WiesöirVcn. Dienstag, 31 December
„âeihert und Keeht ^^
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Ginladung zum Abonnement.
Mit Ende des Jahres beginnt ein neues Abonnement auf die .Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Z-ttuna Bub besann: Sie stets Mnehm-nde Erw-tterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher" wird ’Ä W« ^blt - und Ueberftchtsarttkeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Asstsen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Verhandlungen die politischen und tozialen Angelegenheiten des In- und Äuslandes erörtern. Daß pe darin von Mitarbeitern und Korrelvond enten uoch lebhafter als bWer uuterstutz. werde ist Sorge getragen Auch wird He ein möglichst reichhaltiges Md Mt^
^M^bnauf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinende „Freie Zeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Expedition (H. W. Ritterjche Buchhandlung), aufwärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wiesbaden ifl. 45 fr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Jnserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 fr.
Der Dualismus.
X „Baierns Geschichte ist eine Reihe verpaßter Momente!" rief Montgelas einst schmerzlich ans. Das bestätigt sich jetzt wiederum. „Leven Sie wohl, mein lieber Pfordten, und sorgen Sie dafür, daß der Dualismus nicht durchdringt daß vielmehr Unsere Aufstellung als Grundlage in Dresden übernommen wird!" Dies rief König Mar dem Premier zu, als er ihn nach der Abschiedsaudienz bis unter die ins Vorzimmer führende Thür begleitete. So erzählt man sich in, München; und was wird der Erfolg sein ? Hätte Pfordten die Politik in Baiern zum Siege geführt, die er vor seiner bairischen Wandelung zur L>chau trug — daiiiHfrei- Uch wäre Vieles anders gekommen und es hätte Sinn, wofür er jetzt agitirt. Baiern, Württemberg und Hes- Dn--Darmstadt sind diejenigen, welche dem gefürchtecen Dualismus ein Paroli durch Beantragung einer Na- tionalvertretung biegen und die „Liberalen" spielen wollen. Aber werden die Völker sie tragen? Die Baiern haben in Kurhessen die Vernichter der kurhessischen Verfassung gemacht und ihr Minister will durch eine National- vertrctung den Dualismus schlagen? In Hessendarmstadt sind unter demselben Minister, der in Dresden jetzt für die Nationalversammlung spricht, Zustände herbeigrsührt, die eine furchtbare Satyre auf den Rechtsstaat sind, und gar Württemberg, welches deutsche Parlament sprengte, und in Betreff der Verfassung kurfürstlich, um nicht meh> zu sagen, wirth- schaftct, wie kommt es zu der Idee von einer Natio- nalvertretnng? Nein, nein, wenn keine andere Hände dies Banner erheben, so wird es schwerlich siegen. Freilich hat Pfordten nicht Unrecht, wenn er als das erste Interesse Süddeutschlands es ansspricht, „man dürfe den parlamentarischen Schwerpunkt nicht nach Berlin verlegen lassen, wo er sonst früh oder spät Alles absorbiren werde, daher sei auf eine Vertretung in Frankfurt zu dringen." Aber diZ süddeutschen Partikularinteressen haben keinen Boden- weil die süddeutschen Regierungen sich denselben vorweg verdorben haben.
Fürst Schwarzenberg will mancherlei, vor Allem aber die Niederhaltung des deutschen Kanstitua- lismus. Denn er sieht sehr wohl ein, daß, sobald dieser wieder aufkäme, Oesterreich die Konkurrenz mit Preußen nicht halten könnte, und daß Deutschland mit Preußen wieder mehr und mehr zusammenwachsen, letz
teres nach und nach absorbiren und auch die deutschen Länder Oesterreichs in den Fluß ziehen würde, so daß also nach und nach alsdann doch der Spruch in Erfüllung gehen würde: „Kein Oesterreich, kein Preußen mehr." Um dies zu verhüten, streichelt Schwarzenberg jetzt Manteuffel: man will die Krone Preußen bewegen mit dem Konstitutialismus es zu machen, wie Orster reich mit seiner Reichsverfassung, und man bietet im Nothfall dafür die Arrondirung, deren Preußen so sehr bedarf. Oesterreich war gegen die „Union" weil es das konstitutionelle Element darin fürchtet; es wird weit nachgiebiger sich zeigen, sobald statt des Rechtsbodens der Boden der Gewalt betreten wird. Mit einem Worte, man hofft, Preußens König und Volk werde dem Konstitutionaliemus entsagen, und zwar für den Preis des Dualismus! Rußland ist dieser Austragung der deutschen Frage nichtentgrgen, weiles die rlei- nen Staate» für nicht hieb- und stupfest genug hält, und weil es fürchtet, dieselben würden bei dem ersten Stoße dem französischen Einflüsse verfallen. Dazu kommt, daß England entschieden gegen den Eintritt Gesammtösterreichs in den Bund ist, und daß Oesterreich nur dann eine Nationalvertretung sich gefallen lassen würde, wenn es dieselbe durch seine Abgeordnetenheerscharen stets in der Hand behielte, was nur bei jenem Gesammteintritte der Fall sein würde. So erklärt sich einestheils die „rührende" Eintracht'zwischen Schwarzenberg und Manteuffel , andrerseits was der-.^äravh., aus . Berlin 27. Dez. Aden vo itKlverr' ^Minister v. d. Pfordten ver- ller^fne inRn Dresden Mich München Terrain. Der Dualismus gewinnt bei den Couferen- zen Chancen. Oesterreich hat den Coinmissär für Holstein ernannt."
