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Wiesbaden. Mittwoch, 26 Februar

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Gestalten.

X Wer die Dräthe an dem diplomatischen Pup­penspiel, das die Contrcrcvolution jetzt aufführt, eini­germaßen kennt, dem wird es aufgefallen sein, daß die östereichischen Blätter des In- und Auslandes, wie ihre treuen Verbündeten, die Jesnitenorgane, in den letzten Wochen wieder überströmten von Berichten über die Umtriebe der Mazzinianer, Polen, Ungarn u. s. w. Die Berichte wuchsen wie die Pilze aus der Erde. Da kamenEnthüllungen" aus Genua und Turin, aus Rom und Neapel, aus Kroatien sogar und Bos­nien, ans London und Paris; da wurdenVerschwö­rungen" gegen den Papst und den König von Neapel entdeckt, da wurden in Wien Verhaftungen vorgenom- men; da spukte es allenthalben auf dem Papier.

Hat die Contrerevolution Furcht? Wohl möglich! Doch sollte Schwarzenberg, der kühne Hazardspieler, ein so ängstlicher Mann sein? Hält die Contrerevö- lutiou ihr Werk für ein so schwaches Kartenhaus? Das verriethe mehr Selbstkenntniß, als wir ihr zu­trauen. Oder hofft sie auf eine Verschwörung und macht die Sehnsucht sie so kurzsichtig? Nicht ganz unwahrscheinlich! Doch wie schlecht auch, trotz der ungeheuren öffentlichen und geheimen Polizei, trotz Di- plomatenfracks, Waffenröcken und Kaputzen, die abso­lutistische Propaganda immerhin unterrichtet sein mag: so viel wird sie doch wissen, daß Mazzini der Thor nicht ist, mit einer HandvollGesindel" die europäische Revolution zu beginnen, selbst wenn er die Frucht der Vergeltung für überreif hielte. Wir zweiflen nicht an den raschen Fortschritten der Mazzinischen Anleihe, von der uns diegute Presse" so viele Wunder erzählt; wir zweiflen auch nicht an der alten Neigung der ro­manischen Völker, VerschwörMMu ^^Mn: aber sollten dies die einzigen Gründe sein, weshalb Oester- reich täglich die europäische Furcht- und Ordnungs- partei mit dem Rufe:Der Wolf kommt!" außer Athem hält?

' Ach nein! Wir wissen ja, daß gewisse Diploma­ten schon früher geäußert haben sollen, wenn bei Man­teuffel nichts anschlage, so h||c man die Revolution aufmarschiren, dann werde er kopfüber Alles zugestchen. Schwarzenberg hat in Dresden jetzt den Renitenten den Beweis von derbrennenden" Gefahr derguten Sache" zu liefern: darum daS Fcuerglockengcläule! Doch noch ein anderer Grund liegt vor. In Olmütz versprach Schwarzenberg, zu entwaffnen, wenn Preus­sen entwaffne. Letzteres hat die Demobilisirung mit einer Eile und Gewiffenhaftigkeit ausgeführt, die ge­rade das Gegentheil von dem war, was Preußen in jenen Zeiten "that, als ihm Napoleon Gesetze verschrieb. Aber Oesterreich? Hat es entwaffnet? ^Truppenbewe­gungen nahm cs vor, um leine Positionen zu ver­stärken. Es gehört eine kolossale Verblendung dazu, sich über diese Dinge so zu täuschen, wie es zu Berlin

Adolf SchrödtersHofstaat des Weins".

Frankfurt a. M., im Februar. (AugSb. A. Ztg.) Adolf Schrödter, vielleicht der größte Humorist un- ter den jetzigen deutschen Gcuremalern, hat eine Reihe von neun farbigen Skizzen in Gestalt und im Charakter eines Frieses entworfen, Illustrationen zu einem Ge­dichte von A. v. Marens:Der Hofstaat des Weins", wiewohl für die Schrödler'schcn Illustrationen der Titel Der Triumphzug des Königs Wein" entsprechender sein möchte. Sic waren eine Zeitlang im Städel'schen Museum ausgestellt, und wurden schnell die Lieblinge deS Publikitnis. Fürs erste werden sie eine Wande­rung nach Düsseldorf und von da wahrscheinlich nach München machen. Dichterischer Sinn, vielgestaltiger phantastischer Humor und unbefangene Laune, die zu­weilen in sprudelnde Wemlaune übergeht, haben hier ein Werk erzeugt, welches für den Speise- oder Ball- saal eines Großen, für eine öffentliche Trinkhalle oder ein sonstiges zu Festlichkeiten bestimmtes Gebäude den ansprechendsten Wandschmuck abgeben würde. Auch wird hier von vielen gewünscht, der ältere Bürger- verein möge diese Entwürfe an sich bringen, um sie im Mühlcnö'schen Hause, seinem muthmaßlichen künf­tigen Local, als FrieS enkanstisch auSführen zu lassen. König Wein hält seinen Triumphzug auf einer mit Rcblaub geschmückten Kelter, die von allerlei lustige»,,

in gewissen Kreisen zum guten Ton zu gehören scheint! Wer Augen hat zu sehen, den bitten wir folgende an sich ganz unscheinbare Notiz einer Wiener Korre­spondenz derOPAZ.", welche mit ähnlichen An­deutungen anderer Blätter vollkommen übereinstimmt, etwas schärfer ins Auge zu fassen:

