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Freie Zeitung.

Freiheit uni Recht!"

M «2 Wiesbaden. Freitag, 14 März t^ÄÄ.

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Italien

y Es ist in der letzten Zeit über Oesterreichs Plälie in Italien stiller in den deutschen Zeitungen geworden; doch es scheint dies nur die unheimliche Ruhe vor einem Gewitter zu sein. Am verwichenen Montage traf in Paris ein Kurier mit wichtigen De­peschen'bei dem Gesandten des Turiner Hofes ein, in Deren Folge letzterer den französischen Minister des Auswärtigen sofort um eine Konferenz für den folgenden Tag ersuchen ließ. Es soll sich um neue Drohungen Oesterreichs handeln. Was geschehen wird, ist noch Geheimniß und läßt sich bei Louis Bonapartes Unschlu,- sigkeit und Zweideutigkeit durchaus nicht vorhersagen; doch was geschehen muß, wenn die Regierung des republikanischen Frankreichs noch einen Funken Natro­nalehre im Leibe hat, Vas ist klar.

Die Berichte des französiichen Generals Gameau aus Rom, welche vom Minister des Auswärtigen in dem Kabinetsrathe, welcher am Montag statt fand, vorgelesen wurden, lauten mehr als bedenklich. Gameau erklärt gradezu, daß die italienischen Zustände immer bedrohlicher würden und für die Zukunft durchaus nicht zu Ibürgen sei; er verlangt daher schleunigst Verstär­kungen und einen theilweisen Truppenwechsel.

; In Folge der wahnwitzigen Reaction, welche die Klerikalreqicrung in den Kirchenstaaten, die «standrechts- wirthschaft des Königs von Neapel, die Wortbrüchigkeit der kleinen Fürsten und die Härte der österreichischen Militärherrschaft herbeiführte, ist Italien in die fürch­terliche Alternative versetzt, selbst auf die Gefahr hin, Polens Schicksal zu! theilen, einen polnischen verwegenen

Streich zu wogen? Diese' Zustände sind nicht mehr er JgS^ÄÄm^^

, Aber grade darauf arbeitet auch die Contrerevolu- tion hin: sie drängt das unglücklichste aller emopa- schen Völker zu einer neuen vorzeitigen Schilderhebung, um bann Den eisernen Arm auch aufPiemont zu^ legen, wo noch immer Mannner au der Spitze des S aa es stehen, welche eine verfassungsmäßige, vernünftig P litis einer verfassungsmörverischen, fanatischen vorzlehen Auch die Vertreibung der Franzosen aus Rom lugt im Plane. Diese Truppen haben z»var den âuder- mord an der römischen Republik vollzogen; aber ob­wohl blutbeladen, sind, sie denn doch Franzosen und Republikaner, also natürliche Feinde der r^esterreicher UnDlSng^ die Geldbewilligung für die römische Besatzung in Paris zur Sprache kam, »vard^von <L>ei- - ten Der französischen Regierung angekundigt, Frankreich werde und könne seine Besatzung nicht zun.ckz.ehen so lange noch ein Oesterreicher in den Legationen stehe. Doch können die Oesterreicher zurück?. Sofort wurde die Bevölkerung sich gegen das verhaßte Klercka regl- ment erheben. Weigern flch doch fetzt sogar schon Die besten Freunde des Papstes, Funktionen anzunehmen,

weil sie sich dadurch bei dem Umschwung der Dinge bloß stellen würden!" Auf die Macht der Klerikalen baut die Coutrerevolution ihr Gebände kann man verblendeter fein? Was mit diesem Staatsmörtel zu leisten, zeigt Italien! Die Klerikalherrschaft bindet nicht mehr: je greller sie hervartritt, desto schneller führt sie zur Auflösung der alten Ordnung der Dinge. Ihr Ruf:Zurück ins Mittelalter!" ist die Herolo­stimme, welche die Völker nicht mehr einschläfert, son­dern wach ruft.

Aber wenn die Oesterreicher auch den Kirchenstaat räumen könnten, werden sie es wollen?

General Gemeau berichtet, daß die österreichischen Rüstungen in Italien von Woche zn Woche zunehmen: es hat im nichtösterreichischen Italien allein be­reits 42,000 Mann Infanterie, 10,000 Mann Reiterei und 60 Kanonen, und im österreichischen Italien 50,000 Mann Infanterie, 12,000 Mann Kavallerie und eine mehr als entsprechende Artillerie, also 92,000 und 22,000 Mann nebst einer Unmasse von Geschützen. Der französische General bittet ganz besonders um Ar­tillerie.

