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â eléS. Wiesbaden Samstag 8 Februar Z^UL

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bögen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 st 43 fr., auswärts durch die Post bezogen mit Verhältniß mäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge Die Jnserationsgcbühren betragen für die vierspaltige Pctitzeilc 3 kr.

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Der Gordische Knoten.

X Es gehörte fürwahr nicht viel Weisheit dazu, bei Eröffnung der Dresdener Konferenzen ^denj Ausgang derselben vorherzusehen. Und, fragen wir heute, wer hat sich darüber auch nur einen Augenblick getauscht? Die Demokraten? Wahrlich nicht. Oder die Absolu­tisten? Gewiß eben so wenig. Sie thaten, als solle etwas Neues werden, doch waren sie leben so einverstan­den, jeder wirklichen Schöpfung zu wehren. Höchstens einige Gothaer mögen sich getäuscht haben; doch an ihnen fällt das nicht mehr auf, da sie das Privilegium ha­ben, sich hinters Licht geführt zu sehen. Der Himmel verleihe ihnen endlich mehr Muth zur Einsicht!

Trotz aller Geheimnißkrämerei der Herren Diplo­maten ist es längst offenkundig, daß zwischen Rückkehr zum alten Bundestage mit wesentlich unverändertem Stimmenverhältinß und zwischen der gänzlichen Ver­nichtung des Staatenbunkes keine Wahl bleibt, mit andern Worten: es gilt, Deutschland die allerschwächste oder die allerstärkste Centralbehörde zu geben, also ent­weder den alten Staatenbundes-Bundestag oder aber einen deutschen ^Kaiser! Wohl kennen wir noch ein Drittes doch das ist einrevolutionäres Ungeheuer" und deshalb davon später!

Als Oesterreich sich für Reaktivirung des Bundes­tags aussprach, dachte es zunächst an die alte Wirth­schaft, doch mit dem Plane, dieselbe so herzustellen, daß die Angst der Betheiligten vor Neuen Gefachten bei Rückkehr zu dem als so mislich erwiesenen Alten ihm nach und nach dieKleinen" ins Netz treiben und die Zeit anbahnen werde, wo das deutsche Kaiserthum des Hauses Habsburg sich alsdes Pudels Kern", um mit Göthe zu reden, herausstellen werde. Aber die übrigen Bundesglieder, obwohl sie zur Restauration die Hand gern bieten, sind auch so klug wie Schwarzen­berg" Dies führte zu Vermittelüchsversuchen. Der Dualismus gefiel zwar Preußen, doch nicht so ganz Oesterreich, das mindestens der Erste unter den zwei angeblich Gleichen zu sein verlangte, und folglich nur einen Scheindualismus aufkommen lassen wollte Um Preußens Einfluß zu contrebalaiicire«, griff Schwar­zenberg zurTrias" mit Baiern, das ihm für Meie Beförderung dankbar, durch geographische Lage, Ver- gangenheit und Richtung adäquat und so jedenfalls in seine Hand gegeben war. Jetzt traten die auf Baiern eifersüchtigen übrigen drei Königreiche auf und man gelangte zu einer dritten Kombination , der dann Preußen durch Aufmarschiren seiner alten Bundesgenossen, der bedrohten kleineren Säerains, Schach bot. So wuchs die Zahl der Glieder der Centralgewals rasch von zwei auf drei, dann auf sechs, sieben und neun. Doch wel­cher Grund liegt vor, daß die noch ausgeschlossenen nicht solange protestiren sollen, bis auch sie hinzugezogeu werden? Baden hat 278, Sachsen nur 27l Quadrat- niet kn, warum soll cs sich mit nur einer Drittelstimme

begnügen, jweun Garbsen eine ganze bekommt? Weil dieses ein Königreich heißt? Ist ein Großherzog we­niger souverän: , als ein König? Warum soll Baden Sachsen nicht ebenbürtig sein?

