Einzelbild herunterladen
 

am meisten bevorzugt und steht höher als der Engel. Denn der Engel hat keinen Leib, kann also auch keine Unkeuschheit begehen; aber die Jungfrau hat einen Leib, und begeht sie keine Unkeuschheit, so steht sie also hö­her als der Engel; versteht ihr, meine Christen? O, wie wohlgefällig ist nicht die keusche Susanna und der keusche Joseph Gott gewesen, die jetzt beide durch ihre Standhaftigkeit die ewige Seligkeit genießen!Jung­frauen," fuhr er weiter fort,bewahret euere Keuschheit, sonst begeht ihr eine Todsünde und nichts kann euch mehr dieses kostbare Kleinod verschaffen. Jedoch ist auch der Stand der Ehe ein heiliger, und wenn euch Verhältnisse oder sonst Umstände bestimmen, so heira- thet nur, um die Zahl der Anbeter Gottes zu ver­mehren.

Christliche Väter und Mütter! bewahrt sorgfältig euere Töchter, denn oft geht die Keuschheit verloren für einige hundert Gulden, für einige Gulden, für ein paar Groschen, ja oft für einige glatte Worte. Die Unkeuschheit ist auch die Ursache so vieler unglücklichen Ehen. Denn die Frau betrügt den Mann mit ihrem unkeuschen Leibe, und dann straft Gott, indem er den Mann einen Säufer oder einen Spieler werden läßt, oder indem er zugibt, daß er seine Frau schlägt. Aber wie ist Gott so hoch erfreut, wenn am Altar ein keu­sches Paar steht! Wie wied er dieses segnen mit der Fülle seiner Gnade! Darum, christliche Jungfrau, be­wahre deine Keuschheit; dein Leib wird jenseits strah­len in himmlischem Glanze und er wird himmlischen Wohlgeruch duften."

Dann zu den Gefahren, welchen ein junges Mädchen ausgesetzt ist, übergehend, sprach der fromme Herr wei­ter:Am gefährlichsten für die Keuschheit der Jung­frau sind die Tanzbelustigungen. Man ist dort unan­ständig gekleidet, es sind Theile des Körpers blosgestellt, die verhüllt sein sollten; man wird dort durch Blicke und unzüchtige Reden, durch Weintrinken und durch Herumspringen - und Trappeln erhitzt; man geht mit Einem des andern Geschlechts nach Hause, und man weiß dann zuletzt gut, was unterwegs geschieht." Hier entstand lautes Gelächter, Scharren mit den Füßen und ein Gemurmel des Unwillens, und nur die Heilig­keit des Ortes hielt einen Losbruch zurück, der leicht die ganze heilige Mission hätte zu Ende führen können. Der Jesuit verlor die Fassung und erbleichte, aber bald wieder gefaßt, fuhr er weiter fort, die Gefahren zu schildern, und bezeichnete als solche auch diegeheimen Liebschaften".Christliche Jungfrau" hieß es weiter, hüte dich davor, du wirst umschlungen und wie leicht kannst du eine Todsünde begehen!" Dieses die Haupt­theile einer zweistündigen Predigt, gehalten vor einer Menge von beiläufig 4 bis 5000 Menschen, gehalten von einem Mönche der Gesellschaft Jesu, im Jahr der Gnade 1850. Am andern Tage fand sich noch eine größere Anzahl Menschen ein, um überdie Pflichten der Jünglinge" ein gleiches Thema anzuhören; aber die Behörde hatte den Herrn Superior ersucht, derlei Reden als unpassend nicht mehr zu halten, um die Ruhe der Kirche nicht zu stören, da wie verlautete, eine Demonstration vorbereitet war."

Hannover, 8. Jan. (Ns. Ztg.) Hannoverscher Seits wird, wie wir hören, eine Jnfanteriebrigade von zwei Regimentern dem 4. und 5. Regiment in der Art mobil gemacht werden, daß jedes Ba­taillon auf 500 Mann gebracht wird. Diese Truppen sollen zunächst dazu verwandt werden, um einestheils die Elbeübergänge bis Glückstadt gegenüber, audern- theils aber auch um das Terrain bis Lünneburg zu besetzen. Die Instruktionen sollen dahin lauten, daß alles von Holstein Kommende passiren zu lassen sei, sobald man sich der unverweilten Weiterreise versichert habe. Auch von Celle werden, wte wir hören, für die Dauer des österreichischen Durchmarsches Truppen nach Hildesheim beordert werden. Die österreichischen Mili­tärbehörden haben mit der hannoverschen Eisenbahnvirec- tion behuf Beförderung von Truppen Coutracte über 27,000 Thlr.Zabgeschlossen

