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J^ -AU, WlesbaDeu. Freitag, 17. Januar 1B5I.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fL 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge Die Jnserationsgebâhren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 fr.

Der Monarchen - Kongreß in Dresden.

X Schon werden die Vorbereitungen zum Empfang des Kaisers von Rußland nebst dem Kaiser von Oester­reich und dem Könige von Preußen im Schlosse zu Dresden getroffen. Die Fürsten der mindermächtigen Staaten werden gleichfalls erwartet, um den Glanz des Selbstherrschers zu erhöhen. Die Diplomaten der drei Großmächte sind einig: die Wiederherstellung des deutschen Bundes soll die Erneuerung der heiligen Allianz einweihen, die Besetzung Norddeutschlands durch 50,000 Mann Oesterreicher diesem Akte die nöthige Festigkeit geben. Zugleich wird hier über die neue Koalition gegen dieRevolutionshecrde", d. h. gegen die Schweiz, Frankreich und Italien entschieden werden. Es gilt nichts Kleineres, als Zurückführung Europas auf den Stand vor der ersten französischen Revolution, nur mit dem Unterschiede, daß Rußland sich an die Spitze des europäischen Staatensystems zn setzen und das euro­päische Völkerrecht in das bon plaisir des Selbstherr­schers aller Reußen abgeändert werden soll.

Längst ist ja schon aller ZwZfel darüber verschwun­den, daß nicht in deutschen Landen, nicht in Frankfurt, Wien oder Berlin über Deutschlands Geschicke in höch­ster Instanz entschieden werde. Rach Warschau pil­gerte der Kaiser von Oesterreich, nach Warschau der preußische Premier, Graf von,: Brandenburg, jener, um aus russischer Hand das neue Scepter über alle deutschen Stämmen empfangen, dieser, um über Preußens Unterwerfung unter diesen unabänderlichen Beschluß zu verhandeln. Nur in der allbekannten Starrheit der Habsburger am Hergebrachten sah der Czar eine Ga­rantie für die Vollziehung seiner Pläne. Die Hohen- zollern haben zwar Rußland viel geliebt, doch Fried­rich 1L war ein arger Ketzer und dem Schwager Friedrich Wilhelm IV. traute der Czar bekanntlich seit seiner Thronbesteigung Alles zu, nur j keine festen RettungSthatcu."

Es ist bekannt, daß dem preußischen Premier in Herben Worten erklärt wurde, man zweifle nicht am guten Willen seines Hofes, die preußische Regierung habe sich aber zu: Erlangung einer selbstständigen Rolle bei dem großen RestaurationSwerke durchaus nicht be­ständig genug erwiesen: Preußen habe sich erst zu re- habilitirèn, durch unbedingte Hingebung an Oesterreich ' Buße zu thun und Garantien für eine dauernde Bes- ' strunz zu geben. Der arme Brandenburg mußte Worte vernehmen, die ihm das Herz brachen.

Aber trotz Mobilisation und anderem Geflunker machte sich die preußische Regierung endlich doch: sie legte sich zum Zweck! In Olmütz wurden die zu Warschau ausgestellten Punktalipnen specificirt ^und , Schwarzenberg durfte sich rühmen :Ich habe den Stier bei von Hörnern!" Herr von Meyendorff wußte, als der Dritte im Bunde, Herrn von Manteuffel die Pillen so meisterhaft zu appliciren, daß derselbe keine

Miene verzog, sondern, nachdem er Alles zuMagt, so­gar in der ersten preußischen Kammer die famoseWen- dungsrede" hielt, worin er triumphirend der Welt ver­kündete:Preußen hat mit der Revolution gebrochen!" Preußens ganzer Entstehung^- und Entwickelungsprozeß war, seit es ein Königreich, eine fortwährende Revo-' lution, eine unaufhörliche Auflehnung gegen Kaiser und Reich, eine ununterbrochene Rebellion gegen das , Haus Habsburg!Preußen hat mit der Revolution gebrochen", heißt also nichts mehr, noch minder, als: Preußen hat mit sich selbst als selbstständige Macht gebrochen, es hat sich zerbrochen und ist in das alte Verhältniß zum Kaiser zurückgetreten!

Die Wiederherstellung des deutschen Bundes bedeutet ganz einfach Wiederherstellung des alten Reichs, doch nicht des alten Reichs deutscher Nation, sondern deut­scher Dynastien unter russischer Oberhoheit. Deshalb weg mit der Volksvertretung, weg mit dem Konstitutiona- lismus, wo immer er sich zeigt, weg mit dem Pro­testantismus der freien Forschung, weg mit der freien Schule, weg mit der freien Presse, weg mit dem freien Handel! Und für das Alles: die heilige Allianz unter Rußlands Führung.

Die preußische Regierung hat Alles gethan, um Garantien für dieseWendung" zu bieten; Die Saat ist reif, die Liegesfeste nahen. Der Fürstenkongroß in Dresden soll das Werk der Jahre 1849 und 1850 be= siegeln.

AuS Schleswig-Holstein.

