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Fme Zeilung.

âerheit und Recht!"

^§ Wiesbaden. Sonntag, 3. Januar KGZK.

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Die deutschen Absolutisten

X Die konstitutionelle Partei, wenn von einer solchen noch im bisherigen Sinne die Rede sein kann, hat das neue Jahr mit großer Weh- und Demuth an- gefangru. Sie hat Recht, denn haushoch lastet auf ihr das Gefühl der Mitschuld an dem, was jetzt ge- tchehen ist und noch geschehen wird. Oder war es keine Schuld, den einzigen Kampfgenossen, der mit ihr ging, weil er weiter als sie wollte, nicht nur schnöd im Stich zu lassen, sondern ihn im Augenblicke der Ge­fahr mit nieder zu stoßen zur größern Ehre des Erb­feindes jedes Rechtsstaates? Die konstitutionelle Par­tei hat der Demokratie eine Grube gegraben, sie glaubte, dieselbe beerdigen und beerben zu können, und siehe da, sie ward als die Hekatombe von Ochsen abgeschlach­tet auf der Gnift der Revolution, als der Erlöser der modernen Menschheit, der unsterbliche Frèihektsgcist längst auserstanden und auSgegossen war über alles Volk.

Die konstitutionelle Partei ist todt Friede ihrer Asche I Sie hat unser Mitleid nicht verdient, doch unser Beileid soll ihr dennoch werden. Zwar starb sie keines kühnen Reitertodes, zwar verblich sie mond­scheinartig, wie sie nur mit erborgtem Lichte und ohne Wärme und Leben zu geben, geglänzt hatte.

Richt ihr Tod ist es, der uns härmt; denn sie hat nie mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Ge­müthe des Lebens Wonne und Weh genossen. Auch nicht, daß sie nun nicht mehr vorhanden, betrübt uns heute, denn die Welt besteht auch ohne sie, und manche Täuschung weniger betrübt die Menschheit. Einzig und allein die schnöde, frivole Art, mit der die Legitimisten, vir den ConftitutivneUen so viel verdanken, ihnen den Gnadenstoß versetzen, sie entsetzt uns, nicht ihres Un­danks, nicht einmal ihrer Barbarei, nein nur ihrer merkwürdigen Verblendung wegen.

Wir erwarten zwar von keinem in Oesterreich oder Rußland oder Frankreich gebildeten Diplomaten, daß , r gründlich Geschichte stuvirt haben solle. Wo wäre dazu Muße, Gelegenheit und Stätigkeit vorhanden? __ Auch wundert es uns nicht, wenn Männer, welche in Berlin von Steffens und Hengstenberg ihre Welt­anschauung erhielten, blind in irdischen Dingen sind. Desgleichen wissen wir wohl, daß eine doktrinäre Ge- schichtökcnMiß den Geist mehr verdummt nnd verholzt, als erhellt und vertieft, denn wir gedenken des viel­kundigen und doch so bornirten Elareudon, der die zweite englische Revolution zur Nothwendigkeit machte, wie Guizot trotz seines Rufs als Historiker die Februar­revolution, und Dahlmanns, der den Sturz des Con- zniutionalismus beschleunigte. WaS wir aber den Staatsmännern der Restauration zugetraut hätten, ist Routine. Run, wird man uns einwenden, was sind sie denn weiter, als Routiniers? Ja, Routiniers und doch ohne Routine I Schwarzenberg zeigt mehr Routine als Manteuffel, der gar keine besitzt; aber was ist er im Vergleich mit Nesselrode? Dieser ist in

Eine G r a b f ch r i f t.

oo Welchen großen Dienst, o theurè Freundin, Sie mir damit erzeigt haben, daß Sie mich so oft schon würdigten, vor Ihnen meine innersten Gedanken auSzn- schütten, wie kann ich Ihnen dieses je gehörig aus­malen !

Vor Ihrem reinen Blick, der stets liebevoll der gan­zen Welt entgegenkommt; vor Ihren über alle Beschrei­bung ehrwürdigen Zügen, die zwar bekunden, wie viel Leid und Jammer Sie mit blutendem Herzen gesehen, die aber auch davon Zeugniß geben, daß Ihnen über­all im Leben jene erhabene Würde, die nur die aus­erlesenen Frauen ziert, zur Seite stand; vor Ihren Achtung gebietenden Haaren, die, zwar schon längst durch der Jahre Wucht und der Leiden Zahl gebleicht, noch in jugendlicher Fülle Ihre zartgeformten Schläfe umwinden, und so mir gleichsam sinnbildlich Ihr gan- eS Wesen darstellen: die reife Erfahrung, welche sich fèetS das heilige Mitgefühl der Jugend bewahrt hat.__vor Ihrem zugleich so milden und so gerechten Nichterstuhle, finden alle Ideen, die mich drängen, treiben, bewegen, ihr richtiges Maaß und festen Schwerpunkt. Ich habe so manchmal , i^n Ihnen über die verhängnißvollen Geschicke meines Vaterlandes und des Standes, der ohne Vaterland

russischen Dingen Meister, und er wird so lange mit Glanz durch Schwarzenberg opcriren, als die russische Politik vorhält in Westeuropa. Doch wenn sie ein­mal einen Stoß bekommt? Und über lang oder kurz wird sie einmal einen solchen bekommen, fei.es von Italien, Frankreich, England oder Nordamerika aus, was dann?

