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Freit Ztilung.

âeiheiL und NeehLl"

J&?D. Wiesbaden Samstag, 22 März 8N£l.

Einladung zum Abonnement.

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg­lich in Leit- und Uebersichtsartikeln , in Berichten über die Ständesitzungen, Assisen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Erpedition (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonuementspreis lft vierteljährig hier in Wies­baden 1 fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Jnserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Nassauischer Landtag.

69 Wiesbaden, 20. März.' Nachträglich 'geben wir eine kurze Darstellung der Resultate der beiden Sitzun­gen über die zweite Lesung des Forstverwaltungsgesetzes: i) der Negierungscntwurf wurde mit der Einschrän- kungl wieder hergcstellt, daß statt 6, 5 Forstinspek- toreu ausgenommen wurden; 2) die Zahl der Ober­förster blieb wie bei der ersten Lesung festgesetzt (48 bis 54); 3) die Besoldung der Forstinspektoren wurde nach dem Antrag der Commission von 12 bis 1800 fl. festgesetzt. Statt einer Aversionalvergütung für Diäten mit 300 fL wurde der Antrag von Müller 11. an­genommen, wonach die Foestinspektoren bei einer Ent­fernung von mehr als 2 Stunden die gesetzlichen Diäten zu beziehen haben, dieselben jedoch nie 300 fl. Übersteigen dürfen, statt 2 Pferdefouragen wurde nach dem Antrag des Ausschusses, unterstützt von dein Abgeordneten Haupt, nur eine verwilligt; 4) die Besoldung der Oberförster wurde nach dem An­trag der Ausschußmehrheit auf 8 1200 fl., die der Aeeessisten (15 an der Zahl) auf 2600 festgesetzt; 5) bezüglich der Ernennung der Forster wurde nach dem Antrag der Majorität der Commission beschlossen, daß solche von dem Ministerium zu ernennen seien, wenn zwischen dem betreffenden Gemeinderath und Oberförster unter Mitwirkung des Bezirksraths eine Einigung nicht zu Stande kommen sollte; 6) nach dem Antrag des Berichterstatters He Huer wurde beschlossen, ein Einführungsgesetz zu bearbeiten.

69 Wiesbaden. (Sitzung vom 20. März.) Ministerpräsident v. Wintzingerode macht der Ver- sammlung die Mittheilung, daß mehrere schon längst gewünschte Chausseebauten zur Ausführung kommen sollten. Zur Unterstützung des Gewerbevereins wegen der durch die Jndustricausstellimg in London verur­sachten Kosten werden 1100 fl. und zur Unterstützung der Gewerbeschulen 4000 fl. verwilligt.

Die Tagesordnung führt dann zum Berichte über die Steuerauforderung.

Abg. Lang beantragt die Berathung und Beschluß­fassung über den Bericht die Steuerauforderung betr. bis auf Weiteres auszusetzen. Jedem, der die Verhält­nisse der Versammlung und ihre Stellung zur Regie­rung kenne, werde der Antrag nach Grund und Zweck einleuchten. Die Versammlung habe beschlossen noch verschiedene Gesetzesvorlagen in diesem Monat zu er­

ledigen. Diese Gegenstände seien entweder unrichtig, dann würde man deren Erledigung nicht beschlossen haben; oder sie seien wichtig, dann müsse die Ver­sammlung sich die Möglichkeit sichern, sie zur Erle­digung zu bringen und das geschehe nur durch Aus­setzung der Steuerverwilligung bis nach der Erledigung der andern Gegenstände. Seien die Steuern verwilligt, so habe die Versammlung es nicht mehr in der Hand, irgend etwas zu erledigen, die Regierung könne und werde dann ganz thun, was ihr beliebe.

Min. - Präs. v. Wintzingerode. Die jetzige Landtagsperiode dauere noch bis zum 1. Mai. Die linke Seite habe eine irrige Ansicht, wenn sie deren Dauer nur bis zum 1. April annehme. Die derma- ligen Gesetzesvorlagen könnten alle noch erledigt wer­den, es sei kein Grund vorhanden, die Beschlußfassung über die Steuerauforderung hiuauszuschicben. Der Landtag habe die Budgets festgesetzt, er müsse des­halb auch die Steuern verwittigen, die nöthig seien.

Abg. Naht unterstützt den Antrag des Abg. Lang. Das Steuerverwilligungsrecht sei das einzige Mittel, die Regierung zur Anerkennung der Kammerbcschlüsse zu bewegen, während dieselbe sonst nicht berücksichtigt würden.

