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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 fr.

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Die Dresdener Konferenzen.

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X Es ist nicht Alles Gold, was scheint. Auch in Dresden nicht. Die Dinge sind nicht so rasch und nicht so gegangen, wie die Bevollmächtigten geglaubt haben mögen. Noch ist nichts geschehen. Doch ja, während wir dies schreiben, werden die beiden leiten­den Minister im Brühl'schen Palast einen neuen Ver­such machen, um etwas zu Stande zu bringen. Aber wer glaubt daran? Wer die Zeichen der Zeit kennt, merkt, wie sehr noch Alles im Chaos liegt. Hier nur einige dieser Merkmale:

Früher hieß es, der Fürstenkongreß in Dresden werde im Februar stattfinden; dann wurde der Plan vollständig abgeleugnet; heute jedoch wird wieder be­richtet, der Kaiser von Oesterreich und der König von Preußen werden mit dem Kaiser von Rußland zwar allerdings zusammenkommen; aber in Warschau und erst im Frühjahre.

Vor einigen Tagen schien die provisorisch-definitive oder definitiv-provisorische Militärdiktatur schon so gut wie fertig zu sein. Der Erzherzog Albrecht und der Prinz von Preußen handelten bereits um Häuser in Frankfurt; heute wird hoch betheuert, es sei weder am Hauskaufen, noch an dermilitärischen Schirmherrschaft" der genannten Prinzen etwas Wahres.

In voriger Woche konnte man in sonst wohlunter­richteten Blättern nicht blos lesen, daß von Rastatt bis Düsseldorf Truppenmassen aufgeftellt werden soll- ten, sondern man erfuhr sogar schon die Anzahl der Soldaten, die Zusammensetzung der Korps u. s. w.; und heute wird Alles wieder in Abrede gestellt.

Auch die Maßnahmen gegen die Schweiz treten wieder gelinder an. Thatsache ist, daß Frankreich Be­theiligung verlangt bei Allem, was etwa geschehen sollte.

Frankreich hat gegen den Eintritt von Gesammt- österreich in den deutschen Bund protestirt. Die Wie­ner Negierungsorgane geben dies für ein Mährchen aus; aber die Angaben über diesen Protest treten mit solcher Bestimmtheit auf, daß das Ableugnen der k. k. Organe nur den tiefen Verdruß über die Sache ver­räth.

Summa Summarum: die Nachricht, welche wir heute gleichfalls in mehreren Blättern finden, daß man zuletzt doch wieder auf den unveränderten Bundestag zurnckkomme, ist weniger unwahrscheinlich als jemals. So viel steht fest, daß von Allem, was bisher als bezweckt, ja als so gut wie ausgemacht gemeldet wurde, trotz alles Brütens noch nichts aus dem Eie gekro­chen ist.

Die Mächte der Contrerevolution sind darüber einig, daß sie die Revolution nicht wollen; aber was ist Revolution? DaS ist die Frage! Jede Veränderung am Alten ist Revolution. Eine Militärdiktatur ist die Vernichtung der Einzelsouveränetäten: ist das kein

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Die Behandlung der deutschen Einwanderer in New-Bork.

Eine Rede vom Sekretär R. S. Cook, ge­halten auf Broadway am 18. Dec. 1850.

(AuS der Februar-Nummer desAmer. Beob.")

Vor Kurzem war ich im Westen und erkundigte mich dort sorgfältig nach dem Zustande der deutschen eingewanderten Bevölkerung. Da sagte man mir allent­halben, die Einwanderer würden bei ihrer Ankunft in New-Uork zum großen Theile so schändlich betrogen, daß ihrer viele New - Uork verfluchten, und die meisten nur mit Unwillen und Entrüstung von der dort erlittenen Behandlung sprächen. Hieber zurückgekehrt, ging ich hin in diejenige Gegend unserer Stadt, wo diese Greuel Vorfällen. Cs ist vor Allem der untere Theil von Washington- und Greenwichstraße, nebst den sie durchschneidenden Querstraßen. Schon die Schilder über den Häusern zeigen an, daß hier die Residenz deS Betruges und der Lüge ist. Sie machen den armen Einwanderer glauben, er habe das Bureau einerEinwanderungsgesellschaft", einer Gesellschaft zum Schutze deutscher Einwanderer" re. vor sich, wäh­rend es blos ein kaufmännisches Geschäft zur Beför­derung der Einwanderer ins Innere, ein Passage-Bu­reau ist. Sie machen ihn durch Hinmalung von Ei­

revolutionärer Akt? Ein Eintritt GesammtösterreichS in den Bund ist eine Aufhebung des politischen Gleich­gewichts in Deutschland nicht blos, sondern in Europa; ist das keine revolutionäre That? Durch die Wiener Bundesakte schon, und ganz unleugbar durch die öster­reichische, und preußische und durch jede Verfassung, welche in deutschen Landen eristirt, ist die Volksstimme anerkannt und folglich jeder Beschluß, der ohne Zustimmung der deutschen Völker geschieht, ein reiner Revolutionsakt. Aus diesem Zauberkreise kommen dieDiplo- maten nicht wieder heraus: sie müssen das Re- volutionSrecht heilig sprechen doch dann wehe ihnen! oder sie müssen sich zuin Nichtsthun verdammen und dann entgehen sie dem Schicksale nicht, das die Einsichtigren unter ihnen längst fürchteten.

