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Die liberalen Minister, wie Hr. v. Münchhausen und selbst Hr. v. d. Pfordten, sind hierbei arg berührt worden, und die Verstimmung dieser Herren bei ihrer Heimkehr ans DresdenM^r keine geringe; denn über laug oder kurz wird cs an das eigene Fleisch gehen und man wird entweder Prinzip oder Portefeuille op­fern müssen. Einen Constitutionalismus will man vèibehalten; schon des angenehmen Namens halber und auch darum weil ohne reichsständige Vertretung der finanzielle Credit der Staaten untergraben ist, ja die meisten Staaten und selbst Preußen keine Anleihen ohne isländische Bewilligung crciren können. Allein dem Constitutionalismus nach französischer Manier soll der Garaus gemacht werden; er ist eine Frucht der Revolution, mit der entschieden gebrochen wer­den soll Man will das altdeutsche, ständische System, jedoch mit äußerlichem französischem Schmuck, beibe­halten wissen. Man will zwei Kammern: in der ersten die unmittelbaren Träger der Monarchie, die alten Standesherren, den großen Grundadel, die Universi­täten, die Richtercollegien und die Geistlichkeit, genug alle conservativen Grundelemente des Staats, größten- theils erblich; außerdem die Befugniß für die monar­chische Gewalt, durch Zusatz dieser Kammer jede be­liebige Färbung zu geben. Zu der zweiten will man die korporative Vertretung der aus den Gemeinden resp. Kreisständen hervorgegangenen Gcmeindcräthe der Städte und endlich die Vertretung der Gewerbe durch Repräsentation aus den Innungen, der Kaufmann­schaft auS den Handelskammern resp. Commerzcollegien und sonstigen Handelskörpern. Dem Wahlsystem nach Urwahlen oder nach Klassenwahlen mit oder ohne- hern oder niederen Census soll ein Ende gemacht wer­den. Auf diese Weise hofft man das konservative Ele­ment zusammenzubringen, welches Anleihen bewilligt und alle möglichen Gesetze gegen oie modernen Frei- Heitsbestrebungen entwirft. Zn Hessen, Mecklenburg, Würtemberg, Darmstadt und Hamburg wird dies zu­nächst vorbereitet oder besteht bereits schon. In Oester­reich werden die Provinziallandtage zusammenberufen und von der Reichsverfassung wird kein Wort weiter lautbar werden, und endlich im gelobten Preußenlande, dem Idol aller politischen Sentimentalitätsmenschen, wird gleichfalls ein solches ständisches Wahlgesetz aus- gearbeitet und sehr bald den Kammern vorgelegt wer­den, von denen man diesen politischen Selbstmord mit Zuversicht erwartet."

Berlin, 22. Jan. (Köln. Ztg.) Wie ich höre, sind die Einladungsschreiben zu den Wiesbadener Zollver- eins-Conferenzen unter dem 15. d. M. an die betreffen­den Regierungen von hier abgegangen. Auch soll in den letzten Sitzungen des Staats-Ministeriums die Zollfrage der Hauptgegenstand der Berathung gewesen sein, und will man wissen, daß der Bevollmächtigte Preußens in Dresden, Graf v. Alvensleben, nachträg­lich auf die materielle Fragen bezügliche Jnstrcucionen erhalten, die den Plänen Oesterreichs schwerlich ent­sprechen dürften.

Die Wahlen für das Präsidium der 1. K. fiel auf die bis­her mit demselben betrauten Abgeordneten Graf Ritt- berg (Präsident), v. Jordan und Brüggeman (Bice- Präsident); Graf Rittberg wurde fast einstimmig ge­wählt, von 121 Stimmen erhielt derselbe 119. Der Antrag des Abg. v. Arnim ist einer Commission überwiesen.

Berlin, 23. Jan. (O.P.A.Z ) Die großhcrzogl. Regierungen von Baden und Hessen-Darmstadt sollen bereits erklärt haben, auf den in Dresden proponirten Abstimmungsmodus nicht eingehen zu wollen. Ueber Anordnungen in Betreff des Fortbestandes der still- schweigens bisher fortbestandencn Bundescentralcommil- sion in Frankfurt haben die Dresdener Conferenzeu jüngst verhandelt. ES sind mehrfache Bedenken rege gemacht worden gegen den Fortbestand dieser Commis­sion. Definitives ist noch nicht entschieden.

