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Freie Zeitung.
„Freiheit und Recht!"
$0. Wiesbaden. Mittwoch S Februar 1^51«
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Oesterreichs Gloire.
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X Der Gemcinberatl) von Wien hat dem Fürsten Schwarzenberg eine Dankadresse für dessen Verdienste um „die Aufrcchthaltuug des Ruhmes Oesterreichs und die Bewahrung des Friedens" vvtirt. Als die weisen Vater der Stadt, welche gewöhnt sind, sich in die Verhältnisse zu schicken und jetzt so loyal thun, wie sie im Jahre 48 revolutionär thaten, ohne das Eine oder Andere zu sein, dein Ministerpräsidenten die Adresse überreichten, äußerte derselbe: „Die Heere Oesterreichs sind es, welche von Ancona bis in den fernen Norden Deutschlands dein Gesetze Achtung, dem Rechte seine Geltung, der Ehre und Größe Oesterreichs die verdiente Anerkennung zu verschaffen wußten." Diese Worte gehören der Geschichte an; sie werden den künftigen Generationen als Thema zu lehrreichen Betrachtungen dienen. Es ist noch nicht an der Zeit, ein endgültiges Urtheil âver Oesterreichs Ruhm zu fällen. oder wenn man will, es bedarf die jetzige Generation keines Kommentars. Daß die k. f. Heere, seit dem großen Verrathe Görgeys Ungarn erlegen, stolz und kühn und stattlich ausgetreten, ist eine Thatsache, die ihnen nicht mehr streitig zu machen ist. Daß Fürst Schwarzenberg, seit er mit dem rufsischen Staats- langer Hand in Hand geht, eine Konsequenz und Un- beugiamkeit entfaltet hat, welche ihrem Ziele keck und unbekümmert entgegeuschritt, ist noch weniger in Abrede zu stellen. Schwarzenbergs Schuld ist es nicht, wenn sein junger Kaiser im März nicht mit den Schlüsseln von Paris, Bern und Turin vor dem Czar in Warschau erscheint, Schwarzenbergs Schuld ist es eben sowenig, wenn sein junger Kaiser nach Vernichtung der Revolution und Niederwerfung von ganz Mitteleuropa sich nicht dereinst die Krone Karls des Großen in Rom aufs Haupt setzt und die Tage des Mittelalters wiederkehren, von "denen der Dichter des PhantafUS singt:
„®uHüerbare 3‘iuberna$t, St.ig auf tu der allen Pracht!"
Was wir tu den Ta<eu der Revolution gesehen, es wiederholt sich in den Tagen der Contrerevolution: es liegt eine kolossale Kraftfülle in den österreichischen Volkern; es ist ein Kern in diesen dentschöfterreichischen Stämmen, der unverwüstlich ist und den Jahrhunderte langer Druck und Verfinsterung so wenig wie die Ver- sührungen des Materialismus und die Umstrickungen des Jesuitismus zu vernichten vermochten.
Seien wir gerecht gegen Freund und Feind! Jetzt zagen zwar die deutschen Stämme ob dieser Heeres- uberschwemmnngen, jetzt bangen freilich die deutschen Männer und Frauen vor diesem Phänomen einer Wie- derauferweckung der eisernen Napoleonischen Zeit. Das Herz will unS zerspringen, wenn wir soviel Kraft und Muth entfaltet sehen im Dienste der Knechtung; aber wird diese Richtung ewig während Wenn die deutschen Völker durch die harte Schule der Militärdiktatur gehen müssen — und es scheint,
als sei es eine Nothwendigkeit — so ist es besser, daß Deutsche in Deutschland die Geißel schwingen, als Russen. Wir wissen, daß dies manchem paradox erscheinen wird; doch wir bitten zu bedenken, daß eine Krisis im eigenen Hause leichter durchzumachen ist, als mit Fremden. Wenn Oesterreich uns vor der Unterwerfung unter Rußland errettet, so wird die Geschichte über Vieles, worüber die Gegenwart hart zu klagen hat, milder urtheilen. „Ja, wenn!" Dieses Wenn ist allerdings der Wendepunkt. Bisher, das ist offenbar, handelt Oesterreich nichts weniger als selbstständig; noch mehr, es will uns bedrucken, als werde es dem Fluche, der auf jeder Hereinziehung eines Nationalfeindes in Nationalangelegenheiten ruht, nicht wieder entgehen; — aber das ist es grabe, was uns, so wenig Illusionen wir uns über Die Gegenwart machen, in dem Glauben bestärkt, daß Deutschland diese Krisis nicht zu seinem Verderben durchmachen werde.
