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Freie Ztilung.

Freiheit und Uecht!"

â IS. Wiesbaden. Mittwoch, 22. Januar 1^5*

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montagâ, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden i fl 45 fr., aus-vârt« durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem tz,- folge Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Preußens 1#. Januar.

Y Glockengeläute in allen Städten und Dörfern. .Wer ist gestorben?" Neberall trübe Blicke, finstere Gesichter. Nicht einmal offizieller Volksjubel. Selbst in jenen Blättern, welche in frühern Jahren überström­ten von schönen Redensarten, tiefes Schweigen. Die Köln. Zeitung" zum Beispiel schreibt trocken:Der Staatsanzeiger" enthält folgendes Aktenstück." Dieses Aktenstück bringt ein:An mein Heer!", welches von Neuem 75,000 Mann entwaffnet, während die treuen Verbündeten Oesterreich und Rußland nicht an Ent­waffnen denken, so hart auch die Noth des Geldes sie drückt. Dieses Aktenstück lautet:An mein Heer! Die Zustände, welche es vor zwei Monaten nöthig machten, zum Schutz des Vaterlandes die gesammte Wehrkraft desselben aufzubieten, haben sich dahin günstig I geändert, daß es möglich geworden ist, gleichzeitig mit 1 der Wiederkehr des Tages , an welchem Preußen die Krönung seines ersten Königs feiert, abermals einen beträchtlichen Theil der älteren Soldaten des Heeres dem heimathlichen Herde und Gewerbe wiederzugeben. Ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne den regen Eifer, mit welchem der Uebergang des stehenden Heeres in die Kriegsformation gefördert wor­den, die bereite Hingebung, womit-das Land die nö­thigen Leistungen übernommen hat, und die Freudig- ' keit, mit welcher die Landwehr dem Rufe zu den Fahnen gefolgt ist, beifällig und dankend anzuerkennen. Die Anstrengungen, welche stattgefunden haben, sind keine verlorenen; ihr Gewicht hat die Wagschale auf die " Seite des Friedens geneigt, indem sie von Neuem den gediegenen Werth des Heeres und insbesondere, zum erstenmale nach den glorreichen Jahren 1813, 1-1 und 15 im vollen Aufgebote, die Kriegstüchtigkeit und Kriegsbereitschaft der Landwehr dargelegt und jeden Zweifel daran besiegt haben. Ich hege das feste Ver- i trauen, daß alle Diejenigen, welche von den Fahnen wieder beurlaubt worden , wenn sie abermals gerufen werden müßten, mit gleichem Eifer kampsmuthig zurück, kehren und alle Theile des Heeres durch treuen Ge- I borsam und Heilighaltung der Disciplin auch ferner dahin streben werden, daß das Ganze bleibe, was es seither gewesen, der feste Hort und gerechte Stolz des Vaterlandes. Berlin, den 18. Jan. 1851. Fried- i ich Wilhelm, v. Stockhausen." DiesemAk­tenstücke", das Preußens Lage als einegünstige" be­zeichnet (Frankreich ist glücklich!" pflegte Louis Phi­lippe in seinen Thron- und Ncujahrsreden zu sagen) folgt eine lange Beschreibung des Ordensfestes im kö­niglichen Schlosse, und eine noch längere Liste neuer Ordensernennungen. Bei Tafel hat der König fol­genden Toast ausgebracht:

Ich bitte meine Herren, sich die Gläser füllen zu lassen und sie in drei Zügen zu leeren. Den ersten weihen wir der Vergangenheit und der Zeit, wo Preußens g"" 1 .... .

Britisch Ostindien

* Die Zeit ist nicht mehr fern, wo das englische Parlament die sowohl für Englands Politik und Han­del wie für die Geschicke Südasiens wichtige Frage zu entscheiden hat, ob der Freibrief der ostindischen Kom­pagnie erneuert werden oder das indische Festland in denselben unmittelbaren Unterthanenverband wie die Insel Ceylon und jede andere englische Kolonie treten oder aber, ob es nicht nützlicher sei, eine ganz neue, größtmögliche Selbständigkeit und Selbstregierung zulassende Kolonialpolitik zu gründen. Vorbereitende Untersuchungen über die Finanzverhältnisse von Britisch- Jndien werden schon in der nächsten Parlamentssession beginnen. Zu diesem Zwecke hat es derEraminer" unternommen, das Publikum über dies so wichtige wie verwickelte Thema aufzuklären. Wir schicken nach die­sem Blatte folgende kurze Uebersicht über den Stand der Dinge voraus, mit dem Versprechen, in unsern nächsten 'Feuilletons eine Bearbeitung der Gründung les britischen Reiches in Indien nach Macaulay folgen zu lassen. DerEraminer" schreibt:

Das invobrittische.Gebiet ist gegenwärtig unge­fähr fünfmal so groß wie Großbrittanien und Jrrland zasammengenommen; es erstreckt sich im Zusammenhang bxr volle 25 Breiteqrade, während einige dazu ge­hörige Einzel striche bis fast an den Aequator reichen.