angegeben. In Frankreich mit einer gleichen Einwohner­zahl variiren die Angabe», je nachdem nur die fest an­gestellten oder auch die temporären, die nicht salarirten und die pensionirtrn Beamten in Rechnung gebracht werden; aber die niedrigste Schätzung übersteigt 350,000. Wir glauben, daß folgende aus einem Bericht an die gesetzgebende Versammlung entnommene Zusammenstel­lung der aktiven Beamten, ohne die Municipalbeamten, ziemlich genau ist:

Ministerium des Inner» . . . . . 344,000 Ministerium der Justiz ......11,110 Ministerium des Unterrichts und Kultus . 50,000 Ministerium der öffentlichen Arbeiten, deS

Hanndels und deS Ackerbaues .... 10,000 Ministeriums der auswärtigen Angelegen­heiten ............ 332

Ministerium des Krieges und der Marine . 43,633 Ministerium der Finanzen, Steuern und

Zölle..... 76,000

Summa 535,365

Man vergleiche dirs ungeheure Heer bezahlter Beamten mit dem bescheidenen Zuschnitt der Regierung von Großbritannien mit feinen 30 Millionen Stelen Im Jahre 1835 wurde der ganze Civilstaatsdienst von 23,578 Personen besorgt und seitdem hat die Zahl eher ab- als zugenommen."

Paderborn, 15. Jan. (Tr. Z.) Ist es möglich? Aus Arnsberg wird derWestpH. Z." mitgetheilt, daß der Redacteur des dortigen Kreisblattes, Regierungs secretâr R., die Aufnahme einer Annonce folgenden Inhalts:Bestellungen auf die Westphälische Zeitung werden pünktlich besorgt durch . . . ." versagt resp, dem Drucker des Blattes verboten hat, weil derselbe für sein Blatt keine Kaution leiste, also auch nichts aufnehmen dürfe, was Zeitungen betreffe, denen der Postdebit entzogen sey!"

^ München, 21. Januar. Minister von der Pfordten ist sehr mißgelaunt von Dresden zurückge­kehrt und hier wird er schwerlich wieder szu gutem Humor kommen. Das jetzige Ministerium wird nicht lange mehr bestehen; schon nehmen die Hetzereien fein Ende mehr. lleberall Denunciationen gegen Personen und Sachen, häufig sogar aus dem Auslande, und wenn dann daS Kabiuet nicht sofort maßregelt oder die Denuncationen, weil sie'offenbar falsch oder böswillig find, ad acta legt, so wird über Schwache der Regie­rung geklagt u. s. w. Kurzum, die Minister ruhen nicht auf Rosen. Man sucht sie zu misbrauchen und ab­zunutzen, um für zuverlässigere Mitglieder der großen Propaganda Raum zu gewinnen. Die von der Pfordten u. s. w., werden belohnt werden, wie die Märzminister; erst wenn Alles wieder beim Alten, wird das Alte sich zufrieden geben. Das ist der Lauf der Welt.

Wien, 20. Januar. (Const. Ztg.) Jellachich ist nach Croatien zurückgereist. Er hatte dringend, aber ganz vergebens, die^Herabsetznng des Salzpreises, die Verminderung des Stempels, Veränderungen in dem Communal- Gesetze und besonders die Nichteinführung der Gensdarmerie verlangt; er kommt also mit-leereu Händen nach Agram, und darf sich diesmal keinen frohen Empfang versprechen. Aus Hussiatyn in Galizien wird berichtet:Bei vortrefflichem Schlitten­wege und einer Kälte zwischen 912 Grad, kommen noch immer russische Truppen aller Waffengattun­gen in die nahe Umgebung der kaum 9 deutsche Mei­len von hier entfernten Festung Kamieniec podolskoi. In dem Militär-Rayon zwischen dieser Festung mit Inbegriff der Besatzung und Chotym und Zampol dürf­ten wohl jetzt über 30,000 Mann zusammen sein. Das polnische Hussiatyn ist von dem russischen Hussiatyn nur durch die Brücke über den Fluß Zbrucz geschieden, an die die russische Haupt-Tomoszna-Mulch sich anlehnt." Wegen der überhandnehmenden Räubereien und Mord­thaten ist im Pesther Militärdistrikt das Standrecht publizirt worden.

Wien, 22. Jan. (T. C. B.) Ein politischer Club ist in der Leopoldstadt kürzlich aufgehoben; mehrere wohlhabende Bürger sind bei diesem Anlässe verhaftet worden. Die heutigeWiener Zeitung" meldet, daß die zweite Schwurgerichtssitzung am 3. März unter bem, Vorsitze des SenatSpräsidenten Grafen P. Breda eröffnet werden wird.

