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âeiherr und Nrehl!^

^ ^0^, Wiesbaden. Sonntag, 22 December ,««

Einladung zum Abonnement.

Mit Ende des Jahres beginnt ein neues Abonnement auf die .Freie Zeitnng-. Tendenz und Haltung unserer Zeitung M belannt Die stets zunehmende Erweitrrnng ihres Lesekreises ist ihr eine Anregung zn fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie Wer wird Sei lich in Leit- und UebersichtSartikèln , in Berichten über die Ständesitznngen, AUsen nnd sonstigeil in den freien Institutionen begründeten Bet. Handlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des Zn- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korresvondenten noch lebhafter als bisher unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton brinaen

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinende .Freie Zeitung' wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Ervcdüion (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Inserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr

Wiesbaden

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Auf den herannahenden Christabend ^ freuen sich Tausende, Jung und Alt, < während viele Hunderte kaum die Mittel besitzen, sich die allernothwendigsten ^ Lebensbedürfnisse anzuschaffen. Auch $ diesen könnte und zwar diesmal auf

eine äusserst leichte und nicht im ge- ^

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längsten belästigende Weise, eine Freu­de gemacht und geholfen werden, ja es wird dadurch vielleicht manche Thräne getrocknet, mancher stille Gram unterdrückt werden können. Für die Verpflegung der kön. preuss. Truppen wird eine nicht unbedeutende Summe unter die hiesigen Bewohner zur Vertheilung kommen ; für den Eiu-

zelnen ist der Antheil sehr gering, er -4. beträgt vielleicht 36 kr., im Ganzen ^ â ist die Summe jedoch nicht unbedeu- ^ tend, es sind beinahe 2000 ü. Wenn

4 nun der vermögendere Theil der hie- H. sigen Bewohner auf diese Vergütung * ^ Verzicht leistete und dieser hoffentlich * 4- nicht unbedeutende Betrag unter die

ärmeren Mitbewohner zur Vertheilung H. 4- käme, so könnte, wie erwähnt, Man- O- * ehern eine Freude bereitet und Man-

eher vielleicht für den Augenblick aus

^ grosser Noth befreit werden.

Man erlaubt sich daher folgenden

Vorschlag:

»Es unterzeichnen sich entweder

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die Verzichtleistenden in einem Hefte, welches die Redaction ge- wiss die Güte haben wird aufzu- legen, oder, was von noch gewis- ^ serem Erfolg sein dürfte, der J wohllöbliche Gemeinderath schickt ^ Listen herum, in welche die Ver- zichtleistenden nur ihren Namen zu -4-

schreiben haben.«

Auf diese Weise könnte durch eine blose Namensunterschrift gewiss viel Gutes geschehen. *

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* Die «Freie Zeitung» schliesst sich diesem men- / schenfrcundhchen Aufrufe mit der grössten Bereit- E Willigkeit an. Wir legen gern eine Liste der Ver- 7 zichtlcistenden auf, um dieselben von Tag zu Tage £ '4° zu öffentlicher Kenntniss zu bringen, obwohl es auch 7 uns zweckmässiger, weil das Interresse der Sache V V fördernder erscheint, wenn der Gemeinderath sich v v dieser schönen Idee annehmen wollte, wobei wir v nicht unterlassen wollen, darauf hinzuweisen, dass V fast in allen Städten Norddeutschlands von Privaten ^ oder Vereinen ein Christbaum für Alle, denen da- ^ ^ heim kein solcher angezündet wird, veranstaltet zu "4° ^ werden pflegt. Als Zeit der Beschcerung schlagen ^ ^ wir den zweiten Feiertagabend vor, wo der ganzen ^ 4' Bürgerschaft, jung und alt, dadurch eine heitere, echt ^ humane Stunde bereitet werden könnte. Die Zeit *^ 4 drängt zwar, aber Gutes zu thun und niitzutheilcn, ^ ist nie zu spät. Die Red. der »Fr. Zeitung*. 0*

Nur Muth!