Berlin, 8. Januar. (Const. Z.) In der 2. Kam­mer gedenkt man, dem Vernehmen nach, den Minister der auswärtigen Angelegenheiten zur Mittheilungen auf­zufordern: 1) der von der Krone Dänemark dem deut­schland Bund in Betreff der Herzogthümer gemachten Vdrlagen, welche gemäß dem Vertrage vom 2. Juli v. I. "zu dem Einschreiten des Bundes die Vorausse­tzung bilden; 2) über die Rücksprache des preußischen Gouvernements mit seinen Verbündeten, welche der Ernennung des' Generals v. Thümen zum Commissär für Schleswig-Holstein gemäß der Olmützer Ueberein, kunft vorausgcgangen seyn muß. Denn leider verlau­tet weder etwas von dänischen Vorlagen noch von der Rücksprache.

^ Berlin, 9. Januar. Morgen geht Herr von Manteuffel wieder nach Dresden. Nach der. Grab­legung des Konstitutionalismus in der ersten Kammer hegt der österreichische Ministerpräsidentdas aufrich­tige Verlangen, das Einigungswerk zum baldigen defi­nitiven Abschlusse zu bringen." DerLithgr Corresp." zufolge sind freilich Depeschen des Grafen v. Alvens- leben die Veranlassung zu der Reise. Die nächsten Tage werden auch über den Zollkongreß entscheiden: schon befinden sich preußische Schutzzoll- und hansea­tische Freihandclsmäuner in Dresden. Auch der alten preußischen Zollunion droht das Schicksal der politi­schen Union. Zu den Bassermänn'schen Gestalten, welche bei der ersten Wendung der preußischen Poli- ,

tik zu Tage kamen, sind jetzt bei der neuenWen­dung" Manteuffel'sche Gestalten gekommen. DieConst. Ztg." nämlich erklärt in Betreff derEnthüllungen" des Premier über Mazzinis's Pläne u. s. w., daß die Behauptung,- Klapka und Ruge seien nach Hol­stein gekommen und hätten sich dort aufgehalten,für völlig unbegründet" und meint, der Minister sollte billig nichtdie erste beste Notiz von Kellnern vor offenem Parlament als baare Münze ausgebcn." Aus Berlin wird derNat.-Ztg." gemeldet, daß, da die Uebereinstimmung von Oesterreich und Preußen zur Abänderung der Bundesakte fehle, die RückkeHsr zum alten Bund es rechte und zum alten Bundestage zum Ausgang der^Verhandlungen genom­men werde. Mit v. d.,Hcyd wird auch Dcllbrück besei­tigt und derN.Z." zufolge Geheimer Oberfinanzrath Mellin au des ersteren Stelle treten.

* In Breslau wurde am 7. Jan. der Referendar a. D. Bartsch als Verfasser eines Leitartikels der N. Oder-Ztg.", der eine Maje'stätsbeleidigung ent­halten sollte, von den Geschwornen freigesprochen.

*3n Köln wurde am 10. Januar der Herausgeber der Kölnischen Zeitung, Jos. Du Mont, wegen der beiden Leitartikel vom letzten November von den Geschwornen, nach kaum viertelstündigem Verweilen derselben im Berathungszimmer, freigesprochen. In derselben Nummer derKöln. Ztg." heißt es über Manteuffels Rede:Ja, es ist ein Wendepunkt in der preußischen Politik eingetreten, es soll entschieden mit der Revolution gebrochen werden!"" Die Antwort ist verständlich, es ist die Antwort, die wir in der Rreuzzeitung hundertmal gelesen haben: die Verfassungen Preußens wie Hessens und Hessens wie Preußens sind keine berechtigte deutsche Verfassungen; es sind Produkte der Revolution, Wechselbäge desJulikönigthums"" drum weg mit 'ihnen! Redet ihr von unserem Eide und dem Eide des Königs, so haben wir die Exceptio vis et metus; redet ihr von eurem Eide, so haben wirDisciplinargesetze" und wenn die nicht verschlagen Truppen und müßten es Kroaten sein, gegen eureBeamtenrevolu- tioneu!""

