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Wiesbaden. Samstag, 28. December
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1830.
Einladung zum Abonnement.
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noch lebhafter als blsher unterstützt werde ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unters
^^^ ^?bn auf die mit Ausnahme des sonntags täglich erscheinende „Freie Zeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei derErpedision ^ 4 ^^-^ ^.?n^^ndlung), auvwarto bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies baden L fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. — Znserationögebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.
Das Herz der deutschen Nation.
X „Das Herz der deutschen Nation, dies können wir mit Zuversicht aussprechen, schlägt nicht für den Umsturz!" ruft die neueste offizielle „Oesterr. Corr." angesichts der Dresdener Konferenzen aus. Die Demokratie erklärt sich vollkommen mit diesem Erfahrungs- satze einverstanden. Cs kommt nur darauf an, was unter Umsturz zu verstehen ist? Gab es eher eine deutsche Nation, als deutsche Fürsten, was doch selbst die „Oesterr. Corr." nicht in Abrede stellen wird, weil sich's so wenig in Abrede stellen läßt, wie daß 2mal 2: 4 und nicht 5 sind, so war der erste Umsturz der, als die Fürsten ein historisches Recht in Anspruch nahmen , das über das Recht der Nation hinaus gehen sollte. Das deutsche Volk haßte die Viel Herrschaft, denn sein Herz schlägt nicht für den Umsturz das deutsche Volk stürzte Napoleons Fremdherrschaft, denn sein Herz schlägt nicht für den Umsturz; das deutsche Volk liebte die durch Napoleon freuten deutschen Souveränitäten nicht, denn sein Herz schlägt nicht für den Umsturz das deutsche Volk stimmte in das „kein Oesterreich, kein Preußen!" ein, denn jede Theilung Deutschlands ist ein Umsturz der alten Ordnung der Dinge und sein Herz schlägt nun einmal nicht für den Umsturz. Was war eher in Deutschlands die Freiheit oder die Knechtschaft? Leset die Germania von Tacitus und ihr werdet mir zugestehen, daß die deutsche Nation sich zwei Jahrtausende lang darin treu blieb, daß sie sich jedesmal, wenn sie ihre Herzensmeinung kund geben konnte, für die Freiheit und gegen die Knechtschaft, also gegen den Umsturz aus sprach.
„Die wahre öffentliche Meinung will in der That nur, was billigerweise und ohne Störung der großen Interessen der innern Ordnung und des äußern Friedens möglich ist!" äußert die „Oester. Eorresp." ferner, und auch darin sind wir vollkommen mit ihr einig; nur kommt es auch hier auf das Wie an. Die wahre öffentliche Meinung hält es „biUlgcrweise" für möglich, daß Treue und Glauben aufrecht erhalten und beschworene Eide für unverbrüchlich gehalten werde». Die öffentliche Meinung hat sich gegen Den deutschen Bund ausgesprochen und alle Parteien, Völker und Fürsten, Diplo- mciten und Demokraten haben diesen Spruch einst sanktio- uirt;es geht daher »ichts„ohne Störung dergroßen Jnte- reffen der inner» Ordnung" an, daß der Bundestag reac-
tivl'rt werde. Aber der „äußere Friede" gebietet dies! sagt man uns. Hat Rußland marschiren lassen, so lange Deutschland drüber einig war, daß der Bnn- destag todt sei? Nein, der Friede war erst bedroht, als ein Theil der deutschen Staaten „Umsturz" predigte!
Wenn es aber Oesterreichs Wille, weil Rußlands Befehl ist, daß der Bundestag hergestellt werde und wenn kein deutscher Staat, selbst wenn er wollte, im Augenblicke dawider handeln sann , so verwirre man wenigstens die Begriffe nicht, sondern spreche es grade- zu aus, daß Gewalt vor Recht ergehen solle, weil es nun einmal so im Rath der Götter beschlossen sei.
