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Z ^rcir Srifung.

âeLhert und Recht!"

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^§ 37. Wiesbaden. Donnerstag, 13. Februar L8Z1

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Briefe auS dem Gebirge.

I.

$ Was^ halten Sie denn von bcm Lehne'schen Anträge, von welchem uns seit einigen Tagen die Blätter soviel berichten? Mir ich muß es Ihnen gleich von vornherein gestehen gefällt dieser Antrag in Begleitung des höchst praktischen Ent­schlusses der Linken, zu bleiben, ganz und gar nicht, und ich halte mich überzeugt, auch Sie werden gewiß mit mir in dieser Sache derselben Meinung sein*).

Entweder ist der Antrag von Lehne eine Takt­losigkeit ohne Gleichen, oder ein Vordersatz, der mit strenger Nothwendigkeit den Mustritt aus der Kammer für die gesammte hessische Linke als Folgesatz bedingt.

Zuerst schlagen die Stimmführer der demokratischen Partei in Hessen vor, das Volk solle die nichtgeneh- migten Steuern gleichwohl gemüthlich entrichten-, und ferner, trotz der Rechtswivrigkeit der Wahlordonnanz vom 7. Oktober 1850, nach den drei verrufenen Clas­sen wählen.

Ich nahm dieses Abweichen von den Grundsätzen der preußischen Demokratie, welche unbedingt die Po­litik der Volkspartei in den Kegelbahnstaaten, die dem Wandrer am Fuße hängen bleiben, wenn er sie bei schmutzigem Wetter durchmißt, fortan maßgebend be- chmmen sollte, mit Erstaunen auf; allein ich dachte, die Leute in Hessen mögen wohl ganz besondre Grünke zu ihrem besondern hessischen Verfahren haben, die sich vielleicht ganz wohl hören lassen, und ich hielt mein Urtheil, als noch nicht an der Zeit, zurück.

Nun, das Volk wählte also mit Eifer durch alle Classen, und mit vieler Anstrengung gelang es, eine Minderheit von Demokraten in die 2te Kammer zu bringen. Dadurch, daß einmal die Demokratie wählte,

*) So vollständig, daß wir grabe deßhalb die ausführlichen Mittheilungen über diesen Antrag und die dadurch veranlassten Reden unterließen, weil wir die demokratischen Freunde in unserm ä!e,erfreift nicht für eine Auffäffnug gewonnen zu sehen wünschten, die nicht unsere ganze Nederzeugung h Ute, und uns Vornahmen, dieselbe zur Debatte zu bringen. Unser Freund hat die Dache aber jetzt so schlagend erledigt, daß wir nichts hinznznsetzeii haben, als die Hinweisung auf Frankreich, wo zwischen den Republikanern eine ähnliche Frage wegen der Wahlen nach dem G setze vom 31. Mai schwebt, doch die doktrinären Demokraten mehr und mehr Terrain verlieren. Die hessische Kammer-Demokratie hat sich auf durchaus doctrinären Boden gestellt; Nützlichkeitâ- g'unde, wie sie in der früheren badischen zweiten Kammer an der Tagesordnung waren, muffen dann freilich den Mangel an prin- ^pieiler Konsequenz ersetzen. Lehne unb Müller-M-IchiorS sind unschätzbare Kräfte für die Entwicklung in Hessen; aber ihre Welt- a ischauung mit Taktik find denen des Altliberalismus in den Gund- zugen noch so verwandt, sie haben sich ihrer Bergangenyeii wieder to' genähert, daß wir ihre letzten Trinmpfe durchaus für keine Fortschritte im Prinzip halten. Lehne war auch im Jahre 1843 noch durch und durch Konstitutioneller nach alter Konfession: in­dem wir seinem großen Freimuthe und glänzenden pallamentarischen Talente unsere Anerkennung zollen, muffen wir gestehen, daß wir -s für ein großes Unglück hielten, wenn der Doktrinarismus in der nächsten Entwicklung Wurzelin der demokratischen Partei fassen sollte. Die Red.

