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Freit Ztilung.

âeiheir «nb Recht!"

M IO. Wiesbaden. Sonntag, 12 Januar 1851.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenomm«, und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von .wirksamem Er­folge Die Jnserationögebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Bem ist todt!

tDas erste Feldherrngenie der Gegenwart, Bem, ist am 14. Dezember 1830 tu Aleppo gestorben Einen Lorbeerkranz auf sein Haupt, einen Jmmortellenkranz auf sein Grab weihen ihm die bedrängten Völker; die freiere und glücklichere Nach­welt wird ihn feiern, so lange das Wort Freiheit in einer der unzähligen Sprachen der Menschheit_tönt. So manche Ruhmessonne der letzten Jahre ist verbli­chen, so mancher Stern der Ehre erloschen; doch wo immer ein bedrücktes Volk seiner Rechte eingedenk zu werden beginnt, wird der Ruf erschallen:Ist kein Bem da?"

Das ist die schwere Zeit der Noth!

X Die Ansichten über Ehre und Würde, über Bänder und Kokarden, über Schuld und Unschuld ha­ben sich merkwürdig in der Welt verändert. Es gilt für keinen Schimpf, im Zuchthause zu sitzen, wenn man Ki nkel's Gewissen hat; es gilt für keine Schande, zum Verlust der preußischen Nationalkokarde verurtheilt zu werden, wenn man dem deutschen Namen so viel Ehre gemacht hat als Louis S i m o n. Ja dieser, unserer edelsten, gefeiertsten Bürger einer ist in Trier zum Tode verurtheilt worden: Zum Glück hän­gen die Nürnberger nach altem Sprichwort keinen, sie hätten ihn denn zuvor." Die Märtyrer der De­mokratie mehren sich wie die Blutzeugen des Christen­thums in den Tagen der Neronen: bald kann jeder Hausvater sein LieblingSzimmer mit einer ganzen Ga­lerie von verfolgten Missethätern verzieren. Es ist eine furchtbare Zeit, eine Periode, wo die Begriffe des Volkes über Recht und Gerechtigkeit, Tugend und Laster, Größe und Niedrigkeit immer entsetzlicher ver­wirrt werden, weil heute todeswürdig heißen soll, was gestern erst höchste Bürgerpflicht war; wo Männer militärisch erequirt werden, die an ihrer beschwornen Landesverfassung festzuhalten für Gewissenspflicht hal­ten; wo ein Volksstamm, weil er zu Deutschland hal­ten will, von Deutschen mit Krieg überzogen wird, von Deutschen, die einst auf dem Schlachtfelde mit ihm brüderlich Gefahr und Noth theilten! Und diese schreckliche Zeit, wie wird sie enden? Dem Harten folgt das Härtere, dem Unerhörten das Unerhörtere, dem Gräßlichen das Gräßlichere. Deutschland blutet aus tausend Wunden, und immer neue Wunden wer­den ihm geschlagen, und immer ist des Jammers noch nicht genug, und immer sind der Thränen und deS Blutes zu wenige und immer blieb der Hoffnung noch zu viel.

DaS ist di« Noth der schweren Zeit, DaS ist di« schwrre Zeit der Noth, DaS ist di« Noth der schweren Zeit, DaS ist die Zeit der schweren Noth!"

So sang einst unser biederer alter Dichter Cha- misso in den 30er Jahren; was würde er heute sagen? Wohl ihm, daß er entschlafen in der Zuversicht auf Deutschlands Erlösung, wohl allen biederen Greisen, welche sanft ruhen! Denn ach, es gehört viel fester Glaube, frische Jugendkraft und heilige Ueberzeugung dazu, um nicht zu verzweifeln an Deutschlands Stern und nicht zu verzagen an ewiger'Gerechtigkeit.

Doch Muth, Muth, ihr bangen Herzen, Muth und Vertrauen! Nur die größten Ideen, nur die In­stitutionen, welche berufen sind, Epoche in der Welt­geschichte zu machen, haben eine so rauhe Saatzeit. Wäre die Sache, der so viele Opfer gebracht worden mit freudigem Muthe, der so viele Opfer fallen mit dem Vertrauen, das sie nicht vergebens gelebt und ge­litten haben, zu verwüsten und todt zu machen, für- wahr, sie wäre längst verwüstet, sie läge längst zer­stampft unter den Hufschlägen ihrer Verfolger. Aber wie immer neue Knospen treiben, neue eaaten keimen, neue Blumen blühen und neu zum Himmelszelt der Freiheits- und Frühlingsruf der Lerche und der Liebes­hauch des Nachtigallgesauges erschallt, wie das Leben wieder und wieder triumphirend dahinschreitet über die Gräber des Todes und wie die Sonne nie von den Wolken tuid Wettern der kleinen Erdatmosphäre erreicht und vernichtet wird, so erzeugt sich in steter Zunahme mehr und mehr des Lichtes der Wahrheit, und der Wärme der Ueberzeugung in den Menschengeschlechtern. Sie mögen tausend- und aber tausendmal mit den Schrecken der Inquisition den Stillstand predigen - die Sonne der Aufklärung bewegt sich doch, der Fort­schritt ist nicht todt zu machen vom Rückschritt, der Strom der Weltgeschichte nicht auf die Dauer zurück, zudämmen, der Gott der Wahrheit und Freiheit nicht in eine Leufelsfratze, die ihren Spott mit der Mensch­heit triebe, zu verwandle. Ewig hallt der Spruch denen zu, die Ohren haben zu hören:Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib tödten, doch die Seele nicht mögen tödten!"--

