt, die keinen 4. März ahnen konnte, hatte eben Raum, das Richter­und Beamtenpersonal und einige Zuhörer aufzuneymeu. Zuerst verlas der Vorsitzende, Herr Präsident Müsset, ein von dem Vertheidiger einge eichtes Gesuch, worin derselbe drei der anwesenden Richter recusirte, die Herren Muffet, Stahl und Langhans*). Ueber die Zulässigkeit dieses Recusationsgesuchs hatte der Ge­richtshof nach dem Gesetz bei verschlossenen Thüren zu berathen; auf Ersuchen des Vorsitzenden schob sich das Publikum zu der Thüre hinaus. Jetzt ging auf Treppen und Gängen das Warten an; es kamen Leute ab und zu; n ich anderthalbstündiger Be­rathung that sich die Doppelthüre wieder auf uno hinein drückten sich etwa 2-5 Personen, die hintereinan­der hocken mußten und den geringen Raum dermaßen erfüllten, daß z. B. von dem Dasein des Gerichtsak- tuars keine Spur mehr zu entdecken war. Der Vor­sitzende verkündete, daß der Antrag des Vertheidigers abgelehnt worden sei. Nun endlich konnte die Verhand­lung beginnen.

Nach Verlesung des Betreffs der heutigen Verhand­lung bemerkte der Vorsitzende unter Verlesung der betreffenden Gesetzesstelle, daß, da im vorliegenden Falle Verhältnisse zur Sprache kämen, die das sitt­liche Gefühl verletzten, der Gerichtshof vorerst die Frage in Erwägung zu ziehen habe, ob die Oeffent- Uchkeck der Verhandln g statt finden könne: Verblüfft schauten sich die Leute an; die Herrn im blauen Frack aber zogen sich in ihr Be rathungszimmer zurück, von wo sie nach einerBerathung" von wenigen Minuten zurückkehrten, um durch den Mund des Vorsitzenden zu verkündigen, was jetzt n emanden mehr überraschte, daß in Ansehung der Paragraphen so und so viel, und jin Erwägung dieses und jenes, namentlich weil bei Dem vorliegenden Falle Verhältnisse zur Sprache kämen, die das sittliche Gefühl in hohem Grade verletzten, im Interesse derSittlichkeit" die Ver­handlungen bei verschlossenen Thüren statt zu chnden hätten. Das Publikum, um eine gute Lehre reicher, zchob sich zum zweiten Male zur Thüre hinaus.

Jetzt erst fiel wohl manchem der gestrengen Herrn ein Stein vom Herzen. Es muß auch gar zu pcin- * ) De 'i Vernehme« II.ich gründete sich das Recnsatiansgesiich deS Herrn Piekarater Leisler jun. darauf, daß der CaffalieuS- yof schon gest.ru <ue g.Neime Lchuug über den Fall gehalten, und darin der Referent seine Relation vorgetragen hatte.

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Englische Charakteristike»».

Nach Macaulay'» Essay.s.

. Znr Verständigung.

^ Das deutsche Volk, das gepriesene Volk der Intelligenz, muß noch unendlich viel lernen, um den rechten Weg zu seiner Rettung und zu seinem wahren Frieden zu finden. Für die Ausbildung des Ver­standes und Der Empfindung ist allerdings Alles ge­schehen, was Der gemäßigte Despotismus zu leisten vermag. Desto weniger aber hat der Polizeistaat klüg­lich für die Entwicklung derjenigen Geisteskräfte gesorgt, die der Mensch bedarf, um zur SelbMäuhigkelt, zur Unabhängigkelt in Gedanken, Gefühlen und Handlun­gen und zum Selbstvertralicn zu gelangen und das Seinige bcizutrageu, daß die Nation gleichfalls zur Selbstständigkeit/zur Selbstregierung und dadurch zur wahren bürgerlichen Freiheit gelange. So weit sind wir endlich trotz aller Lugpiopheten und falschen Apo­stel, trotz aller Verräthercien und Tänschungen zwar gediehen, daß es dem Volke heiliger Ernst mit seiner Veredlung und Kräftigung wird; aber über den guten Willen hinaus ist immer noch gar zu wenig geschehen.Ach, es fehlt zu sehr an Mitteln und an 'tüchtigen Führern," sagt man mit Recht zur Entschuldigung; aber fehlt es denn wirklich daran in dem Grade, wie sich Die deutsche Bequemlichkeit so gern elnredct, oder woran fehlt cs zunächst und zumeist? Das Erbübel unserer Nation, daS sich wie ein schwar, zer Faden namentlich durch die letzten Jahrhunderte