Der moderne Konstitutionalismus, in allen Zeiten eine Schale ohne Kern für die Völker, ist zwar in ruhigen Tagen eine Last für die Monarchien; aber in Sturm- zeiten hat er sich immer als ein Rettungsboot für den Thron bewiesen: die Bewegung bricht sich an der Ver­fassung, sie schäumt über dieselbe vielleicht hinüber; aber der Thron wird gerettet. Wer die Konstitutions­geschichte kennt, wird uns dies zugestehen. Noch mehr, der konstitutionelle Ltaat ist der einzige, der dem pro­testantischen Bewußtsein entspricht. Protestantische Länder verfangen sich in ihm so leicht, daß man im schlim­men macchiavellistischen Sinne rathen könnte:Könnt »hr die Volker nicht mehr bändigen, so werft ihnen den Kappzaum einer Verfassung um und sie werden zahm werden!" Deshalb behaupten wir: mit der Ver­nichtung des Konflitutionalismus in Deutschland steht und fällt auch der Protestantismus. Die Zurückstau­ung der Bewegung führt zum Uederfpringen der al­ten ehrwürdigen Schranke; die Völker werden ge­zwungen, weiter zu gehen. Als sie in England ge­zwungen wurden durch Vernichtung des Konstitutiona­lismus, stießen sie den Thron und die Hochkirche um. Als die Bewegung zum zweiten Male Heraufbeschworen wurde, waren die englischen Whigs bemüht, durch Verstärkung des Rechtsstaates, bis hart an die Linie des Freistaates, den Thron zu retten.

Der alte Kaiser Franz, m der Politik ein Routinier erster Größe, pflegte zu sagen:Mich und den Metter­nich hält's noch aus!" Aber lag dariü lischt das Ge- ständniß, daß er sehr wohl wisse, nach ihm werde der Zeitgeist so weit auch in den Habsburgischen Landen erstarkt sein, daß man zum Kappzaum des Vâfaffungsstaa- tes schreiten müsse? Damals, wo Metternich noch bei voller Kraft war, dachte er eben so. Als Hassenpflug zu Anfang^der 30er Jahre in Wien anfragen ließ, wie man sich der hessischen Verfassung und der Liberalen erledigen könne, gab er zur Antwort:Wenn diese Männer ungesetzlich handeln, so macht ihnen den Pro­zeß; hat man aber einmal eine Konstitution gegeben, so muß man auch darnach handeln und regieren." Und man regierte und per fas et nefas hielt's bis 1848. Die bloße konstitutionelle Illusion rettete dazumal die Throne, trotz dem daß Metternich alt geworden und den rechten Moment zum Einlenken verpaßt hatte.

Es wird behauptet, den Dresdener Konferenzen liege ein Gutachten des alten Routiniers zu Grunde. Wenn dies, was uns noch immer zweifelhaft, und wenn darauf hin die Restauration des nackten Abso­lutismus beschlossen wurde, so beweist dieS nichts ge­

vor die Thüre eines jeden Vaterlandes geworfen zu werden pflegt, geklagt; sehr häufig habe ich Ihnen Leben und Meinungen sder Männer zu schildern ver­sucht, auf die das geschlagene, zu Boden getretene Volk hoffnungsvoll als auf seine guten Sterne in der Nacht des unsäglichen Elend's schaut. Heute ist das einfache bescheidene Leben und Scheiden eines weib­lichen Herzens der Stoff meiner an Sie gerichteten Betrachtungen; ein Stoff, der nicht schillert und blendet, wie der bisherige, aber ihn doch vielleicht unendlich an Tiefe übertrifft.

Zu wem sollte ich eher von dem tragischen Hin­gange der Sophie Dietz, der seit einigen Tagen so viele Herzen mit Trauer erfüllt, als zu Ihnen reden, welche Sie jede Freude Jhrer^Mümenschen so unend­lich mitempfinden, bei der aller Schmerz , welcher der Sterblichen Pfad über diese Kugel begleitet, so tief in den Falten des Herzens wiederklingt!

Defter ach! verkehrt da« Geschick die Ordnung der Tage!" So müssen auch wir ausrufen, da die Hingeschiedene noch so blühend in des Lebens Garten gepflanzt schien, und kein Gedanke ferner wär als der, sie würde nicht noch lange den Segen ihrer Güte und ihres Wohl­wollens in viele Herzen ergießen.

