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„âeidect nua Uec6t!“
Wiesbaden FreWg 7 März
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Die Contrerevolution.
X Die Slufficdunq einer mobilen Streitmacht im deutschen Westen, als deren designirter Befehlshaber bereits der Prinz von Preußen genannt wurde, unterbleibt vorläufig, da Frankreich darin eine Drohung erkennt, der es mit Aufstellung einer gleichen Macht antworten werde. So berichtet „von gut unterrichteter Seite" die „Karlr. Ztg.", und was wir aus andern Quellen erfahren, bestätigt vollkommen diess Wendung der Dinge. Die russisch-österreichische Contrerevolutiou ist nur da und bann keck, wo sie Schwäche wittert, wie bei der preußischen Regierung; sie macht sofort Katzenpfötchen, wo ihr Energie cutgegentritt. Hat doch sogar trotz aller Verstrickungen und Ränke sich bisher noch das demokratische Casiuomimsterium in Kopenhagen gehalten, dessen Sturz die Kreuzzeitung wie die Organe Schwarzenbergs sofort nach dem Sturz der Statthalterschaft ansagte; ja Schwarzenberg hat diesen „Demagogen mit Portefeuille" sogar Konzessionen gemacht, wie keine allerunterthänigste deutsche Regierung sich rühme» kann. Oder haben diese „Eiver- dänen" nicht sogar den Triumpf gefeiert, das anerkannt zu Holstein gehörende Kronenwerk noch über die Eidergrenze hinaus mit Dänen besetzen zu dürfen?
Nach mehr! So viel Mühe sich der schwarzgelbe Stolz auch in seinen Blättern gab, es ist nicht mehr abzuleugnen: die französische Regierung hat ganz entschieden gegen den Eintritt Gejammt-Oesterreichs in den deutschen Bund protestirt. Und was antwortete Schwarzenberg? Obgleich oder weil Abgeordneter einer Republik, stehe dahin, genug der französische Gesandte erhielt, als er dem Fürsten diesen Uriasbrief vorgelesen, laut dem „Journal des Debats" die merkwürdige Antwort: „Unsere neue Verfassung (also der Fürst gedachte plötzlich wieder der Verfassung!) hat die Einheit der Regierung für immer eingefnhrt. Alle Theile res öilrum(;if^ni Kaiserreichs biloen ein Ganzes unter einer und derselben Regierung. Hiernach haben wir nur zwischen Zweien zu wählen: entweder wir gehören mit allen unseren Besitzungen zu Deutschland, oder wir halten uns ganz außerhalb des deutschen Bundes. Die Weisheit der französischen Regierung möge ermessen, was geschähe, wenn Oesterreich Letzteres thäte. Dann wäre Deutschland in Preußens Hand gegeben, und Preußen ist ein an Frankreich gränzender und demselben eifersüchtelnder Smat. Uebrigens fiele dann Deutschland allen revolutionären und demagogischen Leidenschaften anheim, denn Preußen und das übrige Deutschland sind durch die Revolution und die antisocialen Lehren gänzlich untergraben und gegen diese ist der Kampf unmöglich, der Sieg unerreichbar ohne Oesterreichs Mitwirkung."
Also nicht mit einer Drohung antwortet der Fürst, nein er sucht die französische E t fe r sucht gegen Preußen als Großmacht und gegen Deutschlands Erstarkung von Neuem aufzustacheln, er zeigt, was das reaktionäre
Frankreich bei dem Siege der Reaktion in Deutschland gewinnen würde; er giebt sogar — und welche Demüthigung liegt in diesem Bekenntniß des österreichischen Premiers — zu verstehen, daß Frankreich von einem Deutschland unter Oesterreichs Hegemonie nichts zu besorgen haben würde.
Der Fürst hat nichts aus der Geschichte gelernt! Denn sonst würde er wissen, daß Frankreich selbst unter der jetzigen Negierung nicht mehr das Interesse hat, das es unter Richelieu hatte. So viel weiß jedes Kind, daß jedes direkte offene Auftreten des Absolutismus gegen die Republik Frankreich die Revolution entfesseln würde und nicht blos die französische, sondern die europäische; und dennoch hat Schwarzenberg so lange gegen Frankreich intrignirt, bis ihm jetzt plötzlich gerufen wird: „Nicht wir fürchten dich;. nein, du hast uns zu fürchten!" und er nun demüthig auf das: „Qui vive!“ antwortet: „Gut Freund!" — Sollte Schwarzenberg doch merken, daß Oesterreich keineswegs auf so festen Füßen steht, als er zu behaupten für gut sinder?
