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))âeihett und Nechi!"
^ 7S« Wiesbaden Samstag, 28 März 1851.
Einladung zum Abonnement.
Mit.dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeltung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täglich in Leit- und Ueberstchtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Asfifen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Verhandlungen die politischen uud sozialen Angelegenheiten des Zn- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.
Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinende „Freie Zeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Erpedition (H. W. Ritter'fche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., durch die Poft bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.
Links und Rechts.
Eine Herzoglich Nassauische Parallele.
4= Wiesbaden, 26. März. Die „Nass. Allg. Ztg." hat in neuerer Zeit wieder einmal, im Hinblick auf einige nicht abgesetzte, oder im Uebertritt zur Advokatur nicht behinderte Mitglieder der Linken der Abge- ordnetenvcrsammluug, einen Stoßseufzer darüber aus- gcstoßen, daß man die Mitglieder der Linken nicht gehörig verfolge und die Mitglieder der Rechten nicht genügend befördere. Um zu dieser Meinung der „Nass. Allg." das nöthige thatsächliche Material beizubringen, theilen wir jetzt, am Schlüsse des Landtags, nachstehende Uebersicht mit über die Behandlung, welche den Abgeordneten der Linken und denjenigen der Rechten Seitens der Staatsgewalt zu Theil geworden ist:
I. Linke.
1) Hehn er, war eine Zeitlang von seinem Dienste als Amtssekretär aus politischen Gründen suspendirt.
2) Naht, ist mit bedeutender Gehaltsverkürzung von seinem Dienst als Präsident des H. Hof- und Appellationsgerichts in Dillenburg in Ruhestand versetzt.
3) Snell, war längere Zeit von seiner Stelle als Pfarrer aus politischen Gründen suspendirt.
4) Wenckenbach, ist aus politischen Gründen von seinem Amte als Landoberschultheis in den Ruhestand versetzt.
5) Wimpf, ist unter den bekannten Umständen der Wuth eines Lieutenants zum Opfer geworden.
6) v. Gödecke, früher der äußersten Linken angehörig, ging plötzlich zur äußersten Rechten über. Als Motiv gibt man die Furcht vor Verlust seines Dienstes an.
II. Rechte.
' 1) Bellinger, ist aus einem Professor Director des Schullchrerseminariumö und Mitglied des Schulcol- legiums geworden.
2) Bertram, ein Weinhändler, erhielt den Gefallen gethan, daß die Regierung bei Vorlage des Gesetzes über gleichheitliches Maaß und Gewicht den kleinen Wiesbadener Schoppen vorschlug; das Vergnügen wurde [eiter durch die Kammer verdorben, die sich für den großen Schoppen entschied.
3) Fresenius erhält bedeutende Zuschüsse für fein chemisches Laboratorium aus der Staatscasse.
4) Heyden re ich's Schwiegersohn wurde auf
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Die projektirte Gründung eines nassauischen ärztlichen Vereines nebst Bereins- blattes und die Fortsetzung der medizinischen Jahrbücher.
< Fortsetzung.)
*||* Ad3. Die mißlichste Verlegenheit bereitet uns die 3te Frage über Hera usgäbe resp. Fortsetzuug der medizinischen Jahrbücher. Haden ähnliche Erscheinungen in der medizinischen Literatur den Zweck, die'e oder jene Lücke auSzufüllen, so sind wir in Verlegenheit, welche „Lücke" unsre Jahrbücher ausfüllen sollen und haben nach sorgfältiger Erkundigung in Erfahrung gebracht, daß eine große Lücke in der Mi- nistcrialMegistratur stufenweis mit diesen typographisch schön ausgestatteten Heften ausgefüllt sei, von denen kaum einige den Weg in den Buchhandel gefunden hätten. Wir stellen diese Thatsache nackt hin, wie sie uns mitgetheilt wurde und sollte es uns freuen, wenn wir irrig berichtet wären. Jedoch haben wir Ursache, an die Wahrheit dieser Thatsache zu glauben, denn unsere Jahrbücher sind bei ausländischen Collegen und Literaten total unbekannt, einige Recesenten und Freunde der Herausgeber „nn Aufträge der Landesregierung" vielleicht ausgenommen, denen sie zur geneigtesten Em- pschlnng vielleicht unentgeltlich zugeschickt sein mögen. Da sich mithin unsre Jahrbücher in ihren Jungfern-
seinen Wunsch versetzt, er selbst wechselte auf Wunsch seine Stelle. Heydenreich ist Meoicinalrath. Die Regierung hat ein Gesetz über Verbesserung des Einkommens der Medicinalräche eingebracht.