^ Wien, 23. Jan. Schmerling bleibt wahrscheinlich. So berichtet dieAugsb. AUg. Ztg.", ohne das Warum anzndeuten. Im Zollcongreß, der am 20. eröffnet wurde, zeigen sich Spaltungen, weil nicht das Prinzip des Tarifentwurfs, sondern blos die Tarifsätze zur Beurtheilung gegeben wurden Wie kann man aber Cinzelnhciten beurtheilen, jwenn die Beurtheilung .des Prinzips, auS dem Alles erfolgt, versagt wird? --

Bremen, im Januar. (Z. f. N.) Das geistliche Ministerium hat durch Stimmenmehrheit beschlossen, künftig die anzustellenden Geistlichen wieder nach dem Bekenntniß zu den Lehren der f. g. Mkenbtnißschriften zu fragen!!!

Hamburg, 18. Jan. (N. Pr. Z.) Das Drrec- torium der deutschen Centralverwaltung für Handels­freiheit, welcher bis jetzt 30 Städte Deutschlands for­mell durch Vertreter beigetreten sind, ist nun in der Weise coustmurt, daß Hr, Edgar Roß in Hamburg als Vorsitzender, Hr. P. Gutike in Stettin als Schatz­meister, Hr. Morch Elliffen in Frankfurt als Gerant fungiren.

Hamburg, 22 Jan. (B.-H.) Gestern sind bereis, wie wir hören, österreichische Truppen in Geflacht (auf beiberstädtischem Gebiet) angekommeu.

§ Hamburg, 22. Januar. Als unsere Stadt von Preußen okknppirt war, erklärte Schwarzenberg, das sei ungerecht, das könne nicht länger geduldet werden, daß der eine Staat so ohne Weiteres den andern bc- setze und möglicher Weise in den Sack stecke. Schwar­zenbergs Logik war so schlagend, daß die Preußen ab- ziehen mußten. Doch waS geschieht jetzt? Die Hol­steiner haben sich unterworfen und dennoch kommen die Oesterreicher, um ihnen noch hinterher den Fuß auf den Nacken zu setzen, und nun erklärt Legeditsch, nach­dem er das Lauenburgische mit Truppen vollgestopft hat, ganz harmlos, wie früher Preußen, er müsse Ham­burg für einemöglichst kurze", doch nicht näher zu bestimmende Frist mit 4000 MannauS rein strategischen Gründen" besetzen. Der Senat hat pro- testirt, der Protest ist nach Dresden und Wien tele= graphirt worden und die Antwort erfolgt, daß schon mor­gen die Einquartierung einrücken werde! Also hat es doch nichts geholfen, daß der Senat die armen Ungarn ans- wies und baß er terrorisirte ganz nach Kommando. Der ganze Gewinn ist, daß es jetzt überall heißt: Den Hamburgern geschieht es ganz recht; eine so elende Spießbürgerpolitik verdient Fußtritte als Belohnung! Daß unser Handel darunter leiden wird, ist gewiß.

Wer will Kapitalien und Waaren auf einen Platz wagen, der von fremden Truppen okkupirt ist und auf eine solche Weise! Ringsum wimmelu die Dörfer von Oesterreichern; auf manchen Bauernhöfen liegen 30 Mann. Die Unkosten trägt der Bund, der Senat schießt vor, die Zeche aber trägt das Volk, d. h. wen was hat. Unsere Ordnungsmänner sind über diesen Kommunismus ganz verblüfft. Sie fielen vom Volke ab, weil fie das Theilen fürchteten, und jetzt werden sie von der Contrerevolution belehrt, daß ihre Be- ürchtungen oa in Erfüllung gehen, wo sie Sicherheit gesucht hatten.

