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Freit Zeitung.

âeiherl und Neeht!"

JVi /^Z. Wiesbaden. Donnerstag, 20. Februar L^KL.

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Nassauischer Landtag.

(Fortsetzung.)

69 Wiesbaden. (Sitzung vom 17. Febr.) In längerer .Ausführung sucht der Abg. Heh n er nach­zuweisen, wie alle die von Wirth angeführten Be­denken nur auf Jllusflonen beruhen; namentlich. Hebt er hervor, wie armselig es ist, alte Zustände blos aus dem Grunde beibehalten zu wollen, weil man über eine vorzunehmende neue Einrichtung noch keine Er­fahrungen habe. Preußen, das doch sonst von der rechten Seite stets zum Musterstaate ausersehen werde, richte dermalen auch ForstcoUegien mit Aufhebung, resp. Verminderung der Forstinspectionen ein.

Abg. Kalt weist kurz und bündig nach, welches große Unrecht es ist, ein neues Gesetz einem Häuflein «»befähigter Forstbeamten anpaffen zu wollen, er spricht sich ganz entschieden für den Majoritätsantrag aus.

Abg. Justi: In Baden sei eine bedeutende Ver­minderung der Forstbezirke und eine Vergrößerung des Collegiums eingetreten, ein Beweis, daß man ein Forst- collegium, wie es von der Majorität des Ausschusses vorgeschlageu sei, andern Einrichtungen vorziehe. Der vorgelegte Negierungsentwurf sei der frühern Organi­sation ziemlich gleich. Der Redner rügt namentlich die knechtische Stellung der Oberförster zu den Ober- sorstbeamten rc.

Reg-Com. Schepp erwähnt, daß das technische Mitglied für Forstsachen dem Finanzministerium nicht, wie ein Redner meine, subordinirt, sondern coordinirt sei. Eine höhere Aufsicht über die Forftbeamten, wie sie im Entwürfe durch die Forstinspektoren vorgesehen sei, müsse stattfinden, im anderen Falle werde keine Besserung eintreten, er zeigt in einem Beispiele, wie in der ganzen Staatsverwaltung diese Beaufsichtigung stattfinde. Die Hauptaufgabe des Gesetzes sei, die Waldungen in gehörigen Stand zu setzen, nicht aber die Oberförsterstellen ganz angenehm zu machen. Es sei nicht gut, den Versuch zu machen, diese Aufsicht aufzuheben.

Abg. Dünkelberg: Ein außerordentlich wich­tiges Gesetz, tief eingreifend in das materielle Wohl der Staatsbürger, liege vor; wenn etwas Gutes ge­leistet werden solle, müsse tief in die faulen Stellen eingeschnitten werden, deren Tadel und Erwähnung aber hier nicht den einzelnen Mann, sondern das Eystein treffen solle. Die Berathung dieses Gesetzes sei auch nicht Partheisache, hier müsse der Hader zwischen Re­gierung und Stände verschwinden. DaS Forstwesen sei einer unserer verkommensten StaatSverwaltungs- zweige, und da dasselbe die Bewirthschaftnng der Hälfte unseres kultursahigen Landes, ein Kapital von 40 Mill. Gulden, involvire, so hätte man erwarten sollen, dass die Regierung nur Beamten «»gestellt, deren Wissen­schaftlichkeit und Berufötreue anerkannt gewesen sei. Zwei Ursachen seien es aber hauptsächlich, die dessen

Ruin herbeigeführt: 1) daß die oberen Stellen blos zu Gunstbezeuguiigen und Hofchargen verwendet wor­den, 2) daß die Forftbeamten zu isolirt ständen, wes­halb Nepotismus und Familienverhältnisse vorgewaltet und dasselbe zur blosen Versorgungsanstalt benutzt wor­den sei. Der Forstmann sei statt Staatsdiener Hof- diener geworden. Die oberste Leitung sei dem Ober­jägermeister hingegeben worden, der wiederum unter dem verderblichen Einfluß, den die Umgebung des Hofes jederzeit auf das Gemeinwohl ausgeübt, gestanden. Auf Wissenschaftlichkeit und Berufstreue habe man nicht gesehen, wenn einer adelig oder hoffähig gewesen, habe inan ihn befördert. Um die Verwaltung habe man sich wenig gekümmert, wenn der Mann nur einen Dienst erhalten. Vielen Beamten hätte zwar der Dienst am Herzen gelegen, diese hätten aber keine Wissenschaft­lichkeit blicken dürfen lassen, sonst sei dies ein stiller Vorwurf gegen viele nichtswiffende Oberen gewesen.