DieTrierer Zeitung" meldet:Nachdem unser Abgeordneter zur deutschen National - Versammlung, Ludwig Simon, Advocat und Landwehroffizier, bereits durch militärgerichtliches Erkenntniß als Deserteur zu einer Geldstrafe von 1000 Thlrn. verurtheilt worden, fand heute vor dem hiesigen königlichen Assisenhofe der Kriminalprozeß gegen denselben statt. Er ist beschul­digt, als Mitglied des Parlaments zu Stuttgart an Beschlüssen sich betheiligt zu haben, die den Umsturz der bestehenden Regierungen, in spect'e auch der preußischen, bezweckten, so wie die Bürger von Obern­dorf im würtembergischen Schwarzwalde aufgefordert zu haben, sich an der badischen Erhebung bewaffnet zu betheiligen. Das Verfahren fand ohne Geschworne und Vertheidiger, so wie ohne Zuziehung von Zeugen statt. Die Zuhörerräume waren schwach befett, so wie zur Zeit bei Schilly's Verurtheilung. Die Ver­handlung begann mit Konstatirung der gesetzlich vor­

geschriebenen, im untergebenen Falle durch Trommel, schlag bewirkten öffentlichen Vorladung, und der An­heftung eines Vorladungsaktes an der Wohnung des Angeklagten, an jener des Oberbürgermeister Buß und an der Thüre des Assisensaales. Da der Angeklagte in den wiederholt gestellten Fristen und nach vreima- ligem lauten Namensaufrufe durch den Hussier nicht erschienen ist, faßte der Assisenhof den Beschluß, sofort in contumaciam gegen denselben zu verfahren, worauf der Assisenpräsivent die Verlesung der Anklageakte ver­ordnete. Der Oberprokurator Oppenhoff suchte in einer halbstündigen Rede die Anklage zu begründe». Im Wesentlichen führte er an,daß die Frankfurter Natio- nal-Versammlung, nachdem eine Reihe von Deputirten ihr Mandat niedergelegt und die preuß. Unterthanen von ihrer Regierung abberufen worden, so wie dadurch, daß sie Frankfurt verlassen und nach Stuttgart über­gesiedelt seien, die Frankfurter Versammlung als zu Recht bestehend aufgehört babe. Ludwig Simon habe in Stuttgart eine Reihe von Beschlüssen ^provocirt, um den in Deutschland und in Preußen bestehenden gesetzlichen Zustand zu vernichten und an dessen Stelle einen andern, allein ans ihrem Wllen hervorge­henden zu setzen. Die Centralgewalt sei durch einen Beschluß aufgelöst und dafür eine Reichsregentschaft von fünf Personen gesetzt worden, woran Ludwig Simon Theil genommen habe." (Das öffentliche Ministerium nennt die Beschlüsse der Stuttgarter Natio­nalversammlungAttentat und Komplott zum Umihir; der deutschen Verfassung!")Sie hätten Alles gethan, was in ihren allerdings zu schwachen Kräften gestanden, ihre Beschlüsse durchzuführen. Simon habe als Kommissär die Württemberger aufgefordert, entweder ihre Waffen den Badensern zu überschicken, oder ihnen noch zur Zeit selbst bewaffnet zu Hülfe zu eilen." Er suchte im Laufe seiner Rede zu devuziren, daß esder Uebereinstimmung der Regierungen mit dem Volke bedurft hätte, einen rechtsgültigen Beschluß zu fassen; die Stuttgarter hätten dagegen alle Vereinba­rungen verworfen und seien blos als eine eigenmächtige Versammlung von Privatpersonen zu betrachten gewesen!" Am Schlüsse äußerte er:daß zur Zeit in Paris 36 deutsche Regierungen sich vereinbart, den deutschen Bund zu gründen. Wenn nun auch durch eine augen­blicklich eingetretene Krisis der deutsche Bundestag einst­weilen vom Schauplatze abgetreten, so habe er doch fortwährend als zu Recht bestehend nie aufgehört. (!) Die Centralgewalt sei nur (!) ein neues Organ zu seiner Re- constituirnng gewesen. Die Stuttgarter hätten ganz Deutschland reformiren wollen, nicht blos in Bezug auf die Bundesverfassung, sondern auch auf jeden ein­zelnen Staat, also auch speciell auf Preußen, welche Ansicht das Obertribunal von Ratibor getheilt uud die allgemein Beifall gefunden habe." Hierauf nahm das öffentliche Ministerium den Antrag:Der königl. Assisenhof möge den Angeklagten, wegen der ihm in dem Anklageakte zur Last gelegten. Verbrechen, zum

Des Republikaners Schwertfahrt.

