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Wiesbaden. Dienstag, 3 Januar

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Die Dresdener Konferenzen.

X Es ist nicht Alles Gold, was glänzt, am Wenigsten, das Diplomatische Flittergold -des herzlichen Einver­nehmens, womit die Dresdener Konferenzen aufgeputzt werden sollten. Man hat genügenden Grund, die Oeffentlichkett auszuschließen; aber diese macht dennoch Bresche. So ist es höchst unangenehm vermerkt wor­den, daß trotz dem Versprechen unverbrüchlichen Amts- qeheimniffes Aller dennoch die Eröffnungsreden mit ihrer ganzen Armseligkeit in,Pie Presse gelangt waren und es wurde als Gegendemonstration nun die aus­nahmsweise Veröffentlichung des ganzen Protokolls der ersten Sitzung von österreichischer Seite veranlaßt. Selbst in' das Heiligthum des Brühl'schen Palastes dringt also der Dämon des revolutionären Zeitgeistes ein und zerreißt den Vorhang, den die Priester und Leviten dicht und stark gewebt zu haben vermeinten. Und es wird bei der ersten Verletzung desAmtsge­heimnisses" nicht bleiben. Je malkontenter der eine oder andere Diplomat wird, desto leichter schwatzt er aus der Schule. DerSchw. Merk." ist ein alterprobtes konservatives Blatt, aber es hat das Gute, daß es aus schwäbischer Treuherzigkeit mitunter mehr sagt, als seinen Schutzpatronen lieb ist. Lro verräth es uns, daß die Bildung der fünf Kommissionen in Dresden durch Oesterreich und Preußen auf dem Wege der Octroyirung zu Stande gekommen und so von den übrigen Bevollmächtigten acceptirt sei. Noch mehr: Oesterreich zeigte bei der Bildung der Kommissionen eine große Bitterkeit gegen die ehemaligen Unions­staaten und wollte sie gar nicht mit eintreten lassen; nur mit Mühe setzte Hr. v. Manteuffel die Aufnahme Weimars in die erste und Bernbnrgs in die streite durch!" Bitterkeit von einem Uebermächtrgen kann nur Erbitterung bei denMisyandelnden erregen, die ja doch wohl so gut souverän uud deutsch sind, als Oesterreich. Oder gibt es auch eine -bedingte Souveränität, die sich Octropirungen gefallen lassen muß? Das hieße ja mit andern Worten: dre Me- diatisirungen sind faktisch bereits in vollem Gange. Sollte die Demokratie doch richtig prophezeiht haben, als sie sagte: Die Souveränitäten, die den Volkern sich straff und starr gegenüber stellen, werden, so ent­wurzelt von dem Hegemoniestaatc zertreten werden

- Hören wir weiter:Die Vorsitzenden sind nicht durch die Mitglieder der betreffenden Commissionen ge­wählt, sondern ebenfalls von den Vertretern drr bei­den Großmächte ohne Weiteres bestimmt worden. Die fünfte für Protokollführung ist nur gebildet, um noch einem der Königreiche einen Antheil am Vorsitze zu verschaffen. Wie man hört, wird jeder der fünf Vor­sitzenden auch in Plenum dann präsidiren, wenn Ge­genstände aus dem Geschäftskreise ferner Commission

Berathung stehen. Dadurch wurde der ganze Streit um'das Präsidium umgangen und suns ver- schiidenen Staaten ein Bruchtheil depelben zugestanden:

Herr von der Pfordten

* Heilige Redensart, dir dank' ich Eh­ren, Macht und Goldgewinn!" Dies ist be­kanntlich das demRenegaten spie gl" von Ä. Grün entnommene Motto eines schriftchens, das die Reden und Proklamationen des Herrn von der Psord- ten enthält, die derselbe als Leipziger Pwfeffor und sächsischer Minister verfaßt und veröffentlicht hat. Der zu Nürnberg erscheinendeFränkische Kurier" gibt eine Lebensskizze des Mannes nebst Anszügen aus obiger Schrift, die wir als schätzenswerthe Beiträge zum Charakterbilde der Gegenwart unsern Lesern nicht vor­enthalten dürfen.

Ludwig von der Pfordten stammt aus emer altsächsischen Adelsfamilie, welche vor etwa 200 Jahren nach Baiern übersiedelte. Als das Innviertel 1810 an Oesterreich abgetreten wurde, zog der Vater Lud­wig v. d. Pfordtens, der in Ried, (wo 1811 der jetzige Minister das Licht der Welt erblickte) eineLand- richterstclle bekleidete, es vor, im bairischen Staats­dienste zu verbleiben. Er wurde darauf Vorstand des Landgerichtes Burgebrach in Oberfranken, 1819 des Landgerichtes Cadolzburg bei Nürnberg und starb dort im November 1828. Ohne nennenswerthes Privat- vermögen hatte er den größten Theil seines Gehaltes auf die Erziehung seiner sechs Kinder verwandt. Bam-