Wir sind keine Freunde von der Einmischung fremder Mächte in unsere deutschen Angelegenheiten; aber der Protest Frankreichs hat seine volle Berechtigung. Denn Gesammtösterreich ist keine deutsche Macht: jene Polen und Rutheueu, jene Magyaren und Sla- vonier, jene Dalmatier und Italiener, sie sind keine Deutsche und werdens keine Deutsche, auch wollen sie nichts mit Deutschland zu schaffen haben; wir haben mit ihnen nichts gemein, als den Drang zur Freiheit, zur Selbstständigkeit, zur Unabhängigkeit! Uno ihre widernatürliche Ankettung au den deutschen Bund, gegen die sie, wie wir protestiren werden, so lange noch ein Funken National- u. Freiheitsgefühl in ihren und in unsern Adern glüht — das wäre eine deutsche innere Angelegenheit? Nein, es würde nichts mehr und nichts minder sein, als jenes in österreichischen Dokument-» w laut aebraud- martee Elndrangen Napoleons in die deutschen Reichs- angelegenheiten. Wenn der Kroate heute in den deutschen Bund gedrängt werden darf, warum nicht morgen auch der Baschkire auf des Czaren Verlangen?
Alle Entwicklung in Europa dringt auf das Zurückgehen zum Staate in den Grenzen, welche gemcüyame physische und geistige Interessen, welche Natur und Geist bezeichnen; die österreichische Regierung hat in der ungarischen Krisis auf bie nationale Berechtigung einen Nachdruck gelegt, der bis zur grellsten Einseitigkeit führte; und urplötzlich dreht sich jetzt die Sache um?! Die Nationalität bedeutet nichts mehr, Oesterreich hat eine Verfassung, welche die Einheit für immer ein# führt und kraft dieser Verfassung muß Deutschland in Gesammtösterreich aufgehen, wie Ungarn und Italien und Galizien!? Welche Logik! Ob Preußen ans dieser Erklärung Schwarzenbergs nichts lernen wird? Frankreich und England werden sich schwerlich beruhigen; denn Louis Bonaparte ist nicht Frankreich und eine Toryregiernng, selbst wenn sie käme und mit der
Reaction gemeinschaftliche Sache machte, würde nur um so schneller zu einem Aufschwünge führen.;
Hätte Schwarzenberg aus der Geschichte etwas gelernt, er würde wissen, daß allzuscharf schartig macht, er würde die Vorhersagungen seiner Gegner nicht bestätigt, sondern widerlegt haben, er würde die Reaktion konsolivirt haben durch Conzentrirung âllerKMft^ statt bis zum Ertrem zur Erpansion zu treiben, spätre er Preußen und das übrige Deutschland, wenn sie demt so „untergraben sind", wieder durch ^Förderung ihrer wahren Interessen gestärkt, statt sie tiefer, als je, nie- derzutreten, hätte er die Versöhnung zwischen .Regierungen und Völkern gepredi^j, Recht uitv Gerechtigkeit geübt und geschützt, statt kurhessische Scenen herbeizuführen; hätte er Deutschlands Ehre und Unverletzlichkeit gewahrt, statt sie wie in Schleswig-Holstein iit beispielloser Weise zu opfern; hätte et den gesunkenen Kredit der Bundesstaaten durch Garantien dauernder Institutionen gehoben, statt ihn durch unerschwingliche Kriegskontributionen, durch gefährliche Hazardfinänz- maßregeln dem Ruin zuzuführen: bmm wäre e? "bet Wieverhersteller Deutschlands geworden, der er so gern heißen möchte, dann könnte, er mit Franzosen und Russen und mit der ganzen Welt redeW^ann, dann hätte er sich als größter Mann des ^Jjrijuii# dertS erwiesen und Frankreich böte ihm Die Bruderhand . Italien, das endlich zu seinem Rechte gelangte, errichtete ihm Statuen, und in Ungarn wäre KoffuthS Bild, das jetzt und ewig drohende, überstrahlt durch die Weisheit und Gerechtigkeit seines frühern Feindes. DaS waren positive Leistungen! Das wäre der Weg gewesen, die Monarchie wieder zu einer Herzensangelegenheit der Völker Europas zu machen und die Revolution in Fesseln zu schlagen; doch freilich — um diese Politik zu begreifen, muß man nicht nur etwas, sondern sehr viel aus der Geschichte gelernt haben.
Wir gehören nicht zu denen, welche in Allem, waS Schwarzenverg luuduuuuu, um um,™ x»uu m« Freude am Wehthun sehe«; wir würdigen seine eiserne Konsequenz und Kühnheit, wir glauben sogar an seine L:ebe zu den schöneren Seiten der Civilrsation: seine Fehler sind trotz ihrer schreienden Härte weniger Fehler des Herzens, als des Kopfes. Er ist der G agern dec Contrerevolution und hat für diese ganz dieselbe Mission, wie jener für die Revolution: was fester durch zu wenig verdarb, verdirbt er durch zu viel; was jener zu schonend und vertrauend gegen Preußen und die Fürsten war, ist er zu schonungslos und kompro- mittirend gegen die Interessen der Dynastien; was jener zu rücksichtsvoll war, ist er zu rücksichtslos. Ertreme begegnen sich; Pol und Gegenpol haben oft dieselbe Wirkung. Gagern hat seine Rolle mit Rendsburgs Falle ausgespielt; auch Schwarzenbergs Zeit w rd kommen, wenn er Preußen vollends unter die Füße getreten hat. Dann hat die Bewegung ihren ersten Keeislauf vollendet, um gereifter, gewitzigter und gereinigter $ü neuen dauernderen Siegen zu schreiten.
