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M LA. Wiesbaden. Samstag, 18. Januar 1831.

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DaH Direktorium.

X DieDeutsche Reform" erklärt die nackte Wie­derherstellung des Bundestages für eine Fabel. Doch düs ministerielle Blatt sticht Sylben! Der alte Hut ist neu aufgefärbt und mit einer etwas andern Form versehen werden, aber es ist und bleibt der alteSitz. Vom Dualismus, durch den Preußen in's Netz gelockt wurde, ist keine Rede mehr; das in Dresden vereinbarte Di­rektorium wird aus 9 Stimmen bestehen, von denen 2 auf Oesterreich, 2 auf Preußen, 1 auf Baiern, 1 auf Sachsen und Hannover, 1 auf Württemberg und Baden, 1 auf Kurhessen unv die Großherzogthümer und 1 auf die sämmtlichen übrigen Staaten kommen. Daß Baden mit Württemberg eine Stimme erhält, wird alt eine Konzession gegen Preußen bezeichnet, ist aber bei Licht besehen eine neue Errungenschaft für Oesterreich, denn mit der schwarzgelben württrmbergi- schen Regierung zusammengekettet und mit einer star­ken österreichischen Besatzung in Rastatt an der Angel gehalten, wird sich sein Schwerpunkt nach Süvost wenden müssen. Oesterreich gebietet über die baierische, württcmbergische-badische,"durch Sachsen, das sich schon, um sich Preußens zu erwehren, nach Süden wenden muß, über diese Stimme, durch Km Hessen und Hessen- Darmstadt über die Stimme der Großherzogthümer; die kleineren preuß.Bundesgenossen wurden allein einen Topf geworfen, ihrer sind viele, ihrer Interessen und Richtun­gen die verschiedenartigsten, sie werden also schwer zu einer kompakten Einheit kommen und, wenn selbst dies, sie haben nur eine stimme und werden dem Leviathan folgen müssen. also Summa Summarum Preußen ist auf seine zwei Stimmen reduzirt; sobald es sich von Oesterreich isolirt, steht es allein. Es wird sich also mit 2 gegen 7 Stimmen stets fügen oder mit dem Kopfe gegen die Wand rennen. Preußen wird nicht ewig sich zur kläglichen Rolle Wagners verurteilt sehen wollen, es wird rebelliren; die Krisis, welche Manteuffel beschwichtigte durch so ungeheuere Opfer, wird sich über kurz oder lang widerholen: Preußen wird dann von Rechtswegen als Rebell ereqüirt, mehr und mehr abgeschwächt werden und das Schichal er­fahren:Wie gewonnen, so zerronnen!"

Mittags. Die Matadore der Dresdener Kon- ftrenzen, Fürst Schwarzenberg, von der Pfordten und der hannoverische Minister von Münchhausen, wie die meisten anderen Minister, die sich eingefunden, sinh nach Hause gereist, da die Hauptaufgabe der Berathun­gen als erreicht betrachtet wird. Uebrigens steht Schwar­zenbergs Rückkehr nach Dresden schon in Kurzem wie­der bevor. Die erste und zweite Konsereuzkommission hielt am 12. und 13. kombinirte Sitzungen zur Be­rathung der von Oesterreich ausgegaugenen Abände­rungen in der Bundesorganisation, denen Manteuffel sich gefügt hat. Es heißt übrigens, daß man. sich doch für 'Absonderung der Legislative von der Exekutive

des Bundes entschieden habe, so daß in der Legislative säinmtliche Regierungen wie bisher vertreten würden, während in der Exekutive das Neunstimmensystem, wie eben angegeben, eingeführt würde. Baiern und Sach­sen arbeiten mit Macht daran, daß sich der Zollkon­greß in Dresden zur Herstellung eines allgemeinen Zoll- und Handelssystems nach österreichischen Wün­schen versammele. Es will sich jetzt jeder einen schwarz- gelben Rock verdienen!

Aus Schleswig-Holstein.

