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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge — Die Jnserationsgebuhreu betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.
Die englische Parlamentsseason.
X „Wenn „Times" und Cobden derselben Meinung sind, so kann man sich ziemlich darauf verlassen, daß beide Recht haben", äußerte neulich ein englischer Politiker. Dieser Fall trifft in Betreff der jetzigen Season ein. Cobden klagte unlängst in einer Rede zu Stockport, die päpstliche Frage werde leider wenig Raum zu anderer Thätigkeit in der Gesetzgebung gestatten, und doch habe man garade in diesem Jahre überhaupt weniger Zeit, als sonst, da nach Eröffnung der Industrieausstellung alle Sammlung zu ernsten Erwägungen politischer Art dahin sei. Dem stimmen die „Times" vollkommen bei, indem sie meinen, bei der Opposition, auf welche die Negierungsvorschläge über die „papal aggression“ von allen Seiten stoßen würden , werde diese Frage bis Ostern im Vordergründe stehen. Zunächst in der Rangstufe folge das Budget, nebst der unvermeidlichen Diecussiou über die Einkommensteuer. Die Budget-Vorlage erwarten die „Times" in der nächsten Woche. Einige Tage nach den Osterferien wird die Ausstellung eröffnet werden und von jenem Augenblick an werden die beiden Häuser der Gesetzgebung sich voraussichtlich darauf reduziren, nicht viel mehr, als Gegenstände der Neugier für die Gäste aus der Provinz und aus der Fremde zu sein. Von der ministeriellen Vorlage in Betreff der katholischen Hierarchie äußern die „Times", dieselbe werde von einem Kreuzfeuer bedroht, weil dies Blatt den Katholiken u. Ultra- Liberalen zu weit, den Ultra. Protestanten nicht weit genug gehe. Doch scheint sie an einem parlamentari- schen Siege des Ministeriums nicht zu zweifeln. Die „Times" vermuthen, daß in diesem Jahre die Aufhebung keiner einzigen Steuer, mit Ausnahme der Fenster- steuer, erfolgen werde. Eben jo wenig ermuthigend sind ihre Erwartungen in Betreff einer zweckmäßigeren Veranlagung der Einkommensteuer. „Wir fürchten", meinen sie, „daß wir das Land nicht beglückwünschen können wegen irgend einer Modisication der Einkommensteuer, welche'bestimmt zu sein scheint, ein unumgäng- liches Denkmal ihres'berühmten Urhebers zu bleiben."
Schon in der Debatte über die AntwortSadresse, die nach der Thronrede begann, bestätigt sich obige Prophezeihnng. Lord Stanley kam von der dänischen Angelegenheit^ der Sklavenfrage und dem Elend der ärmeren Klassen sofort auf den „anmaßenden" päpstlichen Angriff gegen die Suprematie der englischen Kirche: die Frage sei ungleich mehr eine politische als religiöse und wenn die Regierung sich fruchtlos und kräftig zeige, so könne sie sich hierin auf die Un* terstützung auch ihrer politischen Gegner und der ganzen Bevölkerung verlassen. Der Herzog von Richmont warf die Schuld auf die Katholikenemanzipation, der er sich, um solche päpstliche Angriffe vorzuöeugen, bis zum letzten Augenblicke widersetzt habe. Lord Camoys (Katholik) erklärt sich entschieden gegen jede Ausübung,
irgend welcher nicht geistlichen Gewalt von Seiten des Papstes in England, so wie gegen jeden ungebührlichen Gebrauch, den er von seiner geistlichen Gewalt dem englischen Volke gegenüber etwa machen möge. Nachdem der Marquis v. Lansdowne das Irrige der Ansicht, als habe der Papst in dem bekannten apostolischen Briefe nur seinen geistlichen Einfluß auf die Mitglieder des katholischen Glaubens zur Geltung bringen wollen, nachzuweisen versucht hatte, sprach er die zuversichtliche Hoffnung aus, daß das Haus den Gegenstand reiflich erwägen werde. Lord Roden tadelte, daß die Thronrede in so schwachen Ausdrücken den Entschluß, die Staatskirche zu vertheidigen, ausdrücke. Die Adresse ward hierauf einstimmig angenommen. So im Oberhause. Jur Unterhause ist gleichfalls Alles päpstliche Frage. Roebuck, der zuerst spricht, greift das Ministerium scharf an, weil es die Grundsätze der Religionsfreiheit verläugne, was um so ausfallender sei, da es für ein freisinniges Ministerium gelten wolle. In ganz entgegengesetztem Sinne spricht sodann Sir Robert Inglis. John O'Connell vertheidigt das Verfahren des Papstes, Anstey (Katholik) hin- gegen nennt dasselbe geradezu eine „Aggression", welcher das Gesetz entgegen treten müsse. Der Earl von Arundel (Sohn des Herzogs von Norfolk) erklärt seinen Entschluß, sich jeder Verfolgungs-Maßregel, sowie jeder Beeinträchtigung der verfassungsmäßigen Rechte der Katholiken widersetzen zu wollen. Lord I. Russell setzt seine Ansichten über die Einführung der katholischen Hierarchie auseinander und sagt unter Anderem, er schreibe dem römischen Hof keine England feindselige Stimmung zu, habe jedoch Grund zu glauben, daß es am römischen Hofe eine Partei gebe, welche England hasse, und daß diese Partei gegenwärtig das llebergewicht habe, daraus lasse sich Vieles erklären. Disraeli bringt die Haltung der Regierung in Bezug auf diese Angelegenheit mit dem gegenwärtigen Stande der politischen Beziehungen Englands zum römischen Hofe in Verbindung. Der Antrag ward hierauf angenommen.