Oesterreich und Preußen freilich die beiden größten und wichtigsten; die drei anderen sind mehr oder min­der unbedeutend. Die beiden ersten Sitzungen der Bevollmächtigten fanden auf Einladung des Königlich sächsischen Ministers V. Beust statt, der zu ihrer Ab­sendung durch den Fürsten Schwarzenberg und Herrn V. Manteuffel bevollmächtigt wurde; doch ist die An­sicht allgemein, daß Oesterreich den eigentli­chen Vorsitz führe." Es ist derSchwäbische Merkur", dem so berichtet wird und die Stim­men anderer konservativen Blätter lauten dem vollkommen entsprechend. Noch mehr! In einem andern Schreiben des genannten Blattes wird über Schwarzenbergs Berliner Reise gemeldet:Oester­reich will die vollziehende Gewalt gemeinsam mit Preußen handhaben; für den Fall aber, daß sie nicht einig werden, ein Kollegium von drei Stimmen her­stellen, deren eine Baiern, die zweite den drei übrigen Königreichen, die dritte den Großherzogen zukommen soll. Hr. von Manteuffel war ursprünglich für den reinen und einfachen Dualismus und konnte dem öster­reichischen Plane nicht zustimmen, bevor nicht die Wil­lensmeinung seines Königs eingeholt war. Dieser aber, der mit dem größten Eifer an der Erhaltung aller Souveränetäten festhält, soll sich gegen den Fürsten V. Schwarzenberg erklärt und die Betheiligung sämmt­licher Regierungen gefordert haben, deren keine den mittleren Staaten nachstehen dürfe. Auf diese Weise sei die Reise des Fürsten nach Berlin erfolg­los geblieben." Nur in der Erekutionsangelegenheit hat Schwarzenberg laut derKöln. Ztg." bei dem Könige seinen Willen durchgesetzt.

Unter den Bevollmächtigten in Dresden herrscht überall Unsicherheit und Rathlosigkeit; sie wissen nur, was sie nicht wollen, doch einen Willen zu haben, gestattet das österreichische Ueberaewicht nicht. Preus­sen, das selbst allen Halt verlor, bietet so wenrg Hau- punkt , daß sich sogar die norddeutschen Staaten in Oesterreichs Arme werfen. Hier und dort bereiten sich Proteste vor, doch die Hauptparole des Tages heißt: Sauve qui peut! Over wie die Preußen sagten, als sie nach Jena marschirten:Wenn wir nur das Leben retten!"

Deutschland.

w Wiesbaden, 6. Januar. Sind die Unterhand­lungen zwischen der Statthalterschaft und den Com- miffarien bereits im Gange? Während manche Blät­ter das Gerücht leugnen, die Statthalter seien im Europäischen Hofe in Hamburg und die,Prälimminarien hätten bereits begonnen. behauptet dieO.P.A.-Ztg." dies so bestimmt und es erscheint so echt Beselersch, daß wir kaum daran zweifeln. Auch meldet dieNieders. Ztg." bereits, daß die Statthalterschaft diedeutschen Ausländer" in Masse fortschicke und diese Demobilisation

berg war die Stadt, in welcher Ludwig v. d. Pford­ten im Hause des Dekan Clarus seinen ersten wissen­schaftlichen Unterricht dis zu seinem 10. Jahre genoß. Als sein Vater nach Cadolzburg versetzt wurde, fre- quentirte der Sohn das Gymnasium zu Nürnberg und bezog 1827 mit glänzenden Zeugnissen die Universität Erlangen. Er trat in das Korps Onoldia (Ansbacher) und da, wie man sich ausdrückt, er einflotter Bursche" und guterPauker" war, überhaupt das Leben von der heiteren Seite aufzufassen verstand, avancirte er, wenn wir uns recht erinnern, sogar bis zur höchsten Stufe studentischer Macht bis zum Senior. Nach drei Jahren bezog er die Universität Heidelberg, wo er ein Jahr darauf als Doktor beider Rechte promo- virte. Er ging nach München, um sich als Privat­dozent an der dortigen Universität inederznlaffen, allein die k. Genehmigung wurde ihm versagt und Pfordten einer Ministeralkommission als Berichterstatter zuge­theilt,- welche unter dem Vorsitze des Ministers Waller­stein die Aufhilfe der Wohlfahrt Baierns berathen sollte. Hatte Ludwig v. d. Pforden schon als Student unter beschränkenden pekuniären Verhältnissen gelebt, so hatte er auch hier mit Nahrungssorgen zu kämpfen, bevor seine Dienste leidlich vergütet wurden: Unterdessen wurde es ihm doch gewährt, sich 1833 als Privatdo- jent an die Universität Würzburg begeben, wo er einen zahlreichen Hörerkreis um sich versammelte und auch, wie wir ans eigner Erfahrung wissen, von allen ;

dem Vernehmen nach 13,000 Mann betragen solle. Bravo! Gotha für immer!?! DerNds. Ztg." zufolge werden die heimgeschickten Soldaten obenein geprellt. Um sie mit Manier loszuwerden, wird ihnen versprochen, sie bekämen in Altona noch 10 Thaler Reisegeld, aber statt dessen zahlt man ihnen nur 2 Thaler aus und zwingt sie, sich nach Hause zu bet­teln!

