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âeitzett und Neeht!"

Jt£ E»èZ Wiesbaden. Samstag 15 März 1^51

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Das projektirte Hebel- und Stützen- Parlament.

y Oesterreichs Pläne gehen dahin, die Furcht der deutschen Dynastien vor der Revolution als Hebel zu benutzen, um sich zum alleinigen Gebieter der Herren deS deutschen Volkes zu machen; es kokettirt nur mit einer Trias, um durch die vielen Andern das auf Mitgebieterschaft Anspruch machende Preußen in Schach zu halten: die Trias â la Schwarzenberg ist nur ein Dreieck, in welchem die zwei Spitzen einander contrebalanciren, damit die k. k. dritte stets oben bleibt.

Preußen merkt die Absicht; es sieht in der habs­burgischen Dreifaltigkeit des neuen heiligen römischen Reiches endlich die unheimlichen Falten, in welche Schwarzenberg mit den polnischen, ungarischen und italienischen Kronländern" auch noch Vie deuschen 91 e t d) 6 Külter zu stecken beabsichtigt. Daher dringt ks auf den Dualismus, die Zweigestaltigkeit, deren Zustandekommen dieKleinen" nicht mindernf5 Wasser legen", nicht minder entsouverämsiren würde, doch denselben immer yoch einen bedeutenden indirek­ten Einfluß gestatten dürfte, da zwischen zweien Ge­bietern stets eine Rivalität besteht und dadurch daS ^erlangen, sich durch erwiesene Verbindlichkeiten engere Verbündete zu schaffen. Die kleinerenKleinen", welche dies erkannt, sind dem Dualismus weniger ab* Nold als der Triarchie, in der ihnen von der Archic, der Herrschaft, doch nichts als der Schein zufallen würde. Aber die großenKleinen", die vier kleinen Könige besonders Baiern, hatten so stolze träume, daß ihnen der jetzt in Aussicht stehende Mondschein sehr matt und leichenfarbig vorkommt.

Um alls der unbequemen Stellung zwischen zwei Stühlen heraus zu kommen, suchen sie jetzt ,na$ einem P.^kstale. Wer kann dies bieten? Man erinnert sich plötzlich, daß es im Jahre 1848 auch einmal ein deutsches Volk gab, das Souveränitätsausprüche machte. Auf den Schultern dieses deutschen Volkes wurden die kleinen Könige allerdings sehr an Größe zunehmen und den beiden Großen Trotz bieten können. Doch es er­hellt daß das Volk hier nur als Unterlage, als Fuß­schemmel benutzt werden soll, und so ist es zu erklären, daß dasselbe sich aus dem Parlamente, »velches ihm aus diesen Händen unter solchen Verhältnissen vorge- halten wird, nicht viel macht. Die vier Könige lassen sich aber durch die Kälte deS Publikums nicht beirren und besonders der König, welcher die Nationalver­sammlung aufheben ließ, ist es jetzt, der sie wieder austhun will als wäre ein Parlament deutscher Nation ein bloßer Pelzhandschuh, den man in schönen «Sommer- tagen fürstlicher Macht abwirft, doch, sobald es kälter wird, wieder hervorholt. t

DieDtsche. Kronik" enthält an bevorzugter Stelle folgenden, anscheinend ofsiziösen Artikel des Stuttgailer Hofes:Wir glauben aus guter Quelle versichern zu können, daß die Regierungen von B ay ern, S a ch sen und Hannover mit der diesseitigen (wurtember­gischen) Regierung über die Nothwendigkeit der Einführung eines Nationalparlaments, als Hebet und 'Stütze der künftigen obersten Vollzie- hunqsbehörde des Bundes, prinzipiell vollkommen ein­verstanden sind, und daß ein sehr ausgezeichnetes und geachtetes Mitglied der Dresdener Ministeriellen Con- femu der k. sächsische Staatsminister v. Beust, von der zweiten Konferenzcommission mit dem höchst wichtigen Auftrage betraut worden ist, einen sorm- lichen Entwurf zu einem Beschlusse über ein sol­ches von der Nation so allgemein. gewünschtes, zeit­gemäßes Institut auszuarbeilen und der. Versammlung demnächst zu unterbreiten. Es wird sich bei dieser Gelegenheit ganz deutlich Herausstellen, ob und welche Schwierigkeiten und Einwendungen dagegen dann von österreichischer und preußischer Seite noch ferner erho­ben werden."

