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âcrhert und Recht!"

Wiesbaden. Sonntag, 16. Februar l^ d

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Der Jahrestag der Februarrevolution.

X Die große Stunde nahet, wo vor nun drei Jahren, welche Spanne Zeit und doch welch' eine Ewigkeit! der erste Sonnenstrahl durch die lange Nacht der Völker Europa's drang, wo der Weltgeist endlich einmal wieder sein Fiat lux! donnerte und die ganze Welt im Chore einstimmte:Ja, es werde Licht!" Und Licht ist geworden trog aller Wetterwol­ken, die bald wieder fden blauen Himmel -verhüllten, trotz aller vernichtenden Blitze, welche herniederzuckten und manches Herz mit Furcht, manches Auge mit Ent- fe^en^erfüllten. Hell und klar ist es geworden zwi­schen den Völkern und ihren Drängern, hell und klar zwischen den Parteien, hell und klar zwischen Freun­den und Feinden, zwischen Mannern und Frauen, Eltern und Kindern. Eine große, eine folgenschwere Scheidung der Geister erfolgte so jäh und so grell, daß so mancher es nicht glauben wollt, was er sah und so mancher bezweifelte, was kaum zu begreifen war. Die Morgenträume der politischen Kinder sind geschwun­den, die Illusionen ohne Erbarmen erschlagen, die Schonung hat aufgehört, die nackte Wirklichkeit ist in ihrer ganzen Rauheit ausgetreten und an alle Men- ichenkinder erging der Ruf: Gebet der Wahrheit die Ehre, die ihr gebührt; die Wahrheit allein wird euch frei machen.

Und welche Thaten sind geschehen, welche Opfer wurden erheischt, damit der Spruch erfüllet werde: Zwischen uns sei Wahrheit!"

Der Fortschritt in der Klarheit ist unablässig ge­wesen ; Zeichen und Wunder sind geschehen, um ihn zu beschleunigen, und bald wird es keinen Zweifler mehr geben er wohne noch so ferne von der Welt, er sei noch so versessen im Altgewohnten, er sei noch so verliebt in das blinde Vertrauen, er sei noch so ver­stockt gegen -die Wahrheit die nette Lehre, welche den Völkern gegeben wird, bricht sich Bahn, der junge Tag der Aufklärung macht seine unverweigerlichen Rechte geltend.

Saget nicht: die Aufklärung ward nie mehr gehaßt und verfolgt als heute! Ist dies nicht auch ein Zeug­niß für dieselbe? Je mehr die Feinde der Wahrheit und des Rechtes erkannt werden, desto lauter zeugen sie von der Wahrheit und dem Rechte durch Lug und Trug; je mehr sie entlarvt werden, desto eifriger ma­chen'sic sich mit Haut und Haar, mit Leib und Seele zur Larve

Alle Gefahr für die Sache des Fortschritts besteht in dem Schein, der sich brüstet mit Wesenheit, in der Trägheit, die- sich als Geschäftigkeit Altäre errichtet, in der Feigheit, die sich mit Muthe brüstet, in der Eng­herzigkeit, die durch kleine Opfer den Ruhm der Hoch­herzigkeit erschachert» und in der Selbstsucht, die sich mit Menschenliebe und Christenthum breit macht. Als es offenbar geworden, was Christus von den Phari­

säern sprach: Sie sind übertünchte Gräber und Wölfe in Schafskleidern! da war es aus mit ihrer Herrlich­keit. Seit alle Welt weiß, was sie von den Volks- erlösern nach der Lehre Loyalas, von den Vertrauens­männern nach dem Schnitte des großen Monsheimer Verschwörers zu halten hat seitdem ist ein unge­heurer Fortschritt in der Volksaufklärung erfolgt, wie ihn die glänzendsten Triumpfe der Februartage nicht zu bieten vermochten.

Der folgenschwangere Sieg der Revolution ist ihre jetzige Niederlage; die schicksalsreiche Niederlage der Contrerevolution sind ihre jüngsten Triumpfe! Ein kühner Griff nach dem andern gelingt der Reaktion; eine Errungenschaft der Völker nach der anderen er­liegt ihren Streichen; und immer größer wird der Einmuth unter den Völkern und immer offenkundiger die Zwietracht unter ihren Feinden. Oder sind sie einig? Warum dann das Zaudern und Schwanken und Drohen gegen einander? Sind sie freudig und getrost; warum dann die fürchterlichen Gewaltmaßre­geln, die einander überstürzen? Sind sie guten Ge­wissens, warum dann das Kainsmäßige in der Con­trerevolution ?

Sie trauen einander nicht, sie trauen sich selber nicht, sie fühlen ihre Schwäche lebhafter, als die Völ­ker ihre Stärke.

