& 2^- Wiesbaden Donnerstag 30. Januar 1851.
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Die deutsche Eiupferchung
X In den russigen alten Amts * und Geschäftsale II des Thurn- und LarisMen Palastes, wo so mche vermoderte Idee zur Stäatsraison erhoben, so mcher Ring zur Knechtung Deutschlands geschmiedet irde, in jenen unheimlichen Raum > imrd jetzt ge- Wert und getüncht, und Baul t ^'v Art sind chaftigt, die Gemächer auf das tV^C ^vollste zu tauriren. Der alte Bund rotUienfu ^ ßi (gestalt [treten, wie Mephisto zum Bessworu ^e^r w&gi« arthe sich adonisirt. 7 wst die^ragd-entM Oesterreich schreitet seinem Ziele .'g der B^och un- rrücft entgegen. Noch immer sollftich noch . ent- «eden sein, ob das Siebengruppensystr.k>nder das stimmige Direktorium oder der Dualismus siegen rken. Der Wiener Hof hat gegen das eine so viel, c gegen das zweite und dritte Projekt ernznwendeü, entscheidet sich weder da noch dort ganz, sondern hält l Sache in der Schwebe, um diesem durch das ihm »ehmste System so, jenem durch ein anderes Hinang abzuzwingen; er schmeichelt und droht, thut mm und für alles Bestes bedacht, und wenn er sie e im Sacke hat, wird er die Schnur zuziehen. Wer $te es ihm verübeln, wenn sichs nicht zugleich um itb und Gut, Haut und Kragen der Völker handelte! K; der Pferch, in den Oesterreich die deutschen Re- muigen hineinjagen will, ist der k. k. Zollverein, st es allerdings sowohl für seine Kronländer, wie r sich als Vormacht gebraucht. Aus den Zollreve- ien sollen die Kisten der Bundeskasse gefüllt, die Mm Erekutions- und Sicherheitskolonnen bezahlt, k vielen Zwangsmaßregelii bestritten werden. Die Mschen Bürger sollen selber zahlen , was ihre Em- krchung kostet.
! Heute stimmen nicht mehr als die Berichte voll len Seiten dahin überein, baß Schwarzenberg Alles lfbiktkt,, um die Zo l l ei n igu ii gsfrage in den ordergruiid, also auf den Punkt zu bringen, wo ir der großen Mantenffel'schen Retirade die U nions - Vge stand. Alles Dringen der übrigen Negierungen Mein Definitivum bleibt erfolgslos: Oesterreich be-
Himmel und Hölle, es weist auf Rußland und wnkreich hin, um die Nothwendigkeit einer starken tiitralgewalt und zu dem Zweck die Unentbehrlichkeit tutender Mittel zu zeigen. Ohne Dukaten keine floaten! Zwar führt fast die gejammte preußische >d norddeutsche Presse eine wahrhaft vernichtende vikmik gegen die k. t Projekte, zwar zeigt sich der rrkwürdige Fall, daß hierin die „Kreuzzeitung" mit >„Nat.-Ztg." nud diese mit der „Köln ", ter ,,S3cf.« D." einig ist; doch was helfen die Gründe? Staats«
rat fön entscheidet! Die Restauration muß so verfahren , sie muß die gesunde Vernunft mit Füßen treten, ’ sie muß bas Unvernünftigste wagen, denn dies eben ist ; ja ihre Natur. Oder hat sie nicht dem Geiste Fehde ; geschworen, betrachtet sie nicht das Denken als die i Quelle ver Revolution, haßt sie nicht den „Hochmuth" des Verstandes, verachtet sie nicht die Regeln der Logik?
Die preußischen Staatsmänner, die reaktionärsten nicht ausgenommen, sind durch den Protestantismus, die Hegel'sche Philosophie und die Naturwigeaschasien, . die in Berlin und Potsdam unter Humboldts Aegide , immer noch ein Asyl haben, zu tief in den Geist des I Jahrhunderts eingetaucht, als daß sie denselben mit ; einem kühnen Griffe abstreifen könnten. Noch immer i regt sich in ihnen etwas von der Mutter Schlange, welcher der Absolutismus, als neuer Messias der Dy- , nastien, den Kopf zertreten will; es gilt daher wiederum auch in der ZoUfrage die Bundesgenossen ahzutrennen. Dahin zielt jetzt laut den Berichten der Berliner Pub- licisten die lebhafte Agitation, welche die österreichische Diplomatie in allen deutschen Residenzen betreibt. Um zum Dualismus zu gelangen, opferte Preußen die Union; es wird noch den Zollverein in Kauf geben müssen, um zuletzt tin glücklichsten Falle eine illusorische Gleichheit zu erlangen.