Diesen Angaben völlig entsprechend lauten die- Be­richte der französischen Gesandtschaften in Wien, Rom und Turin. Truppen kosten Geld, Oesterreich hat Mangel wird es sich zum Spiel in solche Kosten stecken? Man scheint auf Beschleunigung der Kata-

strvphe durch eine Unbesonnenheit Mazzini's gerechnet zu haben; doch der Triumvir ist kein Schulknabe in der Politik. Wenn es wahr ist, was unlängst gesagt wurde, daß der Czar auf Palmerston so schlimm zu sprechen ist, weil er ihn im Einvernehmen mit Maz­zini nennt, so hat letzterer wenigstens bewiesen, daß

Frankreich kann Sardinien mcht wieder im Dtlchë lassen, ohne sich selbst den Todesstoß zu versetzen, und England wird es nicht können, weil die Volksstimme jenseits des Kanals, wenn sie so einig wie jetzt in die­sem Punkte ist, Gottesstimme ist. Werden beide in dieser Frage eineEntente abschließen ? Im Werke ist es. Aber beide wollen keinen Krieg. Was dann? Die französischen Staatsmänner aller Farben sollen auf einen allgemeinen europäischen Ministerkongreß hin­arbeiten, doch die russische Diplomatie kürzlich geäußert haben, »mit einem republikanischen Frankreich einen solchen einzugehen sei mislich. Allerdings!Sie werden zugeben, daß eine Repullik im monarchischen Europa eine Anomalie ist!" soll Kiffeleff gegen Thiers geäußert und dieser geantwortet haben:Mag sein; wenn wir aber in bisheriger Weis fortfahren, so könnte der umgekehrte Fall eintrelen!" Thiers hat den Nagel auf den Kopf getroffen: es ist 'te unsinnigste Politik, Alternativen zu stellen. Hätte die Coutrerevolution ihr Handwerk verstanden, wie »-eiland TaUeyranv und Metternich, sie würde den Lölken zugerufen und that­sächlich bewiesen haben:Ihr baucht nicht kosackisch

zu werden, um nicht republikanisch zu werden!" Dena die Alternative gestellt, wird jeder, selbst der /onfer* vativste, loyalste Europäer antworten:Giebt es denn kein Drittes, wohlan, so wollen wir lieber Hammer als Amboß, lieber Republikaner als Sklave« der russischen Sklaven werden!""

Nassauischer Landtag.

(Schluß.)

^9 Wiesbaden. (Sitzung vom 11, März.) Der Abg. Justi erstattet sodann Bericht über den Antrag des Abg. Naht, die Aufhebung der Wittwèn- unv Waisenkasse der Unteroffiziere des 1ten Regiment- betreffend. Dieser Antrag lautet wörtlich:die Re­gierung zu ersuchen, 1) den^ersten Bestand und Die spätern Zuflüsse des in dem Schreiben des H. General­lieutenants v. Preen vom 3. L I. beschriebenen Fonds nach Anleitung der darüber bei vem Commando des H. Iten Regiments vorhandenen Aufzeichnungen, Verkaufslisten und Rechnungen durch die H. RechnungS- kammer gehörig feststellen und sodann die Verwaltungs­rechnung einer ordnungsmäßigen Prüfung untei-werfta zu lassen; 2) den dabei sich ergebenden dermaligett Bestand des Fonds an die Staatskasse zur Einnahme zu überweisen."

Bei Beurtheilung des Antrags stützt sich derBencht« erstattet der Majorität in seinem Berichte auf die bei dem Militär vor 1848 eingeführte Masseverwaltung und weist durch die Kriegsartikel, das Ditnstreglement, die Schluß­akten, den Staatsvertrag zwilchen den Niederlanden und Nassau und die dem Obristeu des 1ten Regiment- übergebene Instruktion, gründlich nach, daß diè Quel-

ren sei.

Die Majorität trägt daher darauf an, den Raht- schen Antrag anzunehmen.

Abg. Zoll man tt trägt mit dem Abg. v. Gödecke ein Seperatvotum^vor mit dem Anträge, diese Kaffe der Controle der Ständekammer zu unterwerfen, den Fond aber dem Regimente zu belassen. Abg. Brau« stellt den Antrag, zur Tagesordnung überzugehen, wel­cher mit 28 gegen 5 Stimmen angenommen wird.

Abg. Braun berichtet über den Ra ht' schen An­trag auf authentische Interpretation der 88- 29 u,30 des Gefetzes über die Centralverwaltung, betreffend den «standesaufwanv. Der Antrag der Commission geht dahin, Den Raht'ichen Antrag anzunehmen, weil cs die Absicht der Kammer sowohl, als der Regierung gewe­sen sei, mit Erlaß jenes Gesetzes den Standepaufwand zu beseitigen; da nun die Gerichte die Fassung jeneL Paragraphen für zweifelhaft erkannt hätten, so müsse, jenen Intentionen gemäß, eine authentische Interpre­tation erfolgen.

