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Jfâ r^O^ Wiesbaden. Mittwoch 23 December
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Einladung zum Abonnement.
Ende des Jahres beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. S runebmende Erweiterung ihres Lesekreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg- in ^it und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Assisen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver- die volitischen uud sozialen Angelegenheiten des Zn- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrewondenten nvt als bisher unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes FemlletO bringen. Kimmen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinende „Freie Zeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Ecpevitlon W Nitter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies- b den ist 45 kr durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Znserationsgebühren: die vier,paltige Petitzeile 3 kr.
Des Christfestes wegen erscheint morgen, den 26. Dee., keine Zeitung.
Zum heiligen Christabend.
X Herrlich und schön wie am ersten Schöpfungs- tage strahlt die Sonne am blauen Himmelszelte; heiter und zuversichtlich wie an jedem Tage vor Weihnacht blicken die hellen Augen der deutschen Jugend; vielge- fsaftig und in süßen Sorgen rüsten die deutschen Mütter den Christbaum Die Natur bleibt sich ewig gleich; die Sonne scheint über Gute und Böse, über Kassel und Wilhelmöbad. Auch die Jugend läßt sich nicht stören in ihren Träumen und Idealen; denn sie fühlt es, daß ihr die Zukunft gehört. Möge diese Zukunft eine glücklichere sein, als es die Gegenwart ist! Und nicht minder ungestört trotz aller Eingriffe ist das deutsche Familienleben: ist kein Haus so klein, keine Mutter so beschränkt in ihren Mitteln, wenn sie irgend kann, so darf der Christbaum nicht fehlen. O haltet fest an dieser Innigkeit, o lasset euch die Engel nicht verscheuchen aus der Kinderstube durch die Fratzen der Außenwelt, o seid treu in der Liebe und die Liebe wird nicht zu Schanden werden.
Es ist eine fürchterliche Zeit, in der wir leben. Gewalt ergeht vor Recht, die Treue wird als Verlach gebraudmarkt, die Gewissenhaftigkeit verhöhnt, die ^ gebrochen; Lie Welt ist unselig geworden und die Ideale der Edelsten und Besten, die Humanität uud Civilisation liegen unter den Hufeisen der Kriegsrosse. Blickt hin nach Kurhessen, wo ein biederes Volk am Hungertuche nagt, weil es ausgesogen und ansgezogen ward, „zur Herstellung der fürstlichen Autorität"; blicket hin nach Kassel, wo die Männer fliehen müssen als Proscribirte, und die Memmen selbst nicht einmal Gnade finden vor der gewaltigen Hand des Bundescrekutors und des kurfürstlichen Commissa- rius Scheffer; blicket hin nach Berlin, wo das, was jetzt an der Fulda geschieht, einst scharf gebraudmarkt wurde und wo jetzt nichts sich rührt, nichts zum Schirm des armen Volkes, und blicket nach Dresden, wo im Brühlschen Palaste jetzt Hassenpflug sitzt unter den Bevollmächtigten der deutschen Fürsten, um über Recht, Freiheit und Ehre, über Gut und Blut zu entscheide», zu entscheiden im Namen des göttlichen Rechts! Wahrlich, solchen Zeichen der Zeit gegenüber ist es chwer, guten Muth zu bewahren, schwer zum Frieden zu rathen, schwer der Liebe das Wort zk reden. Und dennoch, ihr deutschen Männer, dennoch unverzagt! Lasset euch die frohe Stunde des Christbaums, der
Kinderfreuve nicht rauben. So ihr nicht werdet, wie diese Kleinen, könnt ihr die Freiheit nicht erlangen! Unverwüstlich wie sie müßt ihr werden in euren Ideen , unbeirrt in euern Ueberzeugungen, unverwirrbar in euren Lichtgedanken. Wahret den heiligen Geist, bleibet euch selber treu und wr werdet die treulose Welt überwinden, ihr werdet siegen trotz aller Macht eurer Feinde.
Wäre die Freiheit auS der Welt zu vertilgen, es gäbe seit Jahrtausenden schon keine Freiheit mehr; wäre das Recht auf Erden durch das Schwert zu zerhauen, längst fühlte sich niemand mehr in seinem Gewissen gebunden und die Welt wäre eine Mördergrube; wäre die Liebe durch die Lieblosigkeit der herzlosen Egoisten zu vergiften, sie wurde schon dein Streiche Kain's erlegen sein, da er seinen besseren Bruder erschlug. Ja, der Kainsmord wüthet fort und fort unter der Menschheit; doch nicht alle, die Kains Frevelthat vollbrachten, irren unstat umher; ach nein, sie brüsten sich nnrzu oft ihrer Thaten und stehen geehrt vor der Welt und wohl gar liegen Millonen vor ihnen auf den Knien und Menschen, die sich Priester Gottes und Fromme nennen, streuen ihnen Palmen und rufen Hosiannah, während die Kämpfer, für Recht und Gerechtigkeit am Kreuze hängen.
