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Wiesbaden Samstag, 13 Februar

1851.

. . .. "8"ie Leitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. ^Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden l fl 45 kr. auswärts

durch die Post bezogen mit Verhältniß, naßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung» stets von wirksamem Er­folge Die Jnseratlonsgebuhren betragen für die einspaltige Petitzeile 3 kr. 9 '

Demokratie und Constitutionalismus.

DaS aber hast Du nach Gutes an Dir, daß Du die Werke der Nikalaiten hassest, die auch ich hasse." Offenb. Jah. Cap. 2. V. 6.

V Alle Blüthen, welche der kurze Freiheitsfrühling 1848 entfaltet, sind nun zerknickt, eisig weht der falte Hauch des Despotismus, kahl und schmucklos steht der entblätterte Stamm der Volksfreiheit da, wie eine Ruine früheren Lebens. Aber der Despotismus fürchtet das Wiedererwachen des Lebens, wenn neuer Frühlings­hauch die Erde umweht, deshalb berathen dieNiko­laiten", wie man am sichersten die Zukunft tödte, wie man das Leben zerstöre und die Sklaverei verewige. Sie haben bereits die Art an den Stamm gelegt, ihn zu fällen, damit er nimmermehr Blüthe der Freiheit trage, ihn zu fällen und dem Czar als Tribut zu schicken, damit dieser ihn zersägen lasse und Throne zimmere nach seinem Plane auf daß Europa auf ewig dem Reiche des Todes verfallen bleibe, der Geist ':s den öden Räumen entfliehe.

Jetzt zagen und jammern jene Constitutionellen, die es ehrlich meinten, und wollen immer noch nicht glau­ben, daß es wahr sei, was ihnen begegnet. Sie woll­ten die Freiheit nicht, weil man ihnen gesagt, ihr Glan; sei noch zu stark für die blöden Augen; sie wollten nur gelinde Knechtschaft. Aber die Reaktion, die Nikolaiten, sagen:Das vormärzliche Regiment hat euch mit Nu- Z'.'a "geschlagen, wir aber werden euch mit Skorpionen peitschen!"

Jetzt beben sie vor der härteren Knechtschaft, jetzt hassen sie die Werke der Nikolaiten, jetzt bereuen sie, daß sie halfen hereinziehen im Vertrauenswahn die verderbengkfüllte Reaktion. Doch zu spät! Und doch noch frühe genug zum Uinwcnbeii und um der Wahr­heit d>,s^Zerign,fi ^- ^^. x

Wie eine Kassandra sah der geöffnete Sinn der Demokratie dieses voraus und verkündete es laut; wie Kassandra wurde ihr nicht geglaubt. Im Vertrauens- sicber glaubte man, der Wahn spräche und die Schwarz­seherei aus dem Munde der Demokratie. Wie Sinon, weinten Betrüger das deutsche Volk in den Untergang, mit erheuchelten Freudenthränen über die errungene Freiheit. Doch als sie geöffnet den Bauch der Reak­tion, als das Verderben einherschritt, als der Feuer­brand gezündet; da rühmten sie sich der grausen That und höhnten die Einfalt, die ihnen geglaubt. Aus dem Fieberwahn erwachten die Getäuschten und starrten den Verrath an. Dieser aber wiegte mit glatten Worten immer wieder hohnlächelnd die Bethörten ein, versprach zu retten, was zu retten sei - um Stückweis in lang­samer Qual die Freiheit zu morden, die Schlingen enger um den Leib des Volkes zu schnüren - und nun rufen sie dem Gefesselten höhnend zu:Die Russen über dir!" Die Larve ist weggeworfen, mit eisernen

Füßen schreitet die Reaktion zermalmend ihrem Ziele zu im Siegesrausch.

Aber den Siegern auch ertönt jetzt das Propheten­wort der Demokratie, nicht um sie zu warnen, das wäre vergebens; nein nur um Zeugniß zu geben von der Wahrheit in ihr, damit die Gedrückten sich ver­trauend erheben, sich unter ihrer Fahne sammeln. Ver­gebens ist ihr Mahnruf für die Sieger; denn auch diese müssen ihr Geschick vollenden.

Die Constitutionellen fielen durch ihren Blödsinn, sie waren prinziplos, glichen den Schattengebilden der Magie, waren ohne Geist, deshalb unfähig der Ent­faltung. Ihre Führer, die nicht Verräther, waren übrig gebliebene Träumer aus jener Zeit, in welcher man wähnte, im Bunde mit Baschkiren könnte man die Freiheit erobern; die den Belzebub, den Obersten der Teufel, durch Teufelchen austreiben und mit Hülfe der Barbaren einen nationalen Damm, mit Kaiser­kronen bepflanzt, gegen die Kraft der Entfaltung von Westen errichten wollten.

