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Briefe aus dem Gebirge.
III.
* Es bereitet sich in unseren Tagen ein Schauspiel in der Weltstadt an der Themse vor, wie die Welt bis jetzt noch keines gesehen; es entwickelt sich tu der größten Stadt der Erde ein Ereigniß, wie die Geschichte bisher noch keins ausgezeichnet hat.
Richt um eine Diplomatenzufammenkunft handelt es sich, von deren Beschlüssen betrogene, zu Boden geschmetterte Völker Lug, Verrath und Tücke ohne Zahl befürchten, deren Rathschläge, dem SamF gleich, sich vergiftend und tödteud auf die junge und zarte Frei« hritSsaat herabsenken; nicht um eine Versammlung von Volksvertretern, die viel verspricht und wenig hält; nicht um ein großes Kirckenconcil, das nach Formeln sucht, um damit, wie mit eisernen Klammern, die freie Geisttssorscining zu umranken; nicht um Königsfeste, nicht um eine blutige Völkerschlacht: einem friedlichen Wettkampf der Nationen des ganzen Erdballs in Fleiß, in Kunst und Geschicklichkeit gilt es, einer Verherrli- chung, einer Apotheose der Industrie.
WaS hat die alte Welt, waS das Mittelalter auf- zuweisen, waS irgendwie mit dem verglichen werden könnte, das sich in London vorbereitet!
Was bedeuten die sieben Wunder der alten Welt, die ägyptischen Pyramiden, die Mauern und Hängen- den Gärten zu Babylon, der Tempel der Diana zu Ephesus, die Bildsäule des Jupiters zu Olympia, das Mausoleum, der Coloß zu Rhodus, was bedeuten die ' Grwcrksprodukte und Bauten der Araber im Mittelster __waS bedeutet dieß Alles gegen den Feen- -alast an der Themse, der, an sich selbst eine große Schöpfung der Industrie, zugleich bestimmt ist, Schatze üufzuuehmtn, die in dieser Weise niemals ncbeneiminber versammelt waren!
Wohl selten sind dem menschlichen Geiste solche Triwmpfe bereitet worden, als sie ihm eben in Loudon daraebracht werden sollen
Was würden die polirten, feinen Athener, waS die stolzen Römer sagen, wenn sic heute das Heiligthum der Industrie auf AlbionS Küste in Augenschein nahmen" was würden sie von den nordischen Barbaren baltn:, auf welche diese berühmtesten Völker deS Alter- thums mit so unendlicher Geringschätzung, mit so sie- fer Verachtung herabzublicken pflegten!
Magst du nun mehr auf das Vollendete der Ausführung, magst du mehr auf die Schnelligkeit der Ausführung sehen - das Londoner Unternehmen steht "^ Die" Un ivèrsiM des englischen Projekts umspannt die ganze Erde: und läßt sich dies von irgend einem Projekte vordem behaupten? - Wir haben gemeinsame Thaten der ganzen Christenheit, wir haben die ökumenische» Concilien, die Kreuzzüge, die europäischen Con- arcsse, die Gott in seinem Zorne über die tragen und stumpfsinnigen Volker deS Occ-dents schickte — allem noch niemals geschah eS, daß sich Christen, ououi, Muhamedaner, Verehrer des Brahma, Vcrchier des Buddha, Bürger des himmlischen Reichs und,unple Fetisch- anbeter zu einer That vereinigten, daß sich Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien zu einem großen Friedenswerke die Hand reichten.
Hieran lernet erkennen, ihr chmesichen Mssslons- vereinler, wer heute berufen ist, die Cultur über alle Berge und alle Meere zu tragen; hieran lernet erkennen, ihr treuherzigen, aber bis zur öimplic^ Einseitigkeit verrauten Fnedcnsaposte , wer allem be- rnsen .st, ein Bruderband um alle Nationen der Erde ®U dicht' unter der Kreuzfahne des Vatikan, nicht unter der Standarte der deffauisch-evangelifchen, der preus- sisch- protestantisch- jerusalemischen, nicht unter der der haffenpflug-churhessischen Landeskirche, werden sich die Völker zu einer großen Heerde sammeln - "wol aber unter dem heiligen Banner der modernen Göttin — der I n d u str i e.
Einer besonderen Bewunderung ,st namentlich werth die Schnelligkeit, mit welcher das Londoner Projekt seiner Vollenduug entgegengereift ist. Die Londoner Ansstellung bekundet so recht, welche hohe ^tuse der Entwickelung die Transportmittel bereits erreicht haben, welche Welteroberung die Erfinder der Dampswagen und Dampfschiffen gemacht haben. .
Bor KH) Jahren hätte man Mindest,»s 50 Jahre gebraucht, um die Schatze in London anzusammelm dre sitzt daselbst während eines Trienniums oder gar Birn-
niums zusammknströmen. Da ich dies Alles erwäge, indem ich bedenke, daß unsere Großväter und Väter die Idee einer Weltindustrieausstellung für die Grille eines hirnverbrannten Kopfes zweifelsohne erklärt haben würden — — so fühle ich mich wunderbar gestärkt, wenn ich auf das Ringen der alten Diplomatie schaue, im Bund mit dem Jesuitismus ein Netz des Wahns und des Aberglaubens über die ganze civilisirte Welt zu breiten.
