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Preußens Sonst und Jetzt.

$ Der König von Preußen und sein Haus sind im Begriff, dem Herrn durch eine neue Oclrvyiruug zu dienen. Die Audciunngeu, welche der Prinz von Preußen gegeben hat, werden vervollständigt durch einen Bericht derWiener Zeitung", welche aus Berlin meldet: »Mau erwartet eine Botschaft Sr. Maj. des Königs an die Kammern, der man eine ähnliche kategorische Richtung zuschrelben will, wie der königl. Botschaft vom 7. Jan. 1850. Wie es scheint, werden die Motive dieser neuen Botschaft aus dem Stand der Deutschen Angelegenheiten und der bevorstehenden Bundesorganisation entnommen werden, ihre praktische Spitze jedoch auf eine Dai neuen Buudesverhältuiffcn Deutschlands entsprechende Revision der preußischen Verfassung hinauslaufen. Es möchte jedoch wohlgetban sein, sich noch aller Combination über eine solche Eröffnung der Krone zu enthalten. Man darf bezweifeln, daß sich Sc. Maj. in derjemgen Ikbereiiu stilnmung mit der jcP geltenden Bersassang befindet, welche seiner Prvsönllchkeit und seiner ganzen polnischen und religiösen Ucbrrzeuguug entspricht. Hat er doch diese Bedenken zu wievertz^tenmaleu ausgesprochen und selbst in den von ihm aus èic Berfassungsurkundc abgelegten Eid ausgenommen. Die einflußreichsten Kreise gehen mit zuversichtlichen und freudigen Hoffnungen der muen Phase der preußischen und deutschen Politik entgegen. Die Dresdener Couscrenz wird hier noch immer vorziigs- weise im Interesse der Zoll- und Handelsfrage betrachtet, worüber man nicht minder einem befriedigentta Einver­nehmen zwischen der österreichischen und prcußilchen Re­gierung entgegenschen darf, wenn auch Preußen seine Weigerung erklärt hat, aus Die öfter,eichisch-Yentlche Zoll- einigung einzugehen. Man wird jedoch jur richtigen Beurtheilung Dieser Sachlage nicht vergessen Uüsen, daß der in Den beiden österreichischen Denkschriften »i-eeige- legte Plan wesentlich eine Schöpfung der Zukunst in gch trägt und zu feiner Ausführung stuft »weiser Annäherungen und Vorbcivüuugen bedarf, durch we che Der Boden der realen Verhältnisse erst dafür geebnet werten muß. Eine solche Vorbedingung ist die Begründung eines organischen und vertragsmäßigen Verhältnisses zwischen den Drei großen Handelsgcbnlen, welche in Oesterreich, dem Zoll- verein und Dem Stcucrvercin bestehen. Der Annälarung und Verbindung Dieser Hankclsgruppen wird sich jeht am allerwenigsten Preußen widersetzen. Es ist aber nicht zu vcrkenncu, daß schon daraus wesentliche Modificalioncn Iwrflicßcii werden, welche die gesummte deutsche Handels- Politik und auch Die preußische in ihren Principien be- rühreu und zu einer neuen Emwick-lung treiben müssen. Von Seiten des Zollvereins Durften dabei weniger Schwie­rigkeiten erhoben werden, als vielleicht von Sencu des deutschen Stcucrvercms, auf dessen Wichtigkeit als Glied einer neuen Kette man in der letzten Zeit emphatisch üingcwiescn hat, um nicht b- sondere Vorstellungen über seine unumgängliche Bedeutung in ihm zu erwecken. Ein

anderer Gegenstand, besten Erlebignug nahe bevorstchen füll, ist Die Emfttzlmg Der neuen Buubescxrcutive, Die schwerlich in Der Form einer zwischen Oesterreich miD Preußen getheilten provisorischen Ceutralgewalt zur Aus- fühtung kommen Dürfte."

DieDtsche Nef." klagt über k^tern Punkt:Allen Anzeichen nach kommt bei den Dresdener Conferenzen eine wirkliche Kräftigung der Buiideocentralgrwalc nicht mehr zu Stande. Wir haben schon früher hervorge­hoben, welche Schwierigkeiten sich selbst für den Fall einer vollständigen Einigkeit zwischen P.eußen und Oesterreich der Begründung eines ersprießlichen Neu­baues entgegenstellen würden. eeit Die beiden Groß­mächte nicht mehr mit völlig gemeinsamen Vorschlägen auftraten, konnte man mit Sicherheit voraussehen, daß die Reorganisation des Bundes nach den wirklichen Forderungen des Bedürfnisses nicht gelingen werde. Die neuen Projccte, welche inzwischen in Dresden auftauchten, stellen keine Besserung des früheren Zu­standes in Aussicht. Sie mehren zu Gunsten der machtlosen Mittelstaatcn und zum Schaden des gemein­samen Vaterlandes die Schwache und Zersplitterung des Bundes und erscheinen in jeder Beziehung viel mangelhafter, als Die alten Bundeseinrichtungen."