Die Abgg. Leisler und Rau sprechen gegen die-

Schlesw ig-Hvlstei n!

Schleswig -Holstein meerumschlungen, Deutsches Land voll Kraft und Muth;

Deutscher Mund hat Dich besungen, Wie vergalt Dir deutsches Blut?

Schleswig - Holstein enguinspanut Bon Verrath Du armes Land.

Deine Krieger mußte» scheiden Von dem Feld der Ehre nun, Können nicht mehr tapfer streiten: Sie zu rächen', die schon ruh n. Schleswig-Holstein festgebannt, In die Schmach Du armes Land.

Einstens warfen deutsche Brüder In dein Landestammverwandt" Deutsche Feinde kämpfend nieder, Doch war alles leerer Tand.

Schleswig-Holstein deutsch genannt, Weine jetzt Du armes Land.

Deutsches Blut ward viel vergossen In dem Streit mit Danebrog, Deutsche Thränen sind geflossen Werden fließen ewig noch: Schleswig-Holstein stammverwandt Lebe wohl Du armes Land.

Wiesbaden.

H. Fr . .

Der Neubau der evanplischen Kirche zu WieSbadn.

5 Zu Ende Juli v. I. Wie hiesige evangelische Kirche niedergebrannt; Ende )ctobers hat die Bau- behörde ihr Gutachten über Äufähigkeit des Maner- werkS sowie über die Wahl eines PlatzrS für Den Nenbau abgestattet und der Öffentlichkeit übergeben; seitdem ist es mäuschenstill, nS darauf beschloßen »vor« Den ist oder beschlossen wer« soll. Doch hat ein Correspondent derNaß. All Ztg." in Nr. 52 je­ner Ztg. diese Frage wieder isgenommen, und da das Frühjahr nahe ist, so möchteö allerdings bald Zeit »verden, daß man sich weniänS über die Vorfragen verständigte, den Platz defiuö feststellte und im Laufe des Jahres wenigstens die körperlichen Abräumungs- und Fanvamentarbeiten begnen ließe. Wir freuen uns, mit den Ansichten »es Correspondenten im Wesentlichen Übereinstimmenu können. WaS näm­lich die erste Frage betrifft,b eine Kirche oder zwei gleichzeitig in Angriff zu neieii seien, so scheint, trotz des raschen WachöthumS r hiesigen Bevölkerung, das Bedürfniß einer zweitiKirche doch nur hervor- getreten zu sein durch diaUzubeengte und iiiigenü- gende Räumlichkeit der friren, jetzt niedergedrann- ten Kirche, und selbst hiev ar der Raunlinangel nur an einzelnen Feiertagen nerklich und empsindlich. Wird, »vie sich von selbst rsteht, auf das gegeinväi-

tige Zahlenverhältniß der zur Gemeinde gehörigen Fami­lien bei Dem Neubau die erforderliche Rücksicht genommen, so fällt jener Grund von selbst hinweg. Und dann lasse man doch endlich die unfruchtbare Idee fallen, auf jener Höhe neben der neuen Schule auch noch eine Kirche gründen zu wollen. Eine Schule für das Proletariat in jener Gegend anzulegen, w»r allerdings so schwie­rig nicht und »nacht Den Intentionen Der vormärzli­chen Schulpolitik alle Ehre; auch wird es dieser Anstalt bei Dem erfreulichen Kindersegen der benachbarten Quar- - e e schon der Wohlfeilheit wegen nie an starkem Zuspruch fehlen. Mit einer Kirche ist das aber ein ander Ding, da bei den erwachsenen Gemeindegliedern alle Maß­regeln fehlen, sie zum Besuche derselben anzuhalten; die Bewohner jener Bergpartie werden sicherlich ent­weder Die Hauptkirche besuchen, von Der sie ohnehin Niemand ausschließen kann, oder gar keine.

Wohin und wie diese Hauptkirche aber zu er­richten sei, darüber machen sich nun die verschiedenen Ansichten geltend. Daß daö Gemäuer der alten Kirche hierzu sich nicht wohl mehr gebrauchen lasse, darüber sind wohl alle einig. Daraus folgt aber noch lange nicht, daß das noch Stehende vollständig niedergelegt und der leere Platz zn andern Zwecken benutzt werden müsse; auch scheint die öffentliche Meinung über die Nothwendigkeit der Beibehaltung der vorhandenen Maner der Kirche und des Thurmes aller Orten einig zu sein. Auf welche Weise dieselben wieder hergerichted