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âeiheit und Recht!"

jt£ 82 Wiesbaden. Freitag 7. Februar 1S31.

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Die Diez Nassauer Straße

0 Bon der untern Lahn. Aller Augen waren dieser'-Tage bei der angemaßte» Budgetprüfling pro 185t auf unsere Kammer gerichtet, vom armen Berg- und Handarbeiter an bis zum reichsten Kaufmann und Händler, Alles harrte in der freudigen Erwartung: daß endlich einmal auch ohne Petition eine bedentende Summe für den Diez-Nassauer Straßenbau angesordert und von unsern Abge­ordneten befürwortet und verwilligt werde. Aber Täuschung war wieder unser Aller Loos! Armes Diez, arme Lahngegend, was hast du verbrochen? Lon deinen Feinden verfolgt und gehaßt, maßt du unter­gehen wie Sodom und Gommorah, ob deiner verruch­ten demokratischen Gesinnung! Armes Diez, nicht lange wird es mehr dauern und du wirft sein öde, wüste und leer!!---Was ist pro 1851 für diese höchst wichtige Straße (höchst wichtig! Herr Bertram!) in Aussicht genommen? Nach den uns vorliegenden Berichten Nichts, gar Nichts! Aufgeschoben, nicht wahr, Herr Hertam? ist ja nicht aufgehoben; jedoch Zeit gewonnen, Alles gewonnen! der bekannte Denk- spruch unserer Reaktionäre; inzwischen mag das Volk verhungern, darben, bezahlen, gehorchen und schweigen; doch eines bleibt ihm noch es verläßt sich auf seine Fäuste. Die Bezirksbaninspektioneu nwben auf An­trag anderweit organisirt, soll wohl heißen: Diez halte dich bereit, dem Bauaint muß auch noch fort!

Was hat diese Gegend von Diez, Holzappel bis Nassau und Ems außer Veit rechts und links liegen­den Orten schon seit langen Jahren petitionirt, lamen- tirt, Deputionen abgeschickt, Land unentgeldlich ange­boten; jedoch Alles umsonst, alles umsonst! - Jm Jahr des Heils 1848 glaubte nun Jedermann, jetzt, jetzt schlägt die Stunde, jetzt leben wir auf, jetzt wirv das Herzogthum auch von Westen her dem Verkehr und dem Handel aufgeschlossen doch Täuschuiig, wie allerwärts, war auch hier wieder unser Loos. Sprach sich die im Jahr 1848 gewählte Commission, bestehend aus den Herren Abg. Creutz, Bollmann und G o - decke, nicht triftig genug für diese Straßenanlage aus? Oder hat man in dieser Sache noch nicht der Petitio­nen genug? oder gelten diese nicht als Vviköstimmnng? oder sind Gründe da gegen die Zweckmäßigkeit dieser Straße? Wir glauben, die Sache sei nun seit 1848 lange genug inErwägung" gezogen; gehandelt muß werden!

Wie klar hat damals der Herr Abg. Creutz in der Sitzung vom 19. Juni 1848 nachgewiesen, welch großes Bedürfniß diese Straße im Allgemeinen und im Speziellen sei. Diese Straße führt schon von Mar­burg aus durch die sehr fruchtbare und reich bevölkerte. Lahngegend, nur in der Strecke von Diez bis Nassau ist dieser Chausseezug plötzlich unterbrochen. Der jetzt noch bestehende Licinalweg ist mir noch säum

und mit Lebensgefahr zu passiren. Diese Straße ist nicht nur nothwendig, um dem Norden Deutsch­lands mit dem Straßensystem nach dem Rhein zu ver­binden, sie ist auch von ungeheurem localen Inte­resse für die Orte, durch welche sie führt. Für Diez ist namentlich diese Straße eine Lebensfrage: Diez hat den bedeutendsten Fruchtmarkt in Nassau, ja einen der bedeutendsten in Derckschland. Ohne diese Straße ist Diez gar oft vom Verkehr nach dem Rhein zu abge­schnitten; im Winter ist die Lahnschifffahrt durch das Eis, im Sommer gar oft durch zu kleinen Wasserstand unterbrochen. Den Käufern von Düsseldorf, Neuwied, Vallendar, Codlenz, Ems, Nassau rc. bleibt unter die­sen Umständen nichts übrig, als eine Stunde zurück nach Limburg und von da den fürchterlichen Umweg nach Ems, Nassau oder dem Rheine zu zu fahren. Es ist keinem, Zweifel unterworfen, daß der Fruchtmarkt in Diez sich noch bedeutend heben würde, wenn den Käufern der untern Lahngegend und ver benachbarten Nheingegend Gelegenheit geboten würde, ihre Fruchte auf einem sicheren Wege und zu jeder Zeit zu beziehen. Aber auch der Landmann leidet durch diese schlechte Straße; denn wie oft kommen Bauersleute vom Wester­wald, aus dem Camberger Grund, aus dem Amte Nastätten, außer denen von der oberen Aar, hierher, sie können ipw Früchte nicht verkaufen, intern die Hauptkäuftr fehlen , weil gerade die Lahn zugefroien und der Weg nicht zu fahren ist, ihre Frucht lassen sie gewöhnlich dann in Diez stehen, laufen mehrere Freitage einen Weg von 68 Stunden, um nur ein­mal Geld zu lösen. So wichtig wie Diese Straße nun wegen des Fruchtmarks ist, ebenso unentbehrlich ist sie auch für den in unserer Gegend betriebenen Bergbau; ja selbst für den Kurort Ems dürfte dieser romantische Weg nicht von unbedeutendem Nutzen sein, und Fach mgen' bei Diez würde von manchem Kurgast besucht unb sein Mineralwasser noch mehr verbreitet und empfohlen werden. Und dann würde durch dell fraglichen Straßenbau einer mittellosen Gegend in dieser hart bedrängten Zeit Arbeitsver­dienst und für die Zukunft eine sichere Erwerbs­quelle gesichert werden.