Eine Jungfrau trug man hier heraus,

Eine Jungfrau noch nicht reif zum Sarge, In M Leben« Mai gepflückt!"

gen unsere Behauptung, sondern nur, daß per alte Fürst nicht mehr der Alte ist, oder daß er es jetzt für zu spät hält, den konstitutionellen FallvUt noch zu versuchen. Die Restauration des re netto in Spa­nien führte zu langjährigen Revolutionen, die sich Stoß auf Stoß bis zur Erschöpfung deS Landes, aber auch bis zur Erschöpfung der Monarchie wiederholten. Spanien ist ruhig jetzt, doch wenn die Nation sich erholt hat, wird auch das Königthum erstarkt sein ? Wir sind überzeugt, daß die nächste Revolution der pyrenäischen Halbinsel zum Sturz der Throne und der Klerisei führen wird. Deutschland ist kein Spa­nien, aber wir zweifeln, ob es ein günstigerer Boden für den nackten Absolutismus ist.

Wir reden nicht für den Konstitutionalisinus er hat unsere Ueberzeugung nicht und wir müssen fein Schicksal ein hartes, aber verdientes nennen; was wir zeigen wollten, war die fast fabelhafte Verblendung deren, welche sich die Wiederhersteller des monarchischen Prinzips und die Beschützer der Throne nenneu, wäh­rend jeder Streich, den sie für diese Sache zu thun wähnen, ein Streich gegen dieselbe ist. Nicht durch die Demokratie, nein durch dem Absolutismus wird die Monarchie um die konstitutionelle Uebergangszcit, die bei der germanischen Bedächtigkeit und Gründlichkeit Jahrhunderte noch hätte ausfüllen können, gebracht. Und deshalb sagten wir, die so gepriesenen Staats­männer deS Tages seien jedes geschichtsphilosophischen Gor blicks bar, sie seien selbst nicht einmal feine Routiniers, sondern die gefährlichsten Feinde der Throne, die sie durch falsche Manöver rettungslos zu Grunde richten. Wer den Zeitgeist beherrschen und beschwören will, muß ihn kennen; wer die Völker nach seinem Willen und die Herzen nach seinem Wohlgefallen lenken will, muß das Zauberwort zu benutzen verstehen, das sie fesselt. Dem Weltgeist Trotz bieten, ist ein Stück Arbeit, woran ein Titan wie Napoleon zum Stümper wurde; und wo ist der Feldherr und Staatsmann, der werth wäre, dem Gefaugenen von St. Helena die Schuhriemen auf­zulösen ? ____________

Deutschland.

= Wiesbaden, 4. Januar. Gestern Abend tra­ten die hiesigen Gewerbtreibenden zur Berathung we­gen der Kreisbezirkswahlen in derStadt Frankfurt" zusammen. Die Versammlung war sehr zahlreich be­sucht. Nachdem von verschiedenen Seiten Kandidaten vorgeschlagen und vebattirt worden, ergab sich mit großer Majorität folgende Anfstellung der Kandidaten für die Stadt Wiesbaden: Prokurator Dr. Geiger, Schreiner Jakob Mombcrger, Seifensieder Poths, Kupferschmied Meckel und der Oekonom H. Thon. Wir zweiflen nicht daran, daß diese Liste durchgehen wird. Es ist jetzt Pflicht der Wähler auf dem Lande, sich gleichfalls unverzüglich über Aufstellung ihrer Kandidatenlisten zu einigen iinD so zu zeigen, daß Ein­tracht Macht giebt.

Und wie hoffnungsreich, wie vielversprechend war dieser Mai!

Lieblich hüpften,

Ihre Tage hin im Rosenkleide

Und so freundlich, so bezaubernd winkte Ihr die Zukunft, und so golden blinkte

Ihr deS Leben« Paradies."

Gesegnet mit Gütern des Lebens, herrlich prangend in lieblicher Schöne und jugendlicher Frische, umgeben von thellnehmeuden Geschwistern, treu gehegt von der stets wachen Sorge einer liebenden Mutter, genährt mit den erhabensten Gedanken unserer edelsten Dichter, denn alles Gemeine im Leben, wie in Büchern, verabscheuetc tief ihr edler Geist hatte sie in ihrer unabhängigen Lage nicht allein die Möglichkeit, viel Gutes zu thun, sondern auch den Willen dazu: pas wohlwollendste Herz.

Wie viel Thränen des Jammers sie auf ihrer zwar kurzen, aber strahlenden Laufbahn getrocknet---- die Mühseligen, die Beladenen, die Arinen, die Beraa teten ihrer Vaterstadt, sie mögen es bezeugen. Sic war schön und lieblich anzuschauen wie ein Heller und lichter Maientag: aber unendlich schöner und reizender war der unvergängliche Strahlenkranz ihrer erhabenen Tugend, Unschuld und Sittenreinheit.