„âeiheit nnh Necht!"
^80.
Wiesbaden. ^rrtHß. ^. April
1851.
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M altteuffels „elfte Stunde"
X Vorgestern wurde die Rückantwort Oesterreichs auf die ley.tr preußische Note in Berlin erwar- tet; doch kannte man bereits die Bestätigung des Gerüchts, daß Fürst Schwarzenberg auf, eine neue Zu- sammenkunft mit Herrn von Manteuffel dringt. Die Persönlichkeit des Fürsten ist bekanntlich ebenso impo- nirend, wie die des preußischen Premier unbedeutend ist. Es scheint jedoch, als ob man dies in Charlottenburg endlich einzusehen anfängt, so daß ein neues Olmütz sehr gefürchtet wird. Der Inhalt der österreichischen Antwort wird nicht blos über diese Zusammenkunft, sondern vielleicht über Manteuffels Eristenz als Minister überhaupt entscheiden. Die Kabinetskrisis in Berlin, wovon wir seit einigen Tagen mancherlei Anzeichen erhielten, wird immer ernster. Arnim hat bekanntlich den Eintritt ins Kabiuet abgelehnt, mit AlveuSleben war der König nicht glücklicher. Hierauf soll Manteuffel selbst einen Vorschlag gemacht und den Unter- staatssekretär Vc Cocq empfohlen haben; doch das hieße eben nur, vom Schlimmen zum Schlimmsten schreiten. Es handelt sich um Manteuffels Beseitigung. „Seine Stellung," schreibt man der „Köln. Ztg.", „ist im höchsten Grade gefährdet, es hat am vorigen Sonntag bereits eine sehr lebhafte Scene in Charlottenburg Statt gefunden, und es bereiten sich Enthüllungen vor, welche den Rücktritt des Minister-Präsidenten als unausbleiblich erscheinen lassen. Details kann ich nicht weiter anführen, nicht einmal andeuten, aber seine Stellung ist, selbst wenn alle Mittel in Bewegung gesetzt werden, nur noch wenige Wochen haltbar." — In Betreff der Neuenburger Frage meldet die „Voss. Ztg.", daß Frankreich allerdings seine versöhnende Beihülfe zugesagt habe, doch unter der Bedingung, „daß diese Frage von allen ankern Intentionen, die etwa gegen die Schweiz genährt würden, getrennt und für sich allein zur Erledigung gebracht werden." — Das „Journal de Francfort" enthält über Frankreichs neueste Schritte einen Artikel, der aus außerordentlicher Diplo- matenfeker zu stammen scheint und deshalb mit Vorsicht gelesen, aber beachtet zu werden verdient. Nachdem der Verfasser es als eine Wahrheit (?) hingestellt hat, daß durch Einverleibung Gesammtösterreichs der Charakter des Bundes als CoUektivmacht (aber auch als deutsche?), auf keine Weise (?!) verändert werde und als zweite eben so fragliche „Wahrheit" Hinzuge, setzt hat, „daß durch diese Schöpfung einer politischen Einheit von 70 Millionen Seelen, die nur nach Unabhängigkeit gegen Außen und Ordnung im Innern strebt, der Weltfrieden auf die sichersten Grundlagen gebaut, und der Revolution der festeste Damm entge- gengestellt wird," geht er zu folgenden, offenbar auf Preußen berechneten Betrachtungen über: „Warum
Therese Milanollo.
E Wer erinnert sich nicht des lieblichen Schwesternpaares, jener kunstbegabten Wunderkinder, die bei ihrem ersten Auftreten dahier vor acht Jahren unsere Stadt in einen Freudentaumel versetzten? Alle Sitze, alle Logen, alle Räume des Theaters waren damals dicht gedrängt; viele waren froh, nur hinter den Kulissen auf der Bühne selbst noch ein Plätzchen bekommen zu können, um den seelenvollen Tönen zu lauschen, die das jugendliche Künstlerpaar in vorher nie geahnter Weise den Saiten zu entlocken wußten. Seitdem ist gar Manches anders geworden; mancher Rausch verflogen, manche Blnme verblüht; auch die jüngere Schwester, die feurigere, vielleicht die begabtere, ist von einem frühen Tode dahingerafft worden und wir sonnten uns eines Anflugs wehmüthiger Nacherinnerung nicht erwehren, als am Montag Abend die ältere Schwester, Therese, jetzt zur Jungfrau erwachsen, allein vor uns stand, mit dem strengen Ernst in den Zügen, ßü dem festen, schwermuthsvotten Blick, in der Schmucklosigkeit und Anspruchlosigkeit ihrer äußeren Erscheinung, und als die jüngere Schwester, das muntere, lebensfrohe Kind mit dem reizenden Lockenköpfchen nicht mehr neben ihr stand, die tiefer gefühlten, getragenen Melodien der älteren Schwester mit muthwillig gaukelnden Tonver- schUnanngen zu umranken. , ,
Therese Milanollo hat uns in drei einzelnen Vorträgen an jenem Abend Proben ihrer Kunst hören lassen, eine Fantasie über Melodien ans Richard Löwen- Herz, aus der Favoritin, zum Schluß einen köstlichen