Da hätten denn die unteren Beamten es gehen lassen müssen, wie es gehe, und so sei es bald gekommen, daß die Gemeindewatdungen V» weniger ertragen, als die Domanialwalvungen, man habe auch öfters den Holzwuchs der Gemeinden und ihre Holzversteigerungen unterdrückt, und wenn man die Verwaltung jetzt nicht ändere, so könne es bald wieder so kommen, da man noch nicht wisse, wie weit die Reaktion gehe. So habe man auch, um die Forftbeamten täglich an ihre vom Hof abhängige Stellung zu erinnern, ihnen das Jäger- wappen auf die Knöpfe gedrückt. Die Forstbeamten standen auch zu isolirt, wie das Militär, das auch nur unter eigner Controle stehe und deshalb so barsch thue. Eine Familie könne den vierten Theil des Landes mit ihren Angehörigen besetzen, da helfe es den Gemeinden nichts, sich zu beschweren, der Oberförster, der Forst, inspector, der Referent am Ministerium seien ost Ver­wandte. Dieses System nun mit den verderblichen Oberforstämtern habe die Zeit gerichtet. Die Ober­forstbeamten seien blose Briefräger zwilchen Oberförster und Ministerium gewesen, und hatten durch ihre einseitige Ueberwachung alle Wissenschaftlichkeit und Verbesserungsvorschläge der Oberförster unterdrückt, und zwar weil sie meistens mit Adeligen und Leuten, die nichts zu verstehen brauchten, besetzt gewesen seien. Die Regierung habe dieß auch schon seit 1847 anerkannt und ändern wollen, allein die Cainarillen und die Sinekuristen hätten sie so mit In­triguen überhäuft, daß sie wiederum diese Organisa­tion hätte verlegen müssen, die nur ein neuer Abklatsch der alten sei. Er spreche hier nicht übertrieben, son­dern das Urtheil gewiegter Forstbeamten aus, die die Wahrheit wollten. Der Forstmann müsse künftig dem Kreisamt als Verwaltungsbeamter beigegeben werden, dann würde seine Stelle erst die rechte, sie würde rein-national-ökonomisch, indem er dann an allen Angelegenheiten der Gemeinden Theil nehmen müsse und deren Beförderung dann ihm nicht blos vorge­schrieben sei, sondern natürlich in seiner Stellung liege.

Er müsse sich dann mit allen Bedürfnissen der Ge­meinden bekannt machen und könne so dem Kreisamt viele Arbeiten abnehmen, die dasselbe nicht verstehe, da er und nicht diese Juristen in der national-ökono­mischen Wissenschaften Eramen gemacht. Wenn er so die Interessen der Gemeinde vertrete, dann betrachte ihn diese auch nicht mehr als ihren Feind, sondern als Freund lind der Staat spare tausende an Diäten. Wenn die Regierung vorgab, sie wolle nur discipli« «arische Ueberwachung durch die Forstinspektionen, so kann das Kreisamt als Verwaltungsbehörde besser als die Thätigkeit der Oberförster sich unterrichten, als der Forstinspektor der den Oberförster nur aus seinen eigenen Berichten kenne. Das Kreisamt habe täglich Gelegenheit sich über den Lebenswandel und Thätig­keit des Oberförsters durch Bürgermeister unv Ge- meinderäthe rc. zu unterrichten. In technischer Bezie­hung müßten die Oberförster unter einem Collegium von 5 Mitgliedern am Ministerium stehen, daß diese antichamberfähig seien, sei nicht nothwendig, man habe auch nichts einzuwenden, wenn sich der Hof einen Oberjägermeister halte. Ein Mitglied desselben müsse alle paar Jahre alle Oberförstereien besuchen, auch ertra kommen, wenn es verlangt würde, an Ort und Stelle mit dem Oberförster, den Bürgermeistern und den Gemeinderäthen die Fällungs- und Bewirthsschaf- tüngSplâne mündlich und öffentlich feststellen, damit die Gemeinden ihre Klagen und Vorschläge anbringew könnten, dann würde es anders werden. Man habe .so maßlos über die Holzentwendungen des Jahres 1848 geschrieen, und alles auf das arme Volk ge­schoben, er schiebe es auf die Regierung, die die Schlechtigkeit der alte» Organisation gekannt und nicht abgeändert und neu wieder haben wollen, man sollte die alte beibehalten , bei Vormundschaftssachen wende man sich an alle Richter wenn cs nur 5 fl. gelte, hier wo eS sich um Tausende handle, und man traurige Er­fahrungen habe, wolle man nichts ändern. Die Oef- fentlichkeit und Mündlichkeit müsse eingeführt werden, das sei die beste Controlle, und den tüchtigsten Forft­beamten auch die liebste. Wenn der Oberförster s» für alle Bedürfnisse der Gemeinde sorgen müsse, dann käme auch der Waldfeldbau in Aufnahme, womit man hunderttausende dem Staate einbringen könnte, das­selbe sei ein Bedürfniß geworden, weil das Holz im­mer theuerer , der Menschen aber täglich mehr würden. Die Oberförster seien früher auch durch die alte Instruktion zum Waldfeldbau angewiesen gewesen, da sie aber wie Sklaven unter den Obcrforstämtcrn gestanden und diese häufig mit Nichts­wissern besetzt gewesen, so hätten sie mit solchen Ver- beyerungsplänen nicht hervortrete« können. Jin Amte Dillenburg mache der Waldfeldbau außerordentliche Fortschritte. Wenn dort ein Schlag abgetrieben, so be­baue ihn die Gemeinde 3 Jahre lang, indem sie ihn an die Skalieren verpachte, die keine Fuhren und kei­nen Dünger besäßen, diese zögen dort das schönste

Die Hütte an der See.