Die Restauration ist noch nicht fertig. Oesterreich verräth durch seine tollkühnen Anstrengungen die in­nere Angst vor dem Misliugen; doch wenn selbst was haben Restaurationen zu bedeuten ? Lest die Ge­schichte Englands vom Regierungsantritte Karls II. bis zum Sturze Jakobs II.! Les't die Geschichte Frank­reichs seit 1815!Alles, was gegen das Zeitbewußt­sein und Zeitbedürfniß geschieht, ist mit dem Fluche der Unfruchtbarkeit behaftet; es kann Vieles vernichten, doch Dauerndes zu schaffen ist ihm versagt.

Deutschland.

Wiesbaden, 17. Februar. Bei den Assist» des Iten Quartals im Hofgerichtsbezirk Wiesbaden kommen an ten- beigesetzten Tagen die gegen nachfol­gende Personen anhängigen Prozesse zur Aburtheilung:

1) Den 3. Marz^ gegen Peter Keßler von Preß­berg, wegen Meineids.

2) Den 4. März, gegen Martin Burg von Eltville, wegen Meineids.

3) Den 5. März, gegen Jakob Wenzel von Schön­berg, wegen Diebstähle.

4) Den 6. März, gegen Franz Riede von Holz­appel und Ben Groll von Landstuhl in Baiern, wegen Diebstahls.

5) Den 7. und 8. März gegen Anne Catharine Drös von Kleinweinbach, wegen KindesmordeS.

6) Den 10. März gegen Joh. Jakob Carl D ö n» ges von Laufenselten, wegen Meineids.

7) Den 11. März, gegen Andreas Struth und Anton Beulen von Dahlheim, wegen Nothzucht.

8) Den 12. März, gegen Friedrich, Joh. Heinrich und Ludwig Schrodt, alle von Cronberg, wegen versuchten Diebstahls.

9) Den 13 März, gegen Michael Bickelmeier von Oestrich, wegen Meineids.

10) Den 13. März, gegen Johann Philipp Christ. Berghäuser von Berudroth wegen MajestätSbelei- digung.

11) Den 14. Marz gegen Thomas Trab and von

senbahn-Wagen glauben, er werde schnell und leicht befördert werden, während es drinnen darauf abgesehen ist, ihn auf einem elenden Canalboot langsam, be­schwerlich und unter großen Erpressungen fortzuschaffen. Ich sprach mehrere Männer, die seit Jahren mit der ganzen Sache bekannt sind, und was ich vernahm, war der Art, daß es einen Schrei des Entsetzens aus jeder fühlenden Brust Hervorrufen sollte. Hier nur Einiges davon:

Ein Schiff wird in der Ferne sichtbar, ^von Bremen oder Antwerpen herkommend. Es naht Sandy Hook, und wird bald in unsere Bay hineinfahren. Mehrere Hundert Einwanderer befinden fich an Bord. In ihrem stillen heimathlichen Dörfchen, fern im Innern Deutsch- lauds, haben sie von Amerika gehört. Man hat ihnen gesagt, gutes fruchtbares Land sei um einen geringen Preis hier zu kaufen, und die Bewohner erfreuten sill- freier bürgerlicher Einrichtungen und des, durch keine Staatsgewalt gehemmten, freien Waltens des Christen, thums. Ihre Hoffnungen sind durch die lange See­reise nur noch mehr gehoben, ihre Erwartungen ge­spannt. Sie freuen sich, dein engen Schiffsraum'zu entfliehe», und das Land ihrer Sehnsucht zu betreten. Indem das Schiff unsere Bay hinauffährt, sehen sie die schönen Landhäuser mit den lieblichen Anlagen um­her, sehen überall ein reges Treiben mit allen Zeichen deS Wohlstandes, sehen in der Ferne die Kirchthürme von New-Z)ork Herüberwinken und finden ihre Er-

Nied und Joseph Halbig von Schwanheim, wegen Meineids.

12) Den 15. März, gegen Friedrich Heimann II. von Rückershausen, wegen Nothzucht.

13) Den 17. März, gegen Ferdinand Peter Wagner von Caub, wegen Meiueid.

