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Freie Zeitung.

Freiheit und tlechl!"

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.â 77. Wiesbaden. Dienstag 1. April 1^52.

Einladung zum Abonnement.

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung''. Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg­lich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, AM» und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen uud sozialen Angelegenheiten des In- und Anstandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Expedition (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1 fl. 45 kr., durch die Poft bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Znserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Die neueste Wendung.

X Wenn es sich bestätigt, daß die preußische Re­gierung die Bundesversammlung in Frankfurt durch einen Bevollmächtigten zu beschicken beschloffen und die übrigen bisher in der Eschenheimer Gasse noch nicht vertretenen Kabinette zu einem gleichen Schritte aufge­fordert hat, so wäre dies der. sicherste Beweis für die misglückte Einigung zwischen den beiden deutschen Großmächten. Am 27. März erklärte die Kreuzpeilung bereits, die jüngste nach Wien abgegangene Rote sei ein Ultimatum, nach dessen Ablehnung von österreichi­scher Seite Preußen die Dresdener Konferenzen als ausgehoben betrachten und einen Gesandten nach Frank­furt schicken werde. So wären denn nach langem Wenden und Drehen die Diplomaten grade dort wie­der angelangt, von wo sie ausgingen. Haben aber durch die unsäglich vielen Niederlagen, welche Preußen als gerechte Strafe für seine prinziplose, de- und weh­müthige Zauderpolitik erlitt, die Gründe, welche das Potsdamer Kabinet gegen eine Reaktivirung jenes Klubs" schleuderte, an Kraft verloren? Ist plötzlich das, was früher schwarz hieß, weiß geworden? Preus­sen geht mit einem gewissen Trotze zum Bundestage zurück; es hat Oesterreich mit diesem Voranrück- schritte gedroht: doch ist eine solche Flucht zu einem Institute, dessen Rechtlosigkeit^ und Unzweckmäßigkeit so oft nachgewiesen wurde, ein Sieg? Nein, nein, dieser Schritt ist nichts als die allerletzte Position, der äus­serste Versuch zur Selbsterhaltung.

Der Wurm selbst krümmt sich, wenn er getreten wird; wird Preußen jetzt gleichfalls zu energischen Maßregeln greifen? Zu Energie gehört Charakter, Muth, Vertrauen, also grade das, was das Kabinet Manteuffel nicht besitzt Diese neueste Wendung kann Schwarzenberg also vielleicht neue Schwierigkeiten be­reiten, doch Preußen zu retten vermag sie nimmermehr. Aber was bleibt Herrn von Manteuffel »och übrig, wenn sein Gegner und guter Freund in Wien auf das Ultimatum nicht eingeht? Daß ihm nichts weiter übrig bleibt, gerade das ist dieVerurtheilung seiner ganzen Taktik. Ein Fechter, der aus Verzagtheit wei­ter und weiter zurückgeht bis an die Mauer, ist ver­loren, denn wie soll ihm jetzt plötzlich Muth kommen, da er gerade aus Mangel an Muth retirirte?

Wer .die Verhandlungen von Anfang an ohne Illusionen beobachtet hat, der wird wissen, daß Preußen sich an einer Lösung abarbeitete, welche dieKöln. Ztg."

sehr bezeichnend mit der Quadrantur des Cirkels ver­gleicht. Keine der beiden Großmächte kann in eine Gestaltung des Bundes willigen, wodurch ein anderer, nichts weniger als homogener Staat das Recht erhält, in des andern Angelegenheiten möglicher Weise ent­scheidend kinzugreifen; keine kaun zugeben, daß der Fall möglich wird, in Sehend fragen von dem Gegner, dessen Interessen schnurstracks andere sind, überstimmt und so zum Selbstmorde verurtheilt zu werden. Die­jenige Großmacht, welche in diese Lage kommt, hat aufgehört, selbstständig, oder was dasselbe ist, so uv e r ar n zu sein: sie ist faktisch mediatisirt.

Preußen will nicht mediatisirt sein; Oesterreich will P r e u ß e» m e diatisiren! Dies ist der langen Verhandlungen kurzer Sinn. Oesterreich will Hammer sein; Preußen nicht Hammer und doch auch nicht Amboß werden, es möchte mit Hammer sein und die andern deutschen Staaten zur Amboßrolle verurtheilen: das bedeutet sein Dualismus eine Utopie", als wenn sie in der Paulskirche ausgeheckt worden wäre.