will Frankreich sich demselben entgegen sieden? Man sollte fast glauben, daß, da der Eintritt des ganzen Oesterreich in den Bund dem europäischen Gleichgewicht nicht den geringsten (?) Nachtheil bringt, diese Macht irgend einen Hinterhaltsgedanken nähre. Ist es wahr, daß Frankreich wünscht, Oesterreich möchte in Italien angreifbar bleiben ? Sollte der Wunsch, über Italien zu herrschen, den jenes in frühern Zeiten hegte, wieder erwacht sein? Sollte es den Gedanken noch nicht auf- gegeben haben, Savoyen mit Frankreich zu vereinigen, und das sardinische Haus dafür mit der Provinz Mailand zu entschädigen? In den letzten Zeiten hat Frankreich über den Eintritt von Gesammtösterreich in den deutschen Bund sich eine Sprache erlaubt, die man als drohend bezeichnen muß. Es wird aber der französischen Regierung nicht gelingen, das Petersburger Cabmet zu bestimmen, den Standpunkt zu verlassen, von welchem dieses die schwebende Frage betrachtet. Es ist also beinahe gewiß, daß die Sendung, womit Hr. Mercier für den russischen Hof beauftragt ist, den Zweck der französischen Regierung verfehlt. Frankreich kann ebensowenig (?) auf England rechnen. Das britische Cabinet führt über den Eintritt aller österreichischen Provinzen in den Bund eine gemäßigte Sprache, und kennt die Absichten Frankreichs in Beziehung auf Jalien. Was die beiden großen Mächte Deutschlands betrifft, Oesterreich und Preußen, so betrachten sie die äußere deutsche Politik auS dem gleichen GesichtS- punkt in ihrer Eigenschaft als politische Collectiv- macht. Man kann als bestimmt asinehmen, daß sie in dieser Beziehung unauflöslich (!) aneinander halten werden. ES wird Frankreich nicht gelingen, diese Uebereinstimmung zu stören, und es ist wahrscheinlich, daß die Protestation der französischen Regierung gegen die Einverleibung von ganz Oesterreich in den deutschen Bund keine Wirkung haben wird. Die vou französischen Agenten bei einigen kleinen Regierungen in Dresden angesponnenen Bemühungen werden diese Einverleibung gewiß nicht verhindern."
Trotz aller dieser Redensarten, die klingen, wie die Sprache des Fuchses zu den Gänsen, bleibt es doch nicht so unwahrscheinlich, daß Oesterreich auS Rücksicht gegen Frankreich die italienischen Provinzen nicht mit in die gemischte Ehe bringen und vielleicht noch manche andere Veränderungen seines „großen Gedankens" für nöthig erachten wird, wenn das offizielle Preußen einmal aufhört, blos mit Manteuffel's weltberühmter Brille zu sehen. Oesterreichs Diplomatie fängt an, viel von der früheren kecken Zuversicht zu verlieren; der Kaiser ist auf Popularitätsreisen; Die russische Agenten treten wieder auffallend hinter den Cou- lisen hervor; man schmeichelt Palmerston, den verhaßten, wegen seiner „gemäßigten Sprache", man streichelt Frankreich sogar trotz aller Unbequemlichkeiten,
Venetianischen Carneval, jedesmal mit Begleitung des Orchesters. Es kann nicht unsre Absicht f. in, in eine Schilderung oder gar eine Beurtheilung dieser Leistungen einzutreten: so etwas will selbst gehört, selbst empfunden sein, und je höher, je reiner der Genuß, desto weniger wird die Sprache mit ihren im Vergleich mit den Darstelluugsmitteln der Musik so ärmlichen und unbeholfenen Ausdrucksweisen im Stande sein, den künstlerischen Gehalt des Vorgetrageuen auch nur annähernd wieder zu geben. Wir müssen uns bescheiden, Dein begeisterten Urtheil aller Sachkenner über die Virtuosität solcher Leistungen einfach begatteten und dem stürmischen Beifallrufe des Publikums, der fast allen Hauptpassagen des Solospiels unwillkürlich folgte, durch unsre schwache Stimme einen leisen Nachhall zu verschaffen. Welcher Anstand im Auftreten, welche Leichtigkeit im Halten des Instruments, welche Sicherheit und Kühnheit in der Bogenfuhrung! Mit Staunen erfüllte die Beweglichlichkeit dieser Hände, die in allen Gliedern der Finger bemerkbare leise Vibration, die Kunst der glockeureiuflen Tonbildung im Oktavengriff und in den Zitterklängen Der süßesten Flageolet-Töne. Alle diese Feinheiten, die immerhin nur einem kunstgeübten Ohr in ihrem rasch überstürzenden Wechsel aufzufassen und zu würdigen gelingen wird, übertraf jedoch die Darstellung jener Stellen des getragenen Adagio, in denen so recht Die innersten Gemüthsregungen einer reinen Menschen- seele sich wiederspiegelten und in denen wir das eigentliche innere Wesen Der jugendlichen Künstlerin am reinsten wieder zu erkennen glauben, mit all ihrem Schmerz, all ihrer Lust.