Die «schlußtage des Februar nahen. In Schmer­zen, doch in gewisser Zuversicht des endlichen Sieges ihrer Sache bereiten sich die Völker vor auf diese ernste Zeit; die Männer der Contrerevolution aber eilen nach Dresden, um dort die Februarrevolution zu feiern, wodurch? Durch Errichtung einer Macht, die ein revolutionärer Akt ist, nichts mehr noch minder. So feiert die Revolution ihre Feste durch die Contre­revolution, so zwingt der Weltgeist die Gewaltigen die­ser Erde zu willenlosen Werkzeugen für seine Pläne, so führt die Geschichte durch Fluch zum Segen, durch Nacht zum Lichte!

Deutschland.

o°o| Aus dem Krei«amte Herborn. Nro. 6 des Kreisblattes enthalt untern den Gegenständen, welche in der Sitzung des Kreisbezirksraths vom 6. Februar zur Berathung kamen, wörtlich Folgendes:16) Kreisbe­zirksrath Krah übergibt das wiederholte Gesuch des Franz Moldenhauer von Cassel, um Ertheilnng der Erlaubniß wegen Erbauung eines Hochofens auf der Dorotheahütte bei Dillenburg, und erklärt, daß er sich auf §. 16 pos. 7 der Kreisamtsverordnung beziehe, wonach Entscheidungen der Gesuche um Verleihung der Concessionen zur Erbauung von Hütten dem Kreisbe­zirksrath zustehen, nicht dem Kreisamt, und stellte des­halb den Antrag, die Sache zur Abstimmung vorzu­bereiten. Hierauf erklärt der Vorsitzende, er werde die Eingabe nicht zur Abstimmung bringen, weil' dasselbe

Gesuch in dem Kreisbezirksrath bereits zur Abstimmung gekommen und darauf hin auch der Beschluß des Keeis- bezirksraths bereits zweimal durch Herzog!. Staats- Ministerium bestätigt worden, der gegenwärtige Kreis- bezirksrath aber eine Appellations- oder Recurs-Jnstanz nicht sei." Man weiß nicht, ob man seinen Augen trauen soll. Ist es möglich? Kann ein öffentlicher Beamter seine Amtsbefugnisse bei dem klaren Inhalt der Gesetze so sehr verkennen? Nach §. 21 des Ge­setzes vom 4. April 1849 sind von dem Kreisainte alle für den Kreisbezirksrath bestimmten Erlasse und Eingaben zur Schlußfassung vorzu bereiten. Ebenso heißt es in §. 8 der Verwaltungsordnung für die Kreisämter:Was die der Berathung und Beschluß­fassung des Bezirksraths unterworfenen Verwaltungs- gegenstände betrifft, so liegt dem Kreisbeamten die voll­ständige Instruktion und die Sorge dafür ob, daß die­selben, sobald sie zur Entscheidung vorbereitet sind, in der zunächst stattfindenden Sitzung des Bezirksraths zur Verhandlung vorgelegt werden." Der Krcisbeâe hat also zur Entschließungv o rz u b e reite», der Kreis­bezirksrath aber hat zu entscheiden. Ob der Kreis­bezirksrath eine Sache vielleicht nm deßwillen zurück- weisen will, weil er schon sich ausgesprochen, und die Sachlage sich nicht geändert habe, ist Sache des Kreis­bezirksraths, nicht des Kreisbeamten. Wäre es umge­kehrt, könnte der Kreisbeainte nach seinem @rmq|en Gegenstände, welche für den Kreisbezirksrath bestimmt sind, diesem zur Beschlußfassung vorlegen oder auch nicht, so würde sich damit der Kreisbeamte ganz offen­bar an die Stelle des KreisbezirkSraths setzen. Denn alsdann würde der KreiSbcamte, und nicht der Kreis, bezirksrath entscheiden, was gegen Geist und Buchsta­ben deS Gesetzes geht.

Dazu kommt, daß die Kreisbeamten nach §. 24 des Gesetzes vom 4. April 1849 bei Beschlüssen des Kreisbezirksraths über die Anlage von Hüttenwerken das Recht der Einsprache haben, also auf jeden Fall das Mittel besitzen, ihre Ansicht Mr Geltung zu bringen.

Durch ein Verfahren, wie das erwähnte, muß ein jeder durch den Kreisbezirksrath vertretene Bewohner des Bezirks sich verletzt fühlen, mag er nun mit dem Antragsteller einverstanden sein oder nicht. Wird etc Wirksamkeit des KreisbezirkSraths mit Erfolg so herab­gesetzt, so ist am Ende der Gulden zu viel, welcher als Taggebühr bezahlt wird.

Von dem KreisbezirkSkathe muß erwartet und ver­langt werden, daß er die angemessenen Schritte zur Wahrung seiner Rechte thut. Wird er eine Beschwerde an die Ministerialabtheilnng des Innern ruhten, so tritt die Bestimmung in §. 2t des Gesetzes wm 4. April 1841 ein:Wenn wegen einer über den Kreis­amtmann selbst vom Kreisbezirksrath zu erbebenden Be­schwerde zu berathen ist, führt das älteste Mitglied den Vorsitz." Den Bürgern kann man nur zurufen: L c e t die Gesetze und wendet sie an! Erscheinungen aber, wie den obigen gegenüber, welche keineswegs

Italienische Zustande.