In einigen Gegenden gibt es streng geschieden Sommer

Fürsten und Volk, in treuer Eintracht verbunden, so großes geleistet haben. Den zweiten bringen wir der Gegenwart, vor Allem dem Volk in Waffen, das durch seine Erhebung aufs Neue gezeigt hat, wie das Ver­derben des Jahres 1848 den Kern des Volkes nicht aiWkfressen hat. Auch Ihnen, meine Herren, die ich, für Ihre Treue zu mir mit Orden geschmückt, heute zu bewirthen das Vergnügen habe, gilt dieser Zug. Den dritten bringen wir der Zukunft. Nur Wenige werden die nächsten 50 Jahre noch erleben, aber Alle werden wünschen, daß sie für dieses Königshaus und für dieses tapfere Volk Jahre des reinsten Segens sein mögen. Noch einmal, meine Herren: der Ver­gangenheit, der Gegenwart, der Zukunft!"

Preußens Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! DieNat -Ztg." bringt einen historischen Rückblick aus die Zeit, wo Friedrich 1. sich die Krone aufsetzte. An dem Krönungstage" lautet der Schluß dieses Ar­tikels,stiftete er den schwarzen Adler-Orden. Die Stiftung dieses Ordens steht ihm auf einer Linie mit der Stiftung der Krone. In dem Ordensstatut vom 18. Januar 1701 machte er seinen Nachfolgernzum Andenken des Stifters und der neu gestifteten Krone die unveränderte Beibehaltung des mit diesrr Krone zugleich gestifteten Ordens" zu Pflicht. Dies Ordens- statnt ist gleichsam das Programm des neu gestifteten Königthums , und zwar ein ganz demokratisches Pro­gramm ; nur daß für Demokratie der heraldische Wahl­spruch das Suum euique gebraucht ist. Der erste König wollte einen Orden stiften, der tüchtig wäre, beides, das Ansehen unseres neu gestifteten Reiches und Ordens und die Pflicht der von Uns aufgenom­menen Ritter, recht vorzustellen. Hierzu hat Uns, heißt es in dem Statut, der Orden vom schwarzen oder preußischen Adler sehr bequem gedeucht, nicht al­lein, weil die meisten königlichen Orden von einem gewissen Thier den Namen führen, sondern weil auch unter den Thieren der Adkr sonder edel, weilen er ein König des Geflügels und ein Sinnbild der Gerecht­igkeit ist und bei dem allem das prenß. Wappen machet. Als ein König des Geflügels schickt er sich wohl zu unserer königlichen Würde, deswegen Wir ihm auch eine königliche' Krons auf das Haupt gesetzet. AlS Unser Reichswappen bezeichnet er um so viel eigent­licher den Ort und Sitz dieses Ordens, um alsobald vor andern Orten erkannt zu werden, und als ein Bild der Gerechtigkeit zeiget er eben den Endzweck Unseres Reiches und Ordens an, und worauf beides abzielt, nämlich Recht und Gerechtigkeit zu üben und jedwedem das Seine zu geben. Welches desto deut­licher auszudrücken Wir dem Adler in der einen Klaue einen Lorberkranz, in der andern Donnerkeile und über dem Haupte Unseren gewöhnlichen Wahlspruch: Suum euique zur Überschrift verordnet. Mit dem Kranze die Gerechtigkeit der Belohnungen, mit den Donnerkeilen die Gerechtigkeit der Strafen, mit dem suum euique die allgemeine Unparteilichkeit anzndeutcn,

und Winter; in andern dagegen brütet von der Zeit der Schöpfung an ein unwandelbarer heißer Sommer. Die Völkerstämmc, die wir dort beherrschen, sind noch manichfaltiger als die Klimate der von ihnen bewohnten Länder. Im eigentlichen Hindostan gibt es, abgesehen von vielen kleinen Stämmen, sieben zahlreiche Nationen, an Sitten, Charakter und Sprache unter sich verschie­den. Darüber hinaus haben wir Arracanesen, Pe- guaner, Malayen und Chinesen zu Unterthanen. Die Religionen sind zahllos. Es gibt Christen nestorianische, griechische und römisch-katholische, daneben eine Hand­voll Protestanten. ES gibt brahmanische Hindu von mehreren hundert Kasten (denn die bekannten Haupt­casten zerfallen in eine Menge Unterabteilungen) ; einige derselben gelten unter den Hindu nicht besser als die Hunde, während andere beinahe Halbgöttern gleichgeachtet sind. Mohamedaner zählt man unge­fähr 10 Millionen, und sie gehören den beiden großen Seclen (Suniten und Schiiten) an, die sich bis auf den heutigen Tag wegen der Nachfolge im Kaliphat anfeinden. Endlich haben wir Buddhisten, und Dschaini, welche daS Vollmaß der Seligkeit in der persönlichen Vernichtung hoffen, und Anhänger des gelehrten Con- fucius, die ebenfalls sehr geneigt find, das Jenseits anzuzweifeln. Diese unsere weiten Besitzungen stehen unter der Verwaltung eines Generalstatthalters, mit einem kleinen Rath von vier Personen, worunter zwei Civilisten, gewählt in der Leaden-Hall-Street (b. h im Londoner In­

