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Freit Ztilmig.

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Wiesbaden. Dienstag, 2L. December

1850.

Einladung zum Abonnement.

Mit Ende des Jahres beginnt ein neues Abonnement auf die »Freie Zeitung-. Tendenz und Haltung unserer Zeitung Rub bekannt Sie Pete zunehmend-Erweiterung ihreè LesetreijeS ig ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird ie £ Sm ^ ' .""d ttrderhchtsartike n, in Berichten über die Stândcsitzongen, 8|pfen »ud sonstigen in den fteien Institutionen begründeten Ver. y"?^*k ÄS" SÄS Angeleg-iih-it-n des Zu- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten noch kbyafter als bisher unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen. ,, SefWto'!!^ die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinende »FreieZeitung- wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Erpedttion (H. W. Rittersche Buchhandlung), auswärts bei den ziinächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies- baden 1 fl. 45 fr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Jnserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Oesterreichs Politik.

X Immer deutlicher zeigt es sich bereits, daß Oesterreich nicht an eine durchgreifende Umgestaltung des Bundestages denkt. Die möglichste Konservirung des Bestehenden war ja seit Jahrhunderten das erste Gebot habsburgischer Politik, und hier kommt noch hinzu, daß es dadurch Rußlands Wünschen nachkommt. Jede durchgreifende Reform wäre eine Konzession gegen Preußen, das derselben sich rühmen und ihrer sich gelegentlich wieder als Popularitätsköder bedienen könnte. Aber, hören wir entgegnen,der alte Bundestag hat sich im Märzsturme so schlecht bewährt, wird man nicht der Klugheit wegen Neues schaffen? Der neue Bundestag hat bereits be­wiesen, daß er zu kühneren Griffen geneigt ist; wozu also ein neues Messer anschaffen, wenn man das alte nur zu schleifen braucht? Und wozu Preußen, das im Rechtspunkt nachgegeben, faktisch wieder einzuräumen, was man ihm durch Facta entrissen hat? Das Berli­ner Kabinet ist in die Trabantenrolle, die es vor dem großen Kurfürsten hatte, zurückgetrrten, Oesterreich ist von Neuem die Sonne der deutschen Bundesländer ge­worben , und um auch Sonnengröße zu haben, dringt es auf den Eintritt seiner Gesammt- lauter in den Bund.

Sehr richtig erkennt das Haus Habsburg, daß es, sobald dieses' durchgesetzt, ohne große Gefahr für die wachsten Dezennien selbst eine Volksvertretung am Bundestage wagen dürfte. Denn ein Parlament, in dem es nebst seinen treuen Deutschen seine Tschechen, Slaven und Kroaten schickte, würde nur einpolnischer Reichstag" im Großen, würde nur ein babylonischer Wirrwarr werden, recht geeignet, um das Germanen- thum zur Barbarei zurückzuführen.

Nach Habsburgischen Prinzipien ist der Staat kein Organismus, sondern eine eiserne Kette welche eine Masse von Völkerkonglomeraten zusammenhält. Dein k. k. Kabinet muß daher der Nationalstaat, wie die Gothaer ihn früher wollten, als eine lächerliche und gefährliche Utopie erscheinen. Es kann deshalb nicht begreifen, warum Norddeutschland ein so großes Gewicht auf Schleswig-Holsteins Rettung für Deutschland legt, oder vielmehr es kann dies nur als ein preußisches Vergrößerungsgelüst begreifen, also nicht als ein pa­triotisches, sondern nurals ein egoistisches Streben.

Oesterreich gibt nicht nur Schleswig, sondern auch Holstein gern an ^änemarf ab; weil dadurch