Die Siebenschläfer der Gegenwart, die weder die Zeit noch ihre Forderung kannten, mußten untergchen aus Mangel an Kraft, an Konsequenz. Die Sie­ger aber werden, getrieben vom Prinzip, von der eiser­nen Nothwendigkeit, immer weiter auf ihrer Bahn schreiten, immer mehr Verderben häufen, sie werden den Stein des Sysiphus zum Gipfel wälzen: dann aber wird der furchtbare Block mit vermehrter Schwer­kraft rückwärts stürzen, und sie, die ihn aufwärts ge­wälzt, zermalmend, niederrollen in den Abgrund.

Sie fürchten ihr Verhängniß, aber sie können ihm nicht entrinnen; dennBöses muß durch Böses enden". Sie können nicht sagen:Bis hierher und nicht wei­ter!" sie können keinen Halt machen; denn der Block, den sie wälzen, droht stets rückwärts zu stürzen, sie müssen ihn fortwälzen und mit neuen Gräueln ver- grvßern.Auch der alte £>^1^.^^ Vergangenheit, er gibt weder Halt noch Sicherheit.

Für diese ist die Stimme der Kassandra nicht ver­nehmbar. Aber für Andere ist die Zeit gekommen, zu hören auf das Prophetenwort, zn glauben, daß ein Gott aus der Demokratie spricht. Jene ehrlichen Con­stitutionellen , die gutmüthig glaubten, das ungeheuere Roß der Versprechungen wäre ein Göttergeschenk, ohne Falschheit und Verrath, Ihnen ruft die Demokratie zu: Ich habe es euch vorausgesagt, daß es so kommen würde, so kommen müsse; jetzt, da es so gekommen, so glaubet endlich, daß der Geist der Wahrheit aus mir spricht! Die, denen ihr vertrauet, haben euch ver­lassen, find hinübergegangen in das Lager eurer Feinde, der Nikolaiten, wo man gewürfelt über euer eben, wo man das Loos über eure Kleider geworfen. Man hat euch für unfähig, frei zu sein, erklärt und euch zur Sklaverei verdammt. Die das gethan, die sind es, denen ihr geglaubt, als sic Lästerung und Verlaum- dung gegen mich ausstießen, als sie euch sagten: ich

wolle morden, Raub ausbreiten und eure Habe theilen ! Wessen sie mich beschuldigt, das hatten sie im Sinn, das haben sie gethan. Ich aber habe stets rein meine Hände bewahrt vom Unrecht und der Blutschuld. Da ihr hasset die Werke der Nikolaiten, die auch ich hasse, die auch Gott hasset: so verlasset die Wege, die zu diesen Werken führen! Wendel euch weg von denen, die euch verrathen, die ihr erwähltet, für euch zu streiten, und die erklärten, ihr seiet unreif und un­sinnig, die euch verleugnet um den Sündenlohn des Judas. Was thuet ihr unter den Knechten, da ihr nicht bezahlt seid?

Erkennt es endlich, daß wahr geredet, Jesus, der Erstgeborne der Demokratie, der sagt:Niemand samt zwei Herren dienen!" So wählet zwischen mir und jenen Nikolaiten, zwischen Freiheit und Knechtschaft, zwischen Tugend und Laster! Es gibt keinen sichern Hafen zwischen Gut und Bös, kein Brett zwischen Rechts und Links! Wer den Himmel nicht will, muß in die Hölle stürzen. Wer die Freiheit nicht ganz will, hat keinen Theil an ihr, ist der Sklaverei ver­fallen!"

Die Demokratie bebt nicht vor dem Siege der Ab­solutisten, sie sah ihn voraus, sie wußte, daß ihre Zeit noch nicht gekommen, aber daß sie nahet. Deshalb ruft sie den Aengstlichen und Verzagten zu:Harret aus, euer Erlöser naht!" Aber auch diese glauben nicht. Sie haben treu ausgeharret bei der Demokratie, als der Verrath umherging, sie haben geduldet um der Freiheit willen; ihr Herz ist treu, aber verzagt. Als sie sahen die Allmacht deS Despotismus und wie er höhnend die Völker zermalmt da verloren sie die Hoffnung. Doch die Freiheit wird nicht im Sturme dauernd errungen, sondern durch innere Kräf­tigung. Die Demokratie, das Himmelreich, gleicht einem Sauerteig, den eine Frau unter Mehl vermengt, DenDer Geisi unter das Volksgefühl mischt, der das Volk nicht gesiegt? Weil die Freiheit nicht m iom war, weil es ein Joch abschütteln wollte und nicht die Stricke sah, mit denen es befestigt.

Da hat das Priesterthmn einen Ring durch den Kopf des Volkes gemacht, an diesem Ring führt es das Volk umher, wie der Bärenleiter sein zottiges Thier. Da hat die Bureaukratie, der Egoismus, der Neid, die Eitelkeit Stricke ihm angelegt, daß es nicht entrinnen kann. Die Demokratie muß in den Geist dringen, muß ihm den Ning zersägen, die Stricke lösen, seine Kräfte wecken, daß sie in Gahrung gerathen: und wenn Alles durchsäuert ist dann ist Einheit, Brü­derlichkeit und Gleichheit da dann ist die Bewe­gung allgemein. Drum wirket, daß Alles durchsäuert wird, ihr Zaghasten, und Hebet eure Häupter empor und vertrauet daß euer Erlöser nahet!

