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Freie Zeitung.

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Die .Legitimisten i» ; ihrer neuesten Gut» pnppnng.

X Es ist ein sicheres historisches Kriterium in Frankreich, daß die politischen Ideen, welche dem Un­tergänge nahe sind/ zuletzt zu dem Nothanker, des Jesuitismus zu greifen pflegen.

Als des vierzehnten Ludwigs stolze Träume von der .absoluten Monarchie mit der Devise:Létat cest moi!" zu verschwinden und die furchtbaren Symptome der Nachegöttinen hervorzutauchcn begonnen, warf er sich dem Klerus in die Arme. Auch Napoleon, der Gewaltige, restaurirte den Klerus,"als er zu ahnen an­fing, daß sich die Revolution an ihrem Mörder rächen werde. Die Restauration wurde fromm unter Karl X., alS die Wolken des Juligewitters sich am Himmel immer dichter aufschichteten, und Lottis Philippe, der eingefleischte Voltairianer, maa-te den Klerikalen eine Konzession nach der andern, um seine wurmstichigen dynastischen Intriguen zu vertuschen und das Volk zu täuschen. Die Februarrevolution brach aber nur desto schneller und heftiger über Mit Julithron herein.

Drei Jahren sind seitdem vergangen welch eine Zeit! Niemals fand die Conti erevolution so günstige Chancen, als seit der unglücklichen Junimetzelei. Doch wie hat sie den Sieg benutzt? Zu ihrer Befestigung? Frankreichs Lage ist eine traurige; doch wer^ sie eine trostlose, eine verzweifelte nennt, der kennt Frankreich nicht!

Die Zerreibung und Vernichtung der gegnerischen Parteien hat Louis Philippe unsägliche Mühe gemacht. Er trieb diesen Feldzug vom ersten Tage seiner Thron­besteigung an mit einem ungewöhnlichen Aufwand von List, Gewaltthat , Treulosigkeit und Ausdauer; doch was war der Erfolg? Die Republikaner, die Bonapar­tisten und Legitimisten standen nach der Februarkata­strophe mächtiger da als je. Denn Parteien sind nur zu Grunde zu richten, wenn sie selbst dazu mitwirken, wenn sie abfallen von ihrem Prinzipe^ Sind die Republikaner abgefallen? Nein, sie haben sich ge­läutert, und die Republik steht fester als je.

Den Zweiflern sind wir heute im Stande, Beweise zu geben, welche erhärten, daß die Gegner der Republik dies selbst zu fühlen sich nicht mehr erwehren können.

Louis Bonaparte hat mit Montalembert längst einen Pakt geschlossen, der ihm die Zukunft sichern soll da­durch, daß er den Jesuiten die Gegenwart Preis giebt. Hieraus erklärt sich der Feldzug nach Rom, hieraus so mancherlei, so daß eS uns nicht wundern sollte, wenn wir einst erführen, die Jesuiten hätten dem Prä. sidenten die Millionen, deren er bedurfte, vorgeschoffen. Montalembert hat neulich in der bekannten Rede für die Dotation Grundsätze ausgesprochen und Dinge ahnen lassen, die sehr merkwürdige Schlaglichter auf die Ränke werfen, die in Paris gesponnen werden.

Damals spekulirten die Legitimisten, die naZür-

Hanö Christian Oersted.

Hans Christian Oersted, der größte Naturforscher Dänemarks, ist am 1-1. Vormittags im 74 Jahre seines Lebens, nachdem er noch vor kaum 14 Tagen die letzte öffentliche wissenschaftliche Vorlesung gehalten, aus dem Diesseits geschieden. Mit Oerstedt ist die letzte der 3 europäischen Celebritäten, welche in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Dänemark zierten, heim- gegangen. Thorwaldsen, der die bildende Kunst des Alterthums und des Mittelalters in höchster Vollen­dung wiedergebar und seine Schöpfungen zum Gemein­gut der Jetztzeit machte, und Oehlenschläger, der letzte Skalde des Nordens, der Vermittler zwischen dem alt« scandinavischen Norden und der germanischen Gegen­wart sind ihm vorangegangen Die Zusammenstellung Oersteds mit jenen beiden Meistern im Reiche des Schönen liegt so nahe, daß die betreffende Parallele sich (mit AusnahmeKjöbenhavnspostenö") in sämmt­lichen, innerhalb der ersten 24 Stunden nach Oersteds Scheiden erschienenen Zeitungen (derBerlingschen", Fädrelandet" undFlyveposten") wiederfindet.

Der edle Todte verdiente es aber auch, neben Thor- walksen und Oehlenschläger genannt und gepriesen zu werden; denn auch er lebte und wirkte im Reiche rcS Schönen. Außer dem verstorbenen Steffens, seinem Stamm- und Geistesverwandten, gab es wohl kaum einen Genius im europäischen Norden, der, so wie Oersted, Aesthetiker und Naturphilosoph war, ohne die lebendige Gegenwart und ihre geistigen Bedürfnisse je

lichen Verbündeten der Jesuiten, einestheils noch auf Louis Bonapartes Unbesonnenheit, andererseits auf die Fusion" mit den Orleanisten. Louis Bonaparte hat aber etwas gemerkt und sich zusammengenommen und die Orleanisten überzeugten sich so sehr von der Hohl­heit der legitimistischen Spekulationen, daß sie nicht an- beißen wollten.