X Bald sind jetzt drei Jahre verflossen, verflogen mit Sturmesgewatl, seit es in Deutschland temokrati- scheGlätter und demokratische Parteien gibt. Eine demokratische Presse und eine demokratische Partei, streng genommen, gibt eS in Deutschland noch nicht.' Wir waren daran, die eine durch Die andere zu bil­den ; aber aus den großen Demokratenkongressen zu Berlin und Frankfurt zeigte es sich nur zu deutlich, daß bis dahin noch viel Wasser den Rhein hinab lau­fen werde. Machen wir uns keine Illusionen; sagen wir rund heraus, wie es ist. Nur die Wahrheit wird uns frei machen. Wenn einer der Wahrheit die Ehre zu geben hat, so ist es ein demokracsscheS Glatt; wenn einer die Wahrheit zu hören und zu befolgen prinzi­piell schon verpflichtet ist, so sind es die Demokraten. Aber haben sie immer das rechte Wort zu rechter Stunde gern vernommen und freudig ausgeführt? Dann wären wir weiter, als wir heute sind.

Doch Geduld! üiom ist auch nicht in einem Tage gebaut. Wir haben viel verfehlt, oft gefehlt, entsetz­liche Thorheiten begangen in Masse ; doch wir haben auch zugleich sehr viel gelernt, mehr als alle unsere Gegner, mehr als unsern Feinden lieb ist. Ler­nen wir auch noch, daß wir es noch nicht einmal zu einer Partei gebracht haben, so wird das Erlebte noch besser ftmchMi.^ ^. ...

Zu einer Pareei geyort nicht blos eine Masse von Köpfen, wo es heißt: viel Kopfe, viel Sinne; zu einer Partei gehört nicht blos Vertrauen in die Bortress- lichkeit des Parteizweckes; es gehört noch etwas mehr dazu! EinePartei"wird erst eine Partei, wenn sie eine Anzahl von treuen Anhängern zählt, wenn in diesen Anhängern ein Geist, ein Herz und ein Ziel lebt, wenn dieser Geist ein allgewaltiger, dieses Herz ein erhebendes, dieses Ziel ein hohes, zukunft- reiches ist. Die Demokratie, richtig verstanden, in ihrer ganzen Höhe und Tiese erfaßt, ist ein solches Ziel; sie zählt folger Herzen viele zu den ihrigen, sie hat eine Fülle von Geist. Alle achten Talente, alle ehrlichen Gemüther, alle wahren Patrioten gepöreu ihr. Hätten ihre Gegner solche Talente, solche Ueberzeugung, fürwahr, wir wären längst vernichtet! Und hätte die Demokratie über solche materiellen Mittel zu verfügen, wie ihre Widersacher , wahrlich, ihr gehörte nicht blos die Welt, sie hätte dieselbe auch längst schon erobert!

Was nicht ist, kann noch werden! Ja cs wird und muß werden; aber Schritt vor Schritt. Es ist ein llnglück für uns als Individuen, daß der Absolutis­mus so hart, so schonungslos verfährt; ein Unglück für die Demokratie jedoch ist diese Feuerprobe nicht. An der Uebermacht, die eine organisirte Partei hat, werden die Völker lernen, sich auch zu örgantsiren. Die Feinde des Volkes haben sich als Partei organisirt; darin beruht jetzt ihre Stärke. Sie wären nie dahin gelangt, wenn die Demokratie ihnen darin zuvorge- kommen wäre. In Frankfurt war die Gelegenheit dazu; im Vorparlament bet sich der Moment: als die­ser verpaßt, war Alles verpaßt; die Demokratie mußte von vorn anfangen. Kein Wunder! Sie war nur erst eine Idee, eine Idee Weniger sogar noch, ein Em­bryo, doch noch kein ausgetragenes politisches Wesen.

Die Demokratie hat von der Pike zu dienen an. gefangen. Eine schwere Schule hat sie durchgemacht und sie ist noch mitten darin. Daß ihr diese nicht ge­schenkt werben würde, darüber haben wir uns keine Illusionen gemacht. Viele aber haben geträumt, sie hät­ten das Ziel schon erreicht. Das müßte ein kleines Ziel sein, das der erste Beste so im Sturm, soim Schatten kühner Denkungsarten", so auf der Gierbank erhaschen könnte. Um solch ein Ziel zu leiben, zu ringen, zu jagen, wäre wahrlich nicht der Mühe werth.