* Werden wir noch lange schreiben:Schles­wig-Holstein"? DieConst. Ztg." hat einen Kieler Bericht, in welchem die Abendsonne noch rosig blinkt. Die schleswig-holsteinische Armee", heißt es darin, wird nicht aufgelöst. Ihre Reduction wäre der Aus­lösung gleich, wenn die Cadres aufgelöst werden soll­ten. Die Cadres bleiben. Die schleswig-holst. Armee zieht sich hinter die Eiver zurück. Sie besetzt vielmehr Rendsburg und ^riedrichsort, die Festungen, und nicht etwa von Rendsburg nur die Werke diesseits, sondern auch die Befestigungen^jenseitS der Eider. Gleichzeitig räumen die Dänen .Südschleswig und nötigenfalls dienen österreichische Truppen zur Unterstützung für die Säuberung Südschleswigs. Das Kriegsmaterial bleibt Landeseigenthum und steht unter dem Schutz des deut­schen Bundes. In Bezug auf die schlesw.-holst. Ma­rine erklärten die Commiffarien keinen Auftrag zu ha­ben. Die Marine verbleibt den Herzogthümern. Die österreichische Armee rückt nicht in Holstein ein, sondern hält Stand an der Grenze. Die Commissarien haben mündlich und schriftlich ihre Zusagen gegeben."

Aehnlich lautet die Proklamation an Die Armee: Die von den Großmächte» Deutschlands, namens des deutschen Bundes, gesandten Coinmissare haben es über­nommen, den Friedensverlrag vom 2. Juli v. Z. nun­mehr zur Ausführung zu bringen, und daher die Rechte

und Interessen des Landes Holstein und seiner alt her­gebrachten Verbindung mit dem Herzogtum Schleswig ^u wahren. Die Statthalterschaft hat deshalb die Feindseligkeiten einstellen lassen. Die dänische Armee wird sich zurückziehen und nur die zur Aufrechthaltung der Ordnung erforderlichen Truppenabtheilungen in Schleswig zurücklassen. Die schleswig-holst. Armee behält die Festungen Rendsburg und FriedrichSort, so­wie die zu diesen Festungen gehörenden Rayons, besetzt; der übrige Theil der Armee wird 1 über die Eider zurückgehen und Cantonnements beziehen. Die Trup­pen werden, wenn sie in ihren Cantonnements an ge­kommen sind, bis zu zwei Drittheilen ihrer Mannschaft beurlaubt. Die Cadres bleiben, und bei diesen werden die Waffen, Bekleidungen und alle Ausrüstuugsgegen- stänoe aufbewahrt. Die Statthalterschaft vertraut der Armee, daß sie, die so ruhmvolle Beweise ihrer Tapfer­keit und ehrenwerthen Ausdauer gegeben hat, auch fer­ner musterhafte Ordnung und Disciplin aufrecht er­halten und sich dadurch die Achtung und den Dauk des Vaterlands sichern werde. Kiel, den 11. Januar 1851. Die Statthalterschaft der Herzogtümer Schles­wig-Holstein Reventlou. Krohn."

Die Commiffarien v. Thümen und v. Mensdorff, die dänischen Commiffarien v. Plessen und Reventlow- CriminiU, die drei lanenburgischen Statthalter und der Statthchter Reventlow waren zu gemeinschaftlicher Be­rathung am 13. in Hamburg anwesend. Wenn jene Hoffnungen Grund haben, warum dann die fortdauern­den Märsche österreichischen Heeresmasscn nach dem Norden, während in Hainburg am Tage nach der Proklamation an die Armee bereits Abtheilungenbe­urlaubter" Soldaten welcher Hohn! eintrafen und eilends mit der Eisenbahn weiter geschoben wurden! Beseler wird Altona in nächster Zeit verlassen, um sich auf sein Landgut, das er sich im Mecklenburgischen ge­kauft hat, zurückjuziehen. Selbst dieKölnische Ztg.", die doch zur Farbe gehört, kann nicht unterlassen, zu bemerken:Sie mögen leicht ermessen, daß es hier­über nicht an Glossen fehlt." Uebrigens erfahren wir jeßt auch, daß Beseler es bei seiner Rede für Fort­setzung des Kampfes durchaus an bestimmt formulirten Vorschlägen über die Art des Krieges fehlen ließ, woraus erhellt?, ;daß es jihm, wie allen schlechten Komödia i- ten nur nm einen brillanten Ab <ang zu thun war. Wie man in Norddeutschland über Die neuesten Vor­gänge in Knrhessen und Schleswig-Holstein urtheilt, möge folgender Artikel in derBremer Tages-Chi-onck" zeigen:

Drei Männer hat die reactionäve Unsiltlichkeit un­serer Tage erzeugt, bei deren Name» sich dem Knaben, der deutsche Geschichte lernt, das Blm in Die Wangen und ein Fluch auf die Lippen dräiigeu wird, Görgey, der Statthalter Reventlow und Hassen pfl ug. Die Contrerevolution hat überhaupt gute Acteues ge­habt, aber die schmutzigsten Stollen in ihr waren jenen drei Männern zugetheilt. Wir sind zu Ende, Der

Die Generalversammlung des Nassauischen

Vereins für Alterthumskunde, am 27.