X Noch immer ruht ein unheildrohender Schleier über den Verhandlungen wegen Nordalbingiens nächster Zukunft. Nur so viel steht fest, daß. unter der schles­wig-holsteinischen Regierung sowohl wie unter den Kom­missären und unter den dänischen Diplomaten Zwie­spalt herrscht. Boysen ist nicht als Departementschef zurückgetreten, hat aber Reventlows Proklamation nicht unterzeichnet, weil er mit derselben nicht einverstanden war; Thümen, der in seine durchaus untergeordnete Stellung sich nicht finden konnte, ist nach Berlin ab­gereist, während Mensdorff zum General Legeditsch nach Hildesheim eilte, um denselben mündlich zu in- struiren; die dänischen Kommissäre erwarten Depeschen aus Kopenhagen, wo die Junkerparte'. dem demokrati­schen Theile des Kabinets entgegenarbeitet und jetzt dieselben Zustände, wie in Preußen sich vorbereiten. Ueber die Stimmung der Herzogthümer äußert die Korrespondenz derKöln. Zeitung" unter Anderem: Es giebt keinen Ausdruck, keine Wendung der Sprache, um auch nur annähernd richtig das Gefühl unseres Landes zu bezeichnen hinsichtlich Preußens gegenwärtiger Stellung im Vergleiche zu derjenigen in einer dem Gedächtnisse noch so nahe liegenden Zeit. Daß von einem Vertrauen zu Oesterreich (das jetzt Deutschland repräsentirt!) auch nur relativ die Rede sein kann, geht aus Obigem wohl ohne besondere Verwahrung hervor. Wir glauben leider, daß vor Allem Rußlands Wille in der schleswig-Holsteinischen Frage zur Geltung gelangt 1" Der Altonaer Merk." macht das deutsche Publikum, welches noch geben kann, darauf aufmerksam, daß sich bei der eingetretenen Wendung jedenfalls das Schicksal der flüchtigen Beamten aus dem Schleswig'schen am schlimm­sten gestalten muß.Von den Däpen geächtet, ohne Aussicht auf Anstellung in deutschen Staaten, in Folge ihrer Erziehung und bisherigen Beschäftigung nicht im Stande, durch ein bürgerliches Gewerbe ihren Lebeus- Unterhalt zu verdienen, mehr oder weniger von Mit­teln entblößt, sieht diese so höchst ehrenhafte Classe einer traurigen Zukunft entgegen.. Die anderen Flücht­linge werden nach Aufhebung des Belagerungs-Zu­standes ohne Zweifel die Erlaubniß zur Rückkehr er­halten und ihr Gewerbe wieder ergreifen können, aber für die Mehrzahl der Beamten ist in dem einen wie in dem andern Falle vollständige Trostlosigkeit |

vorhanden, wohin sie auch den Blick wenden." General von der Horst hat eine Proklamation erlassen, worin er die Armee zur Aufrechthaltung ihres guten Rufes und der Disciplin ermahnt. Die Herren haben ein böses Gewissen; daher die Furcht.

Nach Berliner Nachrichten soll es zu einem neuen Provisorium kommen, zu einer Statthalterschaft, die aus einem österreichischen, preußischen und dänischen Commiffâr bestehen werde. Von höhern Offizieren haben sofort viele, besonders die Preußen, ihren Ab­schied genommen, um das Land zu verlassen,bevor die Oesterreicher einrücken." Auch Heinrich von Gagern hat sich bereits in Monsheim angcmeldet.

Wie es mit den Verheißungen der Commissäre steht, lehrt die fBerliner Kreuzzeitung, der aus Kiel 13. Jan. geschrieben wird:Die Armee wird sich noch heute vom schleswigischen Gebiete zurückziehen und nur einstweilen noch Friedrichsort besetzt halten, die Auf­lösung, resp. Reducirung, wird in einigen Tagen er­folgen. Die Festungen Friedrichsort uns Rendsburg werden auch nur so lange von dem Rest der schles­wig-Holsteinischen Armee besetzt bleiben, bis die Oester- reicher eintreffen, alsdann wird Friedrichsort, welches zu Schleswig gehört, wohl gänzlich geräumt und Rends- burg von den Oesterreicheru besetzt werden; auch ver­lautet, daß später der Rest der schleswig-Holsteinischen Armee gleichfalls aufgelöst werden soll, nach welcher Zeit jedoch ein neues Holüein-Iauenburgisches Bundes- contingent von 1 pCt. der Bevölkerung gebildet wer­den soll. Die Landesversammlung wird wohl morgen gleichfalls aufgelöst werden, da dieses ausdrückliche Bedingung der Commissäre ist." Vac vietis!

DerWöser-Ztg." zufolge sind- noch keine Beur- laubungcn von Bedeutung erfolgt, doch werden auf Freitag in Altona 6000 Mann und auch das vierte Jägerkorps erwartet. Es heißt,' die Oesterreichs wer­den im Nordwesten bis zur thatsächlichen Negulirung der deutschen Wirren festen Fuß fassen. Die Reise des Grafen Sponeck nach Wien und Berlin bezweckt, das Haus Oesterreich von seinem etwaigen Hin­arbeiten auf Abschaffung des Sundzolls abzulenken und über die Stellung der Herzogthümer zum österreichischen Zoll- und Handelssystem zu nnterhairdlen. Dieier dänische Minister ist, obgleich mit Madvig u d Claussen sehr liirt, doch ein >so gewandter Staatsmann, daß man in Kopenhagen hofft, er werde sich mit Schwar­zenberg schon verständigen.

Die Protokolle der Permanenzkommifsion.

§ Paris, 14. Januar. Die Protokolle' der Per- mauenzkommission sind der Öffentlichkeit übergeben. Zwar enthalten sie für das nach Ueberraschungen haschende Publikum wenig Neues und haben schon des­halb den Eclat nicht gemach,^ womit die 25er so lange dem Eiysee drohten. Nichts desto weniger ist diese

Die Generalversammlung des Nassauischen

Vereins für A.terthumskunde, am 27.