Wenn", äußerte unlängst dieWeser-Ztg." sehr richtig,Preußen nichts Anderes kann, als was Oester­reich auch, und zwar besser, vermag, nämlich die Polizei über die revolutionären Ideen üben, wenn es seine charakteristische Ausgabe, seinen geschichtlichen Beruf, seine Raison dètre an den Ragel hängt, so findet auf feine Fortdauer die 'Frage des Grafen Minister Anwendung:Cette Puissance pourquoi devrait- elle exister? Wenn Preußen nicht preußisch sein will, so braucht es auch nicht zu sein. Wenn seine Selbstständigkeit im europäischen Systeme nicht nothwendig ist, um ein bestimmtes positives In­teresse, eine bestimmte positive Idee zu vertreten, so ist sie überhaupt nicht nothwendig. Wenn seine Eristenz nur dazu dienen soll, Funktionen wahrzunehmen, welche jede andere Eristenz eben so gut wahrnehmen kann, so fällt das Recht seines Bestehens zusammen, und die Mediatisirung durch eine öftere. Bundes-Behörde wird zum unabwendbaren, weil verdienten Schichal. Wie es Lurus wäre, einen Minister zu besolden, um für die Gaffenpolizei zu sorgen, so wäre es im Haushalte der Weltgeschichte Verschwendung, eine eigene Großmacht zu unterhalten, um Handwerks-Burschen und Literaten zu überwachen. Aller Scharfsinn in Versayun^s- Combinationen, alle Bündigkeit in Rechts-Abhandlun­gen, alles Schlagen an die Scheide wird Preußen nichts helfen; es wird nicht eher die drohende Ueber»

macht Habsburgs tu ihre Schranken zurückrveisen, nicht eher die ihm gebührende Stellung in Deutschland ein- nehmen, als bis es seiner Politik wieder den Inhalt gibt, dessen Name sogar jetzt veipönt und von seinen amtlichen Organen verbannt ql:deutsche Re­form.""

AberReform" ist ja in Preußen mit Revo­lution gleichbedeutend; Alles, was vernünftige Men­schen Reform nennen, erscheint Herrn von Manteuffel als Revolution; mit der Revolution brechen, ist ihm ganz dasselbe, wie mit den Ideen brechen, auf denen Preußen erwuchs: m:t den Ideen der Gewissensfreiheit, der Intelligenz, der strengen Sparsamkeit im Staats­haushalte, der Hebung des dritten Standes und der Niederhaltung der Junker- und, wie Friedrich II. zu sagen pflegte,Pafcnwirthfchafl."

Daß es Schwarzenberg gelang, Preußen Furcht vor seinem eigenen Schatten cinzuflößen, den Hof ins Bußaewand zu schrecken und Manteuffel zum allergröß­ten Gestalten seh er zu machen, darin beruht daS Geheimniß seiner wunderbaren Erfolge. Preußen, so­bald es aufhört, in jenem Sinne preußisch zu sein, d. h. den Vorsechter der Aufklärungund bürgerlichen Freiheit zu machen, hat aufgehört eine Großmacht zu fefit, grade, wie England aushörr» würde, das gefürchtete England zu sein, sobald es mit der Geschichte seiner letzten zwei Jahrhunderte bräche.

Will Preußen sich reaktiviren, so kann es dies somit nicht durch Reaktivirung des Bundes; nur eins ist ihm noch geblieben, wenn dieses Letzte nicht bereits dem Fluche desZu spät" verfallen ist, daß es näm­lich in seine Devise:Bruch mit der Revolution!" die sechs bedeutsa.nen Buchstabencontre" schreibe. Ohne Bruch mit der Co n trerevol u Hou, ist und bleibt Preußen gebrochen.

Nassauischer Landtag

Q Wiesbaden, 29. März. Indem wir unsern Lesern nachstehend den Ausschußbericht über den Ge- setzeseutwurs, die Wahlen der /Abgeordneten betreffend, welcher die Geschichte unseres 1848er Land­tages schließt, mittheilkn , fügen wir eine kurze ab.r genaue Geschichte dieses Berichtes hier bei, dessen so­genannte gründliche Berathung der Regierung den Borward zur Verhinderung jeder Berathung und Be­schlußfassung über das Wahlgesetz durch Versagung je-

Die projektirte Gründung eines nassaui­schen ärztlichen Vereines nebst Bereins- blattes und die Fortsetzung der medizini­schen Jahrbücher.