In der That, nichts hat meinen Geist, der betrübt auf das Meer der Thränen herabsah, welches von der Verrätherei der Bureaukratie, des Jesuitismus und Absolutismus heraufbeschworen wurde, mehr aufgerichtet, als der Anblick jener riesenhaften Unternehmung, die aber gleichwol unseren Enkeln schon als zwergha ft vorkommen mag.
Wer kann dich, freier, ewiger Menschcngcist, der du dir alle Elemente Unterthan, die Winde zu keinen Dienern machst, die Blitze bändigst, dem Verderben drohenden Schlunde der wuthentbrannten Thalassa spottest, und tief unter der Erde die dreucuden Tücken der neidischen Kobolde verachtest — wer kann dir Zügel anlegen, dir zurufen: bis hierher und nicht weiter ? I
Die Herren in Dresden? der Herr im nordischen Eispalast?
„Der CasuS macht mich herzlich lachen."
N a ffa «ifeder Landtag.
69 Wiesbaden. (Sitzung vom 28. FebruarZ Es werden einige Petitionen übergebe». Abg. Naht erinnert an Beantwortung seiner schon vor sehr langer Zeit gestellten Anfrage über das ^Verhalten der Negierung bezüglich der deutschen Verfassungsfrage. Es wird Antwort zugesagt. Abg. Braun interpellirt über das Ergebniß der Verhandlungen des gegenwärtig hier versammelten ZoUcongreffes, über ^as Verhältniß Nussaus znm Zollverein, über den Schutz der Eisenproduktion, den Stand der Verhandlungen über den belgischen Vertrag und derer über Beseitigung der drückenden und ungerechten Wein üb erga ii go sieuer.
Minister Ler. Er sei dermalen nicht genügend informirt, werde aber in einer der nächsten Satzungen Antwort ertheilen.
Die Tagesordnung führt zur Berichterstattung über den Born-Unzicker'schen Antrag, die Ertheilung von Taggebühren au die Geschwornen betreffend. Berichterstatter ist der Abg. Wirth. Er beantragt, in Betracht, daß die Regierung einen Gesetzentwurf über die Strafprozeßordnung vorlegen werde, wobei sich der Bonl-Uuzicker'sche Antrag, die Tagegelder der Geschwornen betr., ohnehin erledigen werde, die Berichterstattung über diesen Antrag auSzusetzen, h v. h. ad caletidas graecas zu verschieben.
Die Abg. Naht und Snell sind für Nichtver- schiebuug der Berichterstattung; die Vorlage eines Gesetzentwurfes über Die Strafprozeßordnung brauche man nicht abzuwarten, Die Geschwornen würden demnächst hier zusammentreten und sei cs deshalb sehr gut, wenn Die Sache erledigt werde. Der letztere Abgeordnete beantragt daher, die Berichterstattung auf die nächste Tagesordnung zu setzen.
Abg. Braun ist für Ertheilung der Tagegebühren an die Geschwornen , glaubt aber, daß eS nicht gut sei, daß von Seite» der Kammer an ver Strafprozeßordnung jetzt schon gerüttelt werde, die Negierung werde bann bald ein Gleiches lhim.
Abg. Lang ist für Die Verschiebung des Boru- U n zicke r'schen Antrags, aus Denselben Gründen, die den Abg. Wirth zur Stellung seines Antrages be- ßimiut haben.
Der Snell'sche Antrag wird abgelchnt, der des Abg. Wirth angenommen.
'Abg. Wirth beantragt weiter, baß dem^Priori- tätsauöschlisse aufgegebe» werden möge, eine Sichtung der noch zu erledigenden Arbeiten, in der Wesir vorzunehmen, daß Die wichtigsten Gesetzesvorlagen rc. noch zur Verhandlung kommen sonnen, Da Die der Kammer noch zugtinessene Zeit nur noch eilte sehr kurze sei.
Abg. Braun *): Ich bin für Wirtp's Antrag. Eine Abhülfe gegen die bisherige Unthätigkeit ist unbedingt nöthig, besonders wenn man den Rest unserer Zeit vergleicht mit Dem Rest unserer Arbeit. VU^ zu erledigende Arbeiten liegen hauptsächlich noch vor: 1) Prüfung der BubjetS und der Rechnung für
*) Wir «eben bitfe Rede vollüâlidig, weil sie de» Staub der Landtagsarbeueu übersichtlich verlegt.