nach welcher nicht nur einem und dem andern, sondern allen durchgehends nnd einem jedweden nach Ver­diensten das Seine geleistot werden sollte. Zu ge- schweigen, daß weilen der Adler, wie bekannt, alle­zeit in die Sonne zu sehen pfleget, und nach Nichts geringem noch niedrigem trachtet, er mit diesen Eigen­schaften Uns auch im Geistlichen zum Sinnbilde dienen und anzeigen kann: wie Wir und Unsere Ritter Unsere Zuversicht und Vertrauen einzig und allein zu Gott dem Allerhöchsten erheben und das Suum euique nicht allein den Menschen, was den Menschen gehören, sondern auch selbsten dem Allerhöchsten das seine, und Gott was Gottes ist, zu geben, Uns mit einander verbunden, näm­lich zu einer Pflicht, die Wir Unsern Rittern vor andern Pflichten auferlegt und angepriesen haben wollen." Soll es nun wirklich dahin kommen, daß der Adler in der einen Klaue die Bundesakte mit ihren Erek­tionen als Lorbeerkranz, den Staatsgerichtshof in der andern als Donnerkeil trägt und die Ueberschrift des Suum euique auf die ständische Gliederung und die Herrschaft der günstiger gestellten Minderheit gedeutet wird: so wendet der Adler der Sonne den Rücken; so senkt er seinen Flug; so verliert er sich unter dem andern Geflügel. Die Geschichte des hohenzollernschen Hauses ist durch revolutionäre Akte bezeichnet. Als die Hohenzollern zu Anfang des fünfzehn Jahrhunderts in die Mark kamen, begannen sie Revolution gegen das Junkerthum; nach hundertfünfzig Jahren erklärten sie sich für die Reformation: die Revolution gegen das Pfaffenthum; wieder nach hundertfünfzig Jahren stifte­ten sie das Königthum, und begannen die Revolution gegen den ReichsfeudaliSmns. Und hundertfünfzig Jahre später nichts thun, als vollständig brechen mit der Re­volution heißt brechen mit der preußischen Geschichte, entsagen dem preußischen Beruf.! Es war an der Zeit, daß Preußen ans dem Militärstaat der Bevorrechtung der Parlamentsstaat der Gleichberechtigung wurde. Als Parlaurentsstaat hätte Preußen eine Eroberung gemacht, die der'Militärstaat nimmer machen kann; es hätte die deutsche Einheit erobert. Mit dem Militärstaat ist es am Ende, er hat seine letzte Probe schlecht bestan­den. Der Militärstaat hat abgedankt in Olmütz; in Dresden wird daran gearbeitet, daß auS dem Parla- mentsstaat nichts wird. Auf diese Weise ist das Krö- nnngsprogramm vom 18 Jan. 1701 nicht zur Ans­führung zu bringen!"

D e u t f ch l a n d.

^^WieSbaden, 21. Januar.Was hilft alle Dis- .kretion, wenn sie nicht durchgeführt werden kann!" klagt der Korrespondent derO.-P.-A.-Ztg." und be­stätigt dann: 1) daß es mit den neuen 11 Faktoren seine Richtigkeit habe; 2) daß eine ansehnliche Trup- penzahl stets zur Disposition der BMseSbehörde prä­sent gehalten werden solle,wenn auch die Zahl 135,000

dia-Haus) und zwei Militärs, welche die Regierung des Mutterlandes ernennt. Ihr guter Rath wirb je­dem derselben mit 10,000 Pf. St. jährlich bezahlt. Unter diesem Generalgouverneur bestehen vier besondere Gouvernements: Bengal, Madras, Bombay und eins der nordwestlichen Provinzen, das einst zur Präsident­schaft Bengal gehörte. Die Regierung Bengalens wird von dem Generalgouvernkur selbst besorgt, und damit verbunden sind die Gebiete an der Küste von Tenas­serim und die drei Emporien in der Straße von Ma« lacca, welche letzteren Besitzungen ihren eigenen klei­nen Vicegouvernenrö haben. Madras und Bombay haben jedes einen Statthalter mit Staatsrath, eine besondere Armee und besondere Verwaltungs- und Justiz-Einrichtungen. Die nordwestlichen Provinzen, sonst die Präsidentschaft Arga genannt, werden von einem Lieutenant-Gouverneur verwaltet, den der Ge­neralstatthalter ernennt; die Truppen und der Civil- Status werden von Bengalen geliefert. Die ganze Anordnung zur örtlichen Administration Indiens sieht hiernach einigermaßen wie ein plumpes Flickwerk aus. Was Fruchtbarkeit des Bodens, Bevölkerung und na­türliche Hilfsquellen anlangt, übertrifft Bengal j>a# ganze übrige Indien zusammengenammen; es umfaßt die untern und mittleren Theile des großen Ganges- Thals, und enthält gewiß nicht weniger alS 40 Mile klonen Einwohner. Der frühe Besitz dieses fruchtbaren Landes war, es waS uns in den Stand setzte, unserr