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„âeihert und Necht!"
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Wiesbaden. Dienstag, 25. Februar
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Schwarzenbergs Politik.
X Fürst Schwarzenberg soll neulich geäußert haben, „er könne aus der Geschichte nichts lernen!" Ganz recht, die Bourbonen haben auch nichts gelernt und nichts vergessen. Desto mehr hat die Geschichte durch sie gelernt. Auch durch Schwarzenberg lernen die Völker mancherlei, zunächst die Preußen: sie lernen an Oesterreich, daß ein energisches Auftreten selbst unter der mißlichsten Verhältnissen zu glänzenden Resultaten führt; sie lernen an Preußen, daß es in der Politik nicht genug ist, „dem Herrn zu dienen" und die „Ehre" n la Manteuffel zu wahren; sie lernen an den Dresdener Conferenzen aber auch, daß die Contrere- volutiou nicht schaffen, sondern nur zerstören kann, nichts geben, sondern nur nehmen will, und daß der Absolutismus seine Kainsnatur niemals zu verleugnen im Stande ist Die Völker allein können aus der Geschichte etwas Lernen, und sie werden nicht eher frei, als bis die Schule, welche sie unter der Zuchtruthe ihrer Dränger durchzumachcn haben, vollendet ist.
Schwarzenbergs ganzes politisches Geheimniß besteht darin, das Essen zu schmieden, so lange es warm, die Gegner nie zu Athem kommen zu lassen, Freunden wie Feinden Alles zuzumuthen, sich nie etwas übel zu nehmen und alle Mittel, die zum Ziele führen, unbedenklich zu ergreifen. Diese Politik ist jedoch weder neu noch originell: sie war von jeher die Taktik aller despotischen Eroberer im Oriente, sie war die Politik Ludwigs XL, der Richelieu und Mazarin und Ludwigs XIV., sie war die Politik des Renegaten Wentworth, der als Lord Strafford unter Karl I. von England das System handhabte, welches das Wort: „Durch!" im Schilde führte und damit endete, daß auch das englische Volk die „Durch- und Durch-Poli- tik" annahm, als deren erstes Opfer Wentworth vom Parlamente auf's Blutgerüst geschickt wurde.
Wir haben in Deutschland kein Parlament mehr und wenn wir noch eins hätten — fürwahr, es zeigte sich ganz geeignet, bei uiis eiiuSvstem ^ euwfeblen, das in Großbritanien sich als mißlich erweisen mochte, doch in Deutschland? Die Zahmheit jener Paulskirchler hat der Contrerevolution eine so tiefe Volksverachtung eingeflößt; und wäre es nicht ein Wunder, wenn sie Respekt behalten hatte? Freilich, die Paulskirche war nicht das deutsche Volk; doch dies eben nicht zu begreifen, das ist der fatalistische Irrthum derer, welche nichts aus der Geschichte lernen.
Oesterreich trmmphirt, aber haben wir nicht die deutschen Kammern? Daß sie nicht das Volk, weiß
alle Welt; sie haben seit dem März 1848 in der That aufgehört, in der großen Politik mehr als blauer Dunst zu bedeuten. Oder gibt es in deutschen Landen nocheine einzige Kammer, die von der öffentlichen Meinung getragen wird?
Aber Preußen ... kann es in Schwarzenbergs Anforderungen willigen, ohne Alles zu verlieren? Will es sich zu einem Mittelstaate herabdrücken lassen? Preußens Wort ist seit der großen Retirade nicht mehr entscheidend; es hat bereits fit Olmütz aufgehört, Sonne zu sein, es ist nur noch Planet, bald vielleicht bloßer Trabant. So ist's beschlossene Sache! Preußens ganze Geschichte war Rebellion gegen „Kaiser und Reich"; hat die Stunde der Reaktivirung der alten Habsburgischen Stellung geschlagen, so muß Preußen mit den übrigen „Parvenus", sich unterwerfen und Buße thun in Sack uiw Asche. Preußen hat sich nie genirt, zuzugressen, als es noch in Sünden stand: es hat Schlesien an sich gerissen, Polen inittheilen helfen, von Sachsen die besten Bissen verschluckt, nach Hannover Gelüste gehegt und viel fremdes Kirchengut verschlungen — das ketzerische Preußen !! Jetzt kommt die Vergeltung!