und 2) dadurch, daß die gewählten Demokraten die Wahl annahmen und förmlich in die Kammer eintra­ten, wurde formell und faktisch die Ordonnanz vom 27. Oktober ohne Zweifel anerkannt, und diese Thatsache des Anerkenntnisses bleibt bestehen, mag nun auch, was Metz in seiner Rede herporhebt, die Rechte, indem sie auf diese Thatsache hinweist, der Volkssouveränität wider Willen ein Zugeständniß machen, und mögen auch, worauf Metz ebenfalls Gewicht legt, einige Wahl- männer von Offenbach, nachdem sie gewählt, gegen die Wahlordenannz vom 7. Oktober protestiren.

Hierauf kommt in zweiter Reihe nach diesem An« erkenntniß der Wahlordonnanz vom 27. October der Antrag von Lehne, den ich, wiewohl Sie ihn schon einmal zur Kenntniß Ihrer Leser gebracht haben, hier­mit der Deutlichkeit wegen noch einmal vollständig mittheile:

Die zweite Kammer möge erklären, die Verordnung vom 7. Oktober 1850, indem sie die Rechte der Stände des GrâerzdgthumK Der in Folge dieser Verordnung zusammengetretenen außerordentlichen Ständeversammlung überweiset, verletzt die Grund­gesetze des Staats; diese sogenannte außerordentliche Ständeversammlung ist daher nicht befugt, die ihr verfassungsmäßig übertragenen Rechte der Stände auö- zuüben."

Wenn dieser Antrag Lehne's die Ueberzeugung der Linken war, so hätte sie gar nicht in die Kammer eintreten dürfen, außer bei sehr triftigen Grün­den, die eine Passivität verdammen muß­ten; waren aber diese bedeutungsvollen Gründe zum Eintritt oder Nichtauötrltt da, so hätte der Zuständig­keitsantrag von Lehne gar iiidjt gestellt werden dür­fen, welcher in diesem Falle, wie ich bereits bemerkte, durchaus als. eine Taktlosigkeit erscheint, und welcher die Linke aus rechtlichen, politischen und sittlichen Grün­den tief kompromittiren muß.

Erst stellt man die Rechtsbestandigkeil der Kammer nicht in Frage und erkennt ihre Competenz durch den Eintritt an; dann erkennt man durch den Antrag Lehne's diese Competenz nicht an, und schließlich bleibt man, und erkennt damit die Competenz wieder an.

Nachdem die hessischen Abgeordneten der Demo­kratie mit viel Aufwand von juristischem Scharfsinn, rhetorischer Begeisterung und sittlicher Entrüstung ge­zeigt, was ohnehin jedermann in Hessen wußte, näm­lich, daß die Ordonanz vom 27. Octobe.r 1850 eine Verfassungsverletzung im großartigsten Style sei, und daß die dermalige' Kammer keine größere politische Bedeutnilg haben könne, als jeder beliebige Gesang - oder Turnverein, erklären sie schließlich, in Diesem Verein ansharren zu wollen,um darin das Wohl des Landes nachZchesten Kräften zu vertre­ten."

Daß dies letztere eine Phrase sei, darüber beleh­ren uns die Reden der demokratischen Abgeordneten selbst in der naivsten Weise. So sagt Metz in seiner

Rede:Sehen denn die Herren (von Gotha) nicht ein, daß unserZkleines Hessen einen praktischen Ausschlag nicht geben kann, daß es aber von höchster Wichtigkeit ist, dem armen Volke noch Männer zu zeigen, welche trotz der Gefahren, die sich heute schon (heute erst!!) enthüllen, den Muth haben, festzuhalten an dem Ban­ner des Volks und nicht ohne Kampf die Rechte des Volks au^zugeben." Im Eingänge seiner Rede sagt derselbe Redner:Mich ich ergreife heute das Wort, nicht getragen von der sanguinschen Hoffnung, das Schicksal dieses Antrages irgendwie zu ^bestimmen."