Entweder muß auch von allen Staaten gelten, was der Jesuitengeneral einst sagte:Sint ut sunt aut non sint! oder aber es muß das alte Bundesrecht vernichtet werden und dann ist die Restauration wieder auf dem revolutionären Boden augelangt und sie hat der Frankfurter National-Verftmmlunq nichts vvrzuwefcn.

An diesem Punkte sind die Herren in Dresden jetzt angelangt und es bleibt daher nichts übrig, als auf den ganzen alten Fuß zurückkehren. Als neuer Ver­such, Zeit zu gewinnen, wird jetzt auf ein dualistisches Interregnum hingearbeitet. Soll das heißen, daß man dieKleinen" durch militärische Drohungen einschüch­tern will? Das ist Revolution! Oker wie, hofft man sich im Mai leichter als im Januar zu verstän­digen? Welche Gründe liegen dazu vor? Ist Baden im Frühling minder souverän als im Winter? Es leuchtet ein, daß der Knoten der deutschen Frage ein Gordischer ist wer ihn löst, dem gehört die ger­manische Welt; aber wer kann ihn lösen? Nur die deutschen Völker, denn nur jsie werden nicht beein­trächtigt, wenn es zu einem einigen und neuen Deutschland kommt. Die Fürstenpolitik kann den Kno­ten nicht lösen, weil'alle dasselbe Recht auf dem al­ten Rechtsboden haben und jeder, der deuselben ver­läßt, auf den Boden der Revolution tritt. Der Knoten kann aber zerhauen werden; aber das heißt das Recht des Stärker«« proklamiren, das heißtder Revolution Thür und Thor öffnen."

Was bleibt daher anders, als entweder die ganze Restauration und folglich der ganze alte Bundestag - oder eine Militärdiktatur, eine Gewaltherrschaft, cm Verntchtungsprozeß des einen gegen alle andern.! Oesterreich den Muth dazu? Es scheint so! Abcbuch dieKraft der Nachhaltigkeit? Das wird die Folge lehren. So viel steht fest : es kann nichts ohne revo­lutionäre Gewalt geschaffen werden, es wird da­her zum Alten zurückgekehrt oder die Revolution des Jahres 1848 von ihren Gegnern fortgesetzt werden müssen. Die Contrevolution ist auch Revolution!

Der Prozeß Rau und Genossen vor dem Schwurgericht in Rottweil.

(Stuttg. Beob.)

(Fortsetzung und Schluß.)

Die Erlassung dieser Proklamation in Verbindung mit der Entstehungsgeschichte derselben ist das Moment der Anklage, welches am schwersten wiegt und für die hochverräterische Absicht laut zu sprechen scheint. Um so begieriger mußte man auf die Erläuterung des Rau sein. Derselbe läßt sich hierüber ungefähr dahin vernehmen: Am Abende nach der Volksversammlung

