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ferichter durch Krankheit verhindert wurde, eine An­rede: nicht als Almosen, nicht als Gnade sei der Ver­anstaltete zu betrachten; die Freude, die wir haben, ist nicht weil wir zufällig geben können, sondern weil Ihr euch freut; das was Ihr entbehrt ist unser Schmerz. Es muß einst eine gesellschaftliche Einrichtung kommen, in der auch diese Art, die wir jetzt feiern, aufhört; es muß arm und reich schwinden, jeder Menschen tren­nende Unterschied wird verpönt sein und Bruder und Bruder werden sich gleich gegenüberstehen; dann wer­den wir uns Alle gegenseitig beschenken! Und in der That, als wir betrachteten, wie die Geschenke gegeben wurden, |fo daß es die Empfangenden nicht empfinden durften, daß sie die armen Beschenkten sind, da stieg in uns der Gedanke auf, als sei der Keim für diese angedeutete Zukunft herrlich in dieser Gr- meinde gepflegt.

* Köln, 26. Dez. DieKöln. Ztg." bringt heute wieder einen geharnischten Artikel:Die Kriegs- und Friedensfrage", worin sie zeigt, daß die Kriegsfrage noch keineswegs als erledigt anzusehen ist. Sie schreibt: Das Rundschreiben des Fürsten Schwarzenberg vom 18. d. M. hat uns belehrt, daß die alten Wider­sprüche in der preußischen und der österreichischen Rechts- auffaffung der deutschen Angelegenheiten nach wie vor fortdauern. Zu den Dresdener Beschlüssen, sagt die Depesche, ist die Zustsmmung sämmtlicher Bundesglie­der erforderlich; in deren Ermangelungbestehen die Grundgesetze desBundes in unverbrüch­licher Gültigkeit." So werden die Ergebnisse der olmützer Verhandlungen aus den Aktenstücken und den thatsächlichen Erläuterungen mit jedem Tage deutlicher. Nicht einmal die unfruchtbare Genugthuung des ab­wechselnden Vorsitzes in den Dresdener Conferenzen scheint von Oesterreich zngestanden, mindestens liegt es nicht in derAnalogie" der karlsbader Berathungen. Dagegen geht die Geschäftsthätigkeit des Bundestages, wie wir aus den Vorgängen in Hessen ersehen, unge- stört ihren Weg, und sie hat von preußischer Seite eine Art von stillschweigenden Anerkennung ihrer Rechts- gültigkeit gefunden. Wir haben also das scheint die praktische Summe der olmützer Verabredungen Hessen wie Holstein ausdrücklich und vertragsmäßig der Bundes-Erekütion Preis gegeben und dagegen freie Conferenzen eingetauscht, für deren Ergebniß unge­fähr so viel Bürgschaft und Wahrscheinlichkeiten wie für den Ausgang eines polnischen Landtages gegeben ist." Ueber denneupreußischen Geist" sagt dieK.Z." unter An­derem sehr wahr:Der absolutistische Doctrinär unter­scheidet zwischen österreichischen und französischen Ohr­feigen; er kennt kein Gesetz der Ehre, der Unabhängig­keit, der Selbstachtung gegen die Anhänger seiner Doc- trin im Osten, obschon letztere den Pedanten herzlich verlachen. Er wünscht die Russen in Berlin dessen hat er kein Hehl, wenn dieObrigkeit von Golles Gnaden" bedroht wäre, läßt sich aber dessen ungeach­tet nicht abhaltcn, weidlich auf die Rothen zu schmähen, welche die Franzosen ins Land werfen möchten. Im vorliegenden Falle kommt seinem spezifischen Dünkel noch der Umstand zu Hülfe, daß es nur Baiern, gleich­sam unter österreichischer Firma gewesen sind, die uns aus Hessen vertrieben. Er vergißt, daß nach der un­gelehrten Denkungsweise des Volkes die Schande in umgekehrtem Verhältnisse mit der Bedeutung des Feindes wächst. Es gelingt ihm aber leicht, allen Schimpf zu verdauen bei dem großen Gedanken, daß die hessische Verfassung, die nach demSysteme des Staatsrechts auf christlicher Grundlage" so und so viel Fehler hatte, umgestürzt und ein absolutistisches Ministerium vom reinsten Wasser neu befestigt ist. Und da in allen Dingen nur der Anfang schwer ist, so wird das System den Gedanken, ein fremdes Truppencorps an die Eider ziehen zu sehen, ebckifalls verdauen. Zwar tritt hier die üble Nebenbedeutung hinzu, daß wir ein deutsches Land nnd mehrjährige Waffengefährten dem Erbfeinde Preis geben sollen. Der absolutistische Doctrinär kann sich einer Ahnung der Folgen nicht erwehren, die dieser Frevel früh oder spät haben muß, aber nach der Doc- trin rst esnicht wünschenswerth, daß Unterthanen mit ihrem Könige mit den Waffen in der Hand hadern."