Dezember I8SV

Eine Berichtigung von Dr Rossel in Wiesbaden.

In einem ArtikelWiesbaden", Siro. 309 dieser I Zeitung, ist ein Bericht über die am 27. v. M. dahier | ^gehaltene Generalversammlung des Alterthums-Ver- rmö abgedruckt, der, da er mit Nennung meines i N a in e II s meine Betheiligung an den betreffenden Ver- ; Handlungen theils nicht ganz richtig, theils höchst uuvoll- ! ständig milthellt, mich zu einer offenen Berichtigung auf- sordert. Warum es diesmal mit Nennung des Na- I mens geschieht, wird sich aus dein Verlauf der Dar- I stellung ergeben unhoffentlich auch darin sich die Ent­schuldigung finden, daß ich w ider W i l l eN von meinen I persönlichen Beziehungen zu dem gedachten Verein I i eben muß.

Meine Freunde an der Dill und sonst, die jenen I Bericht gelesen, werden sich schon gewundert haben, : wie ich unter Die Nass. Alterthümer gerathen sei. Das i iil aber mit sehr natürlichen Dingen und zwar so zu- gegangem 3n der praktischen Behandlung der neuesten ; Landtsgeschichte war ich, wie ihnen bekannt, auf man- I wertes Schwierigkeiten gestoßen, die zuletzt durch eine

gewisse Maßregel geradezu unübersteiglich für mich wer­den mußten. Von dem öffentlichen Wirken zog ich mich daher auf das stillere Gebiet der Wissenschaft zurück, zunächst der Alterthumskunde, der Geschichte und der Kunst, und als Mitglied des historischen Ver­eins fand ich bald Veranlassung, für seine Zwecke zu arbeiten. Mit Bewilligung des Vorstandes übernahm ul; es, die in unbeschreiblicher Unordnung befindliche Bibliothek des Vereins, Die meistens aus Schriften auswärtiger Vereine bestand und durch planlose Bücher- auschaffniigen von Zeit zu Zeit vermehrt worden war, zu ordnen und zu verzeichnen. Da diese seit einer lan­gen Reihe von Jahren angewachsenen Schriften, bis auf einen kleinen Theil, nie verzeichnet worden waren, da ganz willkürliche Ausleihungen ohne alle Controlle statlgesunoen hatten, da ganze Stöße von Schraten, Die Jahre lang verliehen gewesen waren, erst von außen herbeigeschafft werden mußten und vielleicht bis heute noch nicht voll­ständig erbracht sind: so war das Unternommene mit nicht geringer Mühe verbunden und beschäftigte mich fast anhaltend mehrere Wochen. So suchte ich Der Verwahrlosung deöVere«iiseigenth u in s wenigstens in Diesem Steile zu steuern. Gleichzeitig erbot ich mich zur Anfertigung eines Inventariums über die im Mu­seum aufbkwahrteu Antiquitäten der Verein hat nämlich seit den 28 Jahren seines Bestehens bis jetzt noch nicht einmal ein Verzeichniß seiner Sammlungen zu Stande gebracht: jedoch zevjchlugen sich die

darüber mit dem Vorstande angeknüpften Unterhand­lungen. Da ich ohnehin seit Mitte April ander­weit eine ständiger Beschäftigung gefunden hatte, so blieb mir für die anliguarischen Beschäftigun­gen weniger Zeit übrig; indessen habe ich den ganzen Sommer hindurch täglich eine Mittagsstunde im Lokale Des Museums zugebracht, um für mich zu arbeiten, die Vereins-Bibliothek ordnen zu helfen und den Conservator bei der Herumführung fremder Be­sucher zu unterstützen. Stur beiläufig sei bemerkt, daß ich wie sich von selbst versteht für alle diese und ähnliche Bemühungen nicht Die mindeste Vergütung beansprucht oder erhalten habe. Auch zu anderweitiger Mitwirkung für Die Zwecke des Vereins durch literarische und archivalische Arbeiten allerlei Art hat es mir seit­dem nicht an Gelegenheit gefehlt. Aller dieser Gering- fügigkeiltn gedenke ich nur, um darzuthun, daß ich seit meinem Hiersein für die Interesse» des Vereins un­ablässig und rein um der Sache selbst willen thätig gewesen bin und mir daher in Beziehung auf den Zustand des Vereins, seine Mängel und die Mittel zu deren Beseitigung wohl ein zuständigeres Urtheil erlauben darf, als die Mehrzahl seiner Mit­glieder , Die durch Berufsgeschäfte anderer Art abge­halten sich um das Nähere, zumal die wissenschaftliche Seite seiner Thätigkeit, wenig oder gar nicht zu tüin- mern pflegen. Diese auch in anderen Blättern und zum Theil fd^ sehr stark gerügten Mangel habe ich