sei er von der vorangegangenen Reise, dem Reden an allen Orten und Enden der Stadt, und da er an starke Getränke nicht gewöhnt sei, von dem vielfachen Getränke, das er zu sich habe nehmen müssen, so ab­gehetzt, ermattet und betäubt gewesen, daß er keine ganz klare Erinnerung mehr habe. So viel ihm noch vorschwebe, sei von ihm verlangt worden, ein Pro­gramm für den Zug zu schreiben, damit diejenigen, welche man zur Theilnahme daran auffordere, auch wissen, was zur Berathung der Versammlung werde vorgelegt werden. Bei dieser Veranlassung seien Stim­men laut geworden, daß seine Bewegung eine zu zahme, zu nichts Großem führende sei, daß es dabei nicht bleiben könne, daß, wenn er nicht weiter gehe, man sich an Struve anschließen müsse und dergl. Von sol­chen Stimmen habe er Unheil befürchtet, und dieser Befürchtung nachgebend, habe er den Inhalt des Pro­gramms so weit gefaßt, daß auch diejenigen, welche in ihren Ansichten und Bestrebungen extremer gewesen/ als er, sich seinem Unternehmen anschließeu konnten, und dadurch von der Theilnahme am Struve'schen Zuge abgehalten wurden. Dabei habe er die Absicht gehabt, und die Kraft in sich gefühlt, solche weiter- gehende Bestrebungen niederzudrücken, indem er über­zeugt gewesen sei, daß die überwiegende Mehrheit der Theilnehmer ihn hierin unterstützen werde. Uebrigens Habe er ausdrücklich die Vorlegung des Korrekturbogens verlangt, um den Inhalt noch vor der Ausgabe prü­fen zu können, und wäre dieses geschehen, jo wäre wahWekislich der Punkt 1 bei ruhiger Ueberlegung aus freien Stücken gestrichen worden. Mit Bestimmt­heit beharrt Rau darauf, daß er mit der Proklama- mation nicht den Umsturz der Regierungsform, über­haupt keinen diktatorischen Akt beabsichtigt habe, sondern dass dieselbe lotzr^tick cm yivmuinm yave Mi »ollen. Des- jeder politischen Versammlung, zu welcher Einladungen erlassen werden, werde ein Programm ausgegebep, welches zu betrachten sei als ein Vorschlag, über dessen Annahme oder Nichtannahme die Versammlung zu entscheiden habe. Dem großen Volkstage in Kaniistat wäre eS vorbehalten gewesen, das Programm anzunehmcn oder zu verwerfen, auch im Fall der Annahme die Mittel und Wege zur Durch­führung der gefaßten Beschlüsse zu berathen. Ueber die Wahrscheinlichkeit oder llnwa. rscheiulichkrit der Erklärun­gen des Ran entstand eine lange unerquickliche Debatte zwi­schen dein Präsidenten und dem Staatsanwalt einerseits und Rau andererseits, welche den Letzter« zu der Aeußerung führte:Ich bemerke, daß der Herr Präsident nach meinem Gefühle zu sehr auf Seite der Anklage tritt." Der allgemeine Eindruck, welchen die Erörterungen in Frage machten, scheint für Rau nicht ungünstig gewe­sen zu sein. Der Vertheidiger ist bei solchen Erörte­rungen in einer sehr ungünstigen Lage. Da ihm das Recht, Fragen an den Angeklagten zu stellen, nicht eingerâumc wird, so wird ihm auch nicht gestattet, sich in solche Debatten zu mischen, während der Staats»

Neue Erfindung.

New-York, 5. Januar. (Wesr. Ztg.) Der elek­tro-magnetische Telegraph tritt in ein neues Stadium'ein; und Amerika ist es, das triumphirend Heureka"! ausrufen darf. So gwßartig als wissen­schaftliche Erfindung der elektro-magnetfiche Telegraph schön war, und so »verthvoll auch seine bisherigen Dienste waren, blieb seine Amvendbarkeit doch im Ganzen ziemlich beschränkt; er reichte nur für Staats- zwecke und den Dienst der höheren Geldmächte auS, ohne zum eigenilichen Volksgute werden zu können, lind erst dadurch, daß eine geistige Errungenschaft die große Masse und ihre Interessen hebt und fördert, ge­winnt sie für unser Jahrhundert, als socialer Hebel, ihren höchsten Werth. Der Mangel beim Telegraphi­ren lag bisher in der Langsamkeit der Operation. So schnell sich auch ein gegebenes Zeichen, eben als Blitz- shlag, bis in die größte Entfernung fortpflanzte, war doch die Aufeinanderfolge der Zeichen keinesweges o s hnell- auch war zur Mittheilung eine sehr große An- zahl nöthig. Die Mittheilung von hundert Wörtern erforderte fünfzehn Minuten, und für Rückfrage »ve- gen mißveistandener Zeichen waren gewöhnlich noch fünf Minuten nöthig. Die Depeschen häufen sich aber zu gewissen Tagesstunden. Wenn also nach dem Bör­senschluß z. B. aus einer großen Hauptstadt nach der a ideren 36 Depeschen in jeder Richtung anfgegeben