5) Keim's Schwiegersohn, ein Medicinalaccessist, hat auf einmal 200 fl. Gehaltszulage bekommen.
6) Schle in m er's Sohn erhielt ein Stipendium, ihm selbst wurde eine bedeutende Geldstrafe wegen Accis- defrautation gnädigst erlassen.
7- Sch ürg erhielt einen Wegbau an seinem Wohnort (Zilmhain).
8) Wirth wurde Justizamtsverwalter.
9) Blu m erhielt die Chaussee über Grenzhausen.
10) Groß m a n n wurde aus einem Amtsprocurator OberappeUationsgerichtsprocurator und erhielt die Prozesse für das Ministerium zu führen.
11) Z o l l in a n n ließ Accessisten und Schullehrer versetzen, spielte am Kreisamt in Limburg den Mit- regenten jind sprengte durch das bekannte „Attentat" von Kirberg Regierungscommissäre in's Land.
Das Verzeichniß der den Mitgliedern der Rechten widerfahrenen Wohlthaten ließe sich gewiß noch stark vermehrn, wenn wir die Miuisterialactcn Ansehen könnten. Die verschiedenen Mittagsessen, um welche die Herren nicht zu beneiden sind, und die kleinen Gefälligkeiten, welche so nebenher kaufen, rechnen wir nicht.
Da sich indessen die „Nassauische Allgemeine", das Organ der Rechten der Kammer, noch beklagt, daß die Rechte nicht genug belohnt sei, so geht daraus klar hervor, daß — Undank der Welt Lohn ist.
Das Volk aber mag urtheilen, ob die Rechte Grund hat, sich über das Ministerium zu beklagen, oder ob das Volk Grund hat, sich über die Rechte zu beklagen.
Nassauischer Landtag.
6p Wiesbaden, 27. März. Zur Ergänzung unseres Berichts über die Sitzung des Landtags vom 25. l. M. theilen wir nachstehend den Ausschußbericht über den Unzickerschen Antrag auf die Einführung von Schiedsgerichten mit. Den Entwurf selbst haben wir bereits in einer früheren Nummer nütgetheilt.
Bericht des Ausschusses zur Prüfung des Antrags des Abgeordneten Unzicker, die
E i n s ii h r u u g von Schiedsgerichten bet r.
Der große Anklang, den der Antrag des Abgeord
tagen kaum einen Lesekreis im Ausland zu schaffen vermochten, so möchten wir es um so weniger in der Folge erwarten, da sie ganz schiffbrüchig zu werden drohen.
Sind nun auch dem Gesagten zufolge unsere Jahrbücher kein Bedürfniß für das Ausland, so fragt es sich, ob sie denn Bedürfniß für das Inland seien, nämlich für die Aerzte und die übrigen Einwohner Nassaus, wobei wir aus naheliegenden Gründen es ganz unberücksichtigt lassen, ob sie Bedürfniß für die'beauftragten Herausgeber sind. Daß sie für die^ Nichtârzte Nassaus gar kein wissenschaftliches Interesse und ein materielles Interesse nur aus dem Grunde haben, weil sie alljährlich erfahren, daß der Druck derselben 400 fl. kostet, bedarf keines Ausweises, wollen übrigens auch diesen liefern, wenn wir ohne DiScretion eine öffentliche Kritik ihrer Leistungen in wissenschaftlicher und spezifisch nassauischer Hinsicht zu liefern genöthigt würde. Es bliebe also noch die Frage übrig, ob sie Bedürfniß für die Nassauer Aerzte seien. Ersetzen uns nun die medicinischen Jahrbücher Nassaus andere medicinischen Zeitschriften nicht, was sogar unsre Gegner zugeben müssen, so fragt es sich, was die nass Jahrbücher uns bieten können, andere Zeitschriften aber nicht. Unterscheiden wir unter den jetzt erschienenen Artikeln ohne Rücksicht auf specifisch nassauisches Interesse, solche die gut und solche die ohne allen wissenschaftlichen Werth sind, so
neten Unzicker, worüber wir zu berichten haben, im ganzen Lande gefunden hat, bezeichnet das tiefgefühlte allgemeine Bedürfniß einer Reform in der Rechtspflege und macht es der Versammlung der Abgeordneten zur Pflicht, sich unverzüglich mit diesem Gegenstände zu beschäftigen, um wenigstens nicht der Gleichgültigkeit hinsichtlich eines so bedeutenden Interesses des Volks beschuldigt zu werden.