Neben dieser altenglischen Angelegenheit tritt die Parlaments re form immer entschiedener aus. In der „London Tavern" hielt Hume am 2. Febr. einen feurigen Vortrag. Mit dieser Zusammenkunft nämlich hat eine Reihe monatlicher „Soireen" begonnen, welche unter den Anspielen der der „National Reform Association" Statt finden sollen. Die Verhandlungen wurden durch ein, „Volkshymne" ( „People’s Anthem“, im Gegensatz zu dem loyalen „God save the Queen“, welches unter dem Namen „National Anthem" bekannt ist), betiteltes Lied eingeleitet. Ehe Hume sprach, nahm Sir Walmsley das Wort, und machte darauf aufmerk sam, daß die Gleichgültigkeit des Volkes hinsichtlich seiner Rechte und der Reform-Bestrebungen, eine Gleichgültigkeit, auf die sich der Premierminister bei seiner Opposition gegen die Reform stütze, den Führern zur Last falle. Darum müsse das Volk über seine Rechte belehrt
werden. Hume fiprach sich in seiner gewöhnlichen, gerade auf das Ziel losgehenden Weise aus, und suchte unter Anderm aus Blackstone zu beweisen, daß Besteuerung und Vertretung Hand in Hand gehe» müssen.
D e u t f ch l a n d.
i AuS dem Kreise Kimburg. (Die Kreis- bezirksraths-Wahl.) Da wir nunmehr in der Lage sind, einen vollständigen Bericht über die Wahlen des Bezirksraths des ganzen Kreises geben zu können, so wollen wir dabei nicht unterlassen, auch einige Betrachtungen über das Getriebe gewisser Herren zu Diez anzuknüpfen.
Das Justizamt L i in b u r g hatte 155 Wahl männer; der frühere Bezirksrath I. Burkhardt von Limburg wurde zuerst und zwar im ersten Sfrutinium mit 83 Stimmen gewählt; bei dem zweiten mußte zweimal gewählt werden und es erhielt P. Stilger von Niederbrechen, ein treues Mitglied, die Majorität mit 82 Stimmen, und als dritter wurde der frühere Bezirksrath Knapp von Dauborn im ersten Skrutinium mit 95 Stimmen gewählt.
Das Justizamt Diez hatte 161 Wahlmänner; zuerst wurde der frühere Bezirksrath C. Lorenz von Diez mit 99 Stimmen, dann der frühere Bezirksrath C. Mohr von Nitderneiße» mit 107 Stimmen und zuletzt Fr. Meier von Geilnau, ein neues Mitglied, mit 137 Stimmen gewählt; jeder dieser drei ging im einmaligen Skrutinium aus der Urne hervor.
Das Justiz-Amt Runkel hatte 139 Wahlman- ner; hier war der Wahlkampf am Heftigsten; beim ersten mußte zweimal abgestimmt werden und es erhielt der frühere Bezirksrath Ebel von Münster die Majorität mit 72 Stimmen; beim zweiten mußte dreimal abgestimmt werden und es erhielt die Majorität intF73 Stimmen der frühere ^^rjrrtorat^ —Gppst»«» von Villmar; nur der dritte, Kuhn von Schuppach, ein neues Mitglied, ging im ersten Skrutinium mit 69 Stimmen durch, nachdem nur noch 130 Wahlmänner anwesend waren. — Der Bezirksrath besteht demnach ans 6 Personen der früheren Periode und aus drei neuen; aus jedem der drer Aemter ist ein neues Mitglied zugetreten.
Diez hat somit am einstimmigsten gewählt, obgleich Ihre Berichterstatter sonderbarerweise unterstellten, als wenn die größte Uneinigkeit in Diez geherrscht habe.
Ihr Diezer Z^ Correspondeut in Nr. 17 dieser Zeitung vom 19. Januar bemerkte unter Anderem: „Zwei von den DeinWraten aufgestellte Gan bi baten: C. Mahr und Fr. Meier, gingen mit g r o ß e r S t i in in e n Mehrheit d u r ch " Der besagte Herr Correspondeut versteht wohl unter „Demokraten" nur den Diezer Verein „zur Wahrung der Volksrechte"? — Wenn dem aber so
Zur Länder- und Völkerkunde.
