5 Freie Leitung.
„âeihert urck Recht!"
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â ^S. Wiesbaden. Sonntag, 9. März IN51
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Briefe aus dem Gebirge.
VI.
$ Was hat die nassauische Regierung gethan, um die Interessen des nassauischen Gewerb- fleißes bei der Londoner Ausstellung zu wahren?
Unseres Erachtens mußte in dieser Hinsicht zweierlei geschehen: einmal mußten Anstalten getroffen werden, um die nassauischen Produkte, namentlich die der nassauischen Bodenindustrie in erschöpfender Zahl und in der bisher erreichten Vollkommenheit, anzusammeln.
Zu dem Behufe mußten öffentliche Aufforderungen an die Industriellen der Urproduktion, wie die der technischen Produktion ergehen, sie möchten sich an der englischen Ausstellung betheiligen, indem zugleich auf die besten Versendungsgelegenheiten hingewiesen worden wäre, und indem zugleich das Gouvernement Erzeugnisse der Gewerbe, welche im Ramen und für den Nutzen (eine für Kundige der Lehren der Volkswirthschaft freilich sehr problematische Sache) der Staatsgesammtheit in Nassau betrieben werden, den von den Privaten eingesaiidten Produkten zugefügt hätte.
Es wäre uns lieb zu erfahren, was das nassauische Gouvernement in dieser Beziehung gethan hat, und wir müssen im Namen der nassauischen Industrie das Gesuch an dieselbe stellen, es möge die von ihm in diese Richtung einschlageuden Bemühungen der Oessent- lichkeit übergeben. Auch wäre es — hier nebenbei bemerkt — sehr rathsam, wenn die nassauischen Bürger, welche Einsendungen gemacht haben, ihre Namen und Beschreibungen ihrer Einsendungen den naffauiichen Blättern einschickten, und insbesondere möchte es dem Publikum sehr erwünscht sein, zn erfahren, welche Lebens- zeichen der nassauische große Gewerbeverein, und ebenso der kleine Limburger bei Gelegenheit der Frage der würdigen Repräsentation der Industrie Naffau's in London von sich gegeben haben.
Das Andre, was der Regierung obliegt, ist die Absendung von tüchtigen nassauischen Industriellen nach London, auf Staatskosten, soweit als die Erkorenen außer Stande die Kosten der Reise und des Aufenthalts in der Themsestadt aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Einige Negierungen sind hier schon mit einem lobens- werthen Beispiele vorangegangen und die Kammer, — welche in dieser Sache die Initiative zu ergreifen hätte, falls die Negierung dieselbe keiner Beachtung werth hielt — wird wol gerne die für den genannten Zweck erforderlichen Gelder bewilligen.
Bei der Wahl der Industriellen müsste nur auf Geschick und Fähigkeit gesehen werden, und zugleich müßten alle Theile des Landes und alle Zweige der Industrie in Rücksicht genommen werden.
Den Industriellen wären einige mit den Grundsätzen der Volkswirthschaft und den Regeln der Staatswirthschaft Vertraute beizugeben, und der ganzen Deputation müßte zur Pflicht gemacht werden, über ihre Erfahrungen, und insbesondre die Aufnahme der nassauischen Produkte, und das Verhältniß derselben zu denjenigen anderer Staaten derselben Gattung Bericht zu erstatten. Es ist wahrlich an der Zeit, daß das Gouvernement thatsächlich beweis't, daß es die Verwaltungsmarimen der verflossenen Zeiten, in Bezug auf Volkswirthschaftspflege, von dem Ministerium v. Marschall an — durchaus als total irrige mißbilligt.
Lange Zeit herrschte in den Verwaltungsnormen der Grundsatz: Nassau sei ein Ackerbaustaat; die Fabrikation liege ihm nicht nur fern, sondern sei ihm sogar, da sie ein großes Proletariat erzeuge, verderblich; daher mußten alle Quellen der Güterproduktion auf den Ackerbau hingeleitet werden.
Die bedauernswerthen Folgen 'dieser hirnlosen Theorie liegen heute nur zu klar am Tage: denn wir haben neben der Verarmung der Handwerker auch die der Bauedn.
Hun konnte dieß überhaupt anders kommen?
yUiv da steht die Landwirtschaft eines Volkes in der höchsten Blüthe, wo neben ihr die Gewerke sich vollständig entwickelt haben. Sind die Städter arm, so fehlt den Landwirthen der Absatz und so zieht die Vernachlässigung der technischen Produktion mit Nothwendigkeit den Ruin der Landwirthschaft nach sich. So mußten alle Maßregeln zur Hebung der Land- wirthschaft in Nassau ohne erfreuliche großartige Resultate bleiben, weil die Fabrikation hn Argen lag und liegt. Dazu kommt nun noch, daß Nassau an U>Produkten, insbesondere mineralischen Schätzen — so überaus reich ist, und daß daher bei einiger Aufmunterung
Fabriken der verschiedenduen Art sich zu großem Glanze hätten erheben können. Man war aber, weit entfernt in dieser Hinsicht anzuspornen, vielmehr in früheren Jahren bemüht, der Privatspekulation, wenn sie mit Rücksicht auf die Fabrikation ihr Augenmerk auf Nassau richtete, vielmehr geradezu unübersteigliche Hindernisse in den Weg zu legen. Wir haben also, wie gesagt, heute auch ohne Fabriken außer dem Proletariat der kleinen Städte, auch ein großes ländliches. Und letzteres mußte sich, abgesehen von den unrichtigen höheren Verwaltungsmarimen, schon aus der unbedingten Herrschaft des römischen Erbrechts auch bei dem Grund und Boden nothwendig entwickel».