In Frankfurt wüp getüncht und gemalt; der alte Bunvespalast wird erneuert. „Man muß wirken, so lange es Nacht ist, bald kommt der Tag, wo Nie- manv wirken kann!" flüstert die Contrerevolutioii ihren Getreuen zu. Die Bewegungen in Frankreich und der ' Schweiz — wenn sie nicht mitprovocirt von der Reak- < tion, so werden sie doch jedenfalls der großen absolu- j tistischen Propaganda Vorwand geben, um die Wider- 1 strebenden einzuschüchtern und ins Netz zu treiben. Wir ' glaube» nicht an ein baldiges Desiiüssvum der Restauration, wohl aber an ein neues Interim mit dualistischer Form, wobei Preußen auch noch seinen Zollverein in den Kauf bringt. Das Desinitivuin der deutschen Frage wird eine Spitze werden, dahin drängt Alles; aber ob vies die alte Kaiserkrone oder eine phrchgische Mütze, ob Deutschlands Fahne die schwarzgelbe ober ; die rothe werden wird — mag die Zukunft lehren; die alte Trikolore, die schwarz-roth-golkene, das von ’ ven Konstitutionellen so kläglich verfochtene Reichspanier bietet für die eine wie für die Entscheidungen Stoff und Farbe.
Der Prozeß Rau und Genosse»» vor dem Schwurgerichte in Rottweil. (Stuttg. Beob.)
Die Sitzung vom 21. Jan. begann mit ver Aufforderung an die Angeklagten Rau und Spreng, sich
über die gegen sie erhobene Anklage zu erklären. In dem Vortrag, welchen Rau sofort hielt, ging derselbe Vie Anklageakte Punt ssür Punkt durch, indem er als Zweck seines Auftretens in Rottweil und der Ungkgend vie Veranstaltung einer Riesenversammlung bezeichnete, damit das Volk Angesichts der Regierung über das, was ihm Noth thue, berathe, und kraft der ihm zustehkliden Souveränetät barübe- entscheide, ohne daß er jedoch zugab, eine gewaltsame oder ungesetzliche Durchführung der etwa gefaßten Beschlüsse beabsichtigt zu haben, da er sich vielmehr der Hoffnung hingegebe» habe, es werde eine Verständigung zwischen Regierung und Volk Möglich sein.
Nur müsse das Volk in großer Anzahl erscheinen, die Beamten und Geistlichen an der Spitze, in georv- netkin Zuge: denn es sei ein heiliges Unternehmen, Vas er anstrebe, ein solcher friedlicher Zug werde und Müsse zum Ziele führen. Wie Rau schon durch sèiü anständiges, würdiges Betragen während seiner langen Haft auf Vein Asberg vie Anerkennung des ganzeu Festungspersonals sich erworben hatte, so mußte auch in dem Gerichtssaale die bescheidene freundliche Haltung des Angeklagten, die Würde, mit welcher er ohne Groll und Leidenschaft seinen Anklägern gegenüber trat, überhaupt ein gewisser evier Zug, welcher in seiner ganzen Elschnnung hervortritt und zu ihm hinzieht, auf die Vecsauinüuug einen wohlthuenden Eindruck mache». Von seinem Vortrage selbst wurde von mancher Seite mehr erwartet: derselbe war, wie sein Unternehmen, schwârmerlsch/ unklar,'unbestimmt. — Spreng ist eine untergeordnete Person bei den Vorfällen in Rottweiler soll mit einer rothen Fahne in der Stadt herüm- gezogen sein, ein zur Theilnahme am Zuge aufforvern- ves Schreiben nach Deißlingen überbracht, eine Lärm- kanone gelöst und am Zuge gegen Kannstatt Th"l genommen haben. Warum er nicht amnestirt worven, läßt sich nur aus dem unhändigen Benehmen Vesselbe» wahrenv der Gefangenschaft erklären.
Am 21. Nachmittags begann das Zeügenverhör. Die Anordnung ist eine sehr gelungene, indem die Zeugen nicht, wie es bei kleineren Verhandlungen der Fall ist, über ihr ganzes Wissen zugleich vernommen werden. Eine è eene des großen Drama's nach der andern wird der Versammlung vor Augen gerührt. Zuerst traten Zeugen auf über die politische Stimmung in Rottweil vor der Ankunft Rau's Ihre Aussagen ergeben, daß es dort, wie überall, Demokraten, Altliberale und Konservative gab, daß aber einzelne der ertremsten Demokraten, Geldmakler Help und Werkmeister Göttle, ihre republikanische Gesinnung offen an den Tag legten, indem sie auf den 27. Septemoer 1848 zu einem Heckeressen Einladungen erließen. Diese beiden Männer, gleichfalls angeklagt, aber flüchtig, sind
-as Wesen und der Nutzen des Kinder- ^rtens nach Friedrich Fröbels ErziehuugS- fystei»
k Von Ottilie Schmieder.
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b Das Erziehungssystem von Friedrich Fröbel W zunächst einem Lebensalter, das man bis jetzt nur noch der physischen Pflege bedürftig geachtet, den W sechs Jahren. Ist doch die Entwickelung des Mes und Körpers in steter Wechselwirkung, und so Wue Zeit, wo der Körper am auffallendsten sich ^Welt, zugleich die bedeutenste Entwickelnngsperiove U inneren menschlichen Seins. Und wie die ersten Mugen der Körperkräfte die meiste und treueste Sorg- Wü beanspruchen, ebenso und noch vielmehr das r innere Leben.