In Betreff der preußischen Abänderungen in der neuen G.uckmveorduung, im Wahlgesetz zur zweiten Kammer und im Preßgesetznach mehr konservativer Grundlage" bringt dieKöln. Zlg." einen geharnisch­ten Artikel, worin es heißt:Vile vielleicht, seit Ho- Heuzollern in der Mark regieren, nie wenigstens, seit nach den Tagen des allmächtigen Einflusses Adam Schwarzenberg der große Kurfürst den Thron >ei- mr Väter bestieg; ist Preußen in einer so seltsamen und widerwärtigen Lage gewesen, wie gegenwärtig. Zu Anfänge biejes Jahrhunderts, bis in des Freihrn. v. Stein feste, rettende Hand das Staatsruoer ge­legt wurde, war Preußen durch allzu zchwaches und schwankendes Regiment an den Äèaud des Verderbens gebracht; indeß in den Händen von Mannern, Die dem ganzen historischen Lebeuö-P rinz ip e des preußischen Staates grundsätzlich feind waren, hat damals die Regierung des Staals nicht gelegen. Jetzt aber scheint sie in solche Hande kommen zu sol­len oder vielmehr schon gekommen zu send Jetzt scheint es in Preußen eine Bedingung desechten" ConservatismuS wetten zu sollen, daß der Staat Reue empfinde über sein ganzes Dasein,Buße thue" wegen seiner ganzen bisher glorreichen Eristenz!! Das historische Lebens-Prinzip des preußischen Staates ist von Anfang an dieFörderung des Gemeindewohls" und die Bekämpfung des Vorrechts gewesen. Auf diesem Wege haben die früheren großen Herrscher Preußens mit jenem schlichten, verständigen, man möchte fast sagenbür­gerlichen" Sruue, Den unsere heutigen Romantiker nüchtern" und unsere Frommengottlos" schelten in ihrem kleinen Vance eine Fülle von Hulfskrästrn

entwickelt und ihm eine MachtsteUnng in Europa er­rungen , wie Beides mit Rückficht auf Die Kürze der Zeit unv Die beschränkten Anfänge wahrhaft wunder­bar erscheint. Hr. v. Manteuffel hätte sich am letzten 18. Januar, wo er durch äußerliche Ceononie zum Ritter dieses hoheuzolleru'schen Staats-Gedanken er­hoben wurde, solchen Grvauken passend vergegenwär­tigen mögen. Das Statut des Schwarzer Ad­le r-Orbens spricht denselben, gleichsam als, der Welt kund zu thuendes Programm-des neu gestirfteten Königreiches, verständlich aus, unv Die Geschichte des Königreiches ist im Ganzen unv Großen wenige Jahre romantisch-reaktionärer Episoden unter Friedrich Wilhelm II. im vorigen, und kurz nach des Fürste«! Hardenberg Tode, so wie seit 1843 in diesem Jahr­hundert abgerechnet, wirklich ein fortlaufender treuer Commentar zu demselben gewesen."

Und am Schluß:Soll das Wort Der v. Man­teuffel, Der v. Bülow-Cummerow, Der v. Gerlach jetzt mehr Vertrauen verdienen, als das Wort der großen Ahnen und das laute Zeugniß der Geschichte? WaS ist denn bedenklich an der neuen Gemeinve-Ord- ii n n g? Daß Die ehemaligen Grundherrn!, nachdem sie Die Cou currenten Der Einwohner der Landgemeinden geworden find, nicht trotzdem dieObrigkeiten" derselben bleiben sollen? Ist das etwa eine Irr­lehre, die erst seit 1818 in Preußen aufgekominen ist? Bekanntlich durchaus nicht! Schon 1808 hat der Frhr. v. Stein diese Aenderung für eine nothwendige Eon- segueuz seiner agrarischen Reformen erklärt und die alsbaldige Ausführung feinen Nachfolgern bringend empfohlen. Und alle Die Steiii'schcu Reformen, Die zu ihrer Zeit von Derselben Junkerpartei als ultra - jako­binisch unD als Di test zum Ruin des Staates führend, verfchriceu wurden, haben Die den Staat ruinirt oder gerettet? UnD eben in dem verhängnisvollen Jahre 1848, wo waren innerhalb des preußischen StaateS die unvcrftänDigften Bewegungen am Rhein und M Westfalen, wo man grnudherrliche Obrigkeiten in Den Ge­meinden nicht mehr kennt, oder in Schlesien, wo sie am ttugebrocheusten sortdesteheu, und in Den Theilen von Sachfen, wo sie in Den Zwanziger Jahren mit schnödem Wortbruche restituirt wurden ? Und wo haben S. Kgl. Hvh. mit eigenen Augen wohlhabendere Gemeinden und kräf­tigere Männer und Krieger gefunden, in Rheinland und Westfalen, wo Die Scholle freie Bürger tragt, oder in Schlesien , wo die grundherrlicheu Obrigkeiten ihre ehemaligenUnterthanen" noch immer in Schmntz, Dummheit und Elend erhalten? Wir denken, solche Thatsachen sprechen überzeugender, als Der verkun- stelte romantische Unsinn eines von Gerlach und der anderen Adepten Der von HaUer'scheu Staatswciöheit. UnD was ist bedenklich an dem Wahlgesetze für die zweite Kammer? Daß esnicht auf ständischer Grundlage" beruht? Wir sind keine Bewunderer des eben geltendem Wahlgesetzes und glauben so wenig an die Ewigkeit desselben, wie überhaupt an die Mög-

Frieseng ruß.