Dresden, 5. Januar. (Brest. Z.) Das Schwei­gen des Herrn v. Manteuffel in der zweiten Kammer ist bezeichnend genug. Ein Brief aus Berlin spricht von der tiefen Verstimmung, die dort in den höchsten Kreisen herrsche und die Desavouirung des Zweckes, den die Mission des Fürsten Liechtenstein nach Berlin hatte, läßt vermuthen, daß die Zusammenkunft des Königs von Preußen mit dem Kaiser vou Oesterreich in Dresden einstweilen noch nicht stattfinden wird. Kommt es hier zu keinem Resultate, so ist die Rück­kehr zum alten Bundestage unzweifelhaft und sämmt­liche kleinen Staaten werden sich ihr anschließen, einige freilich mit Furcht und Zittern, mit dem Gefühle, daß sie zur Wiederherstellung einer durch die Geschichte ge­richteten Institution beitragen. Daß Preußen, nach­dem es sich an der Ausführung der Bundeöbeschlüsse gegen Holstein und Kurhessen betheiligt, sich von dem restituirten Bundestage nicht ausschließen und die Ge­fahren einer vollständigen Jsotirung nicht auf sich neh­men würde, darf nach dem Geschehenen wohl behaup­tet werden.

Würzburg, 6. Jan. (Fränk. K.) Täglich neue Einquartierung der aus dem hessischen Feldzuge hcim- kehrenden bairischen Truppen. Heute Mittag rückte das 1. Bataillon des 9. Infanterieregiments wieder in seine Garnison dahier ein. Für diese ganze Woche ist tägliche Einquartierung in Würzburg ungesagt. Die Unglückszahl 7 scheint in unserem Staatshaushalte Wurzel geschlagen zu haben, denn seit dem Jahre 1848 hat man schon 3 Sprünge im Schuldenmachen durch die bekannten drei Anlehen, jedes zu 7 Millionen gemacht. Nun sollen die Abgeordneten bei ihrem (über Vorschrift verlängerten)Zusammenkommen, weitere 7 Millionen, die vierten sieben, bewilligen. Allein das ist noch nicht genug. Man will die Abgeordneten auch Papiergeld bewilligen lassen.

Stuttgart, 8. Januar. (Beob.) Am 7. Januar wurde daS Mitglied des Ausschusses der Landesver­sammlung, Dr. Stockmaye r, vor die Stadtdirektion geladen und ausgeforbert, bei einer Ungehorsamsstrafe von 15 fl. die in der Verwahrung des Ausschusses besiddlichen Schlüssel bis zum 9. Mittags 12 Uhr ab­zuliefern. Da Stockmayer in seiner Eigcnscha,t als Mitglied des Ausschusses die Schlüssel zu Behältern besitzt, in welchen Werthe von Millionen theils in Pa­pier, theils in Geld sich befinden, so lag in jener Ver­fügung ein neuer Eingriff in das richterliche Gebiet, indem,, wenn der Ausschuß nicht zu Recht bestünde, srine Handlungsweise alS das gerichtlich zu beurthei­lende Vergehen der Verabredung zum Ungehorsam oder der Anmaßung eineS öffentlichen Amtes anzn- schcu wäre. Der Ausschuß hat daher in einer gestern Abend abgehaltenen Sitzung eine Eingabe an den Kri­minalsenat des königlichen Gerichtshof für den Neckar- kreis beschlossen, in welcher daö Verfahren der Stadt- direktion augezeigt und um Abhülfe gebeten wurde. Heute Abend schon wurde den Mitgliedern des Aus­schusses ein Erlaß des Kriminalseuats an das Krimi- nalamt eröffnet, worin derselbe die Inkompetenz der Pölizeibchörde ausspricht und der Stadt- direktion jedes weitere Verfahren nnter­jagt. Wir sind begierig, ob unter solchen Umständen die Stadtdirektion auf dem Ansatz der Geldstrafe be­

harre n wird, nachdem dieselbe dem Ausschußmitgliede Stock mayer eröffnet hat, daß sie nach Weisung der Kreisregierung auf gar keine Einwendung achten werde.

Stuttgart, 9. Januar. Dem Schw. Merk, zu­folge sind von dem K. Ministerium des Innern Vor­bereitungs-Arbeiten für die Vornahme einer neuen Ab- geordneten-Wahl angeordnet worden.