Ohne alle Aussicht auf Erfolg nuttthren Anträgen ist also dieVertretung des Wohles deS Landes" im Munde der hessischen Linken eine Phrase. Wer heute praktisch" im Sinne der kurzsichtigen Politiker auf Seite der Demokratie, in einer Kammer etwas errei­chen will, thut wahrhaftig besser daran, sich auf vi) Rechte, als die Linke zu setzen, uns so den Regierun­gen in Freundschaft etwas abzunöthigen, was sie sich in Feindschaft, rebus sic stantibus (wie jetzt Die Dinge stehen) sicherlich niemals abtrotze» werden lassen. Nach­dem die hessische Linke einmal A gesagt, nämlich feier­lich die Inkompetenz der Versammlung proklamirt, mußte sie auch B sagen, und das Stänoehaus, indem sich eine einfache Volksversammlung nach ihrer Ansicht die höchste Gewalt anmaßt, verlassen. DerLucifer", Der so pomphaftdie zwei Tage über den Antrag Loh nes" mittheilt, wirft unter Änderm auch die Frage auf:Kann das Zurecht, womit ich zur Ge­walt komme, durch Gutes, was ich damit oe ginne, jemals zum R e ch t e werden?"

Auch Die demokratischen Mitglieder sind durch Unrecht" zur Gewalt gekommen, und leere Proteste sind hier sehr stumpfe Waffen. Selbst der Ausspruch der Wähler, Die Demokraten sollten auf ihren Plätzen bleiben, ist hier durchaus nicht entscheidend. Denn immer bleibt trotz dieses Ausspruches die Geburt der hestnchen Kammer mit einem Mäckel behaftet.

Diese Wahlmäniier sind so wenig Wahlmäuner als die Deputitten Drpucirte. Wenn späterhin einmal Die Beschlüsse dieser jetzigen Kammer für ungültig er­klärt werden sollten, und dann vielleicht durch die Schuld dieser Kammer,tausende von Familien in das größte Elend gerathen", so ist die demokratische Linke auch Schuld an diesem Elend, weil sie durch ihr Bleiben die Kaminerbeschlüsse anerkannt, und hveil das durch dieß Bleiben ausgesprochene Anerkenntniß viel schwerer wiegt, als der in dem Lehne'schen An­trag ausgesprochene Protest.

Offenbar hat die Linke, als sie sich für Bleiben entschied, nicht bedacht, daß die folgenden Worte, welche der mehrgenannte Metz den ConstitutioneUen zurief, jetzt auch auf ihn selbst angewendet werden können:

Bedenken Sie, daß das Festhalten am Recht, das Festhalten am Grundsatz unter allen Umständen mehr Gewicht hat und mehr Vortheil bringt, als das Stre­ben nach Nützlichkeitötücksschten.^, Bedenken Sie auch,

" Eine Abendunterhaltnng.

§ Es ist ein schönes Ziel, das der seit einer Reihe von Jahren dahier bestehende Gesangverein sich zu er­reichen vorgesteckt hat: die Musik um ihrer selbst willen zu pflegen und zu üben und durch zeitweilige II Aufführungen gediegener Kompositionen den musi- " kalischen Sinn im Publikum zu beleben und den mu­sikalischen Geschmack zu läutern. Dieses Ziel auch nur annähernd zu erreichen ist jedoch bei uns so leicht nicht _ als an andern Orten; es liegt das an allerlei Ver­hältnissen, deren Besprechung uns für diesmal zu weit abführen wurde; unter allen Umständen verdienen je- . doch Die Aufführungen des Vereins, die unter dem an»

' spruchlosen Namen von Abendunterhaltungen Dann und wann statt finden, die freundlichste Aufnahme von Sei­ten des kunstsinnigen Publikums. Vorgestern Abend hat die zweite derselben, seit Anfang des Winters, im Al- leesaal dahier statt gefunden. Hatte die erste mehr

v feierliche Gesänge im Oratorienstyl dargeboten, so ent­hielt das Programm diesmal eine schöne Abwechslung meist einfacherer Lieder, theils im Einzelgesang, theils in Chören. Bei solchen Gelegenheiten, wo die Zu-