Stuttgart, 26. Dez. (Beob.) Die Polizei hat vorgestern am heiligen Abend die Nr. 308 desBeob­achters" mit Beschlag belegt; vermuthlich dachte sie, wenn alle Welt beschert erhalte, so müsse sie auch ihre Bescherung haben. Der Grund ist uns erst diesen Vor­mittag sehr spät nach Gewohnheit, mitgetheilt worden; denn gestern waren im ganzen Polizeigebäude nur ver­schlossene Thüren zu finden, woraus wir ersehen haben, daß wir wirklich in einem christlichen Polizeistaate leben, der am heiligen Abend konsiszirt und an Christ­tag feiert, wenn man den Grund der Maßregel erfra­gen will. Wir werden noch eine besondere Beschwerde darüber erheben, daß die Polizei sich die Mühe spart, den Grund gleich bei der Verhängung der Maßregel zu nennen. Ist doch schon der Fall vorgekommen, daß sie noch den andern Vormittag sich weitere Bedenkzeit nahm, um die Gründe einer Konfiskation vollständig anzugeben! Dieß ist gewiß, wenn auch nicht absicht­lich, so doch thatsächlich, ein sehr sicheres Mittel, um die Ausgabe eines Blattes zu verzögern. Die dießmalige Beschlagnahme nun ist wegen eines Druckfehlers verfügt worden, durch welchen ein in der Handschrift unverfänglich lautendes Wort eine allerdings injuriöse Bedeutung erhalten hatte, und da die Injurie falls sie beabsichtigt gewesen wäre die k. Stadtdirektion

selbst betraf, so ist natürlich zu begreifen, daß diese Behörde, ohne den Erfolg einer Klage abzuwarten, sogleich von ihrer Konsiskationsmacht Gebrauch machte. Vergebens legte die Erpedition die Handschrift vor, um zu beweisen, daß es sich hier um kein Preßverbrechen, sondern lediglich um ein Satzvergehen handle, vergebens erbot sie sich, den Fehler in sämmtlichen Exemplaren zu vertilgen die Polizei gibt die konfiscirte Auflage nicht heraus, und es ist jetzt nur zu hoffen, daß eine von der Expedition bei f. Regierung des Neckarkreises eingereichte Eingabe den gewünschten raschen Erfolg haben möge. Die Nr. 308 enthält einenen Art ikel In Schwurgerichtssachen", und aus der Tagesgeschichte hauptsächlich die Neuigkeit, daß die obersten Behörden in Kassel, nachdem sie das Laud zum Widerstände gegen den Kurfürsten entflammt, auf Zureden des preußischen Kommissärs" Peucker nachgegeben haben, wodurch indessen, wie die heute folgenden Nachrichten zeigen, das Unheil von der Residenzstadt nicht einmal abge­wendet worden ist.

Bamberg, 26. Dez. (Bamb. Ztg.) Heute früh hat das seit mehreren Wochen hier stationirte 3. Ba­taillon des 8. Infanterieregiments den Rückmarsch nach Passau angetreten und Mittags ist das 3. Bataillon des 9. Infanterieregiments hier einmarschirt. Die Mannschaft wurde über Mittag eingnartüt und bezieht Nachmittags bis auf weiteres die Kasernen. Die Durchmärsche österreichischer Truppen dauern ununter­brochen fort; heute werden noch 3 Bataillone erwar­tet. Der Marsch aller dieser Truppen geht übrigens nicht nach Böhmen zu, sondern nach Unterfranken. I F.M.L. Erzherzog Leopold traf vorgestern hier ein, ist aber gestern Abend bereits nach Kissingen weiter ge­reist.

München, 24. Dezember. (Fränk. Kur.) Der Gradaus" ist halt wieder einmal konsiszirt worden, auch diesmal suchte der Kommissär die im Erpeditions- lokale befindlichen Personen aus, einer der Abonnenten, Herr Rechtspraktikant Maierhofer, protestirte dagegen auf Grund des Preßgesetzes, auch Vecchioni that das Gleiche, und erst als der Kommissär mit Verhaftung drohte, und dieses vor Zeugen aussprach, gab Herr Maierhofer seine Exemplare her. Soweit sind wir in München mit der gepriesenen Preßfreiheit. Sie sehen wie die Unterbeamten der Polizei das jüngste Reskript bezüglich der Oppositionspresse verstehen. Auch gegen Hrn. Roller ist eine Untersuchung eingeleitet, weil er die Pflichtexemplare nachdem er schon Exemplare an die Poft abgegeben habe, erst auf die Polizei sandte. Das Preßgesetz sagt aber, daß erst dann die Pflicht­exemplare abgegeben werden müßten, wenn die Ver­breitung beginnt, die Verbreitung beginnt aber wohl erst dann, wenn Exemplare in Privatbesitz gelangen, das ist aber bei dem bloßen Abgaben von Exemplaren an die Post nicht der Fall, denn sonst könnte die Po­lizei die Pofteremplare nicht konfisziren.