Kartons von Ernst Haug, General der römischen Republik.

(Fortsetzung.)

Emilio fragte seinen Bruder:Und waS gedenkst Du zu thun?"

Dir zu folgen bis in den Tod! mein theurer edler Bruder!" antwortete dieser mit einer heftigen Umarmung.

Wohlan, laß uns Italien zeigen, daß wir. han­deln, oder sterben wollen wenn es aus seinem Schlafe nicht erweckt werden kann. Die Brigantine ist ausge­rüstet und kann morgen früh die Anker lichten. Die Gefährten harren unseres Winkes, die Waffen und Proklamationen sind im Schiffe verborgen und wenn Nicola von Malta kein Geld schickt, so werden uns doch die Freunde in Kalabrien nicht im Stich lassen. Geh nun, lieber Attilio. Suche den Kapitain auf, und gib ihm die Weisungen zur bestimmten Abreise. Ich erwarte die Post von Malta." Die Brüder nennten sich.

Wer erinnert sich nicht mit der innigsten Theil­nahme an die edlen Brüder Bandiera, welche die er­sten Opfer tyrannischen Blutdurstes in der Reihe Der Velden und Blutzeugen für unsern heiligen Glauben an Freiheit und Humanität fielen. Diese zwei hel-

denmüthige Vorkämpfer der Völkererhebung des Jah­res 1848 standen als Marineoffiziere im österreichi­schen Staatsdienst Ihr Vater kommandirte mit Ad­miralsrang einen Theil der österreichischen Flotte. Das höchst patriotische Bewußtsein für das theure Vater­land Italien bewog die Bruder, den Dienst zu verlas­sen und sich mit den verbannten Landsmanuern zu verbinden. Revolutionären Charakter» ist es nicht ge­geben, wenn sie zur vollen Erkenntniß der Wahrheil und Heiligkeit der menschlichen Rechte gekommen find, zu heucheln, Martern und Pflichten zu tragen, welche ihren Grundsätzen zuwider laufen. Es ist ihnen nicht gegeben mit jesuitischer Heuchelei und kriechender Hundsfötterei Chargen oder Aemter zu konseroiren, sich Fußtritte versetzen zu lassen, um das tägliche Brod zu behalten und die Rache desto sicherer vorzubereiten, es ist ihnen deshalb nicht gegeben, weil sie edle Naturen, Ed el Menschen sind, die weder für Geld noch Titel, nicht um Sterne, noch huldvolle aUergna- digste Blicke feil sind.

Die Desertion der Bandiera brachte Schrecken in die Gemüther des Hofes von Wien. Man war dort an die Metternichsche Polizei-Ordnung, welche nunmehr das europäische Grundgesetz geworden, so gewöhnt, daß man gar nicht begreifen wollte, wie Offiziere konspiriren könnten. In Oesterreich, bei­läufig gesagt, findet man nur in der Armee taugliche Individuen zur Konspiration. Die Jellachich-Windisch-

gätz-Kamarilla-Verschwörung, die Haynau-Radetzki- Contreministerial-Conspiration sind Beweis dafür. Der Hof bot Alles auf, um die beiden Offiziere zu bewe­gen. Es sollte wenigstens der jüngere Bandiera be­kehrt werden. Erzherzog Friedrich, damals Admiral der österreichischen Flotte, beschwor die Mutter der Flüchtlinge, ihren ganzen Einfluß beim jüngeren Sohne anzuwenden, um ihn zurückzuführen. Die arme Mut­ter that es auch und erhielt für Emilio Bandiera vom Erzherzog das Versprechen gänzlicher Amnestie und Wieveranstellung in seiner Charge. Der Hof wollte nur den ältern Bandiera als Sündenbock hinstellen, um die Welt glauben zu machen, daß die Verschwörungs­follie bei den österreichischen Truppen wirkliche Narr­heit sei und nicht die geringsten Folgen habe. Bedenk­licher wurde der Fall, als die Flucht des blonden Moro, eines dritten Marineoffiziers, in Wien bekannt

1 werden mußte. Die reglementmäßige Zahl deS Kom­plottes war voll und Oesterreichs Premier begriff die verderblichen Folgen dieses Beispiels. Den erst einge­schlagenen Weg der Güte, welcher nicht zum Ziel ge­führt, verließ man nun und versuchte Terrorismus. Neapel dankte mit dem Morde der drei österreichischen Seeoffiziere für die in den zwanziger Jahren gegen die Carbonari geleistete Hilfe.

(Fortsetzung folgt.)