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Der Protestantismus auf dem Todesbette.
p Schon in den Dreißiger-Jahren hörte man öfter von katholischen Geistlichen selbstzufrieden äußern: „Der Protestantismus pfeift auf dem letzten Loche." Mit jedem Besuche Metternichs auf Schloß Johannisberg ward die Behauptung trinmpfireud wieder ausgesprochen, man setzte das Verderbliche des Protestantismus für den Thron und die. Stabilität auseinander und versicherte, daß die Fürsten jetzt wohl einsähen, daß sie von Luther hintergangen worden, der ihnen (den Fürsten) einen aug,knblicklicheü Vortheil und eine scheinbar größere Gewalt geboten, um das feindselige Element, die freie Forschung, als unbedeutendes Gedankending einzuschmuggeln; grade dieses Prinzip sei aber die Ursache aller Revolutionen, und Luther sei deshalb die Schlange, welche die Fürsten verführte, das Volk vom Baume der Erkenntniß essen zu laßen, damit dieses zuletzt das Paradies zerstöre. Schreiber dieses bezweifelte öfter an geistlichen Tischen die Wahrheit obiger Behauptungen, und mußte dann als Beweis mehr hören, was ihn in den Stand setzte, die mächtige Verbreitung und feine Anlage der Fäden der Intrigue zu erkennen Man machte besonders aufmerksam,wie in Berlin in den höheren Kreisen der protestantischen Geistlichen sich immer lauter das Bedürfniß ausspreche, daß die Pfarrer mehr Seelsorger werden müßten. Und als gar das Projekt des Schwanenordens, als endlich das Berliner Concil kam, da zweifelte der Verfasser nicht mehr, daß dem Protestantismus das Todesurtheil gesprochen sei — und er freute sich auf die erfolgende Wiedergeburt des protestantischen Prinzips. Seelsorge und Concil, ist das nicht ächt katholisch! Muß nicht der Protestant selbst für seine Seele sorgen und kann er nicht glauben, wie es ihm wahr und gut bäu^t? Wie kommt der Protestant unter die Curatel der Pfarrer, die selbst nicht von der wahren Kirche berufen sind? Nach dem Beispiele Preußens wurde auch in den kleinen Staaten dem offiziellen Protestantismus die letzte Oelung gegeben, und die gefälligen Jesuiten waren überall bereit, den bösen Geist des Protestantismus auszutreiben. Es ist geschehen. Der offizielle Protestantismus in Deutschland ist längst eine Leiche; denn er hat sein Prinzip aufgegeben. Das Prinzip ist der Geist nnd die Lebenskraft staatlicher und religiöser Gesellschaften; ist dieses entfernt, zerfällt die Gesellschaft.
Das Prinzip des Protestantismus ist die freie Forschung, die Anerkennung der freien Selbstständigkeit des Geistes; das Prinzip des Katholizismus ist die Zer- nichtung der geistigen Freiheit, Aufhebung der Selbstständigkeit des Geistes und die unbedingte Unterwerfung unter die Regel, welche die Geistlichkeit vorschreibt. Jemehr diese Regel gegen die Natur des Geistes verstößt, um so mehr muß geglaubt werden.
Im offiziellen Protestantismus herrscht aber schon längst ein v o r g e s ch r i e b e n c r Glaube, gibt es eine Recht-
Des Republikaners Schwertfahrt.
Kartons von Ernst Haug, General der römischen Republik.
(Fortsetzilng u»d Schluß.)
„Wie nur eine Sonne für die Erde am Himmel leuchtet, so gibt es nur ein Gesetz für Jene, welche sie bevölkern. Es ist das Gesetz für das menschliche Wesen und das menschliche Leben. Wir leben hienieden nicht nach Laune unserer individuellen Fähigkeiten; denn Fähigkeiten und Freiheit sind nur Mittel zum Ziele; — wir arbeiten hienieden nicht für eine endliche Glückseligkeit, denn diese wird anderSwo erreicht und Gott bereitet sie vor, aber wir leben, um soviel alS möglich von jenem göttlichen Gesetze zu entdecken und es nach Maßgabe der Zeiten und individuellen Fähigkeiten zur Erkenntniß und Liebe unserer Brüder 311 verbreiten Dazu sind wir geweiht. Unsere Bemühung hienieden strebt die Einheit der menschlichen Familie brüderlich zu begründen, daß sie einst nur eine Heerde und einen Hirten — den Geist Gottes — das Gesetz, darstelle. Zur Erreichung des Wahren hat Gott uns die Ueberlieferung der vor unS gelebten Menschheit und den Warnruf unseres Gewissens gegeben. Wo der Erste mit dem Letzten übereinstimmt — da ist das Wahre; — wo sie sich widersprechen, da ist das Falsche. Diese Uebereinstimmung, den Einklang zwischen dem Ge
gläubigkeit, also ist er katholisch geworden. Es kommt nicht darauf an, wieviel und was man glaubt, sondern daß man glauben muß, was befohlen wird, das Unsinnigste, wie das Natürliche, um acht katholisch zu sein. Im Jahrder Gnade 1850sollen auch gegen protestantische Schullehrer in Nassau gewaltige Untersuchungen geführt worden sein, weil sie den „Luzifer", ein protestantisch- religiöses Blatt, gelesen haben sollten; das Publikum ging weiter', sogar Dienstentlassung motivirte es durch dieses Vergehen! Wenn das, so fragen wir: ist das protestantisch oder katholisch?