die es zu bereiten wagt, man droht Sardinien nicht mehr, wie zuvor, man ist auf den Freiburger Putsch nicht gut zu sprechen: das Alles sind Zeichen, welche für Preußen noch einmal Chancen bieten, wenn eS ' die Verhältnisse zu benutzen, und, um dies zu können, zunächst Herrn v. Manteuffel in Gnaden zu entlassen wagt. Ob es dies wird, das freilich ist eine andere Frage; denn seit Jahren war Preußens Geschichte eine ununterbrochene Reihe von verpaßten Momenten. Es gehört nicht viel Verstand dazu, zu erkennen, daß Oesterreich Alles gewinnen muß, oder sein Hazardspiel verloren hat, daß eS also nur darauf ankommt, es nicht zum Ziele gelangen zu lassen, bis die NemesiS der Finanzwirthschaft es ereilt: ob aber die preußischen Staatsmänner, die jetzt am Rudèr sind, so viel Einsicht und Energie haben, ist mehr als unwahrscheinlich.
Nassauischer Landtag.
Bericht des Abg. Müller IL als Berichterstatter der Commission für die Gesetzentwürfe, die Revision der Gesetze über die Gemeinde- unv KreiSverwaltung betreffend.
(Fortsetzung.)
5) Um sodann die Beamten vom Höchsten biS zum Niedrigsten (vom Geheimrath bis zur Hebamme) welche ebeuwohi feyr oft zur Classe der Proletarier gehören, ja nicht auf gleiche Linie mit den übrigen Proletariern zu setzen, hat man ihnen ein anderes Privilegium, nämlich das der Befreiung von Gemeinde- diensten zugedacht.
Wenn davon gesprochen wird, drß außer dem im Jahre 1848 zur Geltung gekommenen Gleichheitsfaua- tismus sich ein vernünftiger Grund für die Gleichstellung der StaatSdiener mit den übrigen Bürgern nicht geltend machen lasse, so entgegnen wir, daß es wahrlich kein Fanatismus ist, wenn man verlangt, daß die Staatsdieuer, die alle Vortheile der Gemeindeverwaltung genießen, die an allen Anstalten der Gemeinde (Schulen, Wegen, Brunnen, Vergnügungsanstalten (Theater) rc.) theiluehmen, auch zu den sämmtlichen Gemeiudelasten beitragen. *
Auf Der anderen Seite aber ließe sich mit mehr Recht geltend machen, daß sich keine Gründe für die Behauptung au führen lassen, daß die Staatsdiener durch ihre bisherige Stellung zu Den Gemeinde von ihrer Amtspflicht abgehalten würden, da ja die Frohn- ken, von denen man sie befreien will, zu Geld angeschlagen werden können. Wir sollen hiernach für die Folge im Gemeindewesen 2 Classen von Berechtigten und besonders Bevorzugten Personen, nämlich Vermögende und Angestellte erhalten, alle übrigen würden
Nur mit Zurückhaltung möchten wir dabei eines leisen Bedenkens erwähnen, das uns inmitten dieser Fülle von Kunstgenuß anwandeln wollte. Es sind ohne Zweifel jedem Instrument durch seine eigenthümliche Natur gewisse Grenzen gesteckt, welche der Spielende, wenn er eben dieser Natur in Umfang, Stärke und A r t d e s T o u e s nicht zu nahe treten iiiio in das Gebiet eines andern Instruments nicht hinüber greifen will, sorgfältig einzuhalten sich unter allen Umständen gedrungen fühlen muß, wenn sein Ton ein naturgemäßer, D. h. ein schöner bleiben soll. Sollte nicht Therese Milanollo. an dieser Grenze augekommen sein und Der schwachen Besaitung ihres Instrumentes hin und wieder etwas Ungeeignetes zutrauen? Gerade in der Sicherheit der AuSsührung und in der innigen Vertrautheit mit dem Instrumente scheint unS für jeden Künstler eine gewisse Gefahr zu liegen, ähnlich wie in andern Lebensverhältnissen da, wo Die Vertrautheit mit dem geliebten Gegenstand in Vertraulichkeit über, zugehen anfängt. — Daß dieses Bedenken übrigens dem Gesam nteindrucke solcher Leistungen, wie sie eine anerkannte und wahrhaft große Künstlerin zu entfalten weiß, keinen Eintrag zu thun vermochte, glauben wir durch unsere Darstellung hinlänglich gezeigt zu haben; mit gesteigertem Interesse sehen wir vielmehr einem nochmaligen Auftreten derselben entgegen, das uns dem Vernehmen nach in künftiger Woche bevorstehen soll. Solche Genüsse sind seltene Lichtblicke auf Dem einfarbigen Grunde des Alltagslebens; welcher Kunstsinnige möchte sie versäumen wollen?