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Freie Zeitung.

âeiheit und Recht!"

M 31

Wiesbaden. Donnerstag 6. Februar

1851

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden > fl. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßi^em Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Der Provinzialvorstand der christkatholi- schen Gemeinden Schlesiens

den deutschen Mitbürgern.

* Es ist die erste Pflicht der Presse, die Nation über alle Bestrebungen der Zeit, über Licht - wie Schattenseiten, aufzuklären und das:Prüfet Alles und das Gute behaltet!" zu erleichtern und zur allge­meinen Lebensregel zu machen. Wir haben gestern aus derN.-O.-Z." die Auflösung der christkatholi­schen Resource hn Breslau gemeldet. Die neueste Nummer derselben Zeitung bringt folgendes Aktenstück mit der Bitte,daß alle für wahre Volksaufklärung wirkenden deutschen Zeitungen" nun auch dieses Aktenstück mit- theilen möchten, damit jeder klar urtheilen möge in einer Sache, die noch so vielen Misverständnissen und Entstellungen unterworfen ist. Das Manifest ward be­reits im Herbste 1849 vom Provinzialvorstande der christkatholischen Gemeinden Schlesiens entworfen und hn Mai 1850 auf der Synode dessen Veröffentlichung beschlossen. Der Provinzialvorstand ließ dasselbe dem Friedenskongreß im verwichenen Herbst überreichen. Der Polizeipräsident findet darin eine politische Ten­denz!) gegen diese Auffassung verwahrend und die Aufgabe der christkatholischen Gemeinden als eine tief re li g i ö se erklärend, beruft sich der. Provinzialvorstand Schlesiens auf dieses Manifest, das gewiß zu den schön­sten und edelsten Dokumenten unserer Zeit gehört.

M itb ü rg e r! Seit vier Jahren haben die dcntsch- oder christkatholischen Gemeinden unter Euren Augen sich fortentwickelt, gerungen und gelebt. Rückhaltslos haben sie ihre Grundsätze verkündet, ohne Scheu vor­der Oeffentlichkeit ihre Zwecke verfolgt, ohne Verschleic- nmg das Ziel bezeichnet, dem sie nachstreben, die Mit- tel, durch die sie es erreichen wollen. Jedem haben sie damit Gelegenheit geboten, sich über ihr Thun und über den Geist und die Kraft ihres Lebens das Urtheil zu bilden, welches einst die von Parteileidenschaft freie Geschichte in gerechter Weise über sie fällen wird. Für jetzt aber ist ihnen solche Gerechtigkeit noch nicht ge­worden, theils weil für jetzt die Parteileidenschast sich noch müht, das Urtheil der Mitwelt zu verfälschen und zu trüben, theils weil die jeder kirchlichen Erscheinung abholde Richtung der Zeit so Viele, ja die Meisten al hält, sich durch eigenes Anschauen und Prüfen von Grund und Ungrund der wider die christkatholischen Gemeinden erhobenen Anklagen zu überzeugen. Wir nun, durchdrungen von der festen Zuversicht, daß der von uns eingeschlagene Weg zum Heil des Volkes, zum Heile der Menschheit führen werde, und erfüllt von dem lebendigen Verlangen, den Menschen unsern Brüdern zu helfen, wir wollen nicht müde werden, durch aufrichtige, freimüthige Darlegung unserer An­schauungen und unserer Bestrebungen den Blick her

Mitwelt auf den Weg zu richten, der uns als der heilbringende erschien.

Der Geist, der die Menschen zur Erkenntniß bringt, ist der wahre Versöhner; nur auf dem Wege der Er­kenntniß wird die Versöhnung der Gegensätze erreicht werden, in denen sich der Streit dieses Jahrhunderts bewegt. Diesen Weg haben wir betreten. Es ist aber natürlich, daß zuerst vön beiden Seiten angefochten wird, wer mit der Mahnung, der Wahrheit Gehör zu geben, unter kämpfende Parteien tritt. So ist es uns ergangen. Und fußten wir unser Versöhnungsamt nur dadurch zu üben, daß wir lediglich jeden der stxciten- dkn Theile zu Zugeständnissen an den andern Theil aufforderten, so wäre solche Anfechtung auch gerecht; denn solche Vermittelung wäre nur eine äußere, die keine Bürgschaft des Friedens in sich selber trüge. Aber der Frieden kommt und bleibt, wenn die Vermittlung gewonnen wird durch ein Einswerden in der Erkennt­niß. In solcher Vermittlung besteht unser Versöh­nungsamt.