11 Hörerschaft nur aus Verwandten und Freunden der Vereinsmitglieder besteht und die einzelnen Vorträge von Mitgliedern oder sonstigen Kunstfreunden, sie mö­gen nun mehr oder minder gelungen sein, von den Zuhörern mit gleichem Danke ausgenommen zu werden

verdienen, wäre es wenig schicklich, in eine öyen(liche Beurtheilung dieser Leistungen einzutrcte». Doch wird eine Erwähnung derselben und eine leise Andeutung der wünschenswerthesten Gesichtspunkte bei weiter fort­gesetzten Aufführungen wohl nicht unfreundlich aufge- nommen werden.

Vor allem verdient das Bestreben der Direction, nur gediegene Schöpfungen der modernen Kunst zur Darstellung zu bringen, Die lauteste Anerkennung. Es ist dieser Grundsatz um so ehrenwerther, wenn mau weiß, wie vielerlei Versuchungen theils innerhalb des Vereins theils von Außen her dem Dirigenten nahe treten, die aus diesen und jenen Rücksichten hin und wieder einmal ein Aufgeben dieses Gruubfatzes in sei­ner vollen Strenge empfehlen könnten. Wir möchten unter allen Umständen ein entschiedenes Festhalten an dem einmal erfaßten und von künstlerischem Stand­punkt aus allein gerechtfertigten Grundsatz empfehlen; der Verein wird sich selbst dadurch seinen bestimmten Wirkungskreis sichern und damit dem guten Geschmack auch in weiteren Kreisen Bahn brechen.

Diesem Grundsatz hat denn auch die zu der letzten Abend-Unterhaltung getroffene Auswahl von Liedern und Musikstücken im Ganzen entsprochen; wir hörten Lieder von Mendelssohn-Bartholdy und von Hauvt- tnanu, sowie zwei Jnstrumentalstücke von L. von Beet­hoven. Daß dazwischendeutsche Lieder" von der Komposition eines Dilettanten, selbst noch so gut vor­

getragen, eines tieferen Eindrucks entbehren mußten, ist klar. Die Chöre waren im Ganzen fest und klar vorgetragen; bei den verhältnißmäßig geringen techni­schen Schwierigkeiten, welche solche Mendelssohn'sche kleinere Lieder meist darbieten, darf man jedoch erwar­ten, daß Die Mitglieder immer mehr Fleiß auf die Feinheiten deS Vortrags verwenden und insbesondere dahin wirken werden, die Unebenheiten der einzelnen Stimmen gegen einander mehr inS Gleichgewicht zu setzen und dasjenige zu erreichen, was man in der Kunstaus einem Gusse" zu nennen pflegt. Zwei LiederRuhethal" von M. Bartholdy undMailied" von Hauptmann wurden im Quartett oorgelragen. Es mag wohl die Ungewohnheit eines solchen öffent­lichen Vortrags hauptsächlich daran Schuld sein, daß ein merkliches Beben der Stimmen an einzeliion Stel­len wahrgeiiommen wurde, und zwar nicht bloß beim Sop an, wo solche kleine Schwächen immer noch einen liebenswürdigen Anstrich behalten, sondern auch bei anderen Stimmen. Ein Lied von Kellner,der Blinde", vorgetragen von Herrn Haas, erntete den verdienten Beifall.

Ein Solo für Klarinette,Adelaide" von Beethc'- ve», von Herrn Concertmeister Schmidt mit gewohn­ter Meisterschaft vorgetragen, konnte nur darum die allseitige Befriedigung nicht erwecken, da die mangel­hafte Beschaffenheit des begleitenden Claviers gerate hie glockenreinsten Stellen zu schreienden Dissonanzen