Die größten Bäume in der Welt besitzt Australien. In Vandiemenslanb (Tasmania) fand man kürzlich Bäume, eine Eukalyptenart, die gegen 300 Fuß, wenn nicht darüber, hoch sind. Der Inspektor der Gärten der Königin Viktoria, W. Hooker, giebt darüber aus dem Briefe eines Freundes in Hobart Town folgende interessante Notizen: „Ich komme so eben von dem Besuche zweier Baume zurück, die wohl die größten sind, die man bisher gemessen hat. Beide befinden sich jenseits des Wellingtonsberges am Ufer eines Baches, der in den Nordwestbaifluß fällt, und sind von der Art, die man hier swamp -gums (Sumpfgummi- Bäume) nennt. Ihren botanischen Namen kenne ich nicht, doch verdienen sie jedenfalls bei Weitem eher das Prädikat „riesig" (gigantea), als die so bezeichnete Eukalyptus-Art, deren Rinde der Kolonie die Gerbelohe liefert. Der eine der Bäume ist umgestürzt und ließ sich daher genau messen. Wir fanden den Stamm von der Wurzel bis zum ersten Ast, 220 F. (etwa 213 rheinl. Fuß) lang. Die Krone war abgebrochen und schon in Fäulniß; bis jnm Ende des Stammes maßen wir aber noch 04 Fuß und der vollständige Baum muß über 300 F. hoch gewesen sein. An der Wurzel maß der Stamm 30 F. im Durchmesser, in der Höhe des ersten Astes noch 12 Fuß. Dieser Theil allein wurde mehr Ban-
holz gegeben haben, als die größte Eiche mit allen ihren Aesten. Sein Totalgewicht ließ sich auf ungefähr 440 Tons (circa 8000 Ctr. oder 446,800 Kilogr.) schätzen. Der noch stehende, vollkommen gesunde Baum, der sich wie ein ungeheurer Thurm aus den Sassafras (Doryphora Sassafras) erhob, maß, 3 Fust vom Boden, 102 und ganz unten 130 Fuß im Umfange. Seine Höhe konnte ich wegen der Dichtichkeit des Waldes nicht annähernd schätzen, sie muß aber äußer- ordentlich sein. Einige hundert Fuß weiter maß ich einen dritten Baum, der 3 Fuß von der Erde 60 Fuß im Umfange hatte und in einer Höhe von 130 Fuß noch etwa 40 Fuß im Umfange haben mußte. Ich bin überzeugt, daß auf einem Flächenraum von einer (englischen) Quadratmeile sich hier wenigstens hundert solcher Bäume mit Stämmen von mindestens 40 Fuß im Umfange finden." — Die Eukalypten , von denen einige Arten in unsern botanischen Gärten namentlich durch die Verschiedenheit ihrer Blätter — die einen horizontal und breit, die andern vertikal und säbelförmig — die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, stehen den Myrthen und den Metrosideros nahe, welche letztere das harte und schwere, im Wasser untersinkende, Eisenholz liefern. Ihre Rinde hat einen myrtenähn- heben Geruch, der sich auch dem mit ihr zubereiteten Leder mittheilt. Auch in englischen Gerbereien wird der Gr traft dieser Rinde angewandt, weil der Gerbe- ftoff in den Eukalypten kräftiger als in bei Eiche ist.
(Auswandetung der Marmonen Englands nach Groß Salz-See.) Auch in England, besonders im 'südlichsten Theil von Aorkshire, hat der Mormonitenglaube festen Fuß gefaßt. Die englischen Marmonen aber scheinen im eigenen Mutterlande nicht mehr recht heimisch zu sein und bereiten sich zu der langen Reise zu ihren Glanbensbrüdern im fernen Westen Amerikas am Great Salt Lake vor. Ain Neujahrstage 1851 machten sich 15 Familien ans Sheffield in Aorkshire auf den Weg nach dem Thal von Groß Salz-See, dein Eldorado des GlaubenSstammeö der Mormonen. Sie find am 11. Januar von Liverpool mit der Boadicea, bestimmt nach New-Orleans abgefahren. Von da gehen sie den Mississippi hinauf bis nach Council Bluffs am Missouri, 900 englischen Meilen nördlich von St. Louis. Dort werden sie ihre Vorbereitungen treffen zur Ueberlandsresse querdurch die Ebene nach dem Groß Salz -See-Thal, eine Strecke von reichlich 1000 englischen Meilen, die sie in Wagen zu machen haben. Diese Landtour geht durch eine größeren theils von GraS entblößte Gegend. Ein Theil der Mormoncn-Emigrantcn, die mit Mitteln genug für die Reise versehen sind, wird im Juli oder August den Ort der Bestimmung erreichen, andere, die nur wenig Eseld besitzen, werden sich noch zu New-Orleans öder St. Louis so lange anfhalten müssen, bis sie die Reisekosten erübrigt Außer den Familien auf Sheffield sind Partien aus Rotherham,