die Idee eines norddeutschen Staates, auf den znrück- zukommen Preußen doch vielleicht wieder einmal sich ein- fallen lassen könnte, vernichtet wird. Denn ein Preußen ohne Nord- und Ostsee, ein norddeutscher Staat ohne Seemacht, hat keinen Zusammenhalt, keine Kraft. Däne­mark hat die Machtsvollkommenheit des Bundes, auch über Schleswigs Stellung zu Holstein zu entscheiden, niemals anerkennt; es nennt diese Frage keine deutsche, sondern eine europäischc. Auch Oesterreichs Ein­tritt in den Bund mit seinen Gesammtländern ist eine europäische! Dies.sind die Gründe, weshalb ein euro­päischer Kongreß den freie» Conferenzen folgen wird und muß. Oesterreich wird Schleswig u n d Holstein an Dänemark opfern auf PreußensKosten und zuRußlands künftigemGewinn. Es wird dmÄ) diese Konzession für seine egoistischen Zwecke werben ; Rußland kann dazu nur mit Freude ja sagen; das jetzige Frankreich hat ein Interesse an Dänemarks Erhaltung und Kräftigung, wie an Deutsch­lands Schwächung durch Reaktivirung der Vielstaaterei unter der Hegemonie desjenigen Staates, dessen Eri- stenzfrage die Frage der Ruhe und Ordnung ganz im Sinne der französischen Ordnungspartei ist; und Eng­land ist in der schleswigschen Frage bereits engagirt, in der allgemeinen deutschen aber wird es schwerlich vorläufig weiter etwas unternehmen wollen, als etwa für das konstitutionelle Prinzip zu reden, doch der Sache ihren Gang zu lassen, b.3 sichss demnächst entscheidet, ob der europäische Kontinent reif und fähig ist, sich das. zu erringen und zu erhalten«, was kein Volk ohne schwere Kampfe und selten ohne wiederholte Nie­derlagen und Enttaluchungen erreicht. Ist die dänisch- deutsche und die österreichisch-deutsche Frage aufdemKon- gresse der Fürsten entschieden, so wird die Schweiz an die Reihe kommen. Darüber ist jetzt kein Zweifel mehr. Bei dieser Frage aber wird es sich vielleicht schon zeigen, ob Oesterreich das weiseGenug" kennt, oder ob es, fortgerissen durch das Gesetz der Bewe­gung, auch die Mission hat, gleich der Lawine in Mitteleuropa alles konstitutionelle StaatSleben zu zermalmen, um zuletzt selber von der eigenen Wucht zu zerschellen und, nachdem so reine Bahn gemacht, den modernen Slaatsorganismen das geeignete Feld zu bereiten. ________________

Aus Kn »Hesse n.

X Gestern brachte dasFr. I." die Nachricht aus Kassel:Das OberappeUationsgericht hat sich der

Gewalt gefügt und ist auf die Vorschläge des Herrn v. Peucker eingegangen. Die Motive dieses Entschlus­ses sind noch nicht im Detail bekannt; so viel indeß weiß man, daß das Gericht von der Ansicht ausge­gangen ist, daß der deutsche Bund rechtlich noch bestehe, und daß, nachdem Preußen gemein­schaftlich die Regulirung der kurhessischen Angelegen­heiten in die Hand genommen habe, die Verfügungen der betreffenden Kommissare als von Bundeswegen ausgegangen zu Recht beständig seien. Das Oberappe- lationsgericht will hiernach faktisch die Stempel erhe­ben, unbeschadet der Entscheidung der Rechtsfrage über die Rechtsbeständigkeit der Verordnungen; auch wird dasselbe alle Maßregeln der beiden Coinmissäre als rechtsbestänvig anerkennen."

Dieser Beschluß, wenn er sich so bestätigt, ist ein fluchwürdiger Akt, der das Oberapp.llationsgericht für immer brandmarken wird. Waren die Herren der An­sicht, daß der deutsche Bund noch zu Recht bestehe, warum haben sie dankt so lange damit gezaudert, es auszusprechen? Denn, wenn dirs ihre Ueberzeugung, so war der bisherige Widerstand eine Thorheit und ein Frevel zugleich. Auch ist es nicht wahr, daß sie der Gewalt gewichen seien! Haben sie es ihrerseits bis zur Zwangseinquartierung kommen lassen? Nein, als an sie die Reihe kam, haben sie sich geduckt. Noch schlimmer wird' der Handel, wenn es sich bestätigt, daß sie sich von Peucker das noch dazu seyr leere Ver­sprechen geben ließen, derselbe wolle allen seinen Ein­fluß zur Rehabilitirung der Staatsdiener aufwenden. Was ist damit gewonnen? Ist Preußens Einfluß beim " Kurfürsten so stark? Und wenn selbst, darf das Recht für Brod feil sein? Doch vielleicht ist der Bericht des Fr. Jr." nicht ganz richtig. DieOPAZ." meldet nur: Die weiteren Verhandlungen zwischen den Herren Kommissaren, F.M.L. Grafen v. Leiningen und Gene- rallientenant v. Peucker einerseits, und den hiesigen Behörden anderseits, haben zwar eine Uebereinstimmung mit den Stipulationen in Der landesherrlichen Verord­nung vom 4. Sept. d. I., bezüglich auf der Stempel­verwendung, herbeigeführt, über eine vollständige An­erkennung dieser Verordnung in allen ihren Punkten hat man sich indeß noch nicht geeignet. Nach einer seitens Der Herren Coinmissarien erfolgten Darlegung ihrer Befugnisse, welche durch Die Gesammtabsicht al­ler deutschen Regierungen den nöthigen Nachdruck er­hielten, würde ein theilweises Eingehen auf diese An­forderungen in so weit für unflüssig erscheinen als die

Gebetbuch und Statue.