Die Vertheilung der Landgüter in ganz kleine Stücke ist Dank jenem Erbrecht! in unserem Lande so weit wie nur möglich gediehen, und mit dem geringen Eigenthum und dem vielen, unter nicht selten höchst ungünstigen Bedingungen gepachteten Gute führen viele Bauern ein höchst kummerreiches und mit keinen Erfolgen belohntes Dasein.
Gerade weil in unserem Staat das römische Erbrecht so sehr die Zertheilung der bäuerlichen Nahrung begünstigt, hätte man um so mehr darauf bedacht sein müssen, den Händen, welche bei dem Landbau als überflü sig sich heraussteUten, in der Fabrikation, einen neuen Wirkungskreis aufzuschließen.
Vieles ist geschehen seit dem Anfang des Jahrhunderts, was nie mehr gut zu machen ist, so vor allen Dingen die unvermittelte, nackte und frackte Aufhebung der Zunftverfassung in Nassau, auf die in neuerer Zeit einige Professoren, die in ihrem Berufsfach recht ausgezeichnet sein mögen, aber deßhalb noch lange nichts von den Gesetzen des Verkehrs, und den Grundsätzen der Nationalökonomie verstehen, in einer wahren Verzweiflung wieder zurücksteuern wollen.
Es ist zu spät und die Zunftverfassung längst gerichtet.
Wenn aber nicht geleugnet werden kann, daß unzweifelhaft durch die verkehrten VolkswirthschaftSgrund- sätze früherer Verwaltungen dem Wohlstand des nassauischen Gewerkstands große Wunden geschlagen worden sind, so hat das jetzige Gouvernement um so mehr die Pflicht, der technischen Production beizuspringen, und wir wollen daher hoffen, daß unsere heutigen Vorschläge nicht ganz unbeachtet bleiben werden!
Die russische Hand in der deutschen Frage.
X Wer noch daran gezweifelt hat, wer Herr in deutschen Landen ist, dem wird jetzt ein Licht aufgehen. Rußland will Deutschlands Zerrissenheit, damit es ewig schwach bleibe. Um dies zu erreichen, wurde Oesterreich auf Preußen gehetzt; doch nun dies letztere moralisch vernichtet, dreht der Ezar den Spieß um. Der „Magdb. Cor." meldet, daß der Ezar dem König von Preußen als höchste russische Ortensdekoration, „welche sonst nur von Mitgliedern der kaiserlichen Faüulie getragen wird", (welche Ehre für den König von Preußen!) die Kette zum Andreasorden hat überreichen lassen. Der schwarzweiße Berichterstatter wirft sich in die Brust und ruft aus: „Es mehren sich die Anzeichen, daß Rußland dem jetzigen Auftreten Oesterreichs abgeneigt ist." Der Ezar will die Wiederherstellung des deutschen Kaisers nicht; „dieser Gedanke ist zu lächerlich!" meint das russische „Journal de Francfort" und setzt bedeutsam hinzu: „Alles läßt hoffen, daß es Hrn. v. Schwarzenberg gelingen wird, durch eine kluge und gemäßigte Politik alle Tiraden über den angeblichen Ergeiz Oesterreichs zum Schweigen zu bringen. Anderseits ist es gewiß, daß die letzten Akte des Hrn. V. Manteuffel von der Art sind, um jeden Vorwurf von Schwäche (?) abzuweisen. In den letzten Noten hat die Regierung des Königs sehr bestimmt erklärt, daß sie bei der neuen BuiideSversamm- lung für Preußen alle einer großen Macht gebietenden Ehren und Würden fordere. Eine solche Sprache scheint durch die Umstände gerechtfertigt. Das Berliner Cabinet kann in keine Wiedererrichtung des deutschen Bundes willigen, in welchem alle Vortheile auf Seiten Oesterreichs oder eines Staals zweiten Rangs wären. Das Jahr 1849 hat auf unwiderlegbare Weise sowohl die Macht als die Selbstverleugnung Preußens bewiesen: Deutschlaud, wenn es nicht undankbar und unvorsichtig sein will, muß die eine achten und die andere ehren." Also blos um „Ehren und Würden" handelt es sich, das sind die deutschen Interessen! Und wie jüngst befohlen wurde, gegen Preußen Front zu machen,
so jetzt für dasselbe. (Die nassauische Politik kommt jetzt also aus dem Regen in die Traufe!) — Schwarzenberg verrieth Gelüste nach Bosnien; Rußland will in der Türkei aber allein privilegirt sein; daher be- richtetjver „Oester. Cor." plötzlich, daß Oesterreich an keine Intervention in Bosnien denke: das sei pure Verleumdung. Schwarzenbergs Stern ist im Erbleichen! Die „Lith. Eor." aus Berlin meldet: „Die Stellung des Fürsten Schwarzenberg in Wien ist nach den neuesten Nachrichten eine nicht so konso- livirte, wie man im Allgemeinen glaubt. Die nächste Umgebung des Kaisers ist vermöge tiefer liegender le- gitimistischer und organischer Anschauungen dem auf rein mechanischen Springfedern beruhenden Centralisa-- tions-Systeme des Fürsten Schwarzenberg abhold. Bei Gelegenheit der deutschen Reorganisations-Versuche ist der greise Fürst Metternich um seinen Rath angegangen worden und hat denselben in Form einer Denkschrift niedergelegt, in welche mehreren Staatsmännern in Dresden Einblicke vergönnt waren. Außerdem hat Fürst Metternich Abmahnungen erlassen, welche vor den Gefahren einer zu straff angezogenen Centralisation der österreichischen Staatskörper warnen, und welche auf die große Rücksichten erheischende Lage der Preuß. Monarchie Hinweisen. Preußen — so drückte sich der greise Staatsmann aus — hat durch die Traditionen seiner Geschichte gleichsam Grundbedingungen, welche, treibt man die Sachen anf die Spitze, Preußen nöthigen können, sich der inoderirten Revolution in die Arme zu werfen. Auch möge man nicht vergessen, fügte er hinzu, daß bei gewissen Verwicklungen protestantische Reminiscenzen zu Grunde liegen, welche für die kommenden Zeiten einen vulkanischen Boden eröffnen könnten." Metternich hält alfo Schwarzenbergs Ideen vom deutschen Kaiser und von der alleinigen römisch-katholischeu Kirche dieses neuen römischen Reichs für bedenklich. Er hat Recht; doch wenn die Contrerevolution nicht mehr vorangeht, was thut sie dann? Sie geht zurück! Mit Schwarzenbergs Sturze ist, wie gesagt, der Kreislauf vollendet; und Schwarzenberg wird, sobald seine Pläne gescheitert sind, eine Unmöglichkeit, wie es Radowitz in Preußen nach dem Zerplatzen dec Union war. — Die deutsche Flotte, die Rußland so verhaßte, soll wirklich als Mantel der gekreuzigten Revolution jetzt getheilt werden. Laut dem „Cor.-BÜr." will Preußen sich „aus dein Werthe der vorhandenen Schiffe für die von ihm vorgeschossene Million bezahlt machen und dieselben zu seinen Zwecken verwenden." Bravo!
Bericht des Abg. Haupt,
die Vereinbarung der Civilliste betr.
(Schluß.)
Cap. VII. Badeanstalten.
Hier nimmt der Nachweis den Durchschnitt der Einnahme aus den Jahren 1842 bis iucL 1847 als muthmaßlichen Ertrag, zieht die durchschnittlichen Ausgaben mit 35,486 fl. 8 kr. ab, wornach eine Reineinnahme von 37,565 fl. 4t kr. verbleibt, die der m^ nistericUe Nachweis in der Hoffnung auf bessere einträglichere Badesaisons auf 40,000 fl. steigert. Im veiflossenenen Jahre sind 82,663 fl. 32 kr. zur Kasse geflossen.
Obgleich wir diese Summe nicht als eine normale betrachten können, da, wie allgemein bekannt ist, die Verhältnisse des Jahres 1848 und 1849 viele Kranke von dem nothwendigen Besuch der Bäder abhielten, und deshalb im Jahre 1850 einen außergewöhnlichen Zudrang zu den Badeorten zur Folge halten, so wollen wir dir,clbe dennoch als den muthmaßlichen Ertrag der nächsten 3 Jahre annehmen, also die Annahme des Nachweises um beinahe 10,000 fl. überschreiten.
Es wurden im Jahre 1850 circa 33,500 fl. für die Verwaltung verwiUigt, im Jahre 1851: beinahe 40,000 fl., so daß mindestens 36,000 fl. Berwaltungs- kosteu tu Abzug zu bringen und 77,000 fl. als Reinertrag zu erwarten sind.
Cap. VIII. Berg-, Hütten- u. Hammerwerke.
Nach dem neuer» Stande, wie sich derselbe aus dem Einnahmeetat pro 1850 ergiebt, kommt der Nachweis auf eine Reineinnahme von 23,000 fl. und da er hoffe, daß Bestellungen von auswärtigen Gewerkschaften auf Eisenstein eingehen, so rechnet er den davon zu erwartenden Gewinn mit 4000 fl hinzu, nimmt also einen Nettoertrag von 27,000 fl. an.
Wir müssen unsererseits gestehen, daß wir unter den jetzigen Verhältnissen, welche sehr drückend auf der