Aber, sagt man uns, die alte Bundesverfassung und Bundesgesetzgebung soll in Dresden revidirt werden. Kann man ui Dresden eine wirkliche Revision vornehmen? Wenn der „äußere Friebe" Wiederherstellung desStatusquo erheischt, wie ist dann eine Revision, also doch ein Abgehen von diesem Litatusquo möglich? Revidiren heißt im diplomatischen Wörtcrlmche also nichts Anderes, als Reactivi- ren, und es wird nur gebraucht, um dem Volke ein X für ein II zu machen. „Revidiren," sagt die „Nat.Z." sehr richtig, „wir kennen das Wort, wir wissen, was revidi- ren heißt. Eine revidirte Bundesakte und Bundesgesetzgebung, ein reorganistrter Bundestag und eine verstärk^ Centralgewalt — daS ist es, was Deutschland zu erwarten hat. Die Revision der Bundesgesetzgebung, die Reorganisation des Bundestags, die Stärkung der Centralgewalt beginnt damit, daß dein Volke die Waffen, den Richtern die Unabhängigkeit genommen, den Volksvertretungen der einzelne» Staaten die Steuerverweigerung verweigert, die Verpflichtung zur Steuer- bewilligung bewilligt wird. Der Absolutismus wird erst in den Besitz gesetzt; wenn das geschehen ist, wird der Absolutismus Recht spreche», d. h. sagen, was Rechtens fein soll in Deutschland. Das hat das deutsche Volk von Dresden zu erwarten." Weil das Herz des deutschen Volkes nicht für den Umsturz schlägt, hat es keine Sympathien für die Dresdener Konferenzen. Es wird sich der Gewalt fügen; doch nicht aufhören., für den Zustand zu schlagen, der das Gegentheil von Dem ist, was die „Oesterr. Corr." die ^Grundsteine vernünftiger deutscher Einheit" nennt. „Die deutschen Völker sind, im großen Durchschnitte betrachtet, ihren Regierungen zugethan und noch ist nichts geschehen, was das Vertrauen derselbe» hätte ge
fährde» müssen!" ruft die „Oesterr. Corresp." zum Schluffe aus, „Wen der Herr verderbe» will, den schlägt er mit Blindheit!" könnten wir darauf entgegnen; doch wir fragen nur: Soll der reaktivirte Bundestag die höchste Behörde Deutschlands sein oder nicht? Wenn dies, so fragen wir weiter: giebt es eine Behörde in der ganzen Welt, der ein stärkeres Mistrauensvotum gegeben wurde, als dieser, und hat der reaktivirte Bundestag irgend etwas gethan, waS das Vertrauen zu demselben bei den deutschen Völkern zu reaktiviren geeignet gewesen wäre?
Der Bundestag vor Stricht
(Schluß.)
Hierauf geht er zum 3. Theil der Rede über, daß wenn der Angeklagte auch wirklich die Bundesversammlung beleidigt habe, deswegen nicht nothwendig auch die bairische Regierung beleidigt sein müsse. Wenn man eine Körperschaft, eine juristische Person beleidige, so sei deswegen noch nicht der Einzelne beleidigt; er weist dies an Beispielen nach. Wenn man z. B. den Zollverein ein schofles Institut, das den Handel und die Gewerbe nicht fördere, nenne, so sei deswegen . ^Lju^t Jie bairische Regierung, die auch dabei vertreten sei, beleidigt; wenn man von der Bank sage, sie handle perfid, deswegen noch nicht ein einzelner Aktionär beleidigt sei; daß wenn man sage, der land- wirthschaftliche Verein wäre höchst parteiisch bei Ver- theilung der Preise, noch nicht ein einzelnes Mitglied beleidigt sei; daß wenn man sage, die Universität sei in ihrer jetzigen Gestalt ein Verdummnngs-Institut, sie habe Professoren angestellt, deren Prinzipien sie früher verworfen, so sei noch nicht ein einzelner Professor damit gemeint. Freilich komme ein Professor zu ihm und frage ihn : „haben Sie mich gemeint", dann könne er zu dem dummen Menschen sagen: ja, ich habe an Sie gedacht, als ich dies sagte — dies sei freilich Beleidigung. Er wolle im Namen seines Angeklagten sagen, daß dieser, als er die Artikel schrieb, recht warm an die bairische Regierung dachte, aber dieses Ge- stänbiüy nütze dem Staatsanwälte nichts, da es nicht : im „Eilboten" stand, sondern nur im Gedächtnisse des i Angeklagten war. Der Bundestag sei entweder eine I Einheit, Dann sei der Einzelne nicht beleidigt, sei aber ; auch der Einzelne beleidigt, so sei es noch nicht di
Nus den „Spitzkugeln.