Wien, 23. Dez. (Ausb. Allg. Ztg.) Zwei Feld- »marschall-LieUtenants sind in Pension und vier Feld- marschall-Lteutenants, sowie sechs Generalmajors in Disponibilität versetzt. An der Spitze der definitiv in Disponibilität gesetzten steht der aus dem ltalie- nischen Feldzüge berühmt gewordene und in der Armee rang älteste Feldmarschall-Lieutenant ,v. Schönhals.

Einer heute eingetroffenen Depesche aus Zara vom 19. zufolge war die Commumkation der Herze­gowina mit Sarajewo wegen Unruhen in letzterer Ge­gend unterbrochen. Die Ortschaften, wohin Ibrahims Truppen kommen, wurden zerstört und die Gefange­nen ermordet. Der Renegat Skandenbeg hielt noch immer Canikats Brücke, ohne von den Insurgenten beunruhigt zu werden.

Italien.

Neapel, 6. Dez. (N. Z. Ztg.) Neben den To­desurtheilen und Eisenstrafen, mit welchen die besten Bürger des Landes für ein Verbrechen bestraft worden find, welches in andern Ländern Popularität heißt, werden wöchentlich Transporte von politischen Gefan­genen nach den Verbrecher-Colonien der Inseln bei Tremiti und Ponza abgeführt. Und doch sind die Ge­fängnisse noch immer vollgepfropft. Von den 49 in bem Prozesse der Unita italiana Angeklagten starben sieben in den Gefängnissen; drei andere starben in San Maria Apparente an den Folgen der grausamen Stockschläge, welche letzthin in Folge des RufesEv- viva la Constituzione" ertheilt wurden. Die soeben erscheinendeCroce di Savoja" bringt die uns jedoch noch nicht beglaubigt scheinende Nachricht von 2 Hin­richtungen. Zu Reggio bestrichen Kinder ein weißes Lamm mit grünen und rothen Streifen (weiß-roth­grün ist italienische Nationalfarbe.). Nonne, Kinder und Schaf sind eingesperrt.

Mepudlik Frankreich

Paris, 25. Dez. (Köln. Z.) Gestern Mittags waren die Minister im Elysee versammelt. Depeschen ans D e u t sch k a n d waren Gegenstand ihrer Berathung. Nach diesen Berichten sollen sich die Schwirigkeiten, mit denen die Dresdener Conferenzen zu kämpfen haben, täglich mehren. Baden, Württemberg und andere Mit- telstaaten widersetzten sich einer jeden Verfügung Oester­reichs ober Preußens, die nicht vorläufig die Ratifika­tion sämmtlicher deutscher Staaten erhalten habe. Man ist gegen das angebliche oder als bevorstehend betrachtete Einverständnis; Oesterreichs mit Preußen, so wie man früher unzufrieden gewesen ob ihrer

Uneinigkeit. Die Minister halten die Attitüde der kleineren Staaten entweder für nicht gefährlich oder nicht für ernst genug. So wurden auch die erwähnten Alarm-Depeschen einfach ins Bureau des rcnseigne» inrnts zurückgeschickt. Auf der anderen Seite macht inan nch keine Illusion über die Wirksamkeit der Dres­dener Conferenzeu, uno diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die Regierung sich vorläufig damit begnügt, ihre Gesandten in Berlin und Wien mit Ueberwachung des Ganges der Dinge zu beauftragen, und für den Anfang nicht, wie doch beschlossen wurde, einen besonderen Bevollmächtigten nach Dresden schicken wird. Nach der Interpellation Dupeat's sprach Lamori- ciere mit mehreren Mitgliedern der Rechten, und die Unterhaltung drehte sich natürlich um das ausdrückliche Zutrauens-Votum der Majorität.Ihr seid", rief der republikanische General seinen Collegen zu.ganz so zufrieden, wie die Kammer von 1847 48, und es besteht nur der Unterschied, daß Jene sich durch die Thür gerettet haben, während man Euch zum Fenster hinauswerfen wird."