Deutschland.
^Wiesbaden, j28. Dezember. Gestern Hielt der Verein für Alterthumskunde un d Geschichts- forschung seine Generalversammlung. Nach der einleitenden Rede des Herrn Oberappellationsgerichtsraths Strobel, welcher seit dem Rücktritt des Herrn Ver- einsdirektors die provisorische Geschäftsleitung übernommen hatte, wurde vom Sekretär des Vereins, Hru, Archivar Habel von Schierstein, der Jahresbericht über die seitherige Wirksamkeit des Vorstandes vorgetragen. Vorher hatte sich Herr Prorector Dr. Rossel
das Wort erbeten, um vor dem Rechenschaftsbericht seine Desiderien und Anträge zur Geltung zu bringen, was natürlich abgelehnt, jedoch demselben das Ware nach dem Schluß des Berichtes Vorbehalten wurde.
Der Mittheilung über die mit den auswärtigen historischen Vereinen fortwährend unterhaltenen literarischen Verbindungen folgte außer den Ergebnissen der von dem Vorstand angeordneten Ausgrabungen, so wie speziellen Erläuterungen über mancherlei Erwerbungen von Alterthümern für die öffentliche Sammlung, ein Bericht jüber die vor einiger Zeit im Oestricher Ge- meinvewald entdeckten Spuren alten Bergbaues, welche nach den vorgelegten Fundproben der ältesten Zeit anzugehören scheinen. Eine Charte über das gruppenweise Vorkommen dieser Schlackenhügel und zahlreichen Eisensteingruben (Pingen), sowie eine Skizze über den muthmaßlichen Bau jener einfachen Schmelzöfen, erläuterte die Technik dieser noch wenig erforschten Erzgewinnung im frühen Alterthum. Besonderes Interesse gewährte die Vorlage eines reichen Münzfundes anet dem Trümmerfeld der ahnsehnlichen Römerstadt bei Heddernheim. Hier waren vor wenigen Wochen in der Mauerblende eines römischen Kellers, beim Allsbrechen des Mauerwerks zum Stringewinn, eine Masse von gegen 350 Stück römischer Silber m ü uzen beisammenliegend gefunden worden, wovon 325 Stück, welche schon nach Frankfurt gewandert waren, sämmtlich durch ,Ankauf wieder für unsere öffentliche Sammlung erworben wurden. Die Münzen, wdipe von Nero bis zu Alexander Sever, (Auf. des 3 Jahrh.) reichten, überraschten durch die meist ganz vorzügliche Erhaltung des mitunter ausgezeichneten und maulgfal- tigen Gepräges. — Besonders verbreitete sich der Bericht über die zum Behuf einer topographischen Darstellung der Abtei Eberbach im Rheingau, von dem Vereinssecretär in Auftrag des Vorstandes unternommene, genauere Untersuchung der localen Einzelheiten. Hierzu war eine ganze Reihe architektonischer Aufnahmen und Zeichnungen angefertigt, welche die interessantesten Gebäude und Details dieses seit 1116 gegründeten Klosters in Grundrissen, Durchschnitten, perspectischen Ansichten rc. nach der chronologischen Folge ihrer Entstehung sammt einigen der ältesten Grabmanumente anschaulich darstellten. D;eie hierüber durch ihre große Genauigkeit wie durch die vollendetste Ausführung ausgezeichneten Blätter der Herren Gebr. Kolb zu Mainz, lammt einer schönen malerischen Aufnahme der Abtei
Bersch »ebenes.