(Ausverkauf.) Zu Weihnachtsgeschenken sehr zu empfehle». — Unter dem Kostenpreis schlagen wir los: Zwei Duzendftmd einige Constitutionen mit Paragraphen von Gummi, die sich so weit ausdehnen lassen, daß der D e s p o t i s m u s noch ganz bequem drin Platz niidet.
Eben so viele Kartenhäuser, jedes aus einem Ca- binct und zwei Kammern bestehend. Die Kabinette sind aber ohne Licht, und den Kammern fehlt daS Fundament. (Beides aber in sehr baufälligem Zustande.)
Eine unermeßliche Menge sogenannte Errungenschaften, die ganz vorzüglich erhalten sind, da sie nur wenige Wochen im Gebrauch waren.
Ein ganzes Orgelregister lieblich klingender Phrasen von breitesten Grundlagen, Bewegungsspitze», väterlicher Liebe, Treue, Hingebung und OpferungSbe- reitwilligkeit. Zwar sehr abgetragen, kann aber gewandt werde», und hält dann noch lange. _
Ein von spitzen Reden durchlöchertes Ministergewissen.
Ein aus dem Leim gegangener Rechtsboden.
Eine ganze Menagerie von Säugetieren und Blutiegeln.
Eine Schürze aus Kopenhagen, ein Unterrock aus Olmiitz und ein immer nasses Damen-Taschentuch anS
. Potsdam. (Von derlei Gegenständen haben wir übrigens noch ein ungeheures Lager vorrüthig, und möchten wir gern Damit räumen.)
Den Antiquitätensammlern empfehlen wir unsere Niederlage in Frankfurt a. M., Eschenheimer Gasse, allwo wir eine Anzahl sehr alter wurmstichiger Per- rüquen und Weichselzöpfe, sowie verschiedene lebende Mumien (noch nicht dagewesen!) in Pergament und Schweinsleder eingenäht, zur Verfügung stellen können.
Immer fort mit Schaden.
Sonst fressen's die Maden!
Michel Deutsch &. Comp.
(Introduktion zu den freien Co.'nferenzen in Dresdeu.)
Herr v. Manteuffel (tritt tief gebückt in den Con- ferenz-Saal.)
Hrrr v. Schwarzenberg (tritt ohne sich zu bücken ebenfalls ein.)
Hr. v. Mant. Excellenz, wollen Sie sich nicht ein klein wenig krümmen? _ 5
Herr v. Schwarz, (entschieden:) Nein!
Herr v. Mannt. Dann muß ich das als einen Casus belli betrachten.
Herr v. Schwarz. Betrachten Sie es wofür Sie wollen!
Herr v Mannt. Die Umsturzpartei wird wieder sagen, ich hätte Ihne» Concessionen gemacht.
Der ittssische Geschäftsträger (tritt dazwischen:) Ach was! Bücklinge sind keine Concessionen. Vertragt Euch! Zaar will's haben.
Herr v. Mannt. Ich bitte um Verzeihung, Excellenz!
Herr v. Schwarz, (oberflächlich:) Schon gut! — Jetzt juni Geschäft!
(Die freien Conferenzen beginnen.)
Herr von Vinke sagte:
Weg mit den Ministern!
Die Kreuzzeitungspartei schreit:
Weg mit Vinken!
Die Constitutionellen jammern:
Weg mit der Krenzzeitungspartei!'
Der Treubund brüllt:
Weg mit den Konstitutionellen!
Die wahren Demokraten denken:
Hol' Euch Alle der Teufel! Eher wirds doch nichts Gnteö!