Abg. Braun: Er unterstütze den Antrag seines Freundes Lang. Wenn Ue Steuerfrage erledigt sei, habe die Regierung kein Interesse mehr an der Fort­dauer des Landtags. Der Landtag müsse zwar am letzten März enden, allein, da die Regierung die be­kannten 3 Entwürfe über die Abgeordiictenwahl, die Gemeinde- und die Kreisverwaltung eingebracht habe, so sei es auch sehr wünschenswerth, daß der Landtag sie berathe. Wenn der Landtag sie unberathen zurück- lasse, so gebe das einen gesuchten und erwünschten Oktroyirungsvorwand. Da nun zu hoffen stehe, der Landtag werde, entsprechend den Ansichten des Volks, die drei Entwürfe, die mir Verschlechterungen enthiel­ten, verwerfen, so befürchte er, die Regierung werde, wenn sie die Steuern habe, den Landtag nicht mehr dazu kommen lassen, jene Ansicht ansznsprechen. Des­halb glaube er, zuerst seien jene Gesetze zu berathen, und dann über die Steuern zu verhandeln. Das sei die Lage vom Standpunkt seiner Partei, er habe es für seine Pflicht erachtet, damit nicht hinter dem Berg zu halten.

(Fortsetzung folgt.)

Assisenverbandlunge« zu Wiesbaden. Sechszehnter Proceß.

Anklage gegen Joh. Heinrich Adam Brem­ser von Niederfischbach, wegen Fälschung.

$ Wiesbaden, 20. März. Präsident: Hofgerichts­rath Trepka; Staatsanwalt: Staatsprokurator-Sub- stitutFlach; Vertheidiger: Prokurator Wilhelms jun.

Joh. Heinr. Adam Bremser hatte zur Erlangung der Heirathserlaubniß, die ihm von dem Geincinderathe zu Niederfischbach wegen Unzulänglichkeit des Vermö­gens seiner Braut abgeschlagen worden war, die von dem Gemeinderath zu Ems ausgestellte Vermögensbe- scheinigung derselben dahin abgeändert, daß es statt 200 fl.: 1200 fl. hieß und von dieser verfälschten Ur­kunde bei dem Gemeinderathe zu Niederfischbach und dem Kreisamt zu Nassau Gebrauch gemacht.

Er wird schuldig befunden und zu 3 Monaten Correctionshaus verurtheilt.

Das Bankett der Deutschen zur Jah­resfeier der deutsche» Revolution in London

*||* London, 17. März. In der Verban­nung feierten die flüchtigen Söhne und Töchter des deutschen Vaterlandes das Jahresfest der Re­volution ? So frägt wohl Mancher und wundert sich, daß die besiegte Erhebung des Volkes feierlich begangen wurde. Ja, zu London ward das Andenken an die ewig denkwürdigen Tage des März mit höchster Begeisterung gefeiert. Italiener, Polen und Ungarn strömte» herbei, um mit ihren deutschen Brüdern das Fest zu begehen.

In bem geräumigen Saale der Freematon'ö Tavern fand das Bankett statt. Keine Blumen und Kränze waren in dem weiten Raume zu sehen. Den einzigen

*) Da über das Bankett der Deutschen durch den Bericht eines Belgiers, der sich muimwnudeu als Späher bekennt, in der Jndepeudauce"" wie in mehreren andern Blättern durchaus ent­stellte Berichte erschienen sind, so verweisen wir daS deutsche Publikum aus diesen Bericht, der von einem Augenzeuge» her­rührt und die Vorkommnisse ganz so schildert wie sie sich verhiel­ten, ohne etwas ab- oder hiuzuzuthuu. Es handelt sich hierum eine geschichtliche Thatsache. UedrigenS stimmen alle englischen Blätter, von derTimeS" bis zu denDaly-News" darin über­ein , daß die Feier eine durchaus würdige und entsprechende war.

Gold- und Silbergeschichten.

(Wes.-Ztg.)