Theater in Wiesbaden

Q Gestern Abend wurdeMaria Stuart" gegeben. Schon der Name eines classischen Stücks hatte ein volles Haus gemacht. Dies mag die Theater-Com­mission oder -Direktion (man weiß nie, mit wem man cs zu thun hat) sich merken, wenn sie denn immer aus angeblich finanziellen Gründen an Opern und Possen hängt. Wir hatten aus dem Theaterzettel ersehen, daß bei der gestrigen Vorstellung alle hervorragenden Mit­glieder unserer Bühne beschäftigt waren und konnten daher etwas Tüchtiges erwarten, müssen aber gestehen, daß auch unsere gesteigerten Erwariungen übertroffen wurden. Es schien fast, als wenn in Folge vorans- gegangener Verabredung alle Mitglieder gerade auf diese Vorstellung ihre ganzen Kräfte verwendet hätten. Alle Fehler, die man sonst wohl 511 rügen hat, waren auf das Sorgfältigste vermieden. Alle Personen zeigtenein Ver­ständniß ihrer Rollen, wie man es selten vereinigt findet. Dafür lohnte ihnen indessen auch der migetheilte Beifall des zahlreichen Publikums. Dasselbe stand so sehr unter dem großartigen Eindrücke einzelner Scenen, daß gerade durch diese Großartigkeit die gewöhnlichen Beifallsbezeich­nungen zurückgehalten wurden, das beste Ancrkcnntniß guter Darstellung. Fränl. Daun als Maria war un. übertreffliw; sie hat auf's Neue ihr eminentes Talent für das tragische Fach benrkundtt. Hr. Wcilenbcck

in der schwierigen Rolle des Burleigh, Frau Flindt als Elisabeth, Hr. Nerking als Leicester, Hr. Wilke als Mortimer, H. Meyer als Talbot ließen fast Nichts zu wünschen übrig. Frau Flindt hätte neben dem rothen Haar in ihrem Aeußern etwas mehr von dem Häß­lichen, Harten der Elisabeth haben können; Hr. Ner­king hätte in einer Scene (im letzten Aufzug) und Hr. Wilke in mehreren Scenen etwas weniger heftig sein dürfen. Eine Vorstellung, wie die gestrige, ist ein hoher Genuß für jeden Freund der dramatischen Kunst.

D e r s ch i e d e 1» e &

Aus Nassereith (im Oberinnthale) wird der Innsbrucker Zeitung" Folgendes gemeldet:Durch die langdauernden Militäreinquartirnngen hatten sich zärtliche Bekanntschaften mit ihren natürlichen Folgen auch in diesem Dorfe entsponnen. Der oberste Wäch­ter der Dorfsittlichkett, mit Recht erzürnt über die Fehltritte der Mädchen, hatte nun den genialen Ein­fall, auch die kleinen Sprossen ihrer militärischen Sym­pathien für alle Zukunft zu kennzeichnen und als Ba­starde zum abschreckenden Beispiele zu brandmarken. Solches geschieht auf folgende originelle Weise: Alle Knaben der Liebe müssen in der Heil. TaufeEusta­chius" und alle Mädchen der Liebe müssenBrigitta benamset werden, welche zwei Taufnamen sonst Nie­mand im Dorfe zu eigen sind. Wie der Herr straf­

richter gerade auf diese beiden Heiligen gerathen ist, wobei er ihnen offenbar kein Kompliment machte, ist uns ein Räthsel; er hätte wenigstens St. Augustin und Sankt« Magdalena wählen müssen. Uebrigens scheint die Sache, von deren Wahrheit ich mich persvulich überzeugt habe, nicht sowohl lächerlich, sie hat auch ih.e ernste und sehr bedauerliche Seite."

In Bonn hat sich in diesen Tagen der Fall wie­derholt, daß eine Mutter die eben gefüllte Kaffeekanne wegen Anklopfens an der Thür auf einen Stuhl stellte, ein kleines Kind während des Oeffnens den Topf er­griff und den Schnabel desselben zum Munde führte. Der glühend heiße Kaffee verbrannte des Kindes Schlund und Herz, so daß dasselbe Tags darauf unter schreck­lichen Schmerzen den Geist aufgab. Diene dieser neutral! doch allenMüttern zurWarnung!

c Sind die Acconchements Gotteshäuser, ist das Kindbett ein Sakrament? Man halte diese Fragen für keine Frivolität; man lese, was dieMagdb. Ztg.^ ans Dessau meldet:Am 4. Febr. wurden sämmtli­chen Hebammen des ersten Kreises von dem Kreis- physikus Dr. Fränkel eröffnet, daß er den Hebammen ° poste», nach Maßgabe der Hebammcnorbüung voü' 1801, als einen kirchlichen (!.') ansähe und Veit Uebertritt einer Hebamme zur Freien Gemeinde, soweit er vermöchte, nicht dulden würde.