1849 (letztere ist beiläufig noch nicht Vorgelegt, und erinnere ich deshalb das Herzog!. Staatsministerium an deren Vorlage). 2 > Vereinbarung der Civil liste. 3) Staatsdienergesetz. 4) Ablösung ter Erbleihen und Bannrechte. 5) Aufhebung Der Fide i* commisse. 6) Verhandlung über persönliche Verantwort! i'chkeit der Cassf»beamten. 7)Gestß über das neue Anlehen. 8) Zweite Lesung der Forstorganisation. 9) Der Unzicker'fche Antrag auf Schiedsgerichte. 10) Der Rah t'sche Antrag über authentische Interpretation Der §§. 29 und 30 des Centralorganisationsgesetzes. 11) Die Untersuchung über die Rechtsverhältnisse der K u r m a i n; e r S t e u e r- schulken. 12) Untersuchung des Bestands Der Un* teroffiziers - Wittwen und Waisen - Casse. 13) Reform des Medizinalwesens. 14) Gesetz über die Rechnungskammer. 15) Civilprozeß- ordnung. 16) Begutachtung der Gemeindebeiträge zum Pensionsfond für Relicten der Lehrer. 17) Die Steuerschulden des Johanuisbergs. 18) Das Gesetz über Sicherung des Grundeigcnthmns und der H y p 0 t h e k e n r e ch t e. 19) Das Gesetz über Rangordnung Der Gläubiger im Concurs. 18) Untersuchung deS Gronauer Fonds. 19) Abschaffung der Chausseegeldfreiheit des Rothschild in Frankfurt. 20)Antrag auf Errichtung eines Arbeitshauses in Marienberg. 21) Antrag auf Einführung einer Brau n t» wein steuer. - Dies und noch einiges Unbedeutendere ist der Rest unserer Arbeit. Der Rest unserer Zeit ist ein Monat. Ich und meine Gesinnungsgenossen sind nach gewissenhafter Prüfung zu der Ueberzeugung gelangt, daß unser Mandat mit dem letzten März d. J. zu Ende ist, und wir werden uns nicht dazu mißbrauchen lassen, auch nur einen Augenblick länger in Diesem Saale zu verweilen. Bei Der geringen Arbeitskraft, welche sich bisher ge* zeigt hat^^sst es rein unmöglich, alle obigen Gegeu- stânde innerhalb eines Monats zu erledigen. — daher eine Sichtung und Ausscheidung nöthig. Sie ist nöthig, damit wir doch noch Etwas fertig bringen, noch mit irgend Etwas die allgemeine Stimmung Der Unzufriedenheit beschwichtige, welche über die Untätigkeit des Landtags herrscht. Diese Unznfriepeiiveit herrscht, sie herrscht mit vollem Recht. Gehen Sie hinaus in das Land! Der Bauer fragt Sie: „Wo bleibt das Gesetz über Ablösung der Erblcihe» uns Bannrechte?" Was könne» Sie ihm antwo ten? „ES liegt im Ausschuß begraben!" Der Staatsdieuer fragt Sic: „Wo bleibt die Dienstpragmatik?" Was wollen Sie erwiedern? „Sie liegt im Ausschuß begraben!" Der Grundkigenthümer, der Capitalist, Der Geschäftsmann fragen: „Wo bleiben die Gesetze über die Sicherung deS Grundeigenchums, über die Stockbüch/r, daS Hypothekenwesen, die Rangordnung der Gläubiger im Concurs?" Immer und immer die Antwort: „Sie liegen in Den Ausschüssen begraben!" Was wollen Sic antworten, wenn man tragt: „Will der Landtag die von der Regierung propomrte» Reformen nicht?" — Fürwahr, wenn es so fortgehet, dann wird die Negierung populär, der Landtag unpopulär werde», während früher das umgekehrte Verhältniß stattfand. Man könnte sich darüber kaum wundern. — Die französische Nationalversammlung hat kürzlich beschlossen, ihre Sitzungen auf ein geringstes Maaß, nämlich auf wöchentlich Drei zu reduzirem Wir find schon lange auf ein Minimum von wöchentlich einer Sitzung reruzirt, und dieses Minimum ist oft nicht überschritten w woen. — Ich war kürzlich in Berufsgeschäften fast 4 Wochen abwesend. Was hatte ich versäumt? Nur 4 Sinnigen! Auch die. AuSschußarbeitcn waren Zwischenzeit,g wenig vorgeschritten. — Das ist Der traurige Zustane unserer Aufgabe im Verhältniß zur Lösung derselben. Wer ist daran Schuld? Erlauben die mir, mich über diese Frage etwas näher zu verbreiten. Es geschieht im Interesse des Landes, aber auch im Interesse meiner Partei, welche eine Verantwortlichkeit von ft 0 ablehnen muß, die sie nicht trägt. — Die Resultatlosigkeit des Landtags hat ihren Grund in der Langsamkeit, womit Die Vorarbeiten vorschreiten. Die Vor ir'bDitm sind zu erledigen von den zu Diesem Zwecke g. wnglten Commissionen. Die Commissionen sind gewählt von der hohen Versammlung, in welcher unsere Partei sia» in der Minorität befindet. Wir, die linke Seite des Hauses, konnten, weil wir uns in Der Minorität befinden, nicht verlangen, in den Commissionen die Mehrheit zu haben; aber wir konnten billiger Weise an- sprechen, in Den Commissionen in einer Zahl vertreten