£* WiesbadenZ 6 Januar. Trotz des Amtsge­heimnisses erfahren ww, vaß in Dresden Oesterreich und Preußen mit gemeinsamen Anträgen vorgetreten sind. Nach dem Berichte derNat.-Ztg" ist in dem neuesten Abkommen zwischen Oesterreich und Preußen so wenig von Gleichberechtigung Die Rede, vaß danach vielmehr das Wiener Cabmet zum ersten Male eine specisisch bevorzugte Stellung^erhalren soll, indem ihm die eigentliche Erecution ausschließlich übertragen wird, während es im Vormärz nur einen Vorrang der Eti­kette, die Führung des Präsidiums in der Bundesver­sammlung, besaß. Damir übereinstimmend meldet dasC. Bl. a. Böhmen" aus Wien, 31. Dez.:Aus Berlin soll heute durch einen besonvern Courier eine Depesche des Fürsten Schwarzenberg mit einer wichti­gen Nachricht eingelaufen sein. Der König habe näm­lich unserm Premier die Versicherung gegeben, daß bet jeder möglichen Umgestaltung Der Bundesverfassung Oesterreich den Vorsitz allein und ungeteilt in der Centralgewalt führen werde. Hiermit wurden alle Vermuthungen und Pläne fallen, welche -man über diesen Punkt hier und da auffleUte. Oesterreichs al­leiniger Vorsitz heißt so viel als eine factisch hergestellte Einheit der Gewalt." Eben so wissen wir trotz der telegr. Dep. aus Wien, Die Schwarzenbergs Ankunft in Wien meldet und trotz der Bestätigung dieser Mel. dung durch denOestr. Cor." dennoch, daß Der Fürst am 2. Januar noch m Dresden war! r

* Wiesbaden, 6. Januar, Nachmittags 5 Uhr. CS hat bei der diesmaligen Kreisrathswahl in unserm Kreisamte jeder seine Schuldigkeit gethan und der Er­folg ist daher ganz zu Gunsten der Bokkspartei aus­gefallen. Die Wichtigkeit dieser Angelegenheit war allgemeine lebhafte Ueberzeugung der Bevölkerung um mit Recht. Die Namen, welche aus der Wahlurne hervorgingen, sind folgende:

1) Geiger, Prokurator in Wiesbaden. 2) ZF. Freinsheim, Gastwirth in Biebrich. 3) J. Mour- berger, Schreiner in Wiesbaden. 4) H. Helmri m, Wirth in Sonnenberg. 5) Poths, Seifensieder in Wies, baden. 6) Feldgerichtsschöff Peter Ulrich von Er­benheim. 7) Meckel, Kupferschmied in Wiesbaden. 8) H Thon, Oekonom in Wiesbaden.

O Mainz, 6. Februar. Es giebt im Menschen leben Augenblicke, wo man der Wahrheit näher steht als sonst. So scheint es dem Darmstädter Berichter­statter derAngöb. Allg. Ztg." am Sylvesterabeup er-

Studenten geliebt und geschätzt wurde. 1834 wurde er außerordentlicher, 1836 ordentlicher Professor, trat in den Senat, wurde zum Dekan und 1840 zum Mit­glied des Verwaltungsausschusses der Universität er­wählt. Ohne daß er darum nachsuchte, wurde er durch Abel 1841 als Appellationsrath nach Aschaffenburg be­rufen. Ungern folgte er dieser Bestimmung und nahm daher um so lieber 1843 einen Ruf als Professor nach Leipzig an, wo er mit demselben glänzenden Erfolge auftrat. 1845 (als jüngster Professors zum Rektor der Universität gewählt, verwaltetete er dieses Amt zwei Jahre nacheinander und die allgemeine Achtung war vor seinem Talent wie Charakter nicht gewichen. Von hier an ist unseren Lesern die weitere Laufbahn Ludwigs v. d. Pfordten bekannt genug. Pfordten ver­bindet mit glänzenden Kenntnissen einen ebenso glän­zenden Vortrag. Großartigkeit der Anschauung und Tiefe der Erkenntniß müssen wir ihm jedoch absprechen. Ueber seinen politischen Charakter lassen wir unsere Leser urtheilen

Nach dieser Vorbemerkung lassen wir den Artikel des genannten Blattes folgen:Als die Märzstürme die dcntschen Fürsten im tiefsten Neglige überraschten, wurde Professor v. d. Pfordten, der damals in dem Gerüche der ausgedehntesten Freisinnigkeit stand, eben als ihn die Stadt Leipzig zu ihrem Bürgermeister wäh­len wollte, in das Kabinet des Königs von Sachsen berufen, wo er als Minister des Aeußern und deS