Dies Zerschlagen derFusion" durch die Proteste JoinviUeS und der Herzogin von Orleans hat eine Wendung herbeigeführt, welche höchst beachtenswerth ist.

Louis Bonaparte fürchtet, Joinville werde als Kan­didat bei der Präsidenwahl auftreten, und wie die Sachen jetzt stehen, wäre sein Sieg nichts Unmögliches, wenn er den Republikanern Garantien gäbe. Jeden­falls ist er der gefürchtetste Mitbewerber Louis Bona­partes. Was geschieht nun? Die Legitimisten, welche auf den Napoleoniden nicht Schimpf, und Hohn genug werfen sonnten, drängen sich jetzt plötzlich an ihn, intriguiren um seine Gunst und suchen durch die Je­suiten einen Pakt zu betreiben, wobei natürlich jeder den andern prellen will und so ganz gewiß alle drei Kontrahenten sich betrogen sehen werden.

Doch wir wollen nicht über die Zukunft streiten: das aber wird uns jeder von gesundem Menschenver­stände zugeben, daß die Legitimisten auf eigene Faust haudleu würden, wenn sie nicht ihre totale Ohnmacht fühlten, wie daß die Bonapartisten sich nie mit den Jesuiten eingelassen und den Legitimisten keine Gele­genheit zur Annäherung geboten hätten, wenn sie der Zukunft znversichlich in's Anlitz zu sehen den Muth fühlten. Und wohlgemerkt, es ist das bekannte JesuL- tenorganL'Univers", welches für dieseFusion" pre­digt. Der Artikel, desUniverS" endigt mit den merkwürdigen Worten:In dem blutigen (?) Conflikte, den der Orleanismus vorbereitet, haben die Legitimi­sten nichts zu gewinnen, sondern Alles zu verlieren. Von drei Möglichkeiten, welche daraus entspringen können, ist die furchtbarste für Frankreich und die Le­gitimisten das Durchdringen des Orleanismus. Dieser Erfolg würde bald zwei andere nach sich ziehen. Wenn ein Orleans zur Gewalt gelangte; so wäre er, selbst gegen seinen Willen, genöthigt, die Legitimisten zu verfolgen; er müßte der Revolution, seiner Gebieterin und seiner Mutter, dieses Opfer bringen. Die legi- timistische Partei ist eine erhaltende (?) Macht, deren Zer­störung die Revolutionäre fordern. Wäre dies Werk vollbracht, so würden wir völlig vertheidigungslos in die Hände der sozialistischen Sektirkr und aus denselben unter irgend einen KaserneudeSpotismus gerathen, der, weil nicht von einem Bonaparte geübt, dadurch nicht rühm­licher wäre. Diesen drei furchtbaren Möglichkeiten kann die legitimistische Partei noch begegnen. Sie kann cs, ohne,für die Gegenwart etwas zu veleuguen (?), ohne für die Zukunft etwas zu vergeben (?), ohne irgend eine ihrerZuneigungen zu verletzen,ohne eine ihrer Pflichten zu vernachlässigen', und wird vielmehr alle vielleicht mit größerem Erfolg erfüllen, als bisher. Durch sich selbst aus dem Auge zu verlieren. Die Wissenschaft mit dem Leben zu verbünden, das Wissen zu popularisiren, eine feste Brücke zwischen der Theorie und der Praris zu schlagen, miscere utili dulce, die Natnr idealistisch aufzufassen und das Ideal der Wissenschaft Mud) Erperimente zu verkörpern, kurz das Wissen a priori mit dem a posteriori, die theoretische Basis mit dem reichen Schatze der Erfahrung in Einklang zu bringen, darauf war Oerstedts Streben gerichtet und dadurch hat er außerordentlich viel für Mit- und Nachwelt geleistet.

Die Grundthatsachen des Elektromagnetismus, die er 1819 entdeckte und zuerst in seiner Schrift: Expe- rimenta circa eflicaciam conflicluS electrici in acum magneticam erläuterte (der bekannte Kamuierherr Reedtz damals sein Schüler, jetzt dänischer Minister des Aus­wärtigen, ging ihm bei den ersten Erperimenten voll^ Eifer zur Hand), haben jene riesige Entwickelung an­gebahnt, zu der die elektrische Telegraphie jetzt an der Schwelle der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts an­gelangt ist. Und wie Oersted seine gelehrte Laufbahn 1799 mit seiner Docktordiffertatiou:lieber die Archi­tektonik der Naturmetaphysik" eröffnete, so schloß er sie würdig mit zwei namrphilosophisch- ästhetische» Produktionen:Zur Naturlehre des Schönen" und Der Geist in der Natur." Beide sind auch in's Deutsche übersetzt worden; die erste (zuerst in den Hamburger lit. und krit. Blättern", dann gesammelt) von dem trefflichen Dichter Heinrich Zeise jun. in Al- . tona, die andere von dem durch seine Beziehungen zur dänischen Gesandschaft in Berlin auch in Deutschland |