Der eine große Gegensatz, aus welchem alle Kämpfe dieser Zeit hervorgehen, ist der Gegensatz zwischen Be­vorrechtung und Gleichberechtigung. Je hartnäckiger nun von der einen Seite das Privilegium festgehalten und je lebhafter von der andern Seite auf Anerken­nung der natürlichen Gleichberechtigung aller Menschen gedrungen wurde, desto breiter und tiefer mußte die Kluft werden, die durch solchen Gegensatz in der Ge­sellschaft entstand. Diese Kluft zu schließen, ehe ans ihr die Wogen der Revolution hervorbrächen, war der Deutsch- oder Christkatholicismus bedacht. Aber die Nation hat auf seinen Ruf nicht gehört, und die Re­volution ist gekommen, gekommen in der Weise, in der wir sie vorausgesagt. In drei großen Lebens- gebieten sahen wir die Kluft der Gegensätze zwischen ^H^tfgjtitm "*^<&*r»4> l' * » <<4 4 TV°T)f^j-^^^-^^-^^ erweitern: dort stellte sich eine privilegirte Lehre dem allen Menschen gleichmäßig zusteheiiden Recht des Den­kens gegenüber, dort eine privilegirte Standesgenos- senschaft der gleichen Berechtigung aller Staatsbürger, dort der privilegirte Besitz und Genuß dem natürlichen Rechte des Einzelnen zur Sicherstellung seiner Cristen; und Lebensfrage. Und wir suchten auf dem Wege der Erkenntniß und der Volksbildung die Versöhnung her- beizuführen. Die Inhaber der Privilegien das sahen wir betrachteten zum großen Theile ihre Vor­rechte und Bevorzugungen als unantastbare, von selbst sich verstehende Rechte. Nachdenken über den Ursprung dieser Nechtsbefugniffe würde sie bald zu der Erkennt­niß von der Unhaltbarkeit ihrer Ansprüche geführt ha­ben; aber des Denkens enthielten sie sich, und Gesetz und Lebensgewohnheit bestärkten sie in ihren vorge­faßten Meinungen. In der Masse des Volkes aber lebte nur der unbestimmte Drang nach Befreiung, nach einer Aenderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, ohne jene Klarheit, die, ihres Zieles sich bewußt, zum gu- I ten Zwecke auch die rechten Mittel findet lehrt. Bei­

den wollen wir Helfer sein. Durch diè Geschichte be­lehrt, daß alle Fortschritte in der Gesellschaftsbildung der Völker gewonnen worden sind durch die in ihrer religiösen Anschauung eingetretenen Veränderungen, welche die geläuterten Prinzipien des Fortschritts zum innersten Wesen der Völker, zum Grund ihres Wollens und Handelns, zum Quell ihrer Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten machten, suchten wir einen Um­schwung in der religiösen Anschauung des lebenden Geschlechtes herbeizuführen, um durch denselben das ganze Leben der Menschen neuzngestaltcn. Lieb und heilig muß dem Menschen solche Neugestaltung werden, wenn er aus sich selbst die Kraft zu den Anstrengun­gen und Mühen schöpfen soll, welche die thätige Mit­wirksamkeit an solchem Neubau erheischt. Die rechte Hingebung an ein großes Werk findet sich nur, wenn das Streben aus einer tiefgewurzelten Ueberzeugung vom Besseren hervorgegangen und somit ein stj tli ches geworden ist. Hiernach haben die Grundsätze der christkatholischen Gemeinschaft in Lehre, Cultus und Verfassung sich gestaltet.

Heilig ist die Satzung lehrt die Vergangenheit, heilig, weil dem natürlichen Wesen des Menschen entsprechend, ist die freie Erkenntniß der Wahrheit so lehren w ir. Die christkatholische Gcinemschaft hat kein den Einzelnen verpflichtendes Glaubensbckcnntniß aufgestellt. Sie verstattet die vollkommenste Lehrfreiheit und will die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zum Gemeingut der Gesellschaft machen. Keine Satzung kann hinfort als eine unübrrstcigbare Schranke der freien Erkenntniß der Wahrheit in den Weg treten: die freie Forschung darf durch keine äußere AntoriläA beschränkt werden" so lautet das Gesetz, das wir uns selbst gegeben haben. Gelingt cs uns, diesem Ge­setz, als einem heiligen, die volle Anerkennung zu ver- r.,..jf............. « -. .-p-r--"".

wir den einen großen Gcgcusaß dieses Zeitalters, den Gegensatz zwischen Wissen und Glauben, gelöst, das Privilegium des Glaubens geht unter in der allgemei­nen freien Erkenntniß der Wahrheit, es gibt keine In­toleranz mehr, weil die Toleranz hinfort nicht mehr nöthig ist, und der tiefe Zwiespalt, welcher durch con- fessionelle Trennungen seit Jahrhunderten tu das deut­sche Volk gebracht worden ist, hat nun Ende erreicht.

Nur mit der freien ungehemmten Entwickelung alles Dessen, was zur gesunden, vollen und ganzen Mcnschcnnatnr gehört, besteht die Sittlichkeit, jeae Hemmung dieser Entwickelung ist unsittlich. Diese Grundanschauung, der wir im Gebiete deS Denkens ihr Recht wiedergegeben haben, muß auch in Bezug auf die äußeren Lebenserscheimmgcu ihre Anerkennung finden, wenn die Menschen mit voller Hingebung, mit Eifer und Begeisterung an der besseren Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens sich beteiligen sollen. Indem die ältere Zeit der äußeren Wcrkheiligkcit das Wort geredet, hat sie die natürliche, die reine, die heilige L lebe des Menschen Herzens unterdrückt und jene Selbst-

Einige Mittheilungen über das Hachen­burg ° Nisterer Eisenhüttenwerk.

