Freie Zeitung. „Freiheit und
â' 17. Wiesbade Dienstag, LL. LüttNr^ 1^<$1.
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Deutschland geht^in Oesterreich auf.
X Die Sachen gehen ihren ehernen Gang. Was jetzt tm Norden sich anbahnt, ist so folgenreicher Natur, daß wir bei den kühnen Griffen dem kaiserlichen Adler nicht scharf genug auf die Krallen sehen können. Fürst Schwarzenberg ist ein stolzer Staatsmann. Er wagt Alles, um Alles zu erreichen, wornach die Habsburger vom ersten Tage ihres Auftretens in der Ge- chichte des Abendlandes im dunklen Drange strebten, strebten mit wechselndem Glück, doch mit jener Zähigkeit, wodurch diese Dynastie sich vor allen Herrschergeschlechtern deutschen Ursprungs von jeher auszrich- nete. Es liegt etwas Schicksalvolles in diesem Oesterreich, etwas, das vor drei Jahrhunderten schon seiner Erfüllung sich nahe wähnte. Was Karl V. wollte, doch nicht erreichte, der Premier des jungen Kaisers Franz Joseph strebt es . von Neuem an, merkwürdig begünstigt durch die äußeren Verhältnisse, doch zum Glück für die Zukunft der Völker Europas zu einer Zeit, wo der Weltgeist zu laut seinen Willen verkündet hat, der ein anderer und ein höherer ist, als die Gedanken und Pläne der stolzesten Allerhöchsten auf Erden.
Die Kommissäre, so melden uns die neuesten Berichte, sind wieder in der Stadt an der Niederelbe eingetroffen, in der sie sich vor wenigen Tagen uneins trennten. Die Verhandlungen haben von Neuem begonnen; doch es ist mehr als Schleswig-Holsteins kleine Sache, um die sich's handelt.
Als Grund derSistirung und der Reisen Thümen's und Mensdorffs erfahren wir jetzt au6 der „Börsen- Halle", daß die dänischen Kommissäre behaupteten, Graf Meusdorfs und General Thümen hätten ihre Instruktion überschritten und zwar: 1) durch die Einwilligung in die Besetzung Rendsburgs und Friedrichsorts durch schleswig-Holsteinischen Truppen; 2) durch die Zusage, daß die dänischen Truppen sich aus Südschleswig zurückziehen sollen. Die Verständigung soll jetzt durch Verhandlung mit dem zur friedlich gesinnten Majorität des dänischen Kabinets gehörenden Minister Grafen Sponneck, der in Dresden und Berlin war, so weit gediehen sein, daß Dänemark den Bundes - Beschluß vom 17. September 1846 anerkennen und somit die Rechte Deutschlands, Holstein und den alten Beziehungen beider Her- zvgthümer gegenüber, gelten lassen würde. Oesterreich, das nach Erlangung der deutschen Hegemonie weitgehende Pläne im Norden verfolgt, hat jetzt allerdings ein lebhaftes Interesse an einer Wendung der Dinge, die ihm erlaubt, festen Fuß an der Elbe zu fassen. Rendsburg soll Bundesfestung werden, mit österreichischer Besatzung. Die Oesterreicher gehen trotz der festen Zusage der Kommissäre mit starker Macht nach Nordalbingien; Artlenburg, Boitzenburg und Dömitz sind die Uebergangspunkte. Dem ersten KorpS,
dem Legeditschen, soll ein zweites folgen: Oesterreich will in Folge eines kombinirten Planes allmälich 50,000 Mann längs den Ostseeküsten zusammenziehen. Zugleich ist eine längere Besetzung Hannovers, Braunschweigs und Oldenburgs durch die Kaiserlichen kaum noch zu bezweifle». Oesterreich weiß, daß wer Deutschland an seinen drei maritimen Seiten hat, Deutschlands politische und materielle Verhältnisse in Händen hält; Oesterreich weiß, daß Preußen zu tief in seinen Lebenspunkten ergriffen wurde, J>aß bei der nächsten Krisis ein Rückschlag erfolgen muß: es nietet daher die Ketten, so lange sie noch warm sind, und es hofft so, Preußen und den deutschen Norden für immer mit Ungarn und Italien zusammen zu schmieden. Deutschland geht in Oesterreich auf; denn durch Oesterreichs Abhängigkeit von Rußland soll Napoleons Prophe- zeihung vom Kosakischwerden Europas in Erfüllung gehen! Daß Oesterreich, wenn es diesen Plan befestigen will, schon um der nöthigen Arrondirung willen und selbst ganz abgesehen von allen contrerevolu- tionären Interessen, nach Eroberung des deutschen Nordens dann zur Verschlingung der Schweiz schreiten werde, ist klar. Es muß so handeln, es muß auf alle Gefahr eines europäischen Krieges hin die Alpenländer haben, also auch das Königreich Sardinien bis auf die Felshöhen gegen Frankreich hin.