Es ist immer so gewesen und wird so bleiben, so lange es schwache -Meuchen und übermüthige giebt , ' so lange Leidenschaften die Welt durchbrausen. Es klingt wie Hohn, wenn wir sagen: seid ruhig, ruhig, ruhig! Und doch können wir es nicht genug sagen: nur der klaren, heiligen, unbeugsamen Ueberzeugung, nur dem unbeirrten Festhalten am Guten, Echten und Hohen, nur der aufopfernden Liebe wird die Erlösung der Völker vom Joch der Finsterniß und der Barbarei gelingen.
Ihr deutschen Väter und Mütter, wenn ihr im Kreise eurer Kinder düsteren Auges umherschauet uud sprecht: „Das ist alles gar schön und herrlich hier, doch draußen ist's fürchterlich, denn ein solcher Christabend ward dem deutschen Volke noch nie!" ach, dann vergesset nicht, das Evangelium zu lesen von der Geburt des edlen Dulders, und von der Gefahr, worin er schwebte und seine hohe Mission. Leset die Sage von der Krippe und von dem KinAermoroe durch die'Erekutionstruppen des Vier-Fürsten Heroves: diese Geschichte, sie ist die Geschichte aller großen, mensch- heiterlösenoen, weltbefreienden Wahrheiten! Ist die Demokratie besser als das Christenthum? Daß beide gleich groß, gleich zukunftreich, daß beiden der Geist
Gottes inne wohne, lehrt das gleiche Geschick bei ihrem Eintritt in die Menschheit, bei dem Antritt ihrer Herrschaft.
Aus Kurhessen
X Kassel ist überrumpelt worden, damit ja keinem izoch ein Zweifel bliebe, daß es sich nur blos um Gewalt handle und der preußische Commissar nichts mehr als eine Null sei. Aus der „N. Pr. Ztg." Haben wir erfahren, daß General Peucker Weisung hatte, Alles aufzubieten, damit keine Truppen außer dem stipulirten einen preußische» und einen österreichischen Bataillon nach Kassel kämen. Dies hing von der Fügsamkeit der Oberhehörden ab; und Peucker war so glücklich, die konstitutionellen Herren zur Vereinbarung zwischen Recht und Brotkorb zu bewegen. Was geschah nun? Am 20. hatte das Oberappellationsgericht sich unterworfen; am 21. Abends spät stellte nun Graf Leiningen an die Behörden Kassels und an die Direktoren der Kollegien die Aufforderung zur unbedingten sofortigen Unterwerfung u n t e r d i e V e r o r v u u n g e n voin 4. n n d 26. S e p- t e in b e r, wobei er eine Bedenkfrist bis zum 22. Dez. Mittags einräumte. Was geschah aber? Der Kurfürst hat ote Demüthigung des Oberappellationsgerichts mit Jubel erfahren, doch grade das Ausreißen dieser Menschen scheint seine Zuversicht so gesteigert zu haben, daß er diese Vereinbarung abwies und unbedingte Unterwerfung und Gehorsam, und Einrücken der Bundestruppen zur Züchtigung verlangte. Peucker spielte die allcrklag- lichste Rolle. Er hatte dem Oberappellationsgericht sein Wort gegeben, Alles zur Rehabilitirung der Behörden aufzubieten; die Antwort war sogar Verwerfung der durch ihn vereinbarten Punkte. Ja, als der Commandeur der Bürgergarde Seidler, den er zur Entwaffnung anfforderte, fragte, ob dann die Baiern nicht entrüsten würden, antwortete der preußische Com miffâr, daß er darüber kei n e Zusicherung geben könne, da die Erekution nicht seine, sondern Herrn von Leiningens Sache sei. Preußen spielt also nur den Zwischenhändler, um zum Abfall vom Recht zu verführen, doch ohne die Macht zu irgend welcher Gegenleistung zu haben! Die Bürgergarde beschloß demnach, nur der Gewalt zu weichen. Die Redakteurs der „Neue Hessische Zeitung" hatten Kassel bereits am 20. nach dem Beschlusse des Oberappellationsgerichts verlassen, die Redakteurs der „Hornisse", 0r. Kellner und Heise, find wnen am
Die Christbescherung der Nassauischen Künstler.