Lübeck, 21. Jan. (Lüb. Ztg.) In der gestrigen Versammlung des Bürgerausschusses machte der Senat die Mittheilung über die Einquartierung österreichischer Truppen in den im Lauenburgischen belegenen Lübeckischen Enclaven. Eine durch den Secretär Dr. Winkler bei der lauenburgischen Regierung und dem Höchstcom- mandirenden der betreffenden österreichischeu Truppen hiergegen angebrachte Remonstration sei ohne Er­folg gewesen. Zugleich sei für den Fall einer Besetzung Rendsburgs die Möglichkeit eines Durch­marsches durch sonstige Gebietsthkile und die Staat selbst mit den erforderlichen Rasttagen in Aussicht gestellt. Den vom Senat gestellten Antrag, betreffend die Zustimmung zu den nicht abzn- weisenden Maßregeln, beschloß der Bürgerausschnß za genehmigen, unter der Voraussetzung, daß binnen kür­zester Frist die von Seiten der Duartjergeber zu lei­stenden Verpflichtungen, sowie die Bestimmungen über die Ausgleichung der Einquartierungslasten bekannt ge­macht wurden. (Antrag des Dr. v. Bippen.) Ein von Slevogt gestellter Antrag, dahin gehend, baß der Durchmarsch österreichischer Truppen durch Lübeckisches Gebiet, eventuell dessen Bequartierung, für eine Ge­waltmaßregel zu erklären und dagegen an geeigneter Stelle Protest einzulegen sei, wurde abgelebt Laut hier eingegangenen Nachrichten, die uns als zuverlässig bezeichnet werden, sollen bereits gestern in Nüsse 100 und einige 60 Mann f. k. österreichischer Truppen Quar­tier bezogen haben.

-»^Schleswig-Holstein. Die am 20. in Rendsburg entlaßenen Schleswiger haben bereits erfahren, was den Männern, die gegen Dänemark kämpften, bc- vorsteht. Auf Wagen nach Schleswig befördert, wur­den sie bei Krepperdusch angehalten, die Wagen nach Rendsburg zurückgeschickt und sie dann förmlich wie Gefangene nach Schleswig geschleppt. Ueber ihr ferneres Schicksal verlautet nichts. Die Kommissäre hatten die feste Versicherung gegeben, daß die entlassenen Schles­wiger wegen ihres Dienstes nicht zur Rechen châft ge­zogen würden; doch ist darüber keine Zusicherung ge­geben, daß sie nicht sofort affentirt und unter den dä­nischen Truppen gesteckt werden. Es ist daher schänd- lsich von Seiten des holsteinischen Kriegschefs, daß er die Leute ohne Weiteres in ihr Verderben schickt, wenn auchzu Wagen"!

Rußland.

Warschau, 15. Jan. Vorgestern starb hier der aus den persischen, türkischen und ungarischen Feldzügen bekannte Generallieutendnt Graf Siwomtsch.

I t a l i e ».

Turin, 19. Jan. (Schw. M.) In Genua wird seit mehreren Tagen ein geheimnißvolles Schweigen über die letzten Ereignisse beobachtet. Diese plötzliche Stellung mit dem Finger auf dem 9. .w hat jedoch etwas Verdächtiges. Vielleicht sind es zarte Rücksich­ten auf Dellainarmora oder Radetzky. Ein Theil der republikanischen Schwalben soll nach Nizza, ein an­derer in die Schweiz geflogen sein. Wo aber steckt Mazzini? fragt man. In Nizza, Genua, La Spezia, Tunis u. s. w. ist die Antwort. Frankreich und Neapel rüsten bereits einige Fahrzeuge aus, um den gefähr­lichen politischen lleberall und Nirgends auf dem Mit­telmeere einzufange», während dieser vielleicht auf dem Langensee spaziere» fährt. Es ist eine eigenthüinliche Erscheinung, daß alsobalp^von Nizza bis Palermo die republikanischen Statisten Sprünge machen, sobald Maz­zini von irgend einem Schlupfwinkel aus die Schnur zieht. Hier in Turin betrachtet man diese Sache mit Gleichgültigkeit, stellt aber gar nicht in Abrede, daß die letzten, ziemlich unbekannt gebliebenen Unruhen in Sizilien, die vielen Verhaftungen zu Neapel und die Auftritte zu Genua Glieder einer Kette sind. Wir sind konstitutionell, sagen die Piemontesen, wir sind keine Mazzinianer! Das erinnert uns an Heine's: .Wir sind Germanen, gemüthlich und brav und schla­fen gesunden Pflanzenschlaf!"

Republik Frankreich.

& Paris, 13. Jan. Die KabinetskrisiS ist noch immer nicht zu Ende, ja ihr Ende ist kaum abzusehen. Alle bisherigen Versuche sind gescheitert. Odilon Barrot sowohl als Leon Fancher haben sich so wenig mit dem Präsidenten über das Programm, wic.mit ihren Freun­den über die Personen des neuen Kabinets verständigen können. Louis Bonaparte hofft auf diese Weise, die Nation.-Versamml. mürb und das Land müde machen und dann ganz gemächlich zu seinem Commis-Ka- binete zurücklaviren zu können. Sollte dieser Plan nicht gelingen, so wird eine Botschaft erfolgen, welche die National-Versammlung heimschickt und die Nation zur Wahl einer neuen Versammlung zur Revision der