Ein Mährcheu von Paul Victor.

(Nat.-Zeitung.)

Das Zimmer, in welchem eine kleine griechische Statue einst stand, war ein prächtiges Boudoir im Roccogeschmack. Es war in diesem Zimmer alles sehr still und ernst; prächtige Uhren, die vormals süßen Stunden ihr Ziel gewiesen hatten, vegetirten jetzt fort in mürrischem Tiktak, und flüsterten blasirt emaiiDer ; ui; es wäre ihnen ganz gleich, ob sie ausgezogen wâr- ; Den oder nicht; schwellende Teppiche, die sonst begierig wohlriechende Düfte einsogen, bereitwillig den schall aeflüsterter Worte dämpften, und mit Entzücken das . Trippeln sehnsuchtbeflügelter Füße empfanden, dehnten ! nch jetzt gelangweilt über den Fußboden. Und woher kam diese Umwandlung? Sie war der Wille der Ge- ; Beterin dieses Zimmers. Diese Gebieterin war einst ; jung und schön, und sie war es nicht mehr. Wie mit i einem Mal Alles von $>r abgefallen, wofür sie gelebt und sie plötzlich aus dem heißen Taumel der Leiden- ; ichaft erwachte, versuchte sie wahnsinnig zu werden j und ward fromm. Da verfluchte sie das, was - sie geliebt und kniete willenlos vor dem, daS sie ehe- - mals mit Füßen getreten. Sie wandte sich ab von der Natur und ihrer frommen Sprache, die sie niemals verstanden, und gab sich hin an die herkömmliche Ord- nung und daS Wort geheiligter Satzung, das sie auch

. nicht verstand. Da verschwanden die üppigen Gemälde Koketterie der Statue mehrere erbauliche Stellen, um s von Den Wänden, und an der einen Wand nahm ein . sich bei ihr in ein gutes Licht zu setzen. Die Statue ! Bktpult Platz, an der andern ein Bücherschrank. Ganz : oben auf dem Schranke stand eine Reihe schwarzer Bücher. Die hatten eine hohe Stellung uud waren mit einem Goldschnitt versehen, denn sie waren fromm, zumal eines, das an der Ecke stand. Das ragte über die anderen alle hervor, war prächtig gründen und

hatte silberne Klammern.

Die kleine Statue war der einzige Rest ans der alten Zeit; man hatte sie vergessen. Auf einem schwe- benDen Piedestal, das nicht weit von dem Schranke in der Wand befestigt war, stand sie und vertrauerte ihre Tage. Es war Alles so öde und dumpf, so unerquick­lich und trostlos, was in den Zimmern vorging; wenn aber durch die dichten Fenstervorhänge vereinzelte Na­turlaute sich durchftahlen, wenn die nicht ganz erloschenen Erinnerungen aus früheren Tagen wieder auftauchten, dann erwachte in ihrem Herzen eine Ahnung von Früh- ling und Liebe, die sie nimmer sich deuten konnte. Sie war sehr unglücklich, die kleine Statue, und wäre gen, gestorben.

Das Gebetbuch betrachte inzwischen das schöne Hei- denkind keineswegs gleichgiltig, und es kann nicht ver- schwiegen werden, daß diese Betrachtungen nicht durch­aus zu den frommen gehörten. Ihm wurde ganz warin dabei, und es machte sich dann einen Haken nach dem andern auf, blätterte W auf, und zeigte mit einiger

achtete das wenig.

Da faßte bas Gebetbuch den hochherzigen Entschluß, die schöne Heidin erst zu ehelichen, und demnächst zu bekehren. Also sprach es eines schönen Morgens zur Statue:

Liebliches Heidrnkind, wie bin ich doch so besorgt um Dein Seelenheil! Du weißt wohl gar nicht, wel­chen gefährlichen Standpunkt Du einnimmst? Du schwebst ja gleichsam in Der Luft, Du hast keine feste Basis.

Die Statue sah verwundert auf, als sie so ange« redet wurde, und sprach dann:

Ei nun, fest genug stehe ich schon, aber so ein­sam, so sehr einsam.""

Wie das schwarze Buch das vernahm, ging es mit vollen Segeln auf sein Ziel los.

O, sprach es, da ist Dir zu helfen. Siehe, »a- bin ein sehr vornehmer Staatsbeamter; ja, ich bin sogar einmal in kaiserlich russischen Diensten gewesen, wie Du an den Schwielen auf meinem Rücken sehen kannst. Alle diese Bücher mit Goldschnitt sind meine Diener und Clienten , und Du würdest es bei mir sehr gut haben."

Aber, antwortete die Statue, wie soll ich denn zu Dir kommen?""

Du mußt mich heirathen," sagte daS Buch.