Es giebt der Jllusionspolitiker in keinem Lande mehr, als zwischen Rhein und Oder, zwischen Alpen nuv Nord- und Ostsee. Was ist das Wesen dieser

Leutes Jm Glücke Uebermuth, im Unglück llninutp und dann Gehenlaffen wie's Gott gefallt! Es hat nie ein übermüthger Völkchen gegeben, als diese Maul­patrioten, denen selbst als schon Alles verloren war, worauf sie pochten und trotzten, noch der Himmel voll Geigen hing, und die, als die Demokratie wirklich in der Nation Wurzel faßte, als sie einen schweren, doch einen zukunftreichen Sieg nach dem an­dern erfocht, den Kopf hängen ließen und den Wald vor Bäumen nicht sahen. Es war schwer mit diesen braven Leuten, aber schlechten Musikanten, ausznkom- men ; jeder fühlte sich einen Held, bis die schönen Tage von der Parteifarbe vorüber waren: da entstand bei manchen ein gewaltiges Kopfschütteln. Wer sich be» rauscht, darf über Katzenjammer nicht klagen.

Freilich, mancher unter diesen Jllusionspolitikern ist in sich gegangen, mancher hat sich vertieft, mancher hat mit Thränen der Rührung gesprochen, wie jener Bauersmann, der, als ihm die rothe Kokarde vom Hur gerissen wurde, nach der ersten Ueberraschung die Hanv auf die Brust drückte und sagte:Nun, wenn's Herz nur roth ist !" Die Deutschen haben zum ersten Male in Masse einzusehen angefangen, daß Uebermuth sich für Knaben, Unmuts für Memmen ziemt, doch nicht für Männer. Muth, Muth, Muth! das ist'S, was zum Ziele führt. Der Muth braust nicht auf ohne Ursache, er läßt nscht nach, wo es Nachhaltigkeit gilt, er will nicht prahlen, nicht aufschneiden, nicht Herr- schen; der Muth will Alles, was er kann, Alles, was er muß! Er will Alles tragen, was ertragen werden muß, bis die große Sache siegt; er will Alles thun, was geschehen muß zu diesem Siege; er überstürzt nichts, er überspringt nichts, er spricht das echt demokratische Wort:Frisch vorwärts und fang von vorn wieder an, denn wenn's so nicht geht, so muß eS anders gehen; gehen aber muß es!Uno so geht's in Nordamerika, so wirds auch bei uns gehen. Nur Muth! und die Demokratie, die jetzt lernt, wie der Sraat und die Gesellschaft nicht sein soll, wird bald auch lernen, wie er fein soll, und daß zu dem Wie mehr als Redensarten, Fahnen und Bauder gehören. Auch Symbole sind gut, Feste und fröhliche Vereine schmücken das Volksleben; aber mir ist der Kopf lieber, als der Hut, die Schale weniger werth, als der Kern. Die Demokrarie wird lernen, sich zu organisiern , sich als Partei zu konstitniren und wie nach einem Ziele, so auf einem und demselben Wege nach demselben zu trachten.

Ist das gefährlich? Nicht doch ! Die Demokratie ist wie das Christenthum: sie verschmäht das Kopfzusam- inensteckeii und Konspirlren. Noch mehr: sie braucht eS nicht! Auf den Dächern ihre geheimsten Pläne pre­digen zu können, das ist ihr Stolz und das die Ver­zweiflung ihrer Feinde. Zu jesuitischen Zwecken braucht man jesultlsche Institutionen. Ich habe nie mit denen gestimmt, welche der Demokratie eine ähnliche Taktik wünschen. Nein, unsere Organisation ist eine höhere: die Einhelligkeit, Die Emmüthigkett aller guten Köpfe, tapfern Herzen und gesunden Gliedmaßen, das ist es zunächst, was wir zu erstreben haben. Diese Eintracht macht stark und sie schafft sich dann von selbst die rechten Brennpunkle, die besten Organe. Die Vereine, die Blätter, welche dieser kämpfenden politischen Ge­meinschaft, dieser ungeschlossenen Gesellschaft, dieser Gemeinde freier Geister dienen, sind nicht zu vertilgen, da es bei ihnen nicht auf Die Form, sondern auf den In­halt, nicht auf Die Parade, sondern auf den heiligen Ernst abgesehen ist. So hat das Christenthum die Welt besiegt, so hat sich dann aus ihm die Aufklärung entwickelt trotz Acht und Aberacht, und so wird sich aus der theoretischen Aufklärung die praktische, Dev aanze moderne Staat entfalten, trotz alledem und alledem! Es ist eine schwere Zeit, in der wir leben; einer noch schwereren gehen wir entgegen; doch nur unverzagt: dem Mukhigen gehört der Sieg'