14) Den i8. März gegen Johann Sommer und Konsorten von Caub, wegen Gewaltthätigkeit.

15) Den 19. Mär; gegen Johann Baptist Christ von Rüdesheim, wegen Diebstahls.

16) Den 20. März, gegen Johann Heinrich Adam Bremser von Niederfischbach, wegen Fälschung.

Wiesbaden, 17. Februar. In Württemberg ganz besonders herrscht eine rege Thätigkeit zur Be­schickung und zum Besuche der Londoner Judustrieaus- stellung. Von den Reisegeldern, welche von Staats- wegen bewilligt wurden, haben wir früher bereits ge­meldet. Auch die Konzerte, die jetzt zur Unterstützung der nach London reisenden Gewerdleute gegeben werden, verdienen Erwähnung: ein durch Zweck und Leistung gleich brillantes Konzert fand am 13. AbendS in Stutt­gart statt. Was geschieht denn bei uns in dieser Be­ziehung? Nassau hat den besten Wein, die vorzüg­lichsten Mineralwasser, eS ist gesegnet an allen Ge­schenken des Bodens; doch was geschieht für die Industrie, was durch die Industriellen? Wo ist der Gemeinsinn, wo die Ausdauer?

$ Wiesbaden, 17. Februar, Mittags. Heute, Montags, wird laut den Berliner Nachrichten in Dres­den die entscheidende Plenarsitzung über die Modifika­tionen der Bundesgesetze stattfinden. Auch dieOber- postamtsztg." wird plötzlich kleinlaut über den entschie­denen Widerspruch derkleinen Regierungen", woraus sich doch Schwierigkeiten bereiten könnten, die weit schwerer zu überwinden sind, als die Dresdener Con- ferenzen meinen." Nach einem Artikel in der offi­ziellenHanvovcr'schen Jtg." ist bekannt, daß Seitens der hannoverischen Regierung gegen die Besetzung des Kronenwerks durch dänische Truppen Protest erhoben worden. Wir erfahren jetzt, daß noch mehrere deutsche Regierungen dem Beispiele Hannovers folgen werden. Wird die nassauische Regierung sich auch unter diesen Regierungen befinden, welche wenigstens gegen das schreiende Unrecht an des Vaterlandes Ehre ein mis- billigendes Wort haben?

^ Vom Rhein, 17. Febr. Der Kurs der Tau- nueeisenbahn-Aktien, bei dessen Sinken man die Absicht zu merken kaum umhin konnte, hebt sich wieder; eS scheint also, als ob Verwaltungsrath und Aktionäre sich fest überzeugt hakten, daß ihre famose Denkschrift unwiderlegbar sei, und alle Reformanfichten der Regie- nmgen fromme Wünsche bleiben würden. Soll Bie­brich also wirklich das werden, was das Ministerium du Thil durch das bekannte Steinattentat bezweckte? Die Regulirung der Tannusbahnfrage würde freilich nur erst die eine Seite der Erfordernisse decken; ener-

wartung bestätigt, daß sie nach einem herrlichen, blü­henden Lande gekommen seien. Siehe! da fährt ein Dampfboot an sie heran. Männer entsteigen ihm, die ihre Sprache reden. In den wohlbekannten Lauten der deutschen Muttersprache begrüßen sie ihre an­kommenden Landsleute, und verheißen ihnen, aufs Beste für sie zu sorgen, ihnen eine schnelle, bequeme und wohl feile Reise nach dem Westen zu verschaffen. Die Ankömmlinge, arglos, mit den Künsten des Betrugs nicht vertraut, schenken ihnen Glaube», und schließen, noch ehe sie landen, den Reise-Contract ab. Manche vielleicht weigern sich, darauf einzngchen. Aber siehe! indem sie landen, springen wieeeium Männer auf ihr Schiff, und reden ihnen zu, doch mitzukommen auf ein Paßage- Bureau (forwarding-office), um sich Reise- Billette (tickets) zu kaufen. Weigern sich die Ein­wanderer noch immer, so nimmt der Eine dies Kind, der Andere ein anderes Kind an den Arm; damit gehen sie voraus, und die erschrocken und verwirrten Eltern folgen ihnen endlich nach, wie ein Schaf dem Metzger nachfolgt! Oder sei «s auch, daß die Einwanderer glücklich in ein Gasthaus gelangen, ohne bereits verkauft zu sein, so räth hier der Wirth, nach­dem sie sich kaum ein wenig erquickt und erholt haben, ihnen an, sich ja alsbald eine gute Reise-Gelegenheit zu sichern. Unter dem Schein der Gefälligkeit und Dieiistbeflissenheit führt er sic zu einem Bureau, mit rem er in Verbindung steht, und wo ihm ein bedeuten-