Wer mag glauben, daß das absolutistische Oester­reich sich jemals so tief demüthigen werde, sich durch dies ihm von denKleinen" gebogene Paroli bewegen 'n lassen der Revolution eine Konzession zu ma* dien? Denn ein deutsches Parlament heißt auf öster­reichisch? die Reaktivirung der deutschen Revolution! Schwarzenberg ist nicht so gelenkig, wie der «chwaben- lön'a der in Stuttgart die National-Versammlung sprengt, in Bregenz auf den deutschen Kaiser trinkt dann einen Brief schreibt, den Schwarzenberg nicht hinter den Spiegel stecken soll, und nun für das Na­tionalparlament wirbt, lind Preußen, das kürzlich erst

mit der Revolution gebrochen hat, um zum Dualismus vorzudringen, wird es plötzlich wieder parlamentarisch werden?

Doch selbst angenommen, es käme ein National­parlament zu Stande, würde es ein National­parlament, wenn Oesterreich mit feilten Gesammt- ftaaten einträte ? Die Polen und Ungarn und Slaven und Italiener, sind sie deutschen Blutes, deutscher Sprache und haben sie deutsche Reichssympathien, deutsche Reich sinteressen? Ein solches Parlament haben wir gehabt in Wien und Kremsier aber welcher Deutsche kann ein Gelüst nach einer zweiten verschlim­merten Auflage der dortigen Parlamentswirthschaft Hegen? Es würde eine babylonische Sprach- und Jveenverwirrung werden, ein ungeheures Ungethüm, und nichts weiter. Oder der Gesammteintritt Ocster- reichts erfolgte nicht und nur Deutsche würden ins deutsche Parlament berufen: welche Fesseln würde das dynastische Interesse, bas dieses ihm höchst gefährliche Experiment wagte, einem solchen Nationalparlament anzulegen sich beeilen müssen! Doch selbst dann noch, waS bliebe? Entweder die härteste Fesselung dieses Parlaments und dadurch schon die Nothwendigkeit, gegen die Carters und Van Amburghs in der Eschen­heimer Gasse anzugehen; oder aber ein Schauspiel der kläglichsten Art: der deutsche Löwe auf der politischen Weilbühne den Triumpfwagen des Absolutismus ziehend und nur auf höhere Drvre die Zähne zeigend ! Die deutsche Nation ist tief erniedrigt worden, doch dies wäre das allertraurigste Geschick, es wäre zu viel, es wäre auch der deutschen Geduld mehr zugemuthet, als selbst die Geduldigsten ertragen würden. Summa Summarum: dasHebel- und Stützenparlament" für den deutschen Bundestag ist die Spitze diplomatischer Donquiroterie, der schlageuvstr Beweis von der gänz­lichen Unfruchtbarkeit der Contrerevoluiiv», welche in ihrer Ratlosigkeit jetzt wieder nach dem greift, an dessen Vernichtung sie Alles setzte.

