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âeiheit und Nccht!"

M 82. Wiesbaden. Sonntag, 6. April 180.

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Der Dualismus eine Unmöglichkeit.

X DasJournal de Fanefort" versichert auf Diplomatenehre, daß alle Gerüchte von einer tiefen unheilbaren Spaltung zwischen Preußen und Oester­reich grundlos seien.Wenn Preußen mit Oesterreich über dasjenige, was die auswärtige Politik betrifft, eng verbunden ist, so theilt es auch mit ihm die tiefe Ueberzeugung, daß die beiden deutschen Großmächte durch ihre schweren Pflichten sich gedrungen fühlen müssen, über die innere Politik Deutschlands ebenfalls einig zu sein. Da die aufrichtige Absicht, zu einem vollständigen Einverftändniß zu gelangen, thatsächlich besteht, bedarf es zu ihrer Verwirklichung nur der durch die Natur der Umstände geforderten Zeit." Frei­lich, kommt Zeit, kommt Nath! So lange der Man- tcuffel'sche Geist in Preußen herrscht, wird kein Ver­nünftiger an einen unheilbaren Bruch zwischen den beiden Mächten glauben, von denen die eine sich so todesmuthig in ihrer Selbstaufopferung zeigt. Preußen wird noch manches Opfer bringen müssen. Denn, be­merkt der Diplomat des genannten Journals,Oester­reich ist überzeugt, daß der Dualismus nicht das rich­tige Mittel ist, das Wohl und die Macht Deutschlands zu fördern." Ferner wird versichert:Die Politik Oesterreichs ist weit entfernt von dem Wege, welcher zum Dualismus führen würde." Was bleibt also? Preußen muß sich opfern unddem Wollenden ge­schieht kein Unrecht." Das Preußen, das mit der Revolution und Reformation gebrochen, hat aufgehört, ein Prinzip zu repräsentiren. Sobald es in der Politik zum österreichischen Vasallen geworden, so hat es die Weltgeschichte als einen Fortschritt zu betrachten, wenn es auch- räumlich zur k. k. Provinz wird. Herr von Manteuffel ahnt dies instinktartig; Herr von Gerlach arbeitet auf dies Ziel mit Bewußtsein los: so wird sich das Schicksal erfüllen. Die Contrerevolution vol­lendet, was die Revolution zu vollziehen zu schonend war. Die Politik der Personen hat aufgehört, die Politik der Prinzipien hat begonnen: die deutsche Ein­heit ringt nach Vollzug und dieser wird ihr werden, weil die Idee reif, weil sie nothwendig geworden ist. Die Revolution klopfte an Preußens Thür und fragte, ob es durch Entfaltung der Freiheit zum Vollzug der Einheit voranschreiten, ob cs dies einige Deutschland schaffen und alsdann mit Ruhm und Ehren darin aukgehen wolle? Das offizielle Preußen wollte lieber dem Herrn dienen", als dem deutschen Vaterlande. Da erging der Ruf an Oesterreich, das sich wieder be­festigtes doch durch Mittel, welche den Keim des Todes in sich schließen. Schwarzenberg erhielt vom Welt­geiste die Aufgabe, zu voÜführcn, wozu Heinrich von Gagern zu hohl und schwach war: so oder so, die deutsche Einheit kommt zu Stande und wenn

Ein Blumenstrauß.

(Aus einem Briefe an.)

C Auch eine kleine Neuigkeit habe ich Ihnen mit- zutheilen, Verehrteste, und Sie müssen mir einmal einen Augenblick Gehör schenken, obgleich ich weiß, daß Sie von Neuigkeiten Ihrer Natur nach nicht gern etwas wissen wollen. Es war nämlich dieser Tage an allen Straßenecken mit großen Lettern angeschlagen, daß ein zur Ausstellung in London bestimmtes Blumen- Bouquct aus Zucker-Dmgant im Gasthaus zur Krone in Biebrich ausgestellt sei, zu dessen Besichtigung rin- geladen werde. Golt Lob, dachte ich, ka hat denn doch endlich einmal der nassauische Central - Gewerb- verein wenigstens eine n Gegenstand nassauischer In­dustrie zu unserer Anschauung gebracht, und da es et­was Zuckeriges ist, so wird er uns wohl seine bisherige unbegreifliche Unthâtigkelt um die Wahrung der In­teressen der inländischen Industrie bei jener Weltaus­stellung damit in etwas versüßen wollen. Freilich spät und kümmerlich, dachte ich; indessen besser etwas als gar nichts; also ans nach Biebrich.