Jede Militärdiktatur ist ihrer ganzen Natur nach etwas durchaus Negatives, eine bloße Verneinung dessen, was sie zu vernichten strebt, doch wovon sie ahnt, daß es dennoch einst über sie kommen und die höhere Macht an ihr bewähren werde; jede Epoche ber G l oire ist ein Interregnum, ein Zwischenspiel, das wie ein Unge- willer wirkt, doch dem auch nur llugewittèrskäcige vergönnt ist. DaS lehrt das Erstehen und Vergehen der orientalischen Militärreiche, das rasche Zerplatzen der Eroberungen deS großen Alexander von Maccbomeu, wie des kolossalen Corseu. Wird die Habsburgische Moire eine Ausnahme machen? Was ist denn das Positive, das sie ankündigt? Wir suchen es vergebens. Wohl aber begegnet unS in allen Akten der Geist, der verneint. Oder ist die Achtung vor dem Gesetze, wie sie in Kurhessen gehandhabt wird, diejenige, welche der Geist der Neuzeit will? Ist das die Geltung des Rechtes, wie sie in Schleswig-Holstein gehandhabt wird? Ist die Ehre und Größe Oester-re ichs Die Ehre, welche die deutsche Nation allein erstrebt?
Darin, daß das Ministerium Schwarzenberg auf Oesterreichs Ehre und Größe allein bedrrcht ist und daß es den Spruch auf seinen Schild schrieb: „Deutschland geht in Oesterreich auf!" eben in dieser Einseitigkeit liegt die Schwäche der jetzigen österreichischen Stärke, und darin, daß diese Einseitigkeit so rasch ms Extrem getrieben wird, zeigt sich bas hereinbrechende Ende dieser Katastrophe. Schwarzenberg ist ein kühner Lenker des Staatswagens; aber es will uns scheinen, als habe er nur Oesterreichs starke Seiten berechnet, nicht seine schwachen, deren Bewußtsein den Fürsten Metternich so behutsam, so ängstlich machte. Ein schwacher Ministerpräsident wäre allerbliigs in jetziger Zeit ein Unglück für den Wiener Hof gewesen; doch vom höheren Standpunkte aus betrachtet, setzt Schwarzenberg die deutsche Revolution, die er zu bekämpfen sich bestrebt, nur fort. Indem Oesterreich über seine Grenzen strömt, geräth es mehr und mehr in Fluß; Ze
lauter es der Revolution zuruft: „Stehe still!" desto entschlossener spricht der Zeitgeist: „„Sie bewegt sich doch!"" — b
Assisenverhandlungen zu Dillenburg
-H"H- Dillenburg, 1. Februar. Heute Morgen wurde die Anklage gegen Philipp Adam Löhr, Landmann von Möttau, Amts Weilburg, wegen Münzverbrechen, unter dem Vorsitze des Hofgerichtsraths von Preu- scheu verhandelt. Staatsanwalt war Substitut Gieße, Vertheidiger: Rechtsanwalt Daniel Rath von Weilburg. — Löhr, ein hochbejahrter Mann, bereits 28 Jahre lang Gelderheber für die Receptur, erhielt von dieser im November vorigen Jahres bet einer Geldab- lieferung ein Gulbenstück als falsch zurück und gab es gleich darauf in der Wirthschaft des Bierwirthes Rosenkranz an die Ehefrau Rosenkranz zur Bezahlung seiner Zeche hi», bekam es aber auch hier wieder, mit dem Bemerken, daß es falsch sei, und wurde nun sofort von^em anwesenden Landjäger-Wachtmeister auf das Justizamt geführt. Der Vertheidiger wies glaubhaft nach, daß der Angeklagte, der allgemein für sehr offen und »dlich gelte, nicht Mit dem Bewußtsein von der Unächtheit der Münze, sondern im Zweifel über deren Aechtheit, um eben darüber Gewißheit zu erhalten, gehandelt habe. Herr Rath sprach gewandt, lebhaft und fließend, führte die Sache aber zu sehr aus, im Vergleich zur Geringfügigkeit der Anklage. Es wäre zu wünschen, daß' er öfter vertheidigte und dadurch Die Prokuratoren Keller und Schenk entbehrlicher machte, sowohl in deren eigenem, als dem Interesse der Angeklagten. — Wie zu erwarten stand, sprachen die Geschworenen das „Nichtschuidrg".
Heute Nachmittag wurde Johann Carl Muller, 34 Jahre alt, Bergmann von Cyariollcuburg, Justcz- amts Diez, zu 8 Tagen Arrest und 44 fl. 4 fr. Kosten verurtheilt. Hofgerichtsrath von Preusche« leitete die Verhandlung, Staatsanwalt Lautz begründet die Anklage und Prokurator Keller führte die Vertheidigung. Müller war der Schrcftfalschuug angeklagt und geständig. Er hatte, als ihm im vorigen Herbste seine Ziege gepfändet worden war, einen Brief an den Gerichtsvollzieher geschrieben und seines Bruoers Namen darunter gesetzt, worin die Ziege von diesem als Eigenthum angesprochen wurde.
D e u t s ch l a n d'
□ AuS dem Amte Rastätteu. In der Freien Zeitung vom 26. Jan. bezeichnet ein Correspondcut aus Nastätten Die Gesinnungen der zu KreiSbezirks- rathen Gewählten näher und sagt: „Peter Gennner von Miehlen, bekanntlich freier Äesinnung, Posthalter Minor von Holzhausen, Gesinnung gut; Wöll von Ebertshausen, Gesinnung wenig besannt; mostetet jedoch gute."
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Verschiedenes.