Das Vorparlament in Frankfurt rief:Der Bun­destag ist eine Leiche, cs lebe die deutsche Nationalver­sammlung!" Dann rief die Contrerevotutlon in Stutt­gart:Das Nationalparlament ist todt!" und Schwar­zenberg antwortete: Es lebe der Bundestag!"" Preußen antwortete:Der Bundestag ist todt, es lebe die Union!" Oesterreich drohte:Die Union ist todt, es lebe der deutsche Kaiser!" Preußen:Die Union ist todt, aber lasset die Todten alle ruhn , Kaiser und Parlament; es lebe der Dualismus!"Die Trias!"" antwortete Baiern. Und so ging es fort, bis in Stutt­gart plötzlich wieder der Ruf erscholl:Es lebe das Parlament!" Ja, das Parlament lebt noch im deutschen Herzen, doch weder das Vor-, noch das PaulS- kirchen-, noch das Erfurter Parlament. Auch die deut­sche Nation ruft:Lasset die Todten ruhen!" Das wahre Parlament, das souveräne, wird kommen ohne die vier Könige und trotz Schwarzenberg und Man­teuffel es wird kommen, wenn die Zeil erfüllet und die Frist abgelaufen ist, welche der Weltgeist den Re­präsentanten des alten Bundes noch verliehen hat, da­mit Allen offenbar werde, daß eine neue Zeit neuer Formen und Institutionen bedarf, und daß alle Ver­suche zuVerbesserungen an Haupt und Gliedern" zu nichts führen, als wohin sie im 16. Jahrhundert in der Kirche führten: nach Huß kam Luther, »ach der Paulokirche wird etwas kommen, daS jedenfalls kein Stützen-, sondern ein Sturzparlament für den Bau der Contrerevolution sein wird!

Der Prozeß Rau und Genoffen vor dem Schwurgericht in Rottweil.

(Stuttg Beob.)

Einen wohlthätigen Konstrast gegen das Auftreten des Oberamtmanns Dettinger von Obernhof bildete das Benehmen deö Oberamtmanns Herbort von Sulz, welcher, ohne sich irgend auf einen Parteistandpunkt zu stellen, klar und so weit möglich bestimmt seine Angaben machte, Angaben, welche für die Angeklag­ten von Schramberg und irsbesvndere für den Befehls­haber Jegglin von entschieden günstigem Einflüsse sind Nachdem die Schramberger am Dienstag de» 26. Abends in Sulz efngerueft waren, begab sich Oberanitmann Herboit am 27. Morgens am 11 Uhr in das Wirths­haus, in welchem die Führn' deö Zuges sich befanden. Der Oberamtmann verlas ihnen eine abmahnende Pro­klamation des Minifteriuim und forderte sie auf, ent­weder zurückzukehren oder die Waffen niederzulegen.

Da die von bett Schrambergern gewählte Kommission nicht vollständig versammelt war, so wurde dem über» amtmann, gegen welchen sich die Anwesenden ganz ge­ziemend benahmen, erklärt, man wolle seinen Rath in der Kommission zur Sprache bringen und ihm den Be­schluß mittheilen. Dieses geschah. In einer halbe» Stunde erschien Jegglin mit noch einigen Offiziere» auf dem Oberamte und stellte eine Erklärung aus des Inhalts: daß sie nicht zurückkehren, übrigens die Ver­sicherung geben, keine feindselige Absicht zu haben: sie wollen lediglich zu der Volksversammlung gehen, um die Wünsche und Beschwerden des Volkes vorzubringen; auch werden sie vor Stuttgart ihre Waffen niederlegen, wenn es ihnen nicht gestattet werde, solche mitzuneh- meu. Diese Erklärung wurde von den Offizieren in dreifacher Ausfertigung unterzeichnet, und ein Erem- plar zu den Akten des Qberamtes genommen, das zweite dem Jgglin zugestellt und das dritte dem Ministerium durch Erpressen übersendet. Man sagt jetzt wohl, auch hier haben die Schramberger Offiziere fälschlicher Weise eine friedliche Abficht vorgeipiegelt; allein der Umstand, daß der Oberamtmann den Schrambergern keine wei­tere Schwierigkeiten in teil Weg legte, daß er das Eremplar der Erklärung dem Ministerium durch Er­pressen überichickte, ohne den Inhalt derselben als eine offenbare Vorspiegelung zu bezeichnen, bewei t sattsâm, daß der Oberamtman» der Erklärung Glaub n schenkte. Er konnte dieses um so mehr, als er auch aus dem übrigen Verhalten des Befehlshabers der Schramberg ger Bürgerwehr dessen friedliche, auf Ordnung gerich­tete Adficht entnehmen konnte. Am Morgen des Mitt­wochs machte eine Anzahl von Sulzer Einwohnern Miene, das Oberamt zu stürmen, um dort befindliche Waffen zu holen. Als der Dberamtmaun den Jegg- liu fragte, ob er mit seiner Mannschaft im Falle dec Gefahr ihn schützen werde, sagte ihm Jegglin diese- auf das Bestimmteste zu. Und bei derselben Veran­lagung erklärte Jegglin dem Oberamtmann: er habe fich emschlosse», mit seiner Mannschaft zurückzukehren, er werde sich Mühe geben, feine Leute zwischen Sul; und Horb zur Rückkehr zu bestimmen, er sehe ein, daß er hiiitergaugen worden sei, und der Oberamtmanit dürfe überzeugt sein, daß er (Jegglin) sein Vermögen und das Glück seiner Familie nicht an ein tollkühnes Unternehmen wage.