Dezember 1830.

Eine Berichtigung von Dr Rossel in Wiesbaden.

(Fortsetzung.)

Zur Erläuterung dieser dem ferner stehenden Publi­kum schier unbegreiflichen Vorgänge muß noch etwas vorausgeschickt werden. Eine Menge Ausstellungen, welche im Laufe der Zeit gegen die frühere Verwaltung des Vorstandes und die Vernachlässigung oder doch nur höchst einseitige Förderung der Vereinszwecke rege geworden waren, hatten in einem größeren Aufsatze Zur nassauischen Landesgeschichte" (Wanderer Nro. 25362 vom November 1849) ihren Ausdruck gefun­den. Ich bin weit davon entfernt, die Form und zum Theil ungemäßigte Ausdrucksweise in jenem Aufsatz irgend in Schutz nehmen zu wollen, bin aber doch auch wieder mit den inneren Verhältnissen dieses Vereins vertraut genug, um zu wissen, daß ein guter Theil jener Vorwürfe eben auf Thatsachen beruht, die be­reits viele Mitglieder dazu veranlaßt haben, den Verein geradezu zu verlassen. Unter allen Umständen hätte der offen von dem Verfasser mit Nennung seines Namens erfolgten Herausforderung eine eben so

öffentliche Abwehr des angegriffenen Vorstandes folgen müssen; eine solche ist jedoch bis heute noch nicht er­folgt und der Fehdehandschuh nicht aufgehoben worden. Daß durch solches Jgnoriren der Streitfragen die Ent­scheidung allenfalls hinausgeschoben und Zeit gewonnen, dem Uebel selbst aber nicht abgeholfen werden kann, ist selbstredend klar und herrscht darüber auch nur eine Stimme. Die guten Tage sind eben lange vor­über, wo der Unterthan von seiner Regierung, die Kor­poration von ihrem Vorstande sich in gutmüthiger Ver­trauensseligkeit bevormunden ließ; die Zeit, in der wir leben, ist wirklich, wie sie der Verfasser jenes An­griffs bezeichnet, eine solche,welche Oeffentlichkeit und Durchsichtigkeit aller Verwaltungszweige bis ins Einzelste fordert, welche die unbeschränkteste Selbst­verwaltung für Gemeinden und Korporationen in Anspruch nimmt." Diese Forderungen der Zeit sind aber zugleich so bestimmt und so unabweislich, daß die bis jetzt noch widerstrebenden Elemente des Vereins- vorstandes entweder darauf eingehen oder die ganze Zukunft des Vereins in Frage stellen müssen. Daß eine öffentliche Anregung dieser Forderungen, die auch bereits in auswärtige Blätter übergeht und bei dem bisherigen Stillschweigen des Vorstandes das Ansehen des ganzen Vereins im Auslande zu untergraben droht, von den besonders betroffenen Mitgliedern des Vereins mit Unwillen ausgenommen wird, begreift sich leicht; mir hätte die Generalversammlung eines wissenschaft­

lichen Vereins, statt der gänzlich unmotivirten Ergüsse eines erregten Gefühls wohl verdient, eine klare Aus­einandersetzung der betreffenden Streitpunkte und die Ansicht des Vorstandes über jeden einzelnen derselben zu hören. Aber es wurde weder irgend ein Name ge­nannt, noch irgend eine Schrift oder irgend ein Zei­tungsblatt vorgelegt, das diese Vorwürfe enthielt; noch weniger wurden dieselben artikelweise durchgegangen oder auch nur angeoeutet, geschweige denn, daß irgend eine Widerlegung irgend eines Punktes versucht wor­den wäre. Denn damit, daß dieser Versammlung seit 6 Jahren zum erstenmal wieder ein (noch heute un­vollendetes) Annalenhest, nebst einem Heft Beilage vor­gelegt wurde, erledig- sich der dem Verein gemachte Vorwurf der llnthätigkeit nur zum kleinsten Theil; es beweist die Vorlage dieser Heste nichts anderes, als was den Mitgliedern des Vereins seit langen Jahren bewußt ist, nämlich, daß der Sekretär des Vereins, dessen langjährige Verdienste um diesen Verein hinlänglich bekannt und anerkannt sind, fortwährend für die Zwecke des Vereins sich , sehr emsig bemüht fund daß er von Zeit zu Zeit eine seiner literarischenzFor- schungen in den Annalen des Vereins abdrucken läßt- Wie diese höchst anerkennenswerthe Tbätigkeir eines einzelnen Mitglieds die des gesummten Vorstan­des oder gar des historischen Vereins eines^ ganzen Landes repräsentiern, und wie diese Thätigkeit gar die

verspätete Abhaltung einer Generalversammlung recht