* Paris, 25. Dezember. Die Interpellation über die Tuchlieferunaen für die Armen haben aufs Neue gezeigt, daß gewisse Leute nur vor dem Kommunismus der Proletarier Furcht haben, sonst aber den Kommu­nismus nicht so entsetzlich finden. Die Majorität, dies­mal auf 345 Stimmen herabgedrückt, beschloß einfaches Uebergehen zur Tagesordnung; 30l Stimmen, die da­gegen waren, wollten einen Tadel oder doch eine mo- tivirte Tagesordnung. Am 2. oder 3. Januar soll der Gesetzentwurf wegen der Dotation für den Präsi­denten vorgelegt werden: auch diese Frage wird von denVertrauenden" mit Ja beantwortet werden. In der Debatte über die Wahlreform (Lefrancs Antrag) wird die legitimistische Partei alteu Schlages mit der Ordnungspartei für Verwerfung stimmen, jedoch durch Benoist d'Azy erklären, daß sie sich Reserven mache. Larochejacquelin soll entschlossen sein, diesen Redner zu bekämpfen, so tief ist jetzt die Spaltung unter den Le­gitimisten selbst; und diese Menschen bilden sich noch ein, Frankreich sei ihre Domäne. Changarnier hat gestern eine lange Konferenz mit Louis Bonaparte ge­habt.

DerMoniteur" bringt heute fast 100 Ordens­verleihungen an alte Militärs aus der Kaiserzeit, so wie auch eine Lifte von Decorirten aus der Magistra­tur. Der Vetter L. Napoleons, Lucian Murat, erst seit einem Jahre Ritter der Ehrenlegion, ist jetzt schon zum Offizier derselben befördert worden." Man will seit Kurzem auffallend viele russische Agenten hier bemerken, was man mit der Möglichkeit eines aus dem Dresdener Conferenzen hervorgehenden Krieges in Ver­bindung setzt., Ein Mitglied der äußersten Linken, , Laclauvure, hat zu dem Gesetzentwurf über die Sonn- tagsfeier folgendes Amendement gestellt: ,Ln Betracht, daß, wenn es gerecht ist, dem Arbeiter einen Ruhetag in der Woche zu gewähren, es auch der Gerechtigkeit, der Moral und der Religion gemäß ist, dafür zu sor­gen, daß der Arbeiter und seine Familie nicht ausge­fetzt seien, am Ruhetage Hungers zu sterben, schlage ich die Bestimmung vor: daß jedem Arbeiter amRuhe- tagc eine seinem Tagelohn in der Woche gleiche Summe bezahlt werde."

* Der SchimpfnameLes satisfaits de 1847 hat der damaligen Guizotschen Majorität in den Augen der französischen Nation den Todesstoß gegeben. Die Franzosen sind nun einmal so:Namen sind Fahnen!" Daher das Entsetzen, als Girardin neulich bei der De­batte über die Goldbarrenlotterie daran erinnerte. Girardins Motivirung wurde verworfen; aber die Majorität beging den Fehler, eine nicht minder onn- nöse Motivirung der Tagesordnung anzunehmen; sie beschloß:Im Vertrauen auf die Regierung u. s. w." Jetzt hat die Opposition daraus den Todespfeil ge­schmiedet, daß sie die Majorität dieVertrauenden" nennt.Les confiants de 1850 ist ein Parteiname geworden, wieles satisfaits de 1847. Es ist das zum Verständniß der französischen Entwickelung zu wissen nöthig: die Oppositioiisblätter schreiben nicht anders mehr, als:die Vertrauenden haben dies und das gethan" u. s. w.

* Paris, 26. Dezember. Der Zwist zwischen der Nationalversammlung und der Exekutive, zwischen Aon und Carlier, wurde heute im Prozeß Allais vor dem Zuchtpolizei verhandelt. Das Interesse war sehr groß. Eristirt daö famöse Komplott der Rue des Saussaies oder nicht? Ist Allais ein elender Ver- läumver oder...?Ich habe Niemand denunzirt, ich habe blos meinem Vorgesetzten (Aon) berichtet!" be­theuerte Allais, der den Plan zur Ermordung Dupins und Changarniers aufrecht erhielt, nur zugestand, daß er seinen Bericht ausgeschmückt habe. Aon er­schien nur als Zeuge, doch war er die Hauptperson im Prozesse. Die von Allais angezeigten Personen stellten sämmtlich ihre Mitwissenschaft in Abrede. Völ­lig klar ist die Sache nicht geworden, doch wurde Allais der verläumderischcn Denunziation schuldig erkannt und zu einem Jahr Gefängniß und 300 Frs. verurtheilt. Der Kriegsminister hat Befehl zur Entlassung so vieler Ausgedienten gegeben, daß trotz der neuen Aushebung von 40,000 Mann die Vermehrung des Heeres nur 15 bis 20,000 Mann betragen wird. Börse: 3 pCt. 57, 70 (Hausse 20 C.); 5 pCt. 95, 65 (Hauffe 15 C.); Gold in Barren und in 20 und 40 Frs.-Skücken Pan.