^ Schleswig - Holstein. Zuverlässiges über die Forderungen der Bundeskommissäre, wie über die Ab­sicht der Statthalterschaft verlautet noch nicht; doch ist es bemerkenswerth, daß, alsEingesandt", ein Arti­kel imAltonaer Merkur" für Unterwerfung unter den Willen Deutschlands und die Uebermacht spricht. Der Einsender fragt:Handelt etwa der, welcher un­ter Räuber gefallen und auf den hundert Waffen gezückt sind, vernünftig, wenn er zu ihnen spricht: Meine Ehre fordert, daß ich das Gold in meiner Tasche so lange vertheidige, bis ich das Eisen in mei­nem Herzen fühle."" Cäsar wenigstens handelte an­ders, als er unter die Räuber fiel, und gewiß war doch Cäsar ein ehrenwerther und muthiger Mann." Als Bestätigung der gestern in Berliner Blättern angedeuteten Pläne der Contrerevolution meldet man derKöln.Ztg." aus Hamburg:Schneller als wir selbst vermutheten, fand unsere Behauptung, Holstein würde in jedem Falle von österreichischen Truppen und für ganz unbestimmte Zeitdauer occupirt werden, in gestern hier eingetroffenen Journal-Artikeln aus Süd­deutschland ihre Bestätigimg. Unsererseits gehen wir heute noch weiter und wagen wir zu behaupten, daß Oesterreich und Preußen von der schleSwig-holsteinischen Armee die ihm als bewaffnete Macht derRevo­lution" ein Gräuel ist auch nicht einmal das Drit­theil, welches die olmützer Punctationen bestehen lassen wollten, übrig lassen werden. Wer etwa gegen [biefe Voraussagung die Hände zweifelnd und zürnend über den Kopf zusammenschlagen sollte, den bitten wir, nur die nächste Entwicklung der Dinge in unserer Nachbar­schaft abzuwarten; so wie die österreichischen Truppen ins arme Holstein eingerückt find, etwa auch Rends­burg ohne Schwertstreich besetzt haben werden, dann sprechen wir uns wieder. Wie sich neben den weißen Scharen des F.-M..L. Legeditsch die etwa übrig geblie­benen 10,000 Freiheitskämpfer in schleswig-holsteinischer Uniform ausnehmen würden, das geben wir den etwa noch vertrauensvoll gestimmten Lesern zum vorläufigen Bedenken anheim!

Dänemark.

Kopenhagen, 5. Jan., Nachmittags. Nach'dem Gutachten der Finanzcomite ds Reichstags, wie eS in derReichstags-Zeitung" mitgktheilt ist, wurden, wenn der Reichstag die Ausschuß-Anträge annähme, sich die Staatseinnahmen auf 13,385,000 Rbthlr., die Ausga­ben vuf 14,845,000 Rbthlr. und die Unterbalance auf 1,460,000 Rbthlr. statt der 2,478,726 Rbthlr. 60 Sh., womit sie im Finanzgesetzvorschlag für 185152 auf­geführt ist, belaufen. Da diese Summe aber ungefähr nach den Mittheilungen des Finanzministers an den Thing die Summe sei, welche wahrscheinlich mit dem Ueberschuß der sch l e s w i g'schen Einkünfte (bei­nahe IU2 Mill. Rbthlr.) einkäme, so wäre damit das Gleichgewicht zwischen Ausgabe und Einnahme Herge- stellt. Die Hälfte der vorgeschlagenen Kriegsstener werde zur Einlösung der im November 1851 einzuIöseUden Million Creditscheine nothwendig sein. Der Ausschuß hofft, daß die Zeitumstande sich so gestalten mögen, daß die Armee und die Flotte vollständig auf den FriedenSfuß komme und man also wei­teren außerordentlichen Steueränstrengu »gen auSweichen könne."

AepLblik Fraukreieb

$ Paris, 9. Januar. Die offizielle Erklärung fehlt zwar noch, aber die KabinetskrifiS ist so gut wie entschieden. Chau garnierS Absetzung ist als vollbrachte Thatsache zu betrachten; das Mi­nisterium wird nur etwas ansgeflickt, fünf der alten Minister bleiben. Die Liste, welche morgen ganz oder dach bis auf Dumas und Parieu imMoniteur" er­scheinen wird, lautet: St. Jean de Angcly Krieg, Rouher Justiz, Foul d' Finanzen, Maigne Arbei­ten, Baroche Inneres, Drouin de l'Huys Aus­wärtiges, Ducos Marine, Dumas Handel und Pgricu Unterricht. Die drei leitenden Namen Ba­roche, Fould und Rouher bleiben am Ruder. Alo Bc- fehlSaber der 1. Militärdivision wird General F orn y, voll Änderen General Servatius (ein ominöser Name!) genannt. Zu dem Komite der 12 oder spä­ter der 16 Männer, welche als Vertrauensmänner der Majorität tagten,um die Sachen gehen zu lassen, wie's Gott gefiel", waren auch Dufaure uad Lamo- riciere geladen, aber nicht erschienen. In der Na­tionalversammlung wurde der Dringlichkeitsantrag, daß die Ermächtigung zur Schuldverhaftung der Abgeord­neten von ihrer Seite durchaus nothwendig sei, mit großer Majorität genehmigt und die Diskussion auf den Sayistag anberauint. Das Tribunal hat Mau- guins Haftbefehl wiederholt. Börse: keine Ge­schäfte: 3pCt. blieben 56, 85; 5pCt. 94, 90 (Hauffe 15 Cent.)