Das hohe Lied!
I» unserm Vaterland«, da war ein Lied erklungen — Das mit den Dvnnerwarten, in manches Herz gedrungen! Wer hat das Lied vergesset,? O, das vergißt sich nie — Li« tönet ewig weiter, die Freiheits-Melodie !
Und viele tausend Klänge, die zu dem Liede stimmten, Und viele tausend Funken, die in den Herzen glimmten. Die strömten all' zusammen, in der Begeistrung Gluth — Daß Mancher wohl erzittert' in dieser wilden Fluth!
Jetzt ist der Ton verschwommen, kein Echo bringt ihn wieder — Man hat eS falsch gesungen, das hohe Lied der Lieder! ES wollte Jeder singen — da gab es falschen Ton, Da ist vor seinen Sängern das hohe Lied «»tfloh'n!
Nun soll di« Harfe ruhen, kein Laie soll sie schänden, Bis sie^aufs Neu' erklungen, gespielt von Geisterhänden; Bis in die Saiten greifet, der mächt'ge Geist der Zeit, Der neue Melodien in unsre Herzen streut!
Dann wird es besser kommen, kein falscher Laut wird klingen, Es wird auf unsrer Harfe nicht eine Saite springen! Dann wird es besser tönen, in hehrer Harmonie, Und nimmermehr verstummen die Freiheits-Melodie!
Wir dürfen drum nicht ruhe», nein, immer weiter spüren, Denn was bis jetzt erklingen, war nur ein Präludiren! Das wahre Lied wird kommen, wir glauben treu und fest, ES lebt ein Gott im Himmel, der nie das Recht verläßt!
D«r Schluß ifl noch geblieben, auch er muß noch erschall«», In dem Kanonendonner, da wird er wiederhalle»! Der letzte Vers wird klingen, wird klingen überall — Cs ist des hohen Liedes nachkommendeS Final!
E. S......
Volkstümliche Aschermittwoch - M tten.
Motto: „Begrabe jetzt bie Flasche, Die den Verstand dir raubt; Und jheue dir die Asche Nun ans dein sündig Haupt Mit bittern Thränen dann wasche Dir Herz und Gemüth überhaupt!"
Meine theuern u n d and ä ch t i g e n Z u h ö r e r!
Gestern roth und heute todt! Gestern war der ganze Tag und die halbe Nacht noch roth, roth vor Lust lind Freude und tollem Wirbel-Ding, und heute sind sie todt! Ausgeathmet, äusgerungen, ansgetollt, ausgejubelt!
Gestern brannten noch die Flammen, die tausend Flammen im Saale, die Flammen in blitzenden Augen, die Flammen auf glühenden Wangen, die Flammen in brünstigen Herze», und heute ist alles Asche! Asche! Asche! Die Flammen im Saale sind erloschen , die Flammen im Auge sind verdunkelt, die Flammen der Wange sind verlodert, die Flammen im Herzen sind erstickt, denn die Hand der Zeit löscht alle Flammen
aus, und nichts bleibt von den Flammen als Ruß, Kohle und Asche!
O, heute ist der AscherMitttvöch! § stkeut Asche auf Euer Haupt wie auf die Trottoirs, dam t diejenigen, die Euch auf den Kopf treten, ruhig und sicher wandeln können.
Alles ist Staub und Äfche! Der Mensch kömmt von dem Staub und macht 70 Jahre lang Staub und macht sich dann aus dem Staube, um wieder zum Staube zurückzukehren! Und während der ganzen Zeit seines Lebens war sein Leib nichts als ein Staubmantel aus Staub, der sich im Staube krümmt vor einem Staubmantel im Purpurmantel, um entweder aus dein Staube erhoben oder in den Staub getreten zu werden, um den Staubbesen zu geben obèr zu empfangen! UnV nun was führen diese Staubmantel, in Purpurmäntel, in Solkatenmänteln, in Priestermanteln und in Bauern- mänteln beständig Krieg und Hader? Um eine Handvoll Staub, um ein Sonnenstäubchen, um ein Stäub- lein Salz und Brod!
Staub und Asche, das ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende der Menschen! Und der Mensch, dieser Staub mit Handen und Füßen, hat nichts Angelegentlicheres zu thun, als das ganze Jahr sich abzustauben! Da bürstet er an seinen Kleidern, da bläst er auf seine Aermel, auf seinen Hut, auf sein bischen Möbel, daß ja nur kein bischen Staub d'rauf und d ran fei, er, der nichts als ein vereinigter siebzig-