Wenn man so viel „gesündigt* hat gegen seinen Herrn, den „Kaiser" und gegen den Statthalter Christi, so muß man sich „in Sünden verstocken" wie Friedrich der Große und Freiherr v. Stein, oder dem Herrn dienen durch Unterwerfung unter die Stellvertreter Gottes auf Erden, wie Hr. v. Manteuffel thut. Ein Drittes gibt es zwar noch, aber es paßt nicht in das System des -Brechens mit der Revolution — man muß, wenn man viel gesündigt hat an Kaiser und Papst, viel lieben, man muß die Völker lieben und ihre Ideen, man muß sich ganz der Kraft, Wahrheit und Zukunft ergeben, man darf sich nicht erniedrigen vor der alten Legitimität, sondern muß auf seine Fahne schreiben: „Die Freiheit mein Recht, die Wahrheit meine Kirche!"
Der Konstitutionalismus, der seine Eristenz vom Absolutismus zu Lehen nimmt, ist ein Schatten; der Protestantismus, der sich mit dem Jesuitismus vereinbart, ist eine Leiche; das Ketzerthum, das Buße thut, ^ ._lâ_ReM_ verviirkt^enM^Lr war es ein Frevel, daß cs sich âufthat — so verkMi^es^rry- tigung, oder es fühlt seine Schwäche und steht um Erbarmen — so verdient es keine Schonung.
Das ist der Schlüssel zu den Vorgängen, welche sich jetzt vor den Augen der staunenden Mitwelt entrollen.
^WDie Dresdener Konferenzen.
* Gestern, am 23. als am Sonntag Oculi, sollte in Dresden die wichtige Plenarsitzung stattfinden; auf den 24. wurde Herr v. Manteuffel in Berlin zurückerwartet. Die Completirnng des Ministerkongreffes war schon am 19. beendet, auch die Ministervorstände aus den Mittelstaaten hatten sich großentheils eingefunden. „Es gehört leidlich viel Resignation dazu", bemerkt der Dresdener Berichterstatter der „D. Allg. Ztg.", „mit dem fast sichern Bewußtsein vergeblicher Mühen fortzuarbeiten. Dem Werke der Neugestaltung Deutschlands werden ^von Berlin und Wien aus immer engere Grenzen ^eLL»waja es gewinnt selbst in unverzagten Kreisen an Glauben, daß mit dürren Worten eine ZuriWWWzg der Reformanträge durch eine der Großmächte erfolgen und die Eonferen; ihre ganze Aufmerksamkeit den Stchcrheits-Plancn der Zukunft zuwenden werde. Eventuell soll zwischen Oesterreich und Preußen bereits ein Einverstaudniß hierüber erlangt sei», falls die Mittelstaaten an einen ernstlichen Widerstand gegen die Plane der Großmächte in den Plenarversammlungen denken sollten." Doch dies ist noch das Höchste, was Preußen, das sich einst so störrisch gegen die Bundesreaktivirrmg erhob, zu erschwingen hofft.
Di^ „Lith. C." aus Berlin vom LO.Febr. erklärt: „Die L-tellnng, welche die Militärbundesbehörde der Exekutivgewalt gegen über ein nennen soll, kann hier nicht sonneniren. Die vollständige Unterordnung der erster« unter die letztere, in der Oesterreich den Vorsitz führen soll und in der außerdem schon durch die Zissaimnensctzung die österreichische Politik in vielen Dingen ein Uebergewicht haben kann, ist namentlich, wenn man erwägt, daß der Prinz von Preußen neben dem Erzherzoge der Exekutive vorstehen soll, für Preußen zu mißlich, als daß man in der Art, wie sie jetzt proponirt wird, diesseits darauf eingehen möchte. ES war eine werfe Politik des hochseligen Königs, die Prinzen des königlichen Hauses nie zu Erekutioneir nach Innen zu verwenden. Wenn nun die Verhältnisse auch andere geworden sind, und oft «Md^â- bèëerefuKowff^ettoilt^l^ königliche
Namen ein größeres Ansehen verleihen möchte, so muß doch wenigstens die Stelluug des Prinzen, der dein Throne am nächsten steht, eine möglichst selbstständige und nicht eine den Vertretern Österreichs in Wahrheit untergeordnete sein. Erzherzog Albrecht nimmt eine ganz andere Stellung ein, wenn er die Aufträge des österreichischen Präsidenten der BundeSerekutive ausführt, er folgt den Befehlen seines Kaisers; anders ist
An Nees von Esenbcck*).
Stürme, die entfesselt wüthen, Hemmen nicht deS Geiste« Schwung. Ewig frisch sind seine Blüthen, Und sein Lenz ist ewig jung.
Daß er treu da« Licht bewahre,
Trotzt der Weise einer Welt;
Ob der taumelnde Barbare
Auch in seinen Cirkel fällt.