Wir glauben, dies sind Gründe genug, die den Hrn. Abgeordneten Bertram überzeugen müssen, daß dieser Chausseebau wirklichvon so großer Wichtigkeit ist". Auch ist die Jahreszeit doch jetzt noch nicht so weitvorgerückt", um etwas tüchtiges an dieser Straße zu thun und Hr. Bertram kann versichert sein, daß die Bewohner oberhalb Diez und unterhalb Nassau diesen Straßenbau sehnlichst wünschen: nach der Aeuße­rung des Herrn Bertram in der Sitzung vom 8. Juli 1848 scheint derselbe den Verkehr dahier gar nicht zu kennen. Der Verkehr, der von Wiesbaden aus ins Rheingau oder in die Pfalz zu dengroßen fürch­terlichen Schoppen" ist, steht noch lange in keinem Vergleich zu unserm Fruchtverkehr dahier. Warum nur immer aufschlehm? Nein, rasche Hilfe ist doppelte

Hilfe! Von einer Lahneisenbahn .oill hier Niemand Etwas wissen, weder die Schiffer, noch das handelnde Publikum, und sie wird auch durch die natürlichen Schwierigkeiten ebensowenig gebaut, als Herr Ber­tram noch Minister wird.

Dem Hrn. Abgeordneten W i mp f können wir eben­falls die Versicherung geben, daß diese wichtige Straße sehr zweckmäßig und die Frequenz derselben zu dem Kostenbetrag mehr im Einklang stehen wird, als bei der Straße von Weilmünster nach Mottau. Hier bricht zwarkeine Chaise bis an die Achse ein", auch fälltkein Pferd hier bis an die Knie ein"; aber an ein Fortkommen in diesem Gestein und Geschrottet ist gar nicht mehr zu denken, und wenndas Pferd noch so gut wäre". Man kann so en passant den Hals hier brechen!

Da indessen die Sache nur bis auf bessere Zeiten verschoben ist, so hoffen wir, daß jetzt endlich einmal unseren Beschwerden Abhülfe geleistet werden wird.

Der Vrovinzialvorstand der christkatboli sieben Gemeinden Schlesiens

d e n deutschen Mitbürgern.

(Schluß.)

Religion ist nicht bloßes Glauben, Religion ist rechtes Leben, Religion ist menschliches Le­ben der Menschen. So bleibt keine Seite des Le­bens von ihr iinberührt, und so haben die Christka­tholiken als eine Religionsgesellschaft um die rechte Ausbildung des Menschenlebens nach jeder Richtung hin sich zu flimmern. Der menschliche Wille soll, so weit er ein sittlicher, d. h. ein nach dem Gesetz der Vernunft und der Liebe handelnder, ist, eben so wenig beftpränft werden, als die Vernunft und die Liebe selbst. Die ältere Zeit hat von der^Heikigkeit der Freiheit des Menschcnwillcns nichts gewußt. Die ältere Zeit hat die Unterthänigkeit, den Linden Gehorsam, die Unterwerfung unter den Einzelwillen als Tugend gerühmt und dadurch jenem Bevormundungs-System Vorschub geleistet, welches in der Gesellschaft Haupt» sächlich das Privilegium des Stai'des erzeugte. Dies Privilegium, welches zu so vielen Zerwürfnissen und blutigen Kämpfen Veranlassung gegeben, hoffen wir zu beseitigen, indem wir dem menschltchen Herzen eine tiefe Achtung vor der Freiheit des menschlichen Willens elnzuprägeu uns bemühen, indem wir aufrichtig und unumwunden, wie es sich in Wahrheit verhält, jede Knechtung als Sünde, die Selbstbestimmung des Men­schen aber als sein natürliches und menschliches Recht bezeichnen. Heilig ist der bimse (âhorsam so lehret die Vorzeit ; heilig ist die Freiheit keS sittliche» Willens so lehren wir. Und um in der That dir Freiheit des menschlichen Willens als heilig und unantastbar anzuerkennen mw in den Menschen ue Heilighaltung der Willensfreiheit zu pflegen und zu befestigen, hat

Einige Mittheilungen über das Hachen­burg - Nisterer Eisenhüttenwerk.