Ich grüße dich, mein Friesenland,

Wo der Nebel mmllt , wo dte Woge braust Wo die Möse schwebt und die Wildgauö lärmt, Mein Friesenlaud! mein Heimathland!

Und wo vom hohen Deich der Blick Ungehemmt hinschweift über Land und Meer Hier weites, schwarzes, schlain.niges Watt, Dort reicher Fluren sonnig Grün. Hier Mövep schrei dort Tuudenflug, Hier das Fischerboot dort das rasselnde Rad Und das Kirchlein dort uralt und ernst Unb weitergrau auf kahler Wart Und 9üuberlgui und Senseuklang Um den reichen stattlichen Bauernhof.

Ich grüße dich, mein Friesenvolk, Volk alter Freiheit, alter Kraft;

Das trotzig mit d^n Wogen rang Und selber sich für Weib unb Kind Den theuern HcimathSboden schuf;

Das diese starken Deiche rings Auswersend zu den Finthen spricht: Bis hierher sollt ihr weiter nicht. DaS mit dem stolzen Gruß sich grüßt: Gala fr ha Fresena!"

Das seine Nnabhângigkeit

Sang gegen is'NlfemiVermuth

Vertheidigte, uch Gut unb Blut.

Nicht iDtäjiner zöge» nur zum Streit

Auch hohe Sangfraun ernst und mild

Unb funken bleich unb blutend hin

Und buchten, ulS der Stuhl sie traf, DeS FriefenfpruchSLieber tobt alb Skluv."

Du prächtig Wort:Lieber tobt uls Skluv,"

O brause du mein Nsrblundsünrm

Durch alle heutigen Herzen hin

Bvm meerbefpülteu Friefeulund

Bis zu der Alpen HschgeKtgf

Unb von den Alpen bis and Meer

Erschalle donnernd wieder her,

Wild alles rüttelnd aus dem Schluf,

Du stolzes WortLieber lobt uls Skluv."

Ich Müsse dich, mein Frieseuland,

Wo der Nebel wullt, wo die Woge braust!

Zch grüße dich, mein griefenvolf,

Wo die ulte Kruft und die Freiheit haust.

(Wsr-Ztg.) H. «......

LZ e r sch iede n e S.

Chur, 13, Februar. (A.Allg.Z.) Das Erdbeb c n, wAchrs am 3. Februar, Vormittags um i I Uhr, in Zürich, Brzu, Schwyz, Lugano, Bergamo und Mai-

land verspürt wurde, hat sich zur nämlichen Zeit nutz ziemlich heftig auch in Chur und im Bündner Ober­land, namentlich in Jlanz und weiter oben in Danis und Ilmgegend, gekündet. In Jlanz war Die Bewe­gung Der Erde Der Art, daß Wanduhren zu schlagen aufingen. Interessant ist, daß kurz vorher, nämlich in Der Nacht vom 3. auf den 4. Februar, wie vor einem Jahr im Oberland gegen Den Gotthard zu und über Denselben hinaus, dies Jahr im Ryeinwald rother Schnee fiel. Am Morgen des 4. Februar war Die ganze Gegend um Hinlerrheiu, besonders wo der Föhn stark strich, mit solchem Schnee bedcckt, unD zwar nach­dem Drei Tage lang Föhn- und Schnecwctter geherrscht hatte. Die ganze frisch gefallene Schneeschichte war rot hl ul; gefärbt. Schon vor einem Jahre gab diese Erschtiuung zn wlsfruschaftiichcu Uiuerfuchungeii und Meinungsverschiedenheiten Anlaß. Die Gelehrten in Bern (Dr. Perthih fanden vegetabilische Stoffe heraus, Die in Zürich (Dr. Heer, Dr. Schweizer?) vorherr­schend mineralische. In Graubüudleu waren die An­sichten ebenfalls getheilt, doch gründeten sich hier stetig bloß auf Muthmaßungen, indem die sachkundigen Ge­lehrten keinen Schnee iur .Untersuchung erhielten. Urbrigens ist noch im Sommer darauf im Oberland der rothe Schure, indem der später auf ihn ge- salleue gcschuiolzeii war, wu^r sichtbar geworden. Die Erschcliulug machte gor einem Jahre allgemein im Oberland Den Eindruck von Asche oder erdigem