So lebst Du still in de« Gedanken« Kreisen, Und zwingst zur Offenbarung die Natur — E« spiegelt klar sich in dem Geist de« Weisen DaS Reich der Kräfte, ihre« Wirken« Spur. Doch mahnend trittst Du auf de« Geiste« Warte, Wenn der Geschichte Wetter grollend nahn; Und schwingst der Freiheit muthige Standarte, Und stimmst die Hymnen der Begeist'rung an.
Reich der bunten Gattgedanken, Heimisch Reich der Blumenwelt, Da« mit tausend grünen Ranken Liebend Dich umschlungen hält —
«) Diese» Gedicht nist der Geburtstagsfeier der Greifes, der in dem Daute, den er in der „% Od.-Ztg." seinen Mitbürgern schreibt, äußert: „Biele meiner lieben geehrten Mitbürger haben den Tag, an dem ich geboren wurde, den 14. Febrnar, aus einem GeslchtSpiinttc gefeiert, durch welchen mir die Mite Shre erwiesen wurde, die einem Menschen erwieien werden sie »aben der Idee deS Menschen unter den Menichcn. d?» Menschen, der der Liebe, die ibn in die Welt gesendet, treu bleibt unter Brudern bis an'» Sude, für ci »la« St u »den meinen Namen bei a el e a t und ich habe daè erliabeuc Fest der Humanität, die mit jedem Pendel sch läge der Seit ihr heilige» saNungSfreic» Gesetz t» dem Bewußt. seinSUler leben »frischer a,,»prägt, freudig mit.Weiert, weil ich mir bewußt bin belli ■"Ans ein Mensch zu sein, frei, wie sich » gebührt, und treulich achgèârebt », haben, so weil eS jetzt schon möglich ist: »ich» in Empfim dünge,! allein und höchsten» in Gedanken, iondern a»ch tu Leben»wahr- heit ein Mensch »u sein."
In der zarten Kinder Mitte Grüßt Dich heit'rer'.Sailiienscheili-, Hier verweilen Deine Schritte Bricht ein bâ«' Geschick herein.
Sie tanzens ring« um Dich den duft'gen Reigen, Sie wölben Lauben schirmend Dir zum Dach: Sin Schutzgeist muß au« jedem Kelche steigen, Dem, alle Seelen der Natur sind wach.
D'rum siieh' in das Asyl der Blumengeister, Wenn Dich ein blinder Wahn der Welt verstößt! Du trägst den Zauberstab; Du bist der Meister, Der ihre« zarten Leben« Räthsel löst.
Doch kein träumender Bramane Gingst Du durch ihr still' Revier; Nicht der Blüthen bunte Fahne War Dein einzige« Panier. In der Weltgeschichte Fehden Folgtest Du dem Ruf der Seit, An« dem grünen, sönn'gen Eden, An« de« Frieden« Seligkeit.
Da« war ein Maientag im Dölkerleben: ES schlug die Nachtigall in jeder Brust. Doch blutig war der Most der grünen Reben E« stahl der Herbst de« Ftühling« Werdelust. Mit welkem Laub bestreut er unsre Wege, Und legt die Art an jeden LehenSbaum; Doch der Gedanke reift in stiller Pflege; Znr Weltgeschichte wird deS Denker« Traum.
WaS der Denker still geboren, Schlägt nicht still die Augen auf! Unerreichbar, unverloren Nimmt ed lauten Siegeslauf.
Was der Nazarener lehrte Auf den Berge« Kanaan«, Ward zur Fackel und zum Schwerte In Jahrbunderten de« Wahn«.
E« bebt vor eines Mönche« kühne» Thesen Bi« in den tiefsten Grund der Vatikan; Da« Volk erwacht; da« Volk hat sie gelesen Und bricht dem freien Wort gewaffnet Bahn. Dr« Lema» Fluth in sonnenlichter Fläche, Sie spiegelt Rousseau'« träumend Angesicht; In diesen Träumen brausen Wetterbäche, In deren Sturz ein Königsthron zerbricht.
So im Stillen wirke, lehre, Wie die Sonne auch 'verhängt! Dieser Zeiten dumpfe Schwere Wird durch Wetter bald zersprengt. Alle Bande der Entehrung Werden siegend abgestreist. Bi« zu dauernder Verklärung Meuschlich schöne Freiheit reift.
Ob sie bie Funken auch mit Füßen treten.
Die Flamme wächst heran«, vom Sturm geschürt.
Du trägst die Strahlenkrone de« Propheten;
Weh' Jedem, der an diese Krone rührt!
Du nährst die stille Gluth am heiligen Herde;
E« ehrt mit Dir das künftige Geschlecht
Den Menscheiigeist, den freien Herrn der Erde, Die Menschenliebe und da» Menschenrecht!
BreSlau, den 14. Febr. 1841. R. Gottschall.