Am Uebrigen," heißt es dort nach Aufzählung der Umtriebe", welche dw Ruhe Europas bedrohen sollen, dürften jene Ereignisse (in der Türkei!) mit den er­neuerten Nachrichten einer abermaligen Schilterhebung in Italien engsten Zusammenhang besitzen und sonach jene großartige Reduktion der k. k. Armee, welche man hoffte auf 250,000 Mann vermindern zu können, wohl kaum in nächster Zeit zu gewärtigen sein."

Ist das deutlich? Jene Bewegungen in der Türkei sind panslavistischer Natur, also im russischen Interesse begonnen doch das thut nichts, sie sind dennoch Mazzinisches Gebäck!!Das deutsche Zeitungs­publikum ist ja so dumm, daß es Alles glaubt, wa­rum nicht auch solche Insinuationen ?" Ob aber auch tie preußische Diplomatie so wenig Intelligenz hat, daß sie sich von solchen kolossalen Verdrehungen fangen läßt?

Die Bassermannschen Gestalten haben sich eine un­sterbliche Lächerlichkeit erworben doch das Gestalten- schon, das damals bei den Gothaern wüthete, grassirt jetzt bei denFrommen" in Preußen. Hat Herr von Manteuffel nicht Klapka und Ruge in Holstein gesehen?! Warum soll er nicht auch in der Türkei und in Ita­lien, in der Schweiz und überall Gestalten sehen? Schwarzenberg hat seinen Zweck erreicht, wenn er dem preußischen Premier einenplausibel» Grnnd" gibt, sich zum Zweck zu legen.

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o Schon wieder eine Leichenpredigt Capefiqnes in derAssemblee nationale"! Die Todten reiten schnell! Nach einem giftigen Angriffe auf Palmerston fährt der diplomatische Todleugräber so fort:Hinter dem Vor- hang, Sie wissen das, mein Herr befinden sich Rußland und Oesterreich. DaS Kabiuet von ^t. PeterS- bürg hat niemals auf den ungeheuern Plan von Katharina II. verzichtet: daS Erwachen der griechischen Nationalität, daS die Türken aus Europa jißt. Die Kirche der heiligen Sophie möchte auf ihre herrliche Kuppel Kreuze Constantins pflanzen. Warum sollten Smyrna, Adrianopel, diese ganze christliche Stadt, und Cypern, daS Frankenkönige gesehen hat, nicht der hel- lenischen Nationalität wiedergegeben werden? Das türkische Reich ist ein Ergebniß der Eroberung und der Stärke; wenn der Säbel stumpf wird, muß wohl Recht und Gerechtigkeit triumphiren.

Oesterreich wird durch einen anderen nicht weniger wichtigen Beweggrund geleitet, durch einen Gedanken, den eine kaum vergangene Erfahrung cingegeben: das

männlichem und weiblichem, jungem und altem Winzer- volk anWcinrcbengewinden gezogen wird. Dahinter folgt alS Kammerdiener eine Schaar ehrbarer Küfer, Alt- und Jungmeister, mit ihren Instrumenten, ein Schalksnarr, der auf einem Fassetanzend die Frankfurter Fahne schwingt, muntere Knaben, welche durch den Steifen springen, an der allgemeinen Lust theiluchmen und sie fordern. Vater Rhein als ehrwürdiger Flußgott, mit langher- abwallendem Silberbart, Ritter Main, ein munter tan- genfer blonder Jüngling, von Ritter Stein, eine pe- trifizirte Gestalt, führen den Zug der edelsten Weine deutschen Gewächses, die aufs glücklichste personisizirt find, da erblickt man zuzörverff dcn von Rüdcshclin, einen stämmigen, stiruacügcn Ritter, mit rothem Bart und trotziger Stuuipfnasc, einen Herrn, dem man an» sieht, daß er seinen Mann weidlich an den Hüften packen und niederwerfeu kann, neben ihm die holde, liebreiche, blondhaarige Frau von Worms, und dieser zur Linken den ehrenhaften Ritter Steinberg, hierauf den Johannisbcrg PrincepS, eine hervorragende könig­liche Gestalt, majestätisch vahcrschreitend, das blanke Reichsschwerl über der einen Schulter, den Junker Tramin in schmuckem grünen Jagdkleid, den Herrn von Markehruun, eine würdige tüchtige Gestalt, zwi­schen beiden den Domdechanten, der über sein gesegne­tes Wänstchcn die Hände faltet und mit den Lippen schnalzend irgend einen köstlichen Wein, d. h. sich selbst zu schmecken zcheiiit, weiterhin den von AlnanttShauseii,

K a b i n e t von Wien will sich B o s n i e u 's und Serbiens bemächtigen; es bedarf ihrer nicht nur vom Gesichtspunkte des Handels aus, um sein System auf dem adriatilchen Meere zu vervollständigen, sondern auch zur Rekrutirung seiner Militärkräfte *).