Ich habe den Gang nicht bereut und wünschte nur, daß recht viele meiner Landsleute, daß ganz besonders Sie meine Verehrteste, an der Anschauung jenes schö- neu Werkes deutscher Zuckerbäckern sich möchten erfreut haben. Aber nassauische Gewerbthätigkeit? Das, sich Gott erbarm! Der wackere Mann, der das Ding verfertigt und ausgestellt hatte, war aus Ochsenfint am Main; er wollte sein Werk in London persönlich

sie durch Oesterreich geschaffen wird, so erfolgt mit zwingender, weil prinzipieller Nothwendigkeit eine eherne Diktatur. Diktaturen aber sind, gleichfalls ihrer Natur gemäß, stets nur Uebergaugsformen, welche zerbrochen werden, sobald der Guß vollendet, das Erz fest geworden ist. Je eisiger die Diktatur, desto ra­scher ihr Verlauf! Ist Oesterreich Inhaber der deut­schen Bundes-, wie seiner undeutschen Kronländer ge­worden, so ist der europäische Entwicklungsprozeß un­gleich einfacher. Denn dann wird das dynastische In­teresse nach immer strafferer Centralisation drängen, bis alle anderen Elemente zum heftigen Decentrirungsgange gezwungen werden; dann wird es sich bald zeigen, ob eine CamariUa von einem halben Dutzend Staats­männern und Generälen stärker ist, als ein halbes Dutzend Völker, die nach Entfesselung streben. Doch selbst wenn es den Staatsmännern gelänge, die Völ­ker durch materielle Konzessionen eine Zeit lang zn be­schwichtigen der Jesuitismus, der die Minister nur als Schachfiguren betrachtet, würde ihnen keine Ruhe lassen. Der gefährlichste Feind der Contrerevolution ist die Macht, welcher die Reaktion sich überlieferte, um die Revolution zu besiegen. Die Interessen der Dy­nastien und der Jesuiten gehen nur so lange zusammen, bis es zum Theilen der Beute kommt, »el bst angenommen, daß es gelänge, die Reformation als Hekatombe auf dem Grabe der Revolution zu schlachten und das Mittelalter zu reaktiviren, so steht es fest, daß der Moment des Sieges der Moment eines neuen Kampfes werden würde. Thron und Altar haben nebeneinan­der auf dem Nacken der Völker so wenig Platz, als Oesterreich und Preußen neben einander auf dem Präsidentenstuhle des Bundrspalastes. Der eine Dua­lismus ist auf die Dauer so unmöglich wie der andere: e tu Prinzip muß herrschen, eine Souveränität schließt die andere aus! Können die Dynastien sich nicht durch eigene Kraft, durch die in i h r e r N a t u r liegenden Mittel mehr erhalten, sind sie so lahm und altersschwach, daß sie eines Füh­rers und Schutzherrn bedürfen, so werden sie diesem dienstbar werden, und dieser wird herrschen wollen, weil er sonst den Zweck seiner Anstrengungen verfehlen würde. Die Frage ist daher, wenn die Contrerevo- lution siegt, nur noch die, ob die europäischen Staaten sich in Priesterstaate» verwandle» lassen und die Fürsten die Rolle ägyptischer Pharaonen übernehmen wollen? Kehrt Vie Reformation aber, so bedroht, zu ihrem Prinzipe zurück, gedenkt sie ihrer Solidarität mit der Freiheit wieder, so kann es allerdings noch einmal zu einem Religionskriege kommen; doch ein dreißigjähriger wird es sicher nicht und ein Osnabrücker Friede noch viel weniger. Denn die Völker haben seit 1648 viel gelernt, die Staatsmänner, wie sie selbst gestehen, konnten aus der Geschichte nichts lernen, und die Jesuiten sind in dem Wahne, das >9. Jahrhundert

zu Markt bringen, und stellte es in Würzburg, Frank­furt und sonst "unterwegs aus, um sich die Kosten der Reise und des kost picligen Aufenthalts in London zu erleichtern, d. h. er mußte sich, da seine Regierung für dergleichen Zwecke kein Geld hat, auf eine anständige Art durchbetteln. Ob es wohl bei uns anders sein möchte? dachte ich. Von Baiern, das 38 y2 Pro­zent seiner sämmtlichen Staatseinnahmen für fein Mi­litärwesen aufbraucht, während dem Büdget der Er- ziehuug und des öffentlichen Unterrichts nur 1 % Pro­zent zufließen, kann uns dergleichen nicht Wunder neh­men; aber Nassau, der ehemalige Musterstaat Nassau, was hat denn der für U n t e r st ü tz » n g seiner In­dustriellen zum Behuf der Weltausstellung, für eine anstän­dige Vertretung seiner Aussteller an Ort und Stelle, für eine gediegene und umfassende Be rl ch t e rst a t tu n g von dort aus gethan? Vielleicht viel, vielleicht etwas, viel­leicht nichts: soviel wissen wir, daß wir nichts wis­sen. An wem mag nur die Schuld liegen? Wer ist denn eigentlich.....Doch ich wollte Ihnen ja von einem Blumenstrauß erzählen und nun hat mich das unschuldige Ding auf einmal wieder recht bösartig ge­macht. Sehen Sie, wie leicht ich bös werden kann! Ich glaube, daran ist der bairische Zuckerbäcker schuld; denn denken Sie sich nur einmal, der Mensch ist zwar ein guter, treuherziger, recht verständiger Man», wie die große Mehrzahl seiner schnurrbärtigen Landsleute, aber erschrecken Sie nicht, er ist ein staatsgefährli­cher Wühler, der die bedenklichsten Gedanken in seinen Strauß gebunden hat und damit Hausiren geht. Sie meinen wohl, ich scherze? Geben Sie acht; ich will