Wahrheit und keine Dichtung.

^ Hiermit soll dem geehrten Leser Ihrer Zeitung ein Beitrag zur Geschichte der Moral und Politik ge­liefert werden, der ihn belehren soll, wie manchmal Begebenheitei- im sozialen Leben nicht frei von jcnen Besudelnngen sind, die nicht allein den morschen Bau unseres gesellschaftlichen Zusammenhangs^ bezeichnen, sondern auch treffende Beweise von der Schalheit der Staatseinrichtungen abgeben.

Ein gewöhnlicher Umstand in unserem Zusammen­leben hängt sehr häufig mit den Gesetzen des Landes zusammen, die ihn, so zu sagen, propoziren; ein ge­wöhnlicher Mensch ist manchmal nichts anders, als das Resultat der Einwirkung morscher, verjährter Institu­tionen. Ein Giftpilz kann zwar überall hervorwachscn, wie das Unkraut unter dem Waizen, allein nicht überall verheerende Pestilenz verbreiten, sondern nur da ist dies dem heillosen Bösewicht möglich, wo der Boden sum­pfig genug für seine Saat ist.

Ein Landmann säet sein Korn mit der Erwartung aus, eine frohe Ernte zu genießen; allein ein Böse­wicht tritt cs Hieber; ein Gewcrbsmann baut Häuser auf und ein eremplarischer Sohn der Frechheit unter#

minirt sie mit schurkischen, frechen Erfindungen des Unheils.

Solche Betrachtungen werden tu Demjenigen er­weckt, der bekannt mit Personen und Sachen die Straße von der Alfelder Brücke herauf nach Hachenburg zu­wandert und von ferne jenes umfangreiche Werk be­trachtet, das Fleiß und Unternehmungsgeist aufgebaut haben und das von seinen Gründern den oben bezeich­neten Namen erhalten hat.

Ohne uns in die uranfängliche etwas ominöse Geschichte der Entstehung jenes Werkes einzulaffen, gehen wir nur auf jene Zeit zurück, wo der anfäng­liche Bau durch eine Gesellschaft Engländer fortgesetzt und in, von einem nassauischen Hankelsgciste nie ge­ahnter Ausdehnung erweitert wurde. Wir müssen uns Vorbehalten, die Fakta sehr kurz zu rezitiren.

Diese Gesellschaft Engländer besaß einen Direktor, der auf dem Werk selbst wohnte und in Auftrag des Hauptdircktors in England die vorzUnehmcnden Bau­ten leitete und lenkte. Die Arbeiten schritten mit großem Kostenaufwand und großer Ausdehnung voran und eilten her Vollendung von eine in Theil dec Bauten näher, als ein kurzer Zwist das System der Arbeit unterbrach.

Die Natur dieser Mißhelligkeit vermögen wir hier, dem Publikum gegenüber, nicht auszuhellen, können nur so viel andeuten, daß sie mehr in einzelnen Privaten und deren Inte, essen ihren Grund, als in einer Zöge­

rung der Gesellschaft in England ihre Basis hatten.

Kurz, cs entstanden zwischen Hrn. Direktor Player und seinen Mandanten Unannehmlichkeiten, die die Ent- fernnng Players zur Folge hatten. Er zog- sich, wiewohl ungern, zuerst in den Schooß der Familie sei­nes Schwiegervaters, Decan Keim, und dann nach England zurück, wo er eine andere nährende Stellung zu finden Doffte.

An die Stelle des abgehenden Directors trat Herr Fripp, ebenfalls Engländer, der zur Zeit der Ankunft P l a y e r s, erst kürzlich verheiratet, mit dem­selben nach Deutschland gekommen war, um nach einem mkhrmonatlichen Aufenthalt an den Ufern des Rheins im Nisterthale ein ruyiges Stillleben fortzuführen und dort seinem Lieblin-sstudium nachzuhängen und den mechanischen Arbeiten seine Aufmerksamkeit und Sach- kenntniß zn widmen.

Herr Fripp ist seinem Beruf nach Arzt und hat die mcdicinische Wissenschaft auf Universitäten studirt: doch jeder Engländer hat seinen spieen !

Dieser neue Direktor bot nun Alles auf, um das begonnene Werk planmäßig zu Ende zu füvren. Es wurden nach einander die kostspieligsten Anstalten er­richtet, Maschinen gebaut und Alles nach dem großar­tigsten Maßstabe pcrformirt.

Nach mtyjäOrhjem anhaltende» Fleiße und dem enormsten Kostenanünand stand endlich das Werk so weil ei richtet und fertig da, daß Produkte dargestellt werten