<5 Es war eine sinnige Einrichtung von Seiten des nassanischen Kunstvereins, daß er alle Jahr um Weihnachten eine Verloosung kleiner Kunstwerke inländischer Künstler angeordnet hat. Da die erforderlichen Geldmittel zur Bestreitung der Kosten durch eine Subscription jedes Jahr von Neuem gedeckt werden müssen, jo konnte als höchster Preis für ein einzelnes Bild nur 11 fl. vergütet werden, und die Maler senden daher natürlich nur kleinere Gegenstände, Oel- seizzen, Zeichnungen u. dgl. ein, die in dem Ausstellungslokal des hiesigen Kunstvereins der Ansicht des Publikums eine Zeit lang ausgestelltt bleiben. Die Auswahl der geeigneten Gegenstände von Seiten des Vorstands wird dann kurz vor Christtage getroffen und deren Verloosung unter die Subscribenten gleich nach den Feiertagen vorgenommen. Es sind im Verlauf dieses Jahres mehrere günstige Umstände zusammengetroffen, die dem Interesse der Kunst und der Künstler förderlich waren; insbesondere gebührt dem Vorstand des betreffenden Vereins die Anerkennung, daß er alle geeigneten Mittel in Bewegung gesetzt hat, um den Verein zu kräftigen und den Sinn für künstlerische Interessen immer weiterhin zu verbreiten. In nothwendiger ■ Wechselwirkung davon haben denn auch die inländischen ; Künstler nicht verfehlen können, ihrer Seits den ge- !
steigerten Ansprüchen eines allmählig immer größer werdenden kunstfreundlichen Publikums durch erhöhete Thätigkeit zu entsprechen und die diesjährige Weih- nachts-Verloosung liefert von bewein, der Theilnahme deS Publikums und dem Fleiß unserer Künstler einen so erfreulichen Beweis, daß eine öffentliche Besprechung dieser Gegenstände wohl allerseits nur willkommen sein wird.
Es sind nämlich gegenwärtig nahe an 500 Loose szu 30 Kr.) untergebracht; die Anzahl der eingesende- ten Kunstgegenstänve betrug 33. Der Vorstand, mit der Auswahl der besten Gegenstände beauftragt, hatte sich diesmal durch Zuziehung zweier Sachverständigen verstärkt, denen das allgemeine Vertrauen der Nassaui- schen Künstler zur Seite steht, Bildhauer Vogel von hier, Maler Sim ml er von Geisenheim. Von dem Grundsatz ausgehend, nur Gutes zur Verloosung kommen zu lassen und dadurch seiner Seus das Publikum vor werthlosen Dingen zu bewahren und den guten Geschmack nach Kräften zu schützen, hat der Vorstand dieser Tage sein Kunstrichteramt geübt und die besten Sachen bezeichnet. Mit der Mehrzahl darf das Publikum sehr zufrieden sein, jedoch auch erwarten, daß von Jahr zu Jahr strenger keinerlei Nebenrücksichten, sondern lediglich und allein Grundsätze eines geläuterten Kunstgeschmacks bei dieser Auswahl maßgebend sein werden. Das scheint uns durch das wahre Interesse der Kunst und der Künstler selber geboten zu sein. —
Es sind nun von jenen 33 Kunstgegenständen nach sorgfältiger, unparteiischer Prüfung die nachfolgend ver- zeichneteu Bilder in nachstehender Reihenfolge zur Auswahl gekommen:
1) Von Wittemann in Geisenheim: ein Eisvogel, Oelbilv.
2) Von St mutier in Geisenheim: Abenblandschaft, Oelbild.
3) Von de Laspöe in Wiesbaden: Burg Langenau, Oelbild.
4) Von Beyer in Idstein: Landschaft mit Kapelle, Oelbild.
5) )ön Voddigel dahier: Marktplatz zu Rouen, Oelbild.
6) Von Scheuer dahier: Abenblandschaft, Oelbild.
7) Von Frau Wissenjbach dahier: Astern-Strauß, Aquarell.
8) Von v. Bracht dahier: Mädchen mit Früchten, Oelbild.
9) Von Simmler in Geisenheim: ein Schimmel, Oelbild.
10) Von de Lasp6e dahier: Burg im Mondschein, Oelbild.
11) Von Voddigel dahier: Kirche zu Rotterdam, Handzeichnung.
12) V. Voddigel dahier: Palast zu Ferrara, Oelb.
13) Von Jacobi dahier: Kindergruppe im Wald, Oelbild.