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Freiheit Neeht!^

vite 2I Wiesbaden. SemsLag, 25. Januar 1& 31.

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D i e Nemesis.

X u N menschlich nannte der preußische Beseler einst die Behandlung der Konstitutionellen von Seiten des Ministeriums der rettenden That. Ja, es ist hart, grausam, unmenschlich sogar, daß die Contrerevolution denen, die ihr so treu gedient, unerbittlich auf den Nacken tritt, sobald sie ihre Dienste entbehren zu kön­nen glaubt; es ist schrecklich, daß sie den servilsten Leistungen derer keine Rechnung tragt, welche bei Al­lem, was sie sprachen und beschlossen, der Reaktion stets so sorglich Rechnung trugen; -~ aber so schreck­lich immerhin, so begreiflich ist es. Ließ sich etwas An­deres erwarten? Schwache benutzt man, doch man traut ihnen nicht; Verräther läßt man ihren Verrath üben, doch man verachtet sie und macht sich nicht län­ger gemein mit ihnen, als es diegute Sache" erfor­dert ausgepreßte Citronen wirft man auf die Gasse! Das war, ist und bleibt die Taktik der Macchiavellisten, und wen kann es verwundern? Ste müssen so ver­fahren; sie dürfen keine Gnade üben, und wenn sie einen verlornen Sohn zu Gnaden wieder annehmen, so ist es nur eine Galgenfrist, die ihm gestattet wird. Und so natürlich es, so gut ist es für alle Theile. Die Mittelglieder müssen schwinden, seit die beiden großen Parteien mag man sie nun Contrerevolution und Revolution, Absolutisten und Demokraten, oder wie sonst nennen konsequent geworden sind. Diese Zwi- schensteher haben in den letzten drei Jahren der Volks­sache unendlich geschadet, der Sache der Reaktion un­säglich genützt. Die Völker haben also keine Ursache, ihren Sturz zu beklagen, sie haben Grund sich zu freuen, daß Schwachheit von der Contrerevolution ganz wie Verrath geahndet wird, und daß die konsequenten Feinde der Freiheit das Amt der Rache übeu-au den falsche» Freunden der Freiheit.

Wenn ein Mann sich große Verdienste erworben hat um den Sieg der absolutistischen Politik, so ist eS Herr v. Schmerling Seine Thaten aufzuzählen, bedarf es nicht; sie stehen mit Flammenzügen geschrieben in den Herzen deutscher Männer und Frauen. Wir wollen nur an das ungeheure Staunen der Gothaer sogar erinnern, als Heinrich von Gagern ihn auf der Tribüne in der Paulskirche seinen Freund nannte. Wo im Jahre 1848 die Volkssache eine Niederlage erlitt, da war Hru v- Schmerlings gewandte Hand im Spiele. Wir haben Männer gehört, welche nichts weniger als eraltirt waren, Männer von sehr konservativer Gemüthsart, Männer, die selbst von Andern als Reaktionäre ge­tadelt wurden, und diese Männer nannten ihn den Kain der Freiheit", denJudas der Volkssache", die Schlange m Heinrich" von Gagernö Busen. Uns kam das etwas seltsam vor, doch es überraschte uns nicht, so hinkend uns der Vergleich erschien. Cs gibt keinen Kain der Freiheit, denken wir, denn die Freiheit ist nicht zu erschlagen, sonst wäre sie seit Jahrtausenden

von der Erde verschwunden, la es stets Männer wie den Ritter von Schmerling gereben hat, die sich noch dazu für überzeugt hielten, das sie derwahren Frei­heit" unsterbliche Dienste leisteten. Sollte Schtnerling nicht ähnlich geglaubt haben? Und was die Schlange in des Olympier's Busen betrifft, wenn Schmer­ling wirklich eine solche war, auf wen freie die Schuld, wenn Gagern sich misbrauchen ließ? Ein Mann, der die Kühnheit hat, sich an die Spitze einer Mvolutkön zu stellen, läßt sich von einem Verschmitzten, vor dem ihn alle Welt warnt, zum Werkzeuge der Reaktion er­niedrigen! Fürwahr, wir halen nie Ursache gehabt, den Ritter von Schmerling zu lieben; doch mit den Gothaern verglichen, mit diesen Jammerhelden, war er ein ganzer Mann. Wie fein wußte er die Karten zu mischen, wie köstlich war die Ironie, womit er die Ideologen" hänselte, wie kalt und trotzig die Stirn, die er den vernichtenden Hieben der Linken entgegen­setzte.Ihr mögt das echt und die Vernunft auf eurer Seite haben, desto schlimmer für euch, denn darum handelt fich's längst nicht mehr; ich habe für mich die Majorität und die Gewalt!" Das blitzte ans seinen schlauen Augen heraus. Und wie sollte er mit den Gothaern anders Verfahren, als er gethan? Sie triebendie Politik der gegebenen Verhält­nisse" und er auch, nurdaß sie nie wußten was sie wollten, nie wollten, was sie konnten, und daß bei ihm Wissen, Wollen iznd Können stets Eins waren.