wurden, so mußten die Beamten 24 Stunden unun- terbrochen mit einem Drahte an deren Beförderung arbeiten, und die zuletzt an die Reihe kommeude Mit­theilung mußte 24 Stunden liegen bleiben, so daß in vielen Fällen ein Brief mit der Eisenbahn rascher an­kam. Dies alles machte nicht nur die Benutzung deS Telegraphen sehr kostspielig, sondern raubte den ei­gentlichsten Vortheil desselben, nämlich die Sicherheit, daß eine Nachricht zur bestimmten Minute de« bezeich­neten Ort erreicht. Kurz, der Nutzen der Telegraphen blieb ein sehr beschränkter, so lange es nicht gelungen war, ein viel rascher »virkendes System als die suc­cessive Mittheilung einzelner Buchstabe« zu erfinden.

Diese Erfindung ist gemacht, und zwar, so voll­ständig, daß man im Stande ist, 20,000 Wörter, et­wa so viel als den ganzen Inhalt einer Zeitung in Folio, in 10 Minuten zu telegraphiern , und zwar, rein mechanisch, ohne Mitwirkung eines Beamte«, ohne Nothwendigkeit der Dechiffrirung, ohne Mög­lichkeit eines Fehlers! Dies Wunder ist bewirkt wor­den durch Verbindung des elektro-magnetischen Tele­graphen mit der eben so wunderbaren Erfindung der Photographie, welche jetzt ihre wahre praktische Be­deutung erlangt, indem sie nicht blos die Gesichter der Menschen in der Nähe, sondern ihre G e d a u- fen aus weitester Ferne firiren läßt. Es wird durch die neueste Erfindung die Photogra- ph'sche MrildMig ein co Schriftstücks oder gedruckten

j Blattes in unglaublich kurzer Zeit durch den Telegraphen ' hervorgebracht. Das Verfahren ist einfach wie folgt: Um eine Walze wird ein, ähnlich wie zum Petvgraphueu, chemisch prâparirtes Papier gelegt, welches von der Spitze des Leitungsdrahtes berührt und durch een elek­trischen Strom an dem Berührungspunkte aiigenMkftieh schwarz gefärbt wird. Die Walze dreht sich und rückt mit jeder Umdrehung um den fünfzigsten Theil eines Zolls zur Seite, so daß ein Zeitungsbogen von 26 Zoll Breite in 1300 Umdrehungen ganz mit fein schraKrtcn Linien auf einer Seite bedeckt ward. Bewirkt man nun Unterbrechungen des iStroms, so entstehen Lüchen in den Linien, ivclchc eine weißè Schrüt auf schraffutem Gim'lde, wie man cs bei Kupferstich häufig sieht, bikcn. Um dies zu erreichen bat man am anderen Ende des Drahts, also am Orte, von wo die Mittheilung ausgcht, eine ganz gleiche und gleich sich bewegende Walze. Auf diese legt man ein Papier, worauf die Depesche mit firniß- haltiger Schwärze geschrieben oder gedruckt ist. Die Spitze pcs Telegraphen - Drahts ruht auf diesem Papier, während die Verbindung mit der Batterie an der Achse der Walze angebracht ist, so daß der elektrische Strom durch das Papier durchgehen muß. Der Firniß aber unterbricht, als Nicht-Leiter, den Strom, so oft der Draht bei Umdrehung der Walze ans ein Schristzeicheu trifft. Ani Brstimmun »sorte entstehen die photographirtcu Schriftzcichcn n ebt z ilenweise, wie sie geschrieben oder gesetzt werden, sondern es wachse,r sämmtliche Zeilen einer