Oesterreich entwickelt sein politisches System in den großartigsten Verhältnissen. Vor einem Jahrhun­dert wäre ganz Europa in Bewegung gerathen, wenn ein kaiserliches ArmeecorpS nach Hamburg und Bremen ( ? Lübeck!) gezogen wäre.

Etwas Derartiges ist unerhört i» der Geschichte der Diplomatie. Jetzt beklagt sich kein Mensch darüber. (?) Niemals ist ein Occupationssystem so leicht vollzogen worden. Vom baltischen Meere bis zum Ufer von Cat- taro flattert die österreichische Fahne unter de» Sielern ihres jungen Kaisers; im 17. und 18. Jahrhundert hätte eine solche Situation ganz Europa unter die Waffen gerufen. Das Frankreich des Cardinal von Richelieu hätte zwanzig Kriege unternouunen, das zu verhindern.

Die Dinge haben aber jetzt ein sehr verändertes Aussehen bekommen. Seit das revolutionäre Prinzip sich wie ein nagender Wurm in die Regierungsgewalteü emgenistet hat, haben die Interessen sich modifizirt; alle kleineren, vermittelnden Mächte verschwinden. Es wird nur noch drei oder vier große Diktaturen in Europa geben. (Hört! hört!»

Wollen Sie bemerken, daß in dem Maße, als man die schlcchten politiichen Systeme austreibt, ma» stärker wird. Das Oesterreich, das von der Idee des alten Liberalismus (?) befreit ist, erhob sich zu seiner hohen Bestimmung. Was im Gegentheile Preußen erniedrigt, daS ist das Räderwerk, mit dem eS sein altes Milctärsystkm vermummt hat; sein König hat )4^ ^WuH^n^tert-W^ großen Friedrich.

Wenn die Angelegenheiten Holsteins und der Frank­furter Ceutralgcwalt beendigt sein werden, wird das Kabinet von Wien sich gegen Piemont wenden. Daß ein Lager von 80,000 Mann unter den Befehlen des Fcldmarlchall Radetzky an den Ufern der Etsch gebil­det worden ist, wissen Sie! Das ist »ich ohne Grund. Ich habe Ihnen schon den Versuch der Mazziniste» angezeigt, die in den verschiedenen Theilen von Jtalie» wieder aufgcwachl sind. Italien sollte cs noch einmal mit dem Aufstand versuchen; man war allerorts ilik ruhig; Rom wurde der Mittelpunkt der Bewegung.

Alles ist vereitelt und entdeckt; überall find Kla­gen angebracht worden. Es wurde wiederholt durch die russische und österreichische Gesandschaft in Turin erklärt:daß, ohne sich in die Formen der auswär­tigen Regierungen eiuzumischen, die Kabinette das

*) DemSchwb. Merl." wird bereits aus Men 17. Set« berichtet,daß auuljnücye Truppeumasscn nach Cwaâii und an die türkische Grenze geschahen werden."

einen wohlgenährten ältlichen Ritter, mit wcinrothem Gesicht, der. seiner Begleiterin, Daine Mosel, irgend eine launige Bemerkung zuzuflüstern scheint, den von Scharlachsberg, junkerhaft, in »charlachnem Kleid, mit kecker Feder auf dem Barett, verliebten Ansehens, mit Fräulein Ahr schäkernd, den von Nierstein, einen Hoch- und wohlgestalteten Mann reifern Alters mit fast spa­nischer Grandkza würdevoll daherschrcitend, den Mark­gräfler atd. grand seigneur mit stattlich wallender Allonge-Perücke, den Steinwein, in jeder Hand eine Flasche Bocksbeutel, im Gesicht und in den Augen einen aus schadenfroher Tücke und diabolischer Luftig­keit gemischten Ausdruck; er sieht wie jemand auS, der einem gern vermuthet und von hinterrücks den Stoß gibt; zwischen dem Herrn von oder zum Stein nnd dem Markgrafen schreitet bescheiden das Edelfraukein Nahe. Aus dem siebenten Blatt sprengt auf laag- gestrecktöm Renner wild und toll Stallmeister Sans daher, ihm folgt FcldmarschaU BrauS, eine Fallftaff- figlir, sich brüstend auf einem kurz sich bäumenden, mit Bändern und Federschmuck prahlhaft aufgeputzten schweren Noß, dahinter der wohlgenährte Truchseß Schmaus, statt des Schwertes einen Löffel in der Hand. Dieser Cavaleaec folgt auf dem achten Blatt ein Trupp Küchenmeister, welche mit gewaltigen Würsten Md anderen Speisevorräche» bepackt sind, während ein Küchenjunge Musik mit der Bratpfanne macht. An diesen Trupp schließt sich eine wunderliche tanzende Gruppe: