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Fme Zeitung.

âeihert und Recht!"

JVs. 3 > Wiesbaden. Dienstag, 11. Februar 1831.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fL 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

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Die Schweiz und so weiter.

X Die Prophezeihungen des im russischen Einflüsse und Vertrauen stehenden französischen Historikers und Publizisten Gapefigue gehen eine »ach der andern in Erfüllung. Kein Wunder, denn die Contrerevolution geht systematisch zu Werke und befolgt einen längst entworfenen Operationsplan. Auch der Handstreich, der jetzt gegen die Schweizund so weiter" vorbereitet wird/gehört unter die Vorhersagungen Capesigues in der französischenAssemblee nationale". Indeß wer sich der Pläne Metternichs und der späteren Enthül­lungen aus den Zeiten des Sonderbundskrieges noch erinnert, den wird diese Prophezeiung am Wenigsten überrascht haben. Durch die Vorgänge der letzten drei Jahre ist der ursprüngliche Plan zur Theilung der Schweiz jedoch etwas verschoben worden. Louis Philippe und Guizot sind nicht mehr am Ruder, Frankreich ist Republik geworden es kann so nicht mit zur Beute gehen, es wird mit Beute werden müssen, wenn es sich bis dahin nicht monarchisch macht. Die ganze französische Krisis dreht sich um diesen Punkt, ob es so oder anders gelingt, die Legi­timität wieder herzusteUeu und dann die Armee zu bewegen, mit der contrerevolutionären wie früher gegen Rom, so jetzt gegen die Schweiz zunächst zu marschiren. Man spekulirt auf die alte Länvergier der französischen Nation und meint, sie werde um das Linsengericht der französischen Schweiz und Savoyens das Erstgebnrtsrecht der Volkssouveränetät verkaufen. Daß man sich in Frankreich verrechnen wird, wie man in letzter Zeit sich schon ein halb dutzendmal verrechnet hat, davon sind wir fast überzeugt. Dann was Louis Philippe zu wagen Bedenken trug, dazu wird Louis Bonaparte ohne Wahnwitz nicht die Hände bieten können. Doch freilich, wer hätte geglaubt, daß die Regimenter der französischen Republik die Hen­ker an der römischen Republik machen würden? Und doch ist das Ungeheure geschehen! Und wenn es darüber zu Unruhen in Frankreich käme, desto besser für die Reaktion, die ja nur auf dergleichen wartet, um den Legitimisten eS zu vergelten, daß sie auf Be. schluß des Kongresses nach Verona nach Spanien zo­gen und dortOrdnung" stifteten. Die Contrerevolu- tion hofft mit Frankreich eben so leicht fertig zu wer­den, wie dieses damals mit Spanien. Wie dem aber auch, so viel steht fest, daß in Paris neuerdings intime diplomatische Konferenzen im Gange sind, welche ein Uebereinkommen verschiedener Mächte zu gemeinschaft­lichen Maßnahmen gegen die Schweiz zum Zweck ha­ben. So erfahren wir aus sicherer Quelle aus Paris und diese Nachricht stimmt vollkommen mit den An­deutungen überein, die plötzlich aus Berlin und Wien auftauchen.

Zunächst erfahren wir durch die trefflich unterrich­teten Korrespondenten des Schwb. Mrk." aus Wien,

Nachtgedanken eines deutschen Tabaeks- raucherS bei der Kunde vomTabaeks- monopol *)

Komm her, geliebte Trösterin in traurigen Stun­den, theure Tabackspfeife! sei mir gegrüßt und gestopft mit lieblichem Varinaoknaster, den des Eng­länders Schiff von den Küsten des freien Amerika originaliter herüberbrachte nach Hamburg, den ich zer­schneide, wie ihn des schwarzen Sklaven Hand zu- sammendrehte, in eine köstliche schwere Rolle, sende du Theure dein blaues Gewölk in die dämmernden Lüfte und bringe in diesen schwülstigen Anfang n la Young ein wenig Klarheit und Lesbarkeit, damit mein Freund, der deutsche Leser, nicht sofort meinen Artikel aufflammen läßt in verächtlichem Fidibus!

I., Sie brennt, sie ist beseelt sie hat Luft! Gestern noch fuhr ich ihr mit einem langen Drahte, daran geschmeidige Borsten waren, durch ihr respektables In­nere und zog heraus des Ranchers ewigen Haß: den sogenannten ' P o lacken, d. h. ein Pröpflein die Röhre verstopfenden Tabacks, das man wiederum in Polen: einenDeutschen" nennt: so gegenseitig ist die Ver­achtung. O könnte man doch mit einem solchen Bor­stendraht und Pfeifenräumer auch durch die Verfas-

*) scht enhiftjiueii Vifbn Artikel von (Sriijl Kossak bau FeuilletonEonlUtnt. chünug."

daß Schwarzenberg in jüngster Zeit schnell aufeinan­der mehre Noten nbch Dresden geschickt habe, worin er auf rasche Schließung der Verhandlun­gen dringe, da man vor Allem einen politischen Mittelpunkt für Deutschland schaffen müsse. DerSchwäb. Merk." mott Vitt dies Dringen auf Beschleunigung durch die Unsicherheit der Zukunft tu Frankreich, indeß, man braucht nur einen Blick in die neuesten Wiener Blätter zu werfen, um zu erfahren, daß es allerdings auch auf Frankreich gemünzt ist, zunächst jedoch auf die Schwei; und Sardinien. Die ministerielleOestr. Cor." zum Beispiel polemisirt so heftig gegen die Aus­übung des Asylrechts in der Schweiz und Sardinien, daß man kein Oekipus zu sein braucht, um zu erra­then, wie viel Uhr es ist. Die 500 politische Flücht­linge, die etwa noch in der Schweiz sind, und unter denen sich keine zehn mehr von Namen befinden, ge­fährden die Ruhe Europas, das 500,000 Mann schlag­fertig hat!! Es ist kolossal, wenn man das hört, doch das Publikum hat es schon so oft gehört, daß ihm darüber nichts mehr ein fällt Noch deutlicher reden die Berliner.Wir vernehmen," berichtet dieLith. Corresp.",daß man in maßgebenden Kreisen die Ab­sicht hat, in der Neuenburger Angelegenheit zu einer definitiven Regelung zu gelangen. Man wird diese Angelegenheit keineswegs auf sich beruhen lassen, und es darf von den Großmächten des Kontinents erwartet werden, daß ffie zur Ordnung dieser Angelegenheit die Hand bieten werden. Es wird nothwendig erachtet, bei dieser Gelegenheit auch auf die Flüchtlings- frage der Schweiz gegenüber zurückzukommen. Zum Verständniß diene übrigens, daß man eine militärische Action zunächst nicht intendirt. Man erwartet', v. eine Entscheidung seitens der Großmächte genügen werde, die Verhältnisse auf ihre rechtliche Basis zurück­zuführen."

Die Friedfertigkeit der Contrerevolution ist ja weltbekannt, wenn nämlich Alles geht, wie sie be­fiehlt! Leicht möglich jedoch, daß Preußen nichts weiter bezweckt, als Neuenburg; doch Oesterreich ist nicht so bescheiden, darf es auch nicht sein, denn von dem Augenblicke an, wo die Reaktion still steht, tritt die Aktion wieder ein das ist ein bekanntes Natur­gesetz, das die k. k. Staatsmänner sehr wohl kennen. Ein Berliner Korrespondent derKöln. Ztg." fühlt dies ungleich mehr als dieLith. Corresp.", wenn er ahnungsvoll schreibt:An die Abreise des Herrn von Sydow nach Süddeutschland, zunächst nach Baden-Ba­den, knüpft sich der Anfang einer Reihe neuer Ent­wickelungen, deren Ende sich nicht leicht auch nur an­nähernd voraussagen läßt. Preußen und Oesterreich sind dahin übereingekommen, an der Schweizer- grenze ein Observatihuscorps aufzustellen, durch wel­ches vor der Hand öem Wieberaufnehmen der Neuen­burger Angelegenheit Nachdruck gegeben werden soll." Die Truppenbewegungen in der Rheinprovinz, das Wiedervorschieben von 2000 Mann Preußen nach Ba-

sungsfeinde und Ausländer fahren und Fie reaktionä­ren Propfen und Polacken aus ihrem enggebohrten Innern ziehen: du, meine geliebte Pfeife, wärst nicht in Gefahr, gestopft zu werden mit inländischen Kräu­tern und pestilcnzialischem Wegerich und Lattich.

In den Zeitungen habe ich gelesen und das lange Gesicht meines Tabackshändlers straft sie nicht Lügen, daß Jie Rede ist von einer Knechtung in Deutsch­land !

Ich glaube bei Gott, daß sich daS lange Gesicht von Tabackshändler einbildet, die Deutschen werden ihr Nationalitätsgefühl geschmeichelt und erhoben fühlen, wenn ihre Einheit dadurch hergestellt wird, daß alle Stämme den einheimischen Stänkertaback rauchen müs­sen? O mein Tabackshändler, wie wenig kennst du den kosmopolitischrn Deutschen!

Kleine Austern aus England, Schinken aus Ba- joune, Caviar aus Astrachan, Braune Mouton aus Bordeaur, eine Cigarre aus der Hananna wann der Deutsche sich daran erfreut hat, dann sprecht ihm gemüthlich bei einer Tasse Mokka aus Java, von der deutschen Einheit stopft ihm aber die Pfeife mit Vierradener und er wird euch wie Hiob ins Gesicht segnen!

O ihr wißt nicht, was ihr thut, ihr Männer der Dresdener Conferenzen; ihr werdet den Deutschen in Verzweiflung bringen. Ja, es giebt Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln, traurig ist es, aber

den, die Marschbereitschaftsordres in Kurhessen, die Verstärkung der k. k. Armee in Italien wieder auf 150,000 Mann , diese und ähnliche Zeichen der Zeit reden deutlich genug, worauf es abgesehen ist.

Und sollen wir uns darüber wundern? Wenn die De­mokratie den Feldzugsplan für den Absolutismus ent­worfen hätte so und nickn anders würde sic ihren Fein­den gerathen Habens Denn ebe der alte Liberalismus und Constitutionalismus! der Protestantismus und In- differentismus nicht von dem Absolutismus und I. suitis- mus zu Grabe getragen ober radical zu werd» ge­zwungen sind, kurz ehe nicht ganz Europa von der Contrerevolution durchfurcht ist, kann die Saat der Neuzeit nicht in ihrer ganzen Fülle sich entfalten. Das ist kein Pessimismus, es ist ein ganz einfacher Erfabrung'-- satz. Wäre die Revolution 1848 Siegerin geblieben, so hätte sie erst die Zeit der Süncfiutb durchmachen und allen Fluch und alles Verderbem auf sich laden müssen. Die Contrerevolution war so gütig oder so unglücklich, ihrer Gegnerin diese Rolle abzunehmen, die nur Ver­blendete oder Thoren für einen Triumpf halten können. Wenn die Contrerevolution ihre Mission vollbracht hat, wird sich die uralte Wahrheit von Neuem bewahren, welche schon von dem Dichter des Buches Hiob ge­predigt wird.

'Asfiso«werha»dlltnqen zu Dillenburg.

4F4F Dillenburg, 8. Februar. Am Montag den 3. Februar wurde die Anklage gegen den Förster Georg Becker von Holzheim wegen Tödtung des Daniel Schein Mnit yh-Lmkv-b «rrfinithpO H«^ Fall 5Heb' nett sich vor andern aus, und hatte denn auch eine so große, alleMaume füllende Anzahl von Zuhörern herbei gezogen, wie sie früher nur bei der Anklage gegen Lehrer Schaaf zugegen gewesen war.

' Am Abend des 2t. October v. I. ging Daniel Scheid von Birlenbach, ein armer, aber redlicher Bergmann, uod),tn seinen besten Jahren, Vater von 5 Kindern, nach dem Walde zu, um Holz zu holen. Er war kein Frevler von Gewerbe, seine Ehefrau suchte ihn daher zurückzuhalten; doch er bemerkte, daß bei ihrer im Winter bevorstehenden Niederkunft Holz da sein müsse, und er banu vielleicht bis an den Leib in den Schnee gehen müsse. Unterwegs begegnete er eine n andern Bergmann, »velchein er auf dessen Befragen er­klärte, daß er das unter den Kleidern besindlichc Beck einmal in den Wald tragen wolle. Ec ging in den Holzheimer Gemeindewald, Bezirk Zankholz.

Um dieselbe Zeit kam der Förster Georg Be­cker von Holzheim, gebürtig von Lindenholzhansen, Förster seit 1848, ebenfalls ein sonst unbescholtener Mann und Vater von 5 Kindern, in den nämlichen Wald, »velchcr einen Grenzbezirk bildet. Es war ih»it dort seit längerer Zeit von unbekannten, dem Vermu­then nach fremden Frevlern vielfacher Schaden gesche-

wahr! jedoch glaubt mir, sie sind nicht gefährlich, so lange ihr ihnen die Pfeife und den guten Taback laßt; einmal dieses Palladiums beraubt, wird jeder Schlaf­rock zum Harnisch, jeder Pantoffel zum Sporustiefel, jede Pfeife zu einer Zündnadelflinte. Rührt den Ta­back nicht an, wenn euch die monarchischen Empfin­dungen Deutschlands lieb sind. Hätte Shakespeare den Taback gekannt, ich bin überzeugt, er würre den Cäsar bei seiner Beschreibung des gefährlichen hage­ren Cassius haben hinzusetzen lassen:Cassius raucht nicht Brutus, laßt Männer um mut) sein mit langen Pfeifen, dieser Cassins flieht den Taback - Brutus, schafft Männer mit gestickten Tabacksbeuteln, die nicht Böses sinnen!"

Warum blüht die Despotie im Orient? Weil Cie Menschheit aus langen Wasserpfeifen mit dicken Bern­steinspitzen Taback raucht, weil der Mensch mit solch einer Pfeife ruhig sitzen bleiben und Regierung und Schicksal still über sich ergeben lassen muß.

Warum hat man in China kein Parlament und keine freie Presse, wie in Wien und Berlin ? Weil der Chinese eifriger Opiumraucher ist und das Aroma des Mohttsafles sein Hirn umnebelt.

Berührt also nicht die Heiligkeit eurer mächtigste»» konservativen Verbündeten in Deutschland. Nicht jöm-r große Czar am scythischen Gestade der Newa schützt euch so mächtig, als der blaue Dampf, der an jedem Morgen aus Millionen Pfeifen und Cigarren von