Von der Schweiz ging die Länderverschlingung der Habsburger aus; mit Verschlingung der Schweiz ist der Ring erst vollendet, hat diese Dynastie ihr Schicksal erfüllt. Es ist ein bekanntes Gesetz der Geschichte, daß große Eroberungsgewalten nicht eher ruhen, nicht eher zur Gruft gehen, als bis der Anfang zum Ende zurückgckehrt ist. Erst wenn dies vollendet, wenn das Mittelalter sich ganz ausgetobt hat, dann erst wird es die Grabesruhe erlangen, welche die europäischen Völker ihm längst wMischten, doch welche bisher nur frommer Wunsch war, weil Alles erst sein Verhängniß oder, was dasselbe, seine Mission vollenden muß.
Für die Völker ist diese furchtbare Zeit der Götterdämmerung die Zeit der Einkehr in sich selbst, die Zeit der Lehre und der Buße. Daß aus ihr nicht die Zeit der Erstarrung hervorgehe, sondern der Erstarkung, ist dann Sach« jedes Einzelnen. Wir werden nur einem chinesischen Reiche von Jahrtausende langem Bestände entgegen schlummern, wenn wir uns zu Chinesen machen lassen. Doch Europa ist nicht Hinterasien; das Christenthum wird nimmermehr Lamanen« thum trotz Papst und Jesuiten: noch lebt der alte gewaltige Geist, noch schlägt das tapfere germanische Herz in den Völkern Mitteleuropas, und so lange der Geist nicht getödtet ist, wird auch die Geistlosigkeit nicht die europäische Menschheit auf die Dauer in Bande schlagen und der Strom der Menschheitsentwicklung im Sümpfe des Despotismus versiegen.
Deutschland.
H Hachenburg, 16. Januar.
SM o 11 o r Du reqe nie den Feind, der wider dich ergrimmt, uns lag das Feuer ruhn, daß in der Asche glimmt. Verachte keiner nicht die Kappe schwacher Thoren, der lächerliche Stolz hat manchen Zwiü geboren: Und warum dankst du dich vor jenem würdiger? Er ist ein Mensch wie du: und du ein Mensch wie er. Ihm fehlt es hier und da. Ws ist der Mensch, der Engel? Wer ist Gebrechen frei? Hast du nicht gröbre Mängel?
In Nro. 12 unserer lieben „Nass. Allgemeinen" theilt ein Korrespondent so recht seine Ansichten über die Wahl des von hier zum Kreisbezirksrath gewählten Bäckermeister Luckenbach mit, kann aber dabei nicht unterlassen, einiges aus seiner nach der Wahl gehaltenen Rede an die Wahlmäuuer zu verdrehen, und spielt später darauf hin, daß Luckenbach als Wirth eine- ausgebreitete Bekanntschaft unter der Landbevölkerung, so wie auch unter den hiesigen Bürgern habe, die er für seine Person bei stattgehabten Wahlen zu interessiren gewußt, und deutet darauf hin, daß es ihn nicht wundere, wenn bet statt findender Wahl für unsere Kammer ihn nicht seine Freunde zum Abgeordneten vorschlügen. Dieser Korrespondent mag wohl, wie eS scheint, nicht so recht mit den Luckenbach'schen Grundsätzen übereinstimmen, sonst würde er statt dessen diele Wahl als eine für den hiesigen Bürgerstand gelungene (wenigstens die der Freiheit huldigende) bezeichnet haben. Aber eben unser Qf Corresponvent, sowie nm- mehrere seines Gleiche», sind immerfort darauf bedacht gewesen, unsere Geisteskräfte immer mehr zu verdummen, damit sie die Oberherrschaft in unserm kleinen Städtchen haben möchten, um so recht den vormärzlichen Styl wieder bei uns einznführen, um immer mehr und mehr den Weg des Krebsganges betreten zu können, und uns noch obendrein mit ihren Brovsaameii, die von dem vollgeprunkten Tische fallen, zu sättigen. Doch wir sind nicht mehr an der Zeit, wo wir den dummen Glauben noch haben: die Adler könnten je die Krallen und die Schlangen die Falschheit verlieren, wir haben des Uebels genug, und es pfianzle sich fort, wollten wir nur in träger Selbstsucht uns Verzweiflung die Achseln zucken und die Hände in den Schooß legen, um auf den MesiaS und Gottes Hülfe zu hoffen. Nein wir sind fest entschlossen, das Nebel zu heilen, und wollen einig sein und uns selbst helfen, so wird Gott auch helfen, mag unserer auch noch ein geringes Häuflein sein, mag auch Iber, der zu uns gehört, nur mit einer Ziege begütert sein, wenn sie es nur alle redlich meinen, und alle fest zusammen halten, damit der alte Plunder hinweg gefegt werde, um späterhin mit unsern Kindern glücklich leben zu können. Mag dann auch unser Qf Correspondent mit seinem — und schwarzen parlamentarischen Frack einhergehen, und sich
Der Gentleman-Farmer.
tAus der „Allgemeinen Auswandernngs-Zeilnng".)