Die Erscheinung, daß es zu den vielen rcichbegab- F lindern verhältnißmäßig so wenig bedeutende j)ieib P gibt, beweist uns, wie ihre eigentliche Natur so dtrkümmert und in sich vergeht, ober doch nicht zu
Entwickelung gedeiht. Und daß die Bildung so rost nur eine Form ist oder nur zu einer einseitigen chaiidesbilvung wird und Rohheit und Entsittlichung M ihr gedeihen können, lehrt uns, wie die Erziehung ^fb vor allen Einrichtungen, der Verbesserung und ^sächlich die noch reine unverdorbene Natur des ^s und die aus ihr aufstrebende Kraft aller Auf- "sainkeit bedarf. selber die sorgsamste Mutter ist nicht im Stande Kindern die Aufmerksamkeit zu. widmen, deren surfen; unter allen Verhältnissen hat sie noch wei- 1
tcren Pflichten zu genügen. Zugleich besitzt das Elternhaus auch nicht die Möglichkeit zu der allseitigen Entwickelung des Kindes, in welchem seine Bestimmung ruht. Der Kindergarten nach der Idee von yieerui; Fröbel bietet alle Ergänzung. Er ersaßt den Menschen in seinem ganzen Wesen und seinem ganzen Berufe.
Der Kindergarten soll bei der Erziehung der Kinder vom dritten bis vollenveteu sechsten Jahre das Elternhaus täglich einige Stunden unterstützen und die Kinder zur Schule voi bereiten. Der Name bezeichnet, sie sollen gleich Blumen mit und in der Natur, ihrer eigenen Natur gemäß, gehegt und gepflegt werden. Diese Pflege ist in die Hand deS Weibes gelegt, weil die Yiatur selbst durch Liebe, Geduld und geistige Spanu- kraft, die sie ihr verliehen, sie zur Erzieherin der ersten Kindheit bestimmt. Sie soll als freundliche Mitgespielin den Kindern zur Seite sein; aber durch geistige lieber» legenheit, vurch Einsicht in die Natur des Kindes und Bewußtsein über den Zweck der Erziehungsmittel, die der Kindergarten ihr bietet, sie beherrschen. Sie soll mit Heiterkeit und Liebe sie zugleich beleben, wie die Sonne die Natur. Der Kindergarten soll nicht sowohl lehren, sofern man unter Lehre die Mittheilung positiven Wissens versteht, sondern es gilt hier mehr der harmonischen Entwickelung der reinen Menschennatur, und es sollen die geistigen und körperlichen Kräfte entfaltet und das sittliche und ästhetische Gefühl erweckt, das Bedürfniß nach Thätigkeit, Kenntniß und Erkenut- uiß und nach sittlicher Bedeutung angeregt werden. Die Erde wird vurchackert und geklärt, ehe der Samen ihr anvertraut wird, so soll auch der Unterricht „„ Kinde einen vorbereiteten Boden für die freie Triebkraft sinde».
DaS Spiel ist die natürlichste Beschäftigung des Kindes und der Nachahmungotried leitet es zur ersten Thätigkeit: so wird im Kindergarten das Spiel uns dieser Nachahmungstrieb zunächst als Gezie^ungüuiutei benutzt. Es werden bestimmte Erscheinungen an5 der Natur oder menschliche Verhältnisse, Beschäftigungen der Landleute oder Handwerker spielend vargestellt und mit Gesang begleitet. In diesen Spiele» gewinnt das Kind den Begriff des Wortes uno Vorstettiiirge» aus dem Leben, sie vermitteln in ihm das sinnende und praktische Element. Es übt sein Gedächtniß durch die Erkeruung der kleinen Lieder, die ihm gleich am wie von selbst Zufällen, und der Gesang weckt sein miisi- kalischeS Gehör und regt es gemüthlich an, er veredelt und verschönert, beseelt gleichsam das Spiel. Zugleich bringt er Takt und höhere Ordnung in dasselbe, und das Kind gewinnt Liebe und Achtung zur Ordnung und lernt freudigen Gehorsam, indem sein Spiel gestört wird, wenn es sich nicht feinem Gesetz unterwirft. Es lernt zugleich in diesen Spielen sich als Glied eines Ganzen fühlen, die Vortheile, die es als solches genießt, und die Rücksichten, die es so auch dem Ganzen schuldig ist, und aus dem Zusamiirenhange des einen zum andern Liebe uhd Verträglichkeit. Indem in viesen Bewegungsspielen auch die Körperkräfte geübt werden, ruht in ihnen die Anregung aller Fähigkeiten, das Kino lebt in ihnen gleichsam seine ganze Natur. Es gibt nichts Rührenderes als diese Spiele und die in diesen Spielen freudestrahlenden Kinder.
(Schlutz folgt.) ; . t