Diesen Entschluß führte Jegglin auch sofort aus. Schon an der Steige zwischen Sulz und Holzhausen erklärte er der Deputation von Sulz, welche die Schramberger begleitete: wir kehren in Holzhausen UM. Als er in'Holzhausen einzog, hörte er mit der Glocke stürmen. Auf die Nachricht, daß es von Moser ge­schehen sei, wies er benielben von dem Zuge weg und drohte mit Verhaftung, wenn er sich wieder blicken lasse. In Mühlheim verlangte Jegglin die Rückkehe mit der Bemerkung: man sehe, daß es Held nicht gut meine, er habe die Rückkehr dem Oberamtmann in Sulz versprochen. Eine kleine Anzahl (13) traten so­fort den Rückmarsch an, die andern aber -zogen vor­wärts den Uebrigen nach, welche, als Jegglin in Mühlheim ankam, schon voraus marschirt waren. Jegglin nahm ein Fuhrwerk und eilte den Vorausge- gangenen bis Empstngen nach, wo er auf das Ent­schiedenste die Rückkehr verlangte. Aber so groß war damals noch der Widerwille gegen das Aufgeben re- Planes, daß Jegglin in Gefahr kam, mißhandelt zu werden. Endlich brachte er die Mannschaft nach Mühl­heim zurück, stellte sie auf einer Wiese auf und erklärte, daß Held offenbar andere Absichten habe, als in wel­chen sie ausgezogen seien, und daß er dem Oberamt­mann von Sulz die Rückkehr versprochen habe. Zu­gleich forderte er die Mannschaft auf das Eindring­lichste zur Rückkehr auf; allein Hc-w, der böse Geist, der, wie cd scheint, nicht blos die Schramberger, son­dern auch Rau selbst getrieben hat, trat wieder dazwi­schen und bekam, unterstützt durch einige Schramber­ger, die Oberhand. Die Leute zogen, geführt von Held, von Neuein weiter. Nun hätte Jegglin seine Bemühungen, die ihm nur Scheltworte und Undank cintrugcn, aufgeben können; aber er war noch nicht zufrieden, nochnials fuhr er seinen Leuten nach und brachte sie endlich auf der Horber Steige zur Umkehr. Wohl behauptet der Staatsanwalt, Jegglin habe erst dann sich entschlossen umzukehren, als er wegen Man­gels an Theilnahme das Unternehmen als gescheitert angesehen, weil er gehört habe, daß Militär aufge­boten linv die Rottweiler zurnckgekehrt seien, und eS ist diese Behauptung unterstützt durch die Angabe meh­rerer Zeugen in der Voruntersuchung, man sei umge-