(Eine holländische Geschichte.)

Traurig sah es in der elenden Hütte der guten, doch unglücklichen Martha aus. Traurig war ihr Herz gestimmt bei dem Nachdenken über ihren fast hoffnungs­losen Zustand. Mit erneuerter und stetö zunehmender Gewalt schüttelte ein heftiger Sturm aus Nordwesten die ohnehin schon baufällige Wohnung, jetzt vielleicht ihre letzte Zufluchtsstätte.

Es war ein dunkler Novemberabend und der durch alle Ritzen pfeifende Wind hatte sie so sehr erstarrt, daß es ihr Mühe kostete, einige verdorrte Baumzweige aufzusammeln, um sie auf das glimmende Feuer zu werkn. Voll ängstlicher Erwartung sehnte sie sich «ach der Rückkehr ihres Mannes und SohneS, beide fortge- aangen, um |am Strande die mögliche Beute anfzu- suchen, die die See in ihrer Wuth vielleicht anöge- worfen hatte, Die gute Frg« war bleich und entstellt, und das Geheul des Sturmes verschlang die bangen Seufzer, die dann und wann aus ihrem vollen Ge­müth aufstiege«. Sie warf ihre thränenvollen Augen auf die armselige Lagerstätte ihres dreijährigen Sohnes, und schien zu fragen, ob sie sich über die Geburt die­ses ihres Lieblings nicht eher zu betrüben, als zu er­freuen hätte. Vernrthcilen wir die gute Frau deshalb nicht! Sie hatte schon so viel gelitten, ihr Ver­

trauen war schon so sehr erschüttert, daß es kein Wun­der war, daß eS für einen Augenblick wankte. Auch sie hatte einst glücklichere Tage erlebt.

Als Tochter eines wohlhabenden Fischers mit dem arbeitsamen Marten verlobt, hatte die Zukunft auch ihr fröhlich zugelächelt. Jauchzend hatte eine Schaar der Dorfbewohner sie zur niedrigen, doch wohl einge­richteten Wohnung ihres Gemahls geführt. Fröhlich hatten die Flaggen vom Mast und Tackelwerk von Martens Fischerzeng geweht zur Ehre ihrer Hochzeit, und nun welch' ein unerwarteter Abstand! Der früher so emsige Marten war kein liebender Gatte, kein treuer Hausvater, kein braver Christ mehr. Die Mühseligkeiten und Entbehrungen jenes kleinen, doch oft gefahrvollen Gewerbes hatten ihn, nach dem Bei­spiel Anderer, Ersatz und Erquickung in dem körper- und seelverpestenden Trank suche« lassen, dem eine blinde Menge die heilsamsten Wunderkrafte zuschreibt. In wenigen Jahren war der unglückliche Marten der tiefstgesunkenste aller Dorfbewohner. Schnell ward daS Haus, sein Schiff und Hausgeräth die Beute seiner Gläubiger, und eine elende Hütte an der See, m t einer Frau und drei Kindern, die an allem Nöthigen Mangel litten, machte jetzt seinen ganzen Besitz aus. War es denn wohl zu verwundern, daß das Herz von Martha, bei dem Gedanken an ihre trostlose Lage, mit tiefer Wehmuth gefüllt war? Ihr Mann bis zur nie­drigsten Stufe sittlicher Verdorbenheit gesnuken, täglich

bemüht, ihren vierzehnjährigen Sohn Govert in der Lehrschille der Bosheit zu erziehen! Konnte sie daher wohl anders, wenn sie an ihren jüngsten Sohn dachte, als mit Schaudern auf ihn blicken, bis jetzt rein und unschuldig, doch wer weiß, wie schnell Ba ter und Bruder auf der Lasterbahn nachfolgend? Nur eines ihrer Kinder hatte sie dem zunehmenden Elend entziehen können. Es war ihre einzige, ihre geliebte Tochter, das würdige Ebenbild ihrer braven Mutter, welcher sie in ihrem achtzehnten Jahre in einer benachtbartcir Stadt einen guten Dienst besorgt hatte. Diese war denn auch der einzige Trost inmitten ihres trübseligen Herzeleids.

Seufzend richtete sic ihre thränenden Blicke nach oben als die Thür mit wüster Gewalt geöffnet wurde, und Vater und Sohn fluchend hereinstürzten, und sich an den Heerd niederwarfen.

Wirf 'was Holz an den Heerd, Frau! denn meine Fäuste sind erstarrt von der Kälte, und ich werde sie noch wohl diese Nacht nöthig haben, wenn meine zwei guten Fernröhre , die ich an meiner Stirn trage, sich nicht irren."

Ich hoffe, Marten, daß Du Deine Hände zur Rettung von unglückliche« Mitnle« scheu, wenn cs nö­thig sein sollte, anbieten wirst, ohne Dich an ihren Habseligkeiten zu vergreifen!"

Ei, ei Du dummes Weib, wirst Du denn nie klüger norden; weißt Du doch nicht, daß ihnen von