Der Jesnitismus baut seine Unternehmungen längst auf den Umstand, daß der Protestantismus eine Leiche, (aufs Volk rechnet er nicht, wenn die Höfe gewonnen sind); der Piusverein wurde gegründet, das katholische Volk unter Commando zu bringen als Avantgarde für die katholische Hegemonie. Preußen beförderte das Unternehmen. Wie gegen die Demokratie, .scheint man auch einig über die Vernichtung des protestantischen Prinzips der freien Forschung zu sein. Nur darüber sind die Ansichten verschieden, was man an seine Stelle setzen soll. Preußen hatte längst den Plan, den Protestantismus mit katholischer Institution zu umwinden und zur Verknöcherung zu zwingen, aber deinselben doch ein protestantisches Schild zu geben. Es bäuchte gar schön, die Gewissen wie dlk Leiber und mittelst schwarzer Husaren die Gedankenwelt zu beherrschen, als Pabst und Fürst in einer Person —- wie der Beherrscher aller Reußen. Diese Ansicht wurde vom Jesuitismus sehr begünstigt, und Preußen gerieth immer mehr auf den abschüssigen Weg, verleugnete seine Geschichte, zerschnitt seine Lebensnerven und sorgte für die Herrschaft der dienstbaren Geister Oestreichs. Jetzt ist eö Oestreich verfallen, wie die Zaubrer des Mittel- alters Satan verfielen, weil sie dessen Künste getrieben. Oestreich ist allmächtig, und die Kobolde, denen es seine jetzige Macht verdankt, werden bald rüstig arbeiten, ihr Reich auszubreiten. Alle protestantischen Institutionen und Produkte müssen zerstört, dafür müssen neue Schöpfungen angelegt werden. Nach der Natur der Sache muß der Protestantismus in seinen Bekennern verhöhnt, zurückgeseßt werden, damit die Diener der Könige, die Windmüller sehen, daß es Zeit ist, katholische Gesinnungen zu haben. Gottlob, die Oestreicher sind in Norddeutschland, sie werden aufräumen! Der officielle Protestantismus ist die gothaer Parthei auf religiösem Felde, der ächte Con- stitutionalismuS, der stets das Gegentheil von seinem Schein ist. Der Absolutismus will diesen Schein auf beiden Feldern nicht mehr, weil der Schein verführt, auch das Wesen zu wollen; der Absolutismus wird den Schein zerstören, — und wir freuen uns dessen, wir sind mit der Reaction zufrieden. Die Heuchelei des officiellkn Protestantismus so wie des Constitutio- nalismus machte manchen gutmüthigen Deutschen einfältig, an Wahrheit und Wirklichkeit zu glauben, wo nur noch Schein war. Oestreich wird unser Retter, es
wissen des Individuums und dem Gewissen der menschlichen Gattung zu erreichen, ist kein Opfer zu groß. Die Familie, die Heimath, vaS Vaterland, die Menschheit sind nur verschiedene Sphären, innerhalb welcher wir unsere Kraftthätigkeit einem höchsten Ziele opfern müssen. Gott wacht dort oben über die Unverbrüchlichkeit .des menschlichen Fortschrittes, indem er Jene alS Priester seiner Wahrheit und als Führer der Mehrzahl auf der Wallfahrt zu ihr erregt, welche so mächtig im Geiste und in der Liebe, im Gedanken und in der That sind.
„Solch ein Glaube leuchtet aus ihren Briefen, ans ihrem innersten Gewissen. O wie groß verstanden sie die von Gott an Menschen und Menschheit vertraute Sendung. Dieser Glaube stärkte die Brüder Banviera und die Blutzeugen bei dem Mârtyrerthum von Coscnza. Dieser Glaube war ihnen Trost für ein herbes Leben und gab ihnen jenen heitern religiösen Frohsinn im Tode und die Gewißheit ihrer unsterblichen Hoffnungen für die Zukunft Italiens, selbst damals, als Menschen und Schicksal sich so grausam vereinten. Die ungeheure Energie ihrer Seele drang aus unendlich inniger Liebe, welche dieser Glaube ihnen eingab. Fast scheint es mir, 0 Jünglinge! könnten die Bandicra ans dem Grade erstehen oder durch die Scholle Erde zu Euch äussereren, sie würden, wenn schon mit viel höherer Kraft, als ich es vermag, doch nichts Anderes rathen.