(Schluß)

*||* Ad 4. So sehr wir nach dem Mitgetheilten mit De. Spengler einverstanden sind, daß ein ärztlicher Verein für die Nassauer Aerzte Bedürfniß ist, so we­nig können wir ihm beistimmen, daß der Verein als sein Organ eine medizinische Zeitschrift gründen soll, die vorzugsweise wissenschaft­lich-medizinische Arbeiten liefern und nur, wie es scheint, nebenbei die Ne form best re- bungen vertreten soll. Dr. Spengler glaubt nämlich, daßder Hauptgrund, warum ein solches Unternehmen noch nicht gewagt wurde, wohl das Be­denke» wäre, daß ein derartiges Blatt sich pekuniär nicht rentire und daß nicht genug selbstständige Mit­theilungen für das Blatt eingingen." Um jedoch das letztere Bedenken zu heben, zählt er die Literaturerzeug- nisse Nassauer Aerzte vom Jahr 1850 auf und glaubt wohl hierdurch das erste Bedenken gehoben zu haben. Diese Zusammenhäufnng verschiedenartiger vom ver­schiedenen medicinischen Standpunkte aus verfaßter Ar­tikel ist aber noch lang keine wissenschaftliche Zeitschrift; ein solches Convulnt hat höchstens In­teresse im engen Kreis der Aerzte eines Landes, über

die LandeSgreaze hinaus schwindet aber alles Interesse. So haben die Correspondenzblätter der ärztlichen Ver­eine von Baden, Württemberg, Baiern rc. nur ihren Lesekreis innerhalb jedes dieser Länder und dasselbe Schicksal würde auch Spenglers Unternehmung um so mehr treffen, als dorten die Zahl der Leser und Mitarbeiter größer, letztere auch vielleicht tüchtiger sind. Noch schlimmer stellt sich die Aussicht, wenn wir beachten, daß das projektirte Eor resp onde uz­blatt einen besser gestellten Concurrrenten an den medicinischen Jahrbüchern hat. Zwar sagt De. Spengler,daß die Jahrbücher gewiß der geeignetste (?) Platz zur Verwerthung der halbjährigen SanitätSberichte seien nnd als solche immer (?) ihren Werth (?) behalten würden." Würde aber unser Freund beachtet haben, daß das Gebiet unsrer ärztli­chen Erfahrungen auch das Material zu den Samtäts- berichten liefert, wenigstens liefern sollte, so würde ihm ! nicht entgangen sein, daß dann für das Correspouvenz- blatt nur höchstens einige theoretische Arbeiten und die Resormbestrebungen übrig blieben. Würde mm auch das Correspondenzblatt Arbeiten aus dem Gebiete un­serer Privalpraris liefern, wer sollen denn die Mita rbeiter sein? Dr. Spengler hat stillschwei­gend vorausgesetzt, daß die ärztlichen Literaten von 1850 auch ihre Arbeit an das Correspondenzblatt lie­fern würden. Allein dieselben werden, wenn ihnen diese Arbeiten nicht bezahlt werden, dieselben wenigstens an

die Herausgeber der medizinischen Jahrbücher zur ge­horsamsten Empfehlung und Berücksichtigung schicken, gewiß nicht an die Redaction des Correspondenzblattee, die nicht einmal jenes Ersatzhonorar bieten kann; wahr­scheinlich werden aber der größere Theil unserer Lite­raten ihre Arbeit nicht unentgeldlich abliefern und nt einem dieser beiden Blätter versumpfen lassen, sondern selbe gegen Honorar in einer verbreiteten auSIändsschrü Zeitschrlfl veröffentlichen. Dr. Spengler begeht da­her denselben Fehler und einen noch viel größern, als die Herausgeber der medicinifchen Jahrbücher, den der Ileberschätzung unserer Kräfte und unserer Leistungen. Haben die medic. Jahrbücher keinen Lesekreis außer 'Nassau trotz der Unterstützung aus Staatsmitteln sinven können, so gewiß das Correspon- tenjblatt um so weniger ohne diese Unterstützung. Sind jene zu theuer erkauft und zwecklos, so noch mehr dieses. Hätte Dr. Spengler jedoch das Co respon- denzblatt nur auf solche Arbeiten beschränkt, die einzig und allein unsere Reform behaiideln, so würde das Blatt eine genau vorgezeichnete Tendenz haben und Interesse bei nass. Aerzten uno Laien finden, die Arbeiten würden unentgeldlich geliefert und die wenigen Druckkosten durch Vereinsbeiträge gedeckt werden können. Hat dann das Blatt die Aufgabe der Reform erfüllt und realisier, so kann es in Ruhe crschlascn, bis im Lause der Zeiten eine abermalige Reform uns oder unsere Nachkommen zu neuer Thätigkeit erweckt.