Mit Ausnahme einiger Partien an der äußersten Ostseite ist das Ausstellungsgebäude in London vollendet. Es unterliegt jetzt nicht dem mindesten Zweifel mehr, daß es in den ersten Tagen des Januars von den Bauunternehmern der Kommission übergeben witd. Die Kommission hat sv eben .bekannt gemacht, daß sie vom 1. Februar an bis zum 1. März alle ihre zugesandten Ausstellungsgegenstände übernehmen werde, nach welchem Termin aber sie nichts mehr in Empfang mpmen könne: Doch dürfte dieser Termin noch manche Aenderung erleiden. Die Kommission hegt die Hoff- muh}, schon mit dem 15. Januar k. J. einen Theil des Gebäudes an die Agenten der auswärtigen ! Aussteller abtreten zu können, wo sodann die sämmtlichen ausländischen Erzeugnisse in wohl verschlossenen Räumen aufbewahrt und geordnet werden könuten. s Die so sehnlichst erwarteten Verzeichnisse der aus Deutsch- , land angemeldeten Sachen sind endlich dem Londoner * Comite zu Händen gekommen. Diese Listen sind, so l- weit man sie bei flüchtigem Durchblick beurtheilen kann, mit ächt deutscher Sorgfalt und Genauigkeit geordnet * und werden bei der Anfertigung des deutschen Katalogs je von größtem Nutzen sein. Der deutsche Katalog wird » von den Herrn Clowes und Spicer, welche das Verlagsrecht auf die amtlichen Kataloge erkauft haben, unterstützt von der auswärtigen Commission, angefer
tigt werden. Er wird, so weit man jetzt berechnen kann, 350 zweispaltige engedruckte Quartseiteiten um» lassen. _________
(Die Schifffahrt auf dem Rhein hat in den Monaten October und November eine außerordentliche Thätigkeit entwickelt. Blos im Freihafen zu Köln sind vom 25. September bis zuin 24. November 227,708 Centner ausgeladen worden, zu denen noch 13,743 Centner ausländische Güter von der Köln-Mindener Bahn kommen, und allein im Monat October wurden im ganzen Hafer 483,666 Centner aus- und ab» und 157,355 Centner in Schiffe verladen, so daß die vier gewöhnlichen Hebewerke im Hafen nicht ausreichten. Zu diesem regen Leben auf dem Rheine hat die Aufhebung der niederländischen Zölle viel beigetragen. Die Praxis der niederländischen Behörden hat neuerlich die Befürchtung bestätigt, daß bee direkten Durchfuhr von Antwerpen in den Rhein durch Holland zum Vortheil des holländischen Zwischenhandels Schwierjg- keiten gemacht werden, so daß das niederländische Gesetz vom 8. August d. I. dem deutschen Handel^nicht diejenigen Vortheile bringt, wie von vielen Seiten vorgegeben unn gehofft wurde. Die Dampfichissfahr- ten, besonders der Kölner Gesellschaft, haben einen sehr günstigen Ertrag erzielt. In Düsseldorf wurden während des Oktober und November aus dem Rheine 319,140 Centner (130,394 zu Berg und 188,746 zu
Thal) eingeführt und 66,624 Centner (46,095 zu Berg und 20,529 zu Thal) ausgeführt.
(Curiosum). Als ein solches theilen wir nach- stehendes Protokoll eines Notars einer Dorfgemeinde in der Wor'wodina mit, wo bekanntlich die serbischen Beamten mit der Behörde deutsch correspondiren müssen: Hochwohl- und Hochgeborner Ober-Distrikts- commiffariat!
Dos ist Wahres vor Prügel von Dorf Ponemzica Gjorgje Pijanl'ch summt Haus vull. Nehmen Gjorgje Pijanich Hack, Hupp seine Weib Jela Pichanich mit Hack af Puckel. Weib nehmen Drbo (Holz), Hupp Gjorgje Pijanich Puckel seine. Gjorgje Pijanich Hupp seine Weib flott Puckel, af Kopp Hupp. Weib schrei, Kotz schrei, Madaraß (Name des Hundes) schrei, summt Nochbol Pera Neplatich, prügel Monn, Weib, Kotz, und Olles. Am besten prügel Neplatich Pijanich Monn. Hot Pijanich Loch af Kopp sehr gut tief. Kotz fre* pir. Weib brachen Hand zwei Stuck. Madaraß Aug bei Teufel. Dos ist Wohres Species facti, attenta- tum triplex cum perditu felis. Bezeugen mit eigenes Aug und schreiben mit eigene Hand untertänigsten Unterthanen und Knez und Schworne von Gemeinde Ponemzica. —- Datum rc. rc. anno 1850.
Folgen die Untertreibungen.