„Liebt! Die Liebe ist der Flügel der Seele, mit
zerstört den Schein. Wir wissen, daß unser Freund Protestantismus officiel gestorben, und freuen uns deßhalb, weil sich nur erst Gottes Herrlichkeit an ihm offenbaren wird, wenn er, vom Thron entfernt uns auferstanden im Volke, ein Volkskind gibt.
Das Direktorium.
X Ueber das Resultat der Dresdener Konferenzen bringt die „Schles. Ztg." einen Bericht aus Wien, der das von uns mehrfach Gemeldete vollkommen bestätigt. Oesterreich und Preußen werden große Reduktionen in ihren Armeen vornehmen (Preußen hat bekanntlich, da es noch immer „Garantiern" geben muß, mit 70,000 Mann begonnen), da die Verhandlungen in Dresden als beendet zu betrachten sind. Die Vertretung im Bundestage wird durch alle noch nicht bei- getretene Staaten ergänzt: Dresden war also wirklich nur die Brücke zum Buuvespalais in Frankfurt! Ist dies geschehen, so folgt die definitive Versetzung der Dresdener Beschlüsse in „Rechtskraft" und die Einsetzung des neuen „Direktoriums" unter Oesterreichs stetem Vorsitze. Dem Direktorium steht ein „Bundesrath" unter Preußens Leitung als Legislative zur Seite. Oesterreich hat also das Schwert allein für sich behalte», es gebietet als Erekutwe über alle Andern, also auch über Preußens Heeere, d. h. die Mediatisirung ist da, jedoch ohne den Namen. Diese neue Centralgewalt nimmt dann sofort die Revision der Bunvesakte und zuerst die Frage der Volksvertretung vor. Oesterreich hat also glücklich alle Refrac- taires nach Frankfurt und unter seine Hegemonie ope« ritt; das Andere findet sich dann von selbst.
Und die Volksvertretung, auf welche Baiern einen so starken Nachdruck legte? Baiern hat durch Erreichung seiner Pläne im Direktorium Konzessionen erhalten, denen es durch Konzessionen entsprechen wird. Preussen hält diese Volksvertretung, „die doch nur ein Erperiment wäre", nicht für nützlich. Die Man- teuffel'sche „Deutsche Reform" erklärt rund heraus: „Die Frage von der Möglichkeit einer Vertretung beim Bunde, hat man meist davon abhängig gemacht, ob die ganze österreichische Monarchie kn den Bund eintreten werde. Man hat ein aus Deutschen, Slaven und Italienern gemischtes deutsches Parlament nicht für möglich gehalten. Das wäre indeß nur ein äußeres Hinderniß. Das innere Hinderniß läge darin, daß nach dem Eintritte deS gesummten Oesterreichs sich kein solcher Kreis gemeinschaftlicher Gegenstände denken lasse, daß eine parlamentarische Einrichtung noch Sinn und Bedeutung habe. Das berührt allerdings den Cardinalpunkt der Sache. Der Eintritt des ganzen Oesterreichs ist dabei gar nicht einmal die Haupt ache, sondern es fragt sich überhaupt, ob man der Bundesverfassung einen Inhalt geben will, der eine parlamentarische Thätigkeit möglich macht, oder nicht. Hier-
.dem sie sich zu Gott^aufschwingt, die Schwinge, mit ; der sie das Große, Schöne, Erhabene erreicht, welches der Schatten Gottes auf Erben ist. Liebt die Familie, die Gefährtin Eures Lebens, die Freunde, bereit, Schmerz und Freude mit Euch zu theilen; die Dahmgeschiebcuen, welche einst Euch theuer waren. Eure Liebe soll die Liebe sein, wie Dante sie lehrte und die auch wir predigen. Die Liebe der nach oben strebenden Seelen, welche nicht den Erdboden furchte, nicht Frieden suchte, der kein Geschöpfe der Erde unerreichbar ist, und welchen die Täuschung in dem Sumpf des Egoismus unvermeidlich untergeben läßt. Liebe ist ein Versprechen womit man die Zukunft als Gegenversprechen erlangt. Gott gab uns die Liebe als Wink seines Himmels, daß die müde Seele sich auf dem Lebenspfad daran stützen könne; als eine Blume, auf den Weg der Pflicht gesaet, ohne damit die Pflicht zu ändern. Diese Liebe soll Euch rein erhalten, stärken, bessern. Gehabt Euch so, daß, selbst auf die Gefahr hin, die erblichen Leiden zu vermehren, Eure zarte Schwester, die Seele, nie über oder für Euch erröthen muß. Es wird eine Zeit kommen, wann Ihr von der Höhe eines neuen Lebens die Vergangenheit umarmen und das Geheimniß deS Todes verstehen werdet; dann mögt Ihr auf die erlittenen Schmerzen und die erstandenen Probe» heiler nieder- blicken, wie die Bandiera in diesem Augenblicke es thu".
„Liebt das Vaterland! DaS Vaterland ist die heilige Erde, worunter Eure Eltern schlafen; wo die