Dem Ausschuß erscheint die dadurch angeregte Idee der Erschaffung von Schiedsgerichten grade in unserer Zeit besonders deßwegen sehr zeitgemäß und empfehlrns- werth, weil dadurch dem Drange nach Umgestaltung der Rechtspflege, der im Volke lebt, eine Bahn zur Verwirklichung eröffnet wird, während die Regierungen gerade gegenwärtig jeder zeitgemäßen und volksthum- lichen gründlichen Umbildung namentlich im Gebiete der Rechtspflege mehr und heftiger als jemals widerstreben. Man will wohl einige seit der Bewegung von 1848 populär gewordene Stichworte in einem neu datirten Gesetze mit aufführen, einem wahren Fortschritt in der Rechtspflege, insbesondere eine unmittelbarere Einwirkung der Partheien auf den Gang des Verfahrens, eine wahre Theilnahme des Volks an der Rechtssprechung, und — was vor allem zur Erweckung des Vertrauens nothwendig ist —, eine angemessene Theilnahme und Controlle der Volksvertretung bei der Besetzung der Richterstellen wird man von Seite der Regierung mit allen Mitteln bekämpfen. Ohne die Letztere namentlich bietet eine größere Sicherung der Stellung der von Staatswegen ernannten Richter keine Garantie für eine unabhängige Rechtspflege, bewirkt vielmehr durch den damit verbundenen widrigen Einfluß auf die Besetzung der Richterstellen weit eher das Gegentheil.
Soll indessen das Institut der Schiedsgerichte gedeihen, soll es seinem wahren Charakter der Freiwil-- ligkeit und vertragsweisen Unterwerfung entsprechen, wodurch allein eS sich von der zwangsweisen Snbjection unter die Staatsgerichte unterscheidet, so muß jeder Zwang von Seite des Staats, jede Einsetzung der dabei thätigen Personen durch das Gesetz selbst davon entfernt bleiben. Das Lebenselement des Instituts ist Vertrauen in selbst gewählte Richter, freiwillige Aner- keunung und willige Befolgung der Aussprüche von Männern, die nur Rathgeber siiid, deren Ansicht man wie Gebote der Vernunft und des Rechts zu befolgen, sich dem Gegner gegenüber anheischig gemacht hat. Es spricht sich darin die Herrschaft der Vernunft und
• kann jeder nass. Arzt letztere vollständig entbehren und j sollen in Folgendem ganz unberücksichtigt bleiben. Die
i guten Arbeiten der medicinischen Jahrbücher jedoch würden mit dem größten Dank und Honorar theils in verbreitete Zeitschriften, theils im Wege des Buchhandels als selbstständige Schriften ausgenommen worden sein. Um nur ein Beispiel anzuführen, so wäre der Inhalt des 7. und 8. Heftes, nämlich „die seit 1818 bis 1847 im Herzogthuni Nassau vorgekommenen Kopfverletzungen von vr. Fritze" als selbstständige Schrift bereitwilligst von jedem Buchhändler angekauft und verbreitet worden, während die Arbeit ein höchst be- dauernswertheö Loos durch ihre Veröffentlichung in den nass. Jahrbüchern gefunden hat und in der litera. rischen Welt leider fast unbemerkt geblieben ist. Da nun für diese Veröffentlichung in den Jahrbüchern kein Honorar, für solche in Zeitschriften und medicinischeu Broschüren ein namhaftes Honorar bezahlt wird; da die Veröffentlichung in jenen außer Nassau keine Verbreitung, die Veröffentlichung durch letztere einen sehr ausgebreiteten Lesekreis findet, so liegt es gewiß im Interessen der tüchtigen Mitarbeiter der medicinischen Jahrbücher, daß letztere nicht mehr fortgesetzt werden. Wollen aber die Mitglieder des MedicinaL Collegs, diese Interessen der tüchtigen Arbeiter mehren, den übrigen Theil der Nassauer Aerzte aber nach wie vor daö Benefiz einer uneutgeltlichen Ueberlieferung zu gut