kann die legitimistische Partei in den Versammlungen, so lange es deren gibt (!!), nur ihre Stimmen verliere», in der Zurückgezogenheit die Verfolgung einer feind« lichen Regierung dulden, oder ehrenvoll in dem Bür­gerkriege untergehen, welcher der Schlußpunkt so vieler Intriguen und Zwistigkeit sein wird. Aber die ange- zeigte, und wir möchten sagen, durch die Macht der Umstände gebotene, Verbindung würde sie auS dieser unfruchtbaren, machtlosen, gefährlichen Lage reißen und sie in den Stand setzen, die unheildrohenven In­triguen des Organismus zu vereiteln und den Fort­schritten der Revolution einen vielleicht unübersteig- lichen Damm entgegenzusetzen. Mit wem kann öiesè Verbindung geschloffen werden? Welches ist in diesem Augenblick diejenige hinlänglich beachtenswerthe Lage, welche die Ehre (!!!) einet solchen Unterstützung-verdient, und wenn auch nicht im Augenblick, doch in der nach- sten Zukunft so bedroht ist,- daß sie dieser Stütze be­darf, die zugleich verständig"und patriotisch genug ist, um die Ergebnisse derselben zu wollen? Es scheint uns, wir haben es bereits gesa^b: es ist Herr Bo­naparte, dem die Legskimisten die Hand reichen müssen."

So weit sind die Gegner der RepMik jetzt ge­diehen. Möglich, daß dieser Pakt abgeleugnet, mög­lich auch, daß'LouiS Bonaparte nach bekannter Weise wieder unschlüssig wird; doch wie dem auch: Parteien, welche nur durch Ränke und Abfall von ihrem Prinzip, durch Sophistereien und ähnliche kleinliche Mittel mäch­tig zu werden hoffen, haben keine Dauer; Spinnwebe» sind keine Netze, in denen man Löwen fängt!

Palmerston und Schwarzenberg.

£ DieTimes" haben einen Korrespondenten «t ..- Paris, ter in der Ziegel so vortrefflich unterrichtet ist daß er neulich selbst in der Nationalversammlung alS Autorität angeführt wurde. Dieser Berichterstatter ist es nun, der den Schleier der Dresdener Konferenzen in einer Weise lüftet, daß dieOberpostamtsztg." (nebst einer bei ihr ganz natürlichen Reihe von Verwah­rungen und Fragezeichen) darauf aufmerksam zu machen für geeignet hält. Nach diesen Aufschlüssen bestand schon in der Sitzung vom 23 Februar und besteht Fürst Schwarzenberg ausdrücklich und entschieden auf der unverzüglichen Einsetzung einer deutschen Srarectl* gemalt, und auch aus dem Grunde, weil Oesterreichs Macht, dadurch in Deutschland consolidirt, größere Freiheit des Handelns haben werde zur Ausführung seiner Plane hinsichtlich Sardiniens und der Schweiz. Fürst Schwaezeuberg habe den Aufschub von 14 Tagen dem Herrn von Manteuffel nur unter der Bedingung zuaestanden, daß die Einsetzung der Cen- tralgewall dadurch keine Verzögerung erleide, und um dem Widerstand und Einspruch der kleinen Staaten

bekannt gewordenen dänischen Kritiker Möller auS Kopenhagen.

Oersted war selbst in nicht geringem Grade des Deutschen mächtig, wie er überhaupt Durch seine Reisen in Deutschland, Frankreich und Holland früh einen tiefen Blick in die geistige Individualität der germani­schen und romanischen Völker gethan hatte.Fädre- landet" rühmt in einem kräftigen Nachrufe auf den Heimgegangenen sein reines, kindliches Gemüth, seine edle Natürlichkeit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, sein Alles durchdringendes Wesen.

Der wissenschaftliche dänisch-deutscheGesammtstaat, oder sagen wir lieber, die deutsch -scandinavische Ge- lehrtenrepublik hat, wie vor Kurzem durch des Con- ferenzraths Schumacher in Altona, so jetzt durch Hans Christian Oersted's Tod einen schweren, ja unersetz­lichen Verlust erlitten. Am 14. August 1777 in Rudkjöbing auf der dänischen Insel Langeland gebo­ren, widmete er sich zuerst dem Fache seines Vaters, (welcher Apotheker war), schlug später die inedicinische Carriere ein, wirkte aber besonders als Professor der Naturwissenschaft an der Kopenhagener HmveisitäNlnd als Direktor der polytechnischen schule, daselbst. Seiit ein Jahr jüngerer Bruder ist der ihn überlebende Ge­heime Conferenzrath Anders Sande Oersted (geboren den 21. Dezember 1778,) der erste Rechtsgelehrte Dä­nemarks, früher königl. Commissarius bei den Stän­den in Roeskilde und Vihorg, dann Minister und einer der entschiedensten Vertheidiger der Gesamm'- staatsideen.