2. Die Gold- uitb Silber schätze Mericos.

Die Bewohner Mericos waren lange vor Ankunft bcr Spanier mit dem Gebrauche der Metalle bekannt. Sie verarbeiteten Gold, Silber, Blei, Zinn und Kupfer und hatten auch Zinnober. Sie begnügte» sich nicht mit dem, was sie zufällig auf der Oberfläche der Erde oder in den Schluchten der Gcbirgsströme fanden, sondern sie trieben Stollen und gruben Schachten, be­saßen sehr zweckmäßig eingerichtete Werkzeuge, und verfolgten die Mctalladern in die Tiefe. Die Azteken waren, wie noch heute ihre Nachkommen, sehr geschickte Gold- und Silberschmiede, und die spanischen Con- quistadoren sandten zum Beweise des Reichthums und des guten Geschmacks der Merikaner goldene Gefäße in die Heimath. Die vom Beherrscher des Aztckcn- reiches abhängigen Völker zahlten ihren Tribut in einer Art Metallconrant, das zwar nicht den kaiserlichen Stempel, aber doch einen bestimmten Werth , einen Standard, repräsentirte, heut zu Tage kennt man bei weitem nicht mehr alle die Minen, welche von den Azteken ansgebentet wurden.

Die mericanischeu Minen werden gewöhnlich in acht Gruppen eingetheilt, die vorzugsweise auf der große» Cordillere oder am westlichen Abhange derselben liegen. Die erste, welche von jeher den reichsten Mcmll-

ertrag gegeben hat, umfaßt die Bergwerksdistrikte von Guanaruato, San Luis Potosi, Chartas,- Catoree, Zacatecas, Asientos deAbarra, Fresmllo und Sombrei etc. Die zweite Gruppe begreift die Minen westlich an der Stadt Durango und jene von Cinalva; die dritte die Minen von Cyihuahua und Cosiguiriachi, vom 57. bis 29. Grade nördlicher Breite. Die vierte unb fünfte Gruppe liege» nordöstlich von Merico; es sind die Gruppen von Real del Morte ober Pachuca, und Zimapan oder El Doctor. Bolanos in Gnadalarara und fTasco in Oaraca bilden die Centralpunkte für die drei übrigen Gruppen, welche sämmtlich Ateranker v. Humboldt in seinem bekannten Werke geschildert hat, und über die man auch in Mühlenpfordts Buche Aus­kunft findet. Wir benutzen für die nächstfolgenden Mittheilungen emm Aufsatz von Brantz Mayer: Mexiean Mines and Mineral Resources, den wir in De Bows Review of lhe Southern and Western States, New - Orleans 1850, Julimonat, S. 31 ff. fanden.

Blickt man auf eine Charte von Merico, so sieht man, daß die eben bezeichnete Metallregion im Ver­gleiche zu bem großen Flächeninhalte nur einen geringen Raum umfaßt. Jene acht Gruppen nehmen etwa eine Fläche von 12,000 Geviertlegoas ein, ober etwa ein Zehntel des Gebietes, welches vor dem Friedensschlüsse von 1848 zum mericanischen Freistaate gehörte, unb bevor man den MetaUreichthum von Californien und

Neu-Merico kannte. Seit den Gebietsabtretungen an die Bereinigten Staaten begreift die Minenregion nur noch etwa ein Fünftel des Flächenraums von Merico.

Vor der Entdeckung der Silbergruben zu Tasco am Westabhange der mericanischen Cordillere», im Jahre 1522, bezog die Alte Welt aus Amerika nur Gold. Königin Isabella suchte despalb schon 1497 den relativen Werth der beiden edlen Metalle zu ein­ander, durch das Edict von Medina, auszugleiche». Uebrigens hat Alerander v. Humboldt nachgewiese», daß die von 1492 bis 1500 aus Amerika gezogene Menge Gold jährlich im Durchschnitt nicht mehr als etwa 100,000 Pfund Handelsgewicht überstieg. Die Bearbeitung der amerikanischen Bergwerke ergab bis 1545 noch nicht drei Millionen Piaster jährlich. Leopold Ranke hat in seinem Werke über die Fürsten und Völker Süv-Curopa's auch Forschungen über die Finanzen Spaniens im sechzehnten Jahrhundert a»gestellt, und aus amtlichen Berichten nachgewiese», daß man sich gewöhnlich die Masse edler Metalle, welche aus Amerika nach Spanien strömte, viel zu übertrieben vorgestellt hat. Ohne Zweifel ist von den Kron beamte» in Amerika nicht gerade aufs Strengste Treue und Glauben beo­bachtet worden; es mögen sehr beträchtliche Summen unterschlagen worden sein. König Ferdinand der Katho­lische war arm, und Petrus Martyr schrieb unterm 23. Januar 1516 an den Bischof von Tuy,,daßdieser Gebieter so vieler Königreiche, dessen Haupt so mancher