sei mit denselben Mitteln zu bewältigen, wie das 17. einst. Die Zeit wird lehren, daß die Politiker, welche die Zukunft der Dynastien mit der des Jesuitismus zusammenschmiedeten, statt sie durch Eintauchen in die demokratische Strömung der Gegenwart zu verjüngen, die Throne mehr untergraben haben, als alle Wühler von Huß und Luther, Wilhelm von Oranien und Cromwell an bis auf Mirabeau und Robespierre, Proudhon, Kossuth und Mazzini.

Ueber Bestellung eines Fiskal -Anwalts für den Landtag.

// Wiesbaden, 31. März. Der obige Gegenstand, welcher in dem Landtag wieverholt in Anregung ge­kommen ist und zuletzt durch den Antrag des Abg. Raht offiziell zur Sprache kam, ist von der größten Wichtigkeit für das Land. In den Ausschuß waren die Abgg. v. Eck, Preiß und Braun gewählt. Der letztere war zum Berichterstatter ernannt. Der Bericht war am 27. beendigt, er stand auf der Tages­ordnung für den 28. März. Die Erledigung dieser Tagesordnung wurde durch den bekanntenpassiven Widerstand", den plötzlich das Ministerium leistete und durch welchen es die Nothwendigkeit eines Endes des Landtages herbeiführte, unmöglich gemacht. So wußte sich das Ministerium auch diesen Stein vom Herzen zu wälzen; und es war ein schwerer Stein; denn selbst die der Rechten angeoörigen Abg-ordneten v. Eck und Preiß waren dem Berichterstatter Braun bci- getreten und hatten den Bericht mitunterzeichnet. Wir theilen Veit Bericht nachstehend mit:

An die hohe Versammlung der Volks­abgeordneten.

Bericht deS zur Begutachtung des Raht'schen Antrages auf Erlassung eines Gesetzes wegen Bestellung eines Fiskalanwaltes niedergesetzten Ausschusses, bestehend auS den Abgg. Braun, v. Eck und Preiß.

Dcr unterzeichnete Ausschuß hält die Bestellung eines Fiscalanwaltes in einer den Intentionen des An­trages entsprechenden Weise für theils durch allgemeine staatsrechtliche Rücksichten, theils durch die besondern Verhältnisse unseres Landes geboten. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere damalige Verfassung, insoserne als sie kein genügendes Sichcruugsmittel dafür, daß die von der Volksvertretung in Fsnayzangelegenheiten gefaßten prohibitiven Beschlüsse zum Vollzug kommen, bietet, an einer in ihren praktischen Folgen sehr bekla- genswerthen Lücke leidet. Die Verfassungen anderer Länder enthalten als Sicherungsmittel für den bezcich-

Jhnen seinen Strauß beschreiben und dann urtheilen Sie selbst, ob ich recht gesehen habe.

Aus einer flach gewölbten silbernen Vase, von Epheu umrankt, erhebt sich ein großer Strauß künst­licher Blumen, flach gearbeitet, auf einer weißen Hin- terwand abstehend, hinter Glas, in einem vergoldeten Rahmen von 4 Fuß Höhe und 2/2 Fuß Breite. In allen den unzähligen Blüthen und Blüthchen, Blattern und Blättchen des Straußes ist die Natur aufs täu­schendste nachgeahmt. Im innigsten Blinde prangt hier die gespreizte Nelke neben dem bescheidenett Veilchen", der kopfhängerische Jasmin zwischen zwei schelmischen Aurikelchen, die stolze Kaiser­krone über dem lieben deutschen Gänseblümlein, ein heißblütiger Rittersporn scheint es auf die Lilie der Unschuld abgesehen zu haben, und um die zärtliche Myrthe hat ein verliebter Jclänger-je- lieber seinen umarmenden Zweig geschlungen. Die Modedame Camelia schneidet zwar vornehme Gesich­ter dazu und manch liebes Monatsröschen ver­birgt schamerröthenv sein Angesicht; aber das Ren­dezvous findet eben statt und am Ende lassen j$ sich alle Theilnehmenven gefallen, und so werden Sie sich auch meine Erzählung gefallen lassen unb am Ende gestehen müssen, daß das Rendezvous dieser Blu inen nämlich so ganz übel doch nicht ist und jedenfalls seiner Natur nach ein zuckersüßes gewesen sein muß. Sie werden nücht/erwarten, daß ich Ihnen all tiefe Blümchen und Blu men einzeln benamsen soll; Botanik ist meine starke Seite nicht und am Ende haben Sie dergleichen in Ihrem Gärtchen am See