Mehr wie in früheren Jahren sah man in 1849 und 1850 bemittelte Leute aus den gebildeten Ständen nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika aus- wandern, um sich dort als Landwirthe niederzulaffen (zu farmen), und noch Manche werden ihnen in gleicher Absicht nachfolgen. Gar viele aus dieser Klaffe von Auswanderern machen sich von dem Leben, das ihrer barrt, eine falsche Vorstellung und legen dadurch den Grund zu ihrer, wenn auch nicht gerade unglücklichen, so doch auch nichts weniger als zufriedenen Eristenz. Neuerdings noch erbat sich ein bemittelter, ehemaliger Beamter unseren Nath für seine beabsichtigte Auswanderung, indem er uns zugleich seine Verhältniffe und ine Erwartungen schilderte, die er für sich und die Seinigen von Nordamerika hegte. Wir glauben im Sinne einer nicht geringen Zahl der Leser d. Bl. zu Huweln, wenn wir hier mittheilen, welches die Lage des erwähnten Herrn ist und welchen Rath wir ihm gaben.
Herr N. N., ein Mann von 47 Jahren, dessen Familie aus seiner Frau und zwei Söhnen von 17 und 14 Jahren besteht, und dessen Vermögen, nach Bestreitung der Ueberfahrtskosten, etwa 17000 ff. betragen wird, beabsichtigte zwei tüchtige, ihm längere
Zeit bekannte Arbeiter auf seine Kosten aus der Hei« math mit sich zu nehmen, denselben einen den amerikanischen Verhältnissen angemessenen Lohn zu geben, und in WiSkonsin oder Iowa eine Sektion (650 Akres Land) anzukaufen und dieselbe zu kultiviren und zu bebauen. Unsere Antwort auf seine Bitte um Rath lautet etwa wie solgt:
Es ist eine auf Erfahrung gegründete Thatsache, daß Ansidler aus gebildeten Ständen, sog. gentlemen- farmers, die selbst mit dem besten Willen nicht im Stande sind, sich regelmäßig und andauernd körperlichen Arbeiten zu unterziehen, genöthigt sind, auf ihren Farms alle Feld- und andere schwere Arbeit durch gemiethete Kräfte auSführen zu lassen; daß diese Kräfte zu theuer zu stehen kommen, um dem Farmer mehr eiiizubringen, als die Kosten, die sie verursachen, und auch diese nicht einmal, wenn eine richtige Beaufsichtigung feylt. Ebenso klar hat die Erfahrung gelehrt, daß von Europa mitgenommene Arbeiter nur in äußerst seltenen Fällen den vor der Uebersiedelung mit ihnen abgeschlossenen Verträgen nachkommen; die große Mehrzahl von ihnen benutzt die erste Gelegenheit zur Verbesserung ihrer Stellung oder znr Erlangung einer Selbstständigkeit, um den Dienst zu verlassen. Aus diesen Gründen rathen wir Ihnen und Allen, deren Verhältnisse den Ihrigen ähnlich, keine Arbeiter auf ihre Kosten mit nach Amerika zu nehmen, sich auch nicht in Wisconsin, Iowa oder sonst einem der neueren
westlichen Staaten der Union, sondern in Maryland, in der Gegend von Washington, am Potomac, oder in Pennsylvanien, in einiger Entfernung von Lancaster, Harrisburg oder Gettysburg, oder in der Nähe von Neubraunfels, in Teras,_ oder überhaupt in einer solchen Gegend niederzulayen, wo Sie bei gesundem Klima und gutem Boden, schon eine kleinere oder- größere Anzahl gebildeterer Deutscher oder Amerikaner angesiedelt finden, um dort eine theilweise oder ganz kultivirte Farm von 24 bis 40 Acres zu kaufen. Land- leute, die fich als solche in Nord-Amerika Vermögen erworben haben, gehören zu den seltenen Ausnahmen; der amerikanische Farmer und der deutsche ebenfalls, wenn er in der ersten Zeit seiner Niederlassung tüchtig Hand an's Werk legt, „machen ihr Leben", d. Y. finden ihren Unterhalt, vorausgesetzt, daß sie mit einigen Mitteln ausgerüstet waren. Haben Sie eine Farm von 25 bis 40 Acres, oder, um eine Durchschnitts- größe anzunehmen, von 39 Acres, wovon 12 Acres unter Kultur sind, mit Haus, Scheuer, Stall, 2 Kühen, 2 Pferden, einigen Schweinen, Schafen, Geflüg.l, Ackergeräthschaften, Wagen u. s. w. um — wir nehmen einen hohen Durchschnittspreis — 450 Dollars gekauft ; haben Sie das Wohnhaus etwas wohnlicher einrichten oder vergrößern lassen, sich mit Lebensmitteln bis zur nächsten Ernte versehen und verschiedene kleimre Ausgaben bestritten, die sich hier nicht aufzählen lassen, die aber unvermeidlich sind, so werden Ihnen von dea