Ueber die Wirthschaft im Kirchenstaate wird der Nat.Ztg." ans Rom geschrieben:

Verhaftungen und Haussuchungen finden täglich noch immer statt, wobei sich der französische General Gcmeau durch seinen Eifer, die römische Po­lizei zu unterstützen, und auf die als Republikaner oder sonst als Liberale verfolgten Einwohner Jagd zu machen ausgezeichnet, wofür er reichlich mit Ablässen, Segnungen und sogar Umarmungen vom Statthalter Christi belohnt, von der Bevölkerung aber und von seinen eigenen Untergebenen verwünscht wird. Die Rolle, welche die französischen Truppen hier zu spielen genö­thigt sind, ist ihnen höchst widerwärtig, und die meisten scheuen sich gar nicht, ihre Indignation ganz offen aus­zusprechen. In der Romagna, wo österreichische Okkupation besteht, dauern die räuberischen Unterneh­mungen des berüchtigten RäuberhauptmannsJl Pas. satorc" und seiner zahlreichen Bande fort und erfüllen die Legationen mit Schrecken. Die Anzahl der Ban­diten ist nicht bekannt; sie zeigen sich bald da, bald dort in Abtheilungen von 40, 50, 80 bis 100 Mann zugleich. Ihr Hauptquartier soll in der Pineta di Ravenna, ein sehr großer Wald, der sich bis ans adria- tischeMeer hinzieht, sein, und man vermuthet, sie hät­ten von da aus mit Dalmatien Verbindungen und Ab­

satz der von ihnen geraubten Güter. Alle sind aufs Beste und meist mit kostbaren Waffen versehen. Ihr Hauptmann, der Passatore, ist ein sehr schöner, circa 30jähriger Mann, der einen großen blonden Bart und verschiedene Uniformen oder mittelalterliche Kleidungen bei seinen Expeditionen trägt. Letzten Samstag wurde eine solche vollbracht, die Alles realisirt, was man in Carl Moor, in Abällino und Rinaldo Rinaldini lesen kann. Zwischen 8 und 9 Uhr Abends wurde das kleine Städtchen Forlimpopoli, von 3500 bis 4000 Einwoh­nern , nur eine Stunde von Forli, wo österreichische Garnison liegt, und auf der Landstraße von Bologna nach Ankona liegend, von 2 Banden, jedcvon 40 bis 50 Räubern überfallen. Die zwei Stadtthore, (das Städt­chen ist von einer starken Ringmauer umgeben) waren von wenigen Gensdarmen besetzt, die überrumpelt und gebunden wurden, worauf die Hauptbaude sich nach dem Theaterhause wendete, wo der wohlhabendste Theil der Einwohner versammelt war. Das HauS warb umzingelt, die Thüren besetzt und Niemand heransge- laffen, während durch die Hinterthüre eine Abtheilung der Bande auf die Schaubühne drang, den Vorhang anfziehen ließ, und sich dem vor Schrecken erstarrten Publikum mit angeschlagenen Gewehren zeigte. Darauf trat der Führer auf's Proscenium und rief den Bür­germeister und die reichsten Einwohner beim Namen auf die Bühne. Diese würben von einer Eskorte von je vier Räubern nach ihren Häusern geführt, wo sie

alles waS sie an Geld oder Kostbarkeiten besaßen, Her- geben mußten. Sie wurden dann wieder in'S Theater zurückgeführt und alles Geraubte im Angesicht dein Publikums auf der Bühne auf einen Haufen zusammen gebracht. Alsdann lud der Führer alle Anwesenden, Männer und Frauen ein, nach der Reihe ebenfalls auf die Bühne zu steigen und da, was sie an Geld, Ta­schenuhren, Ringen, Halsgeschmeibe rc. auf sich hatten, »ieverzulegen, was denn ohne Widerrede geschah. Zu­letzt ermahnte der Führer die Gesellschaft zur Ruhe und Resignation mit der drohenden Erklärung, daß die geringste Widersetzlichkeit von Seiten eines über mehrerer Einwohner mit dem Tode bestraft und die Stadt an vier Ecken angezündet werden würde. Die ganze Bande begab ssch alsdann mit ihrem Raube ans den Marktplatz, und zog mit einem Zug belade­ner , und aus den Ställen der Einwohner gezogenen Pferde und Esel in militärischer Ordnung ungehindert von dannen. Zwei Stunden darauf kam von Forli eine Schwadron österreichische Kavallerie und par st ihe Gensd'armcn. Sie fitzten den Räubern nach; bi - jetzt aber ist keine Nachricht erfolgt, da;! sie diese eingeholt hätten."

* Die Jesuiten sind eben die Jesuiten! Wie sie früher, wo die Fürsten sich nicht von ihnen be­herrschen lassen wollten, Fürst-nmord predigten, so predigen sie jetzt Völkermord. Doch wo sich einMon-