(Die englische Gesellschaft.) Die Klatschereien deS high life in England haben zuweilen ein allgemeines Jute! esse: p folgende. Im Süden von England lebt eine Familie von hohem Range, aber von liberalen, sogar ravicalen Äesinnungen. Üiichtübcstowenigcr ließ es sich d. s kleine Juukcithum der Umgegend in dem gastlichen kunstsinnigen Hause ganz wohl fein. Die Fuchs- : jaget, die tonst inne lieblichere Musik gekannt hatten, I als das Gdheul eijieS hungrige Jagdhundes, schwärmten i plötzlich für Beelhvvensche Sonaten, welche Die Dame meisterhaft an zuführeii wusste , und für Die reichen Schüsseln und bestaubten Flaschen, Die auf Die musikalischen Aufführungen folgten, Vor einigen Monaten wurde der Parlameütssitz für Die Grafschaft erledigt, die seit ewigen Zeiten eine prvlcelivnistische Null in das Unterhaus zu schicken pflegte. Der Marquis warf seinen ganzen Einfluß in die Schale des liberalen Cadidaten und half ihm Z»m Siege. Dieser Frevel verdiente natürlich eine erem* plansche Bestrafung. Alle Wohlgesinnten thaten daS HauS in Baun, an dessen Tafel sie so lange schmarotzt hatten, strichen Die Dame von der Liste der Patroliinneu eines großen BallcS, Der jährlich in dem Haupcorte der Grafschaft gehalten wurde, und boten daS Prvrectvrat einer anderen Dame unter der ausdrücklichen Bedingung an, daß sie .der demokratischen Marquise kein Billet schicke.' Die Dome, obgleich torpfhfrb gesinnt, batte j
Verstand und SchickiichkeitSgesühl genug, die Ehre ab- sindeii, auf dem man Leute seines Schlages und chre zulchnen. Nur ein Wohlgesinnter setzte die Besuche fort, aparte Ehre besser zu würdigen .weiß. Die Beivohner
der mit einem fürstlichen Hause nahe verwandte Attawsi bei der Vertretung einer großen Macht. Da die Macht, die Gesandtschaft und der Attache persönlich sich die ! größten Verdienste um Ruhe und Ordnung, Stil lichkeil ' und Religion erworben haben, so wurde es ihm von dm moralischen Fuchsjägern höchlich verdacht, daß er sich durch seine Liebe zur Musik verleiten ließ, ein so unmoralisches HauS zu besuchen. Vor einigen Wochen kam aber der wahre Grund an'S Licht. Der besagte Herr hatte in dem freundlichen, zwanglosen Benehmen der Marquise eine heftige Bewunderung seiner Verdienste
der benachbarten Stadt gaben kürzlich ein n Beweis ihrer plebejischen Gesinnung, indem sie, als Die Marquise ein gcnwuuipigcv Institut besuchte, sich von ihren Sitzen erhob ii und sic mit drei Cheerü begrüßten. Das ist in wenigen Monaten nun schon der zweite bocbgefL Ute copscroatwe Staatsdiener, Der in diesem monarchischen Laude körperlich gezüchtigt ist und — »och i m in c r kein Standrecht proclamirtl
und Vorzüge zu sindeii geglaubt und äußerte diese Voraussetzung in einer für Die Dame beleidigenden Weise. Sie rief ihren Gemahl herbei und Dieser — buchstäblich — warf den um Ruhe und Ordnung hochverdicnten Diplomaten zu Boden, zerbläurte ihn mit der Hetzpeitsche und ließ ihn duich Die Bedienten zum Hause hinaus- stoßeu. In übertriebener Genei vsiiäl bot er jedoch durch eine Herausforderung dem Cavalier die Gelegenheit, seine Ehre zu repartiert. Der Geforderte glaubte Anfangs seine Dienste Dem solidarischen Konservatismus noch länger erhalten zu müssen lind dankte, kam aber nach vierzehn Tagen, alS er gefunden hatte, daß Die elegante Welt in England ihm Die Thü e schloß, seinerseits mit einer Forderung, die nadhiieb abgefeimt wurde. Es wird ihm nicht schwer werden, einen anderen Schauplatz zu
Dem „Cconomist" zufolge beträgt die Bevölkerung Englands, Schottlands und Irlands gegenwärtig 29 Mill. Seelen, während sie sich 180t auf 15 Mill. 430,000, und 1700 auf 8 Mill, belaufen. Im Jache 1801 zahlten die Bewohner 63 Mill. Pf. St. Steuern, jetzt die fast doppelte Zahl nur 50 Mill. Pfd. Seit 1800 hat das britische Reich seinen Besitzungen eim verleibt: zwei europäische Inseln mit 350,000 Einwohnern, in Westindien 100,058 Q -M. mit 130,000 Einwohnern, in Afrika, außer den von den Raffern eroberten Strecken, 201,000 xL-W. mit 306,tX)0 Einwohnern. In Asien hat England Hong-kong und 228,700 O -M. in Indien erobert. Die Einfuhr hat sich seit 1801 verdreifacht, die Ausfupr verachtfacht.
Ein gräßliches Verbrechen wurde am 30. Jan. in Paris entdeckt. -In der Straße St. Hono.e