unserer Geschichte ziept, ist die Charakterlosigkeit, gegen welche die besten Lehren bisher noch viel zu wenig auszurichten vermochten, die gemächliche, gemüth­liche Charakterlosigkeit, welche die Mutter fast all uii- seres Unglücks und Verderbens war, jene heilig und unverletzlich gesprochene Charakterlosigkeit, welche dem Dentschen die unselige Virtuosität verlieh, sich in dem Schneckeuhäuschen seines Familien- und engsten Be- rufskreises glücklich zu fühlen, selbst wenn im Reiche Alles drunter und drüber ging; jene gottselige, men. schendienerische Charakterlosigkeit, Die, wie man zu sa­gen pflegt,Gott einen guten Mann sein läßt", die Der Obrigkeit, ob gut oder schlecht, dennoch als von Gottes.Gnaden so eingesetzt, sich blindlings zu un- terwerfeu weiß, welche Die Fürsten und i/te Die­ner in den Himmel hebt, sobald sie nur ein Fünk­chen menschliches Gefühl zeigen, und sich bei ihren Schwächen, Fehlern oder Unmenschlichkeiien damit zu trösten sucht, daßsie's ja nicht besser wissen", nämlich diese hohen Herrschaften nicht, weil sie in Standeövorurlhcilen groß gezogen und überall bestärkt würden, und Die Staaködieucr nicht, weil sie ihren Diensteid nicht anders verständen, als daß sie nur dem Fürsten und nicht dem Volke verantwortlich feien, und daß ja.stenwohl Volksglück fei! In dieser schmählichen Menfchendienerei , in diesem deutschen Erbüoel oben- ein durch Schulen und Kirchen, auf Universitäten und in der Literatur bestärkt, wie sollte Die Nation im Stande sein, ihr gutes Rechten wahren und Errun­genschaften einem so verschmitzten, gewaltthätigen und lousequenlkn Gegner gegenüber, wie der moderne Des­

potismus ist, fest zu halten und zu erweitern? Dies ist der Punkt, wo für und durch das Volk noch sehr viel geschehen muß Daher ist es Aufgabe der Vereine, der politischen und beiletiql: $en, ganz besonders aber der historischen Literatur, dem Volke Mittel und Wege zu bieten und Beispiele und Erempel vorzufüprcn, wodurch der Geist gestählt, das Gemüth gestärkt und jener eherne Sinn entwickelt werde, der fest hält, was er einmal ergriffen hat, zu rechter Zeit das Rechte zu ergreifen versteht und keine Linie von seinen wohl­begründeten Ansprüchen und Pflichten gegen Volk und Vaterland abweicht. Daß unsere Geschichtsschreiber namentlich eine schwere Mitschuld an dem jüngsten Mißlingen von Deutschlands Auferstehung und Ver­einigung tragen, ist allgemeine und begründete Klage. Männer, die vor stupender Gelehrsamkeit dem Leben und den Bedürfnissen des Volkes entfremdet waren oder sich aus Grillen ein System bereitet hatten, ehr­liche gelehrte Ochsen oder hochmüthige Doktrinärs, die das Gras wachsen, doch den Wald vor Bäumen nicht sehen, politische Sykophanten oder in Selbsttäuschung verkleidete Sophisten, das waren, das sind mit wem- gen AnSnahmen unsere gepriesensten Geschichtsschreiber. Von Den armen Teufeln, die nur Material in Lehr­und Schulbüchern nach dem Konsistorialmaße znm Be­darf der lieben Jugend zusammenkarren, will ich, ob­gleich auch sie unbeschreiblich nächtheilig auf das Volk einwirken, hier so wenig reden, wie von den Ver­führern und Betrügern, die nach altem Tyrannen­branche dazu angestellt und bezahlt werden, daß sie historische Falschmünzerei treiben und die schwärzeste ofsi-