Wahrheit und keine Dichtung.

(Schluß.)

Bischof Lange hielt in der Krone und auf dem Wifurivcrf phllantropische Vorträge, sprach von seinen großen Absichten in Umänderung der socialen Verhält­nisse des Westerwaldes, die ihn schon längst, wie er sagte, innigst gerührt hätten, wollte das Schloß in Hachenburg zu einer Waisenanstalt, das Manenstädler Kloster jur Versorgungsanstalt ledig gebliebener Frauen­zimmer machen, Volkscasinos mit Musik und ein Theater einführen, ein Gymnasium Herstellen, den früheren Director auf den Werken wieder killsetzen und eine Gasbeleuch­tung für Hachenburg, alles das auf seine eigenen Kosten herfhUcn. Kurz, er war ein Bischof von der stellten Sorte, ein Westerwälber Christus. Alles erstaunte und glaubte.

Die Parni der Langianer war außerordentlich stark, gering nur die Partei der.Gottlosen*.Der Frippiauce.

Das Volk in dem Dorfe Nister nahm entschieden für den neuen Bischof Partei, denn er hatte es durch allerlei Mittel zu gängeln geivum hatte demselben von einem Tage lohn von mindestens 2 fl. vorgefchwänt, eine Caisse patOrnelle errichtet , wo alle Dienstboten und

Handwerker ihr Erspartes einlegcn sollten (zu 25 Prozent) und auch wirklich rimegteu, aber bis fern nicht wieder erhielte». So sta-d der Westcrwälver Bischof fest in der Gesellschaft, wurde von der Mehrheit (den Langianer») entschieden in Schutz genommen, und es wurde ihm kein Hinderniß in den Weg gelegt: so viel zu versprechen, als er immerhin wollte. Und es wurde ihm, wie tem Evangelium geglaubt, denn er war ein Bischof. Einige cuisichtsvolle Männcr versuchten mehrmals, dem Unfug entgegen zu treten, mit den einleuchtendsten Gründen dic Schliwe beö Doctor doli zu beweisen; allein sie wur- dtn tapfer aus dem Felde geschlagen.

Endlich gingen der Gesellschaft und dem Herrn Heu noch die Augen auf, sie faßten Lange beim Kragen und ließen ihn einkarcerireu; vor der Gefangennehmung soll es lebhafte Debatten abgeseyt, namentlich soll Hen- » v ch Die Nolle desDisappointed man gespielt haben. Er zog sich indessen ganz fein aus der Falle, indem er Lm gefangenen Bischof zuschrie:Was! Sie Schurke konnten mich nicht täuschen: ich wußte es wohl, daß Sie ein Taugenichts waren, und kam blos hierher, um Sie, Lump! zu entlarven."

Lange saß eben im Amts-Cachot, allein hier zeigte sich der starke Arm seiner Anliänger: das Volk bewaff­nete sich; von geistlicher Zuversicht befeuert, zog es vor das Gefängniß , befreiete den Dulder und zog mit ihm tilumphirend durch die Straße.

Es folgt, n nun eine Menge der erheiterndsten Scenen,

aber auch ein Schwarm der traurigsten Ereigniffe. Die Langianer prahlten mehr, als jemals, beteten bis zur Verzuckung ihren Bischof an, und die Frauen Derselben dachten schon daran, eine Mâr iprerkröne zu stechreu für den Doctor Bischof. Namentlich das weibliche Ge- fddccl'Qtcidmetc .sich auch bei dieser Gelegenheit durch cntschi'dene Parteinahme für den Unterdrückten aus.

Die ^Gottlvsen^ wurden in den Kaffeegesellschaften zu Tode gezüngelt; jeder Frippianer als ein offenbarer ex lex bezeichnet und die Frauen der Letzter-n mindestens als besiegte Sabiiierinncn tractirt.

Die Ränke des Bischofs wurden endlich evident: es wurde klar, daß derfe be ein Erzfpitzbuve war, der b - reils mehrere solcher Schurkruflreiche veröln und bereits in Loudon wegen Diebstahls gesessen harte, «epttrtv. wurde sogar durch einen Londoner Gefängtußaufseber auf dem H. chcnburqer Amte beschwöre»: allein alles die­ses half zu nichts: er blieb bei den Langianern derselbe ' ehrliche, leidende, aber geldbesitzende Dulder.

Endlich lind endlich wurden jedoch einige seiner An­hänger etwas argwöhnisch und Lange sah ein, daß er etwas thun müsse, um den sinkenden Muth seiner Par­teigänger etwas zu heben: er reiste daher nach Berlin kehrte bald zurück uud brachte ein Scheichen von dem damaligen preußischen Minister Gerlach mit, wori, dieser bestätigte, daß er Lange kenne. Dieses Schrei­ben soll zwar etwas mit Klauseln versehen gewesen sein alt. in dieses konnt-- feine Anhänger, weder geistliche noch