Wie gesagt, wir hatten keine Ursache ihn zu lieben, viel Grund, ihn zu befehden; doch daß er ein bedeu­tender Schüler der Meiternich'schen Schule, ein her­vorragendes diplomatisches Talent sei, habe» wir stets zugestehen müssen. Herr v. Schmerliug hat kein Herz, sagten wir damals; und doch wir sinh heute fast stutzig geworden, wenn wir sein neuestes Schicksal er» wagen-Herr 2. ®aH<ni var zu viel, Herz!" haben Andere entschuldigend gesagt. Nun, GagèrnNst umer den Ersten, nicht im Kampfe, sondern im Abzüge, wie in der Paulskirche, so jetzt in Schleswig-Holstein: ist das Herz? Nun Schmerling ist unter den Ersten, welche in Oesterreich gestürzt werden, trotz ihrer emi­nenten Verdienste um das Haus Habsburg, weil sie eine Grenze der Reaktion kennen, weil sie Prinzipien haben, die zu opfern, sie lieber das Portefeuille opfern: ist das kein Herz?

Herr von Schmerling wollte nicht die Verewigung der Militärdiktatur, er wollte nicht den alten Junker- und Jesuitenstaat, er wollte dem Volke Rechtoinstttn- tionen gesichert wissen, er wollte neben der Preßfreiheit nicht Profoß und Galgen, sondern die Jury, er wollte einen langsamen doch unaufhörlichen Fortschritt des ab­solutistischen in den konstitutionellen Staat. DaS wollte er, und daß er Forderungen stellen, Rücksichten in An­spruch nehmen dürfe, meinte er, da er so viel für Oesterreich gethan, so manche Rücksicht auf die Habs­burgische Dynastie genommen hatte. Die jetzigen Gewalthaber in Wien wollen kies nicht, sie wollen

und dürfen keine Rücksichten nehmen und darum mußte Herr von Schmerling abtreten vom politischen Schau­platze. Ein Wort hat er gesprochen, das ihm nie zu vergeben ist, es ist seine Nemesis! Als Blum in der Brigittenau gefalley, rief Schmerling:Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!" Auch an ihn kam die Gefahr, für einen Bruchtheil des modernen Staats emsigen zu müssen, und er kam in der Gefahr um sein Portefeuille, nm seine politische Eristenz.

Es kommt uns seltsam vor, daß wir als Schmer­lings Anwalt auftreten müssen; aber:die Wahrheit und nichts als die Wahrheit!" ist unsere Devise. Schmerling erndtet, was er mitgesäet hat, es geschieht ihm ein Unrecht und doch geschieht ihm Recht! Die Contrerevolution ist jetzt da angekommen, wo die Re­volution Mte anfangen sollen: die Partei zu reinigen! Schmerling wird nicht der letzte sein, welcher, der Demo­kratie (!!) verdächtig, gestürzt wird. Schön verräth dieN. Pr. Ztg." die neueste Parole, wenn sie von einerdurchgreifenden Säuberung des Beamtenstandes" spricht. Wie in Oesterreich und Preußen, so überall! Wer nicht mit mir ist,Ast wider mich!" ruft dieConrre- revolution, und die Revolution sagt dazu:Amen, ja so soll es sein!"

Der Prozeß Rau und Geuoffe» vor dem Schwurgerichte in Rottweil.

(Stuttg. Beob.)

Nahezu 2 Jahre und 4 Monate sind es, daß in Folge der durch die Genehmigung des Malmöer Waf- denstillstandts Und die Voraussicht des Scheiterns brr Hoffnungen des armen deutschen Volkes wie in ganz Deutschland so auch in Würtemberg entstandenen ge­rechten Bewegung und Aufregung diejenigen Verfälle welche noch in Aller Erinnerung sind, nicht An Folge der Bedeutung derselben an sich, sondern in Folge des traurigen Schicksals, welches durch die lange Dauer der Haft der Untersuchung der Angeklagten über eine Anzahl unbescholtener Familien verhängt worden ist.

Heute Montag den 20. Jan. 1851, Vormittags 9 Uhr, begann dieser Prozeß, nachdem die Angeklagten in den letzten Tagen hierher gebracht worden waren. Es ist ein merkwürdiges Spiel des Zufalls, daß die Schwnrgerichtsverhandlungen in demselben Saale (Hotel Gaßner) stattsinken, in welchem am 24. Sept. 1848 Rau eine Versammlung zu Auseinandersetzung seines Vorhabens abgehalten hatte. Mag beim Eintritt in den Saal, wo ihr Schicksal entschieden werden sollte, die Erinnerung erschütternd auf Rau und seine Genossen cingcwirkt haben, so mußte ein Blick auf die gegen­wärtigen Verhältnisse und Zustände, wie in Deutsch­land so auch in Würtenberg, ihnen Trost und Aufrich­tung bedihrem schweren Gange gewahren.Die Zeit hat ihnen Recht gegeben", hörte ich Manchen von Denjeni-

Albert Lortz»»r g

' (Aus der Nat.-Ztg.)

Die musikalische und theatralische Welt hat auf's Neue einen harten Schlag erfahren: der Kapellmeister Albert Lortziug starb am 20. Januar in Berlin am Morgen ganz unerwartet am Schlagfluß, nachdem er noch gesund das Bett verlassen hatte. Gustav Albert Lortzing war am 23. Oktober 1803 in Berlin geboren und von seinen Eltern, welche beide dem Theater angehörten/ für die Bühne ausgebildet. Seinen ersten musikalischen Unterricht erhielt er in Berlin von dem Direktor der Sing-Akademie R un g en- hagen; nachdem er schon als Knabe in KinkerroUen auf' der Bühne sich versucht, war er später für jugend­liche Liebhaber- und Tenorpartien an den bedeutn, dsten Theatern, seit 1833 in Leipzig engagirt. Als Schau, spielet hatte er durch sein leichtes, munteres und stets natürliches Spiel bald sich einen Ruf erworben, den er als Musiker zu einer Berühmtheit steigern sollte. Nachdem sich seine musikalischen Talente zunächst in Chören, Liedern und Märschen erprobt hatten, trat er zuerst 1824 mit einer OperetteAli Pascha von Ja- uma" hervor. Dieser folgte 1832 das viel verbreitete Liederspiel:der Pole und sein Kind" und 1837 zu­nächst in Leipzig und dann auf allen deutschen Büh­nen gegebendie beiden Schützen". 1838 erschien dann

Czaar und Btmmmnann", eine unserer beliebtesten Opern, welche auch in Frankreich, den Niederlanden, England und Schweden eine günstige Aufnahme fand, Hans Sachs",Casanova", derWildschütz", der. Waffenschmied",Undine" rc. sind nicht minder be­liebt. Alle seine Opern machen den Verewigten zu einem Vertreter der deutschen komischen Oper. Gleich­wohl hat dieser wahrhaft volksthümliche Componist ein keineswegs glänzendes Leben geführt. Nachdem er eine Zeit lang als Kapellmeister au dem Pokoriiy'scheu National-Theater in Wien augestrUt war, sah er sich genöthigt, um sich und seine Familie zu erhalten, an Heinen Provinzialtheatern, wie in Halle, Gera, spater in Leipzig wiederum als Schauspieler aufzutreten, bis ihn das neue Friedrich - Wsthelmstaytuche Theater im vorigen Jahre als Kapellmeister anstelle, eine Stellung, welche ihn wenigstens materiell sicherte/ ob­wohl sein Wirkungskreis hier nur ein beschränkter sein konnte. Er componirte hier mehrere kleine Vaude­villes; ein Marswlied vom neunten Regiment war seine letzte Composition für dies Tyeater. Gestern Vormittag leitete er noch die Probe zu der neuen Zau- berpoffe und überreichte am AbendGesetze" für die Mitglieder der Vorhalle. Er klagte bet seinem Auf- flehen heut früh über Brust-Beklemmung und verschied bald darauf. Gefällig und ansprechend wie seine Schöpfungen, war er auch im Umgänge; stets hat er sich seinen Untergebenen als Freund und Rathgeber

gezeigt und sich die Liebe des Personals in hoheul Grade erworben, wie sie sich denn auch in vielen Zei­chen bekundete. Von ihm gilt in Wahrheit jenes Dich­terwort:Denn Viele sind unter uns, die seines Her­zens Milke und seiner Sitten Freundlichkeit erfahren und Alle rührte sein Geschick." Er hinterlaßt eine mittellose Familie. Das Vaterland, die Kunstge- nossen werden sich ihrer gewiß an nehmen.

Karoline debitier, vermählte Junot,

(Morgenblatt.)

Es ist ein schöner Zug des deutschen Charakters, daß wie uns nicht blos für unsere großen Männer selbst, so«, kern auch für daS Schicksal ihrer Angehörigen interes« streit, und so glauben wir den Dank Dieter zu verdie­nen, wenn wir Einiges über diese-Angehörige Schil­lers mittheilen. Karoline war Wie älteste Tochter Schillers , geboren in Jena. Bis zum Tode ihres Va­ters lebte sie im elterlichen Hause in Jena und in Wei­mar, später vprzüglich in Rudolstadt, von wo bekanur- llch ihre Mutter gebürtig, und wo ihre Großmutter, Frau v. Lengefeld, als Obersthofmeisterin beim Fürft- lichen Hofe angestellt war. Durch diese verwandt­schaftlichen Verhältnisse kam sie mit den ersten Fami­lien der Stadt